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Bilder und Vorurteile

Gruppenstunde | Alter: 10-15 | Aufwand: niedrig

Hintergrund

In unseren Köpfen entstehen Bilder von Menschen. "Ich mache mir ein Bild von Dir" - viele kleine Facetten lassen so ein Bild von einem anderen Menschen in meinem Kopf entstehen. Ich kenne dieses Bild und glaube deswegen, dass ich den anderen kenne. Aber von Zeit zu Zeit muss ich dieses Bild ummalen. Plötzlich erkenne ich neue Facetten in dem Bild, oder die Person tut etwas, was ich gar nicht erwartet hätte und mein Bild von ihr wird plötzlich gänzlich zerstört. Dasselbe gilt auch für die Urteile, die ich mir über Menschen bilde. Bilder sind Urteile, manchmal Vor-urteile. Vorurteile sind mitunter lebensnotwendig.

Ziel

Sich bewusst zu werden, dass diese Bilder von Menschen eben nur Bilder sind und nicht den ganzen Menschen zeigen. Dass unsere Urteile über Menschen oft nur vorläufige Urteile, also Vor-urteile sind. Deshalb muss ich darauf gefasst sein, dass ich in manchen Situationen draufkommen kann, dass mein Bild mit der Realität gar nicht 100%ig übereinstimmt, dass mein Vorurteil nicht passt. Die Kinder sollen aber auch sehen, dass man ohne Bilder und Vor-urteile nicht auskommt. Wir brauchen sie, um uns in der Welt orientieren zu können. Aber wir sollten vorsichtig mit ihnen umgehen.

Material

  • Plakat und Stifte
  • Kartonfiguren mit Beschreibung der Beziehung zu Alexandra
  • Papierstreifen mit Vorurteilen

Aufbau

Mit den folgenden Ideen kannst du 2 Gruppenstunden für Jügere gestalten, 3 Gruppenstunden für Ältere (die letzte Stufe ist nur für Ältere)

 

In der vorhergehenden Gruppenstunde...


...bittest du die Kinder, Bilder von bekannten Personen (Stars, Prominente, Personen, die alle Gruppenmtglieder kennen) mitzubringen. Sie sollen aber den anderen Kindern nicht verraten, wessen Bild sie mitnehmen.

Stufe1


Was wäre die Person, wenn sie ... wäre?


Wir halten Personen gerne auf Bildern fest, um bestimmte Situationen in Erinnerung zu behalten. Wir verwenden aber auch oft sprachliche Bilder, um andere Personen zu beschreiben: "Der ist wie der Elefant im Porzellanladen", "eine beleidigte Leberwurst", "eine blöde Ziege", "stolz wie ein Adler", "diebisch wie eine Elster", "eiltel wie ein Pfau" - oder: "der hat ein Brett vor dem Kopf", "der steht unter'm Schlapfen", "der lauft an, wie ein Paradeiser", "ein Mauerblümchen" u.v.m

Darum geht es nun:
Ein Kind sucht sich eines seiner mitgebrachten Bilder aus (Du hast natürlich selbst auch Bilder vorbereitet, damit genügend vorhanden sind und es nichts ausmacht, wenn ein Kind vergessen hat, welche mitzubringen) und legt es verdeckt vor sich hin. Diese Person soll es nun in "Bildern" beschreiben: Die anderen Kinder fragen das Kind, dessen Bild in der Mitte liegt, folgendermaßen nach der gesuchten Person:

"Was wäre die Person wenn sie ein Tier wäre?"

(oder was wäre die Person, wenn sie ein Land wäre, eine Speise, eine Pflanze, ein Auto, ein Buch, ein Lied, eine Landschaft, eine Baum, eine Farbe, eine Speise, ein Monat, ein Ort,... - wenn sich die Kinder anfangs schwer tun, kannst du ihnen mit diesen verschiedenen Fragevorschlägen helfen)

Die Person wird nun auf diese Weise immer näher beschrieben: "Meine Person wäre ein Löwe, rot, Champagner und der sommer...". Die Antworten schreibst du stichwortartig auf einem Blatt Papier mit, sodass ihr euch nicht alles merken müsst. Die Kinder raten solange, bis die gesuchte Person gefunden ist. (Es geht nicht darum, wer sie als erste/r findet, sondern alle miteinander versuchen herauszufinden, um wen es sich handelt.) Dann kann der/die nächste eine bekannte Persönlichkeit beschreiben.

Für Ältere: Wenn sich deine Kinder gut kennen und verstehen, kannst du den Kinndern nach gewisser Zeit vorschlagen (vielleicht fällt ihnen das ohnedies selbst ein), auch jemanden aus der Runde zu beschreiben. (Das ist sehr persönlich; es soll niemand dabei gehänselt werden! Das solltest du nur tun, wenn du annähernd sicher bist, dass die Stimmung passt und keiner sekkiert werden wird.)

Klammer-urteile


Wir machen uns Bilder von Menschen, indem wir das beurteilen, was wir von ihnen sehen. Wie Menschen sich verhalten, beeinflusst unser Urteil über sie.

Ihr teilt euch in 3 Gruppen. Jede Gruppe bekommt von Dir eine Szenenbeschreibung (für Ältere solltest du dir andere Situationen überlegen, die mit deren Lebensrealität zusammenhängen):

Die Kinder treffen sich Samstag nachmittags auf dem Eislaufplatz. Dort treffen sie auf ihre Englischlehrerin, Frau Professor Neuhold. Sie ist offenbar mit ihren beiden Kindern ebenfalls eislaufen. Petra fährt über den Eislaufplatz auf sie zu, um sie zu begrüßen, doch Frau Lehrerin Neuhold fährt, ohne sie zu beachten, in die andere Richtung weiter.

Zlatko möchte sich in der Pause von Alexandra den Taschenrechner ausborgen, um ihre Hausübung für die darauffolgende Mathematikstunde zu machen. Doch die weigert sich, den Taschenrechner herzuborgen.

Einige Kinder treffen sich am Nachmittag bei Elisabeth, um untereinander ihre neuen Computerspiele herzuzeigen, auszuprobieren und auszutauschen. Doch es kommt nicht dazu, weil Frederic ununterbrochen Witze erzählt und alle anderen zum Lachen bringt.

Die Kinder sollen in 3 Gruppen je eine Szene vorbereiten und sich auch üerlegen, was der Grund für Frau Professor Neuholds, Alexandras und Frederics Verhalten ist, was zuvor passiert ist - z.B. hat Frau Professor Neuhold mit ihrem Ehemann gestritten, ist Alexandra in Zlatko verliebt und will nicht, dass er's merkt u.ä. (Das sollen die anderen aber noch nicht wissen!)

Nun spielt Gruppe 1 ihre Szene vor. Die anderen Kinder sehen zu und sollen diese Szene beurteilen: Was halten sie von Frau Professor Neuhold? Weil wir aber wissen, dass man mit dem Urteilen über andere Menschen vorsichtig sein sollte, schreiben die Kinder ihre Urteile vorerst nur in Klammer auf ein Plakat mit den Umrissen von Frau Professor Neuhold. Das zeigt, dass wir uns nicht 100%ig sicher sind, ob unser Urteil ihr auch gerecht wird.
Dann versuchen die Kinder zu erraten, was denn der Grund, was die konkrete Vorgeschichte gewesen sein könnte, warum sich Frau Professor Neuhold so verhalten hat, indem sie an die rollenspielende Gruppe Fragen stellen, sie mit ja und nein zu beantworten sind. Was könnte vorher passiert sein? Hat sie ihre Brille vergessen? Hat sie an etwas anderes gedacht? Ist sie verliebt? Mag sie Petra nicht?... Da es natürlich unendlich viele Möglichkeiten gibt, sollte die spielende Gruppe nach einiger Zeit doch Hinweise geben, damit es nicht zu schwierig wird. Aber lasst euch ruhig Zeit beim Phantasieren - wir wollen ja merken, wieviel verschiedene Hintergründe eine Situation haben kann! Wenn du in die Geschichte eingeweiht bist, dann kannst du den ratenden Kindern besser behilflich sein. Auch die Frage "Ist die Situation eher realistisch oder unrealistisch?" kann helfen, wenn sich die Gruppe eine sehr phantasievolle Vorgeschichte ausgedacht hat.

Nachdem wir den "wahren Hindergrund" nun wissen, überlegen wir uns, ob wir unser Urteil beibehalten, oder ob sich in unserem Bild über Frau Professor Neuhold etwas ändert. Wir prüfen unsere "Klammer-urteile": denken wir noch immer so über Frau Professor Neuhold? Wir können Urteile durchstreichen, verbessern, ein neues hinschreiben... Gut, dass wir vorher nur "in Klammer" geurteilt haben. Das macht es leichter, ein Urteil zu verändern. Das sollten wir auch bei den neuen Einschätzungen tun.

Dasselbe machen wir nun mit den beiden anderen Situationen.

So entstehen 3 Bilder, die zeigen wie wir Frau Professor Neuhold, Alexandra und Frederic beurteilen, wie wir sie einschätzen, welches Bild wir von ihnen haben. Wir sollten aber nicht vergessen, dass sich auch diese Bilder ändern können.

Stufe 2


Vor-urteile


Welche Bilder wir uns machen, hängt auch davon ab, welche Erfahrungen wir mit bestimmten Menschen schon gemacht haben. So macht es einen Unterschied, ob Frau Professor Neuhold auch in der Schule niemanden grüßt, ob Alexandra eigentlich sonst immer alles/oder nie etwas herborgt oder ob Frederic ein eher lustiger oder ein eher stiller Bub ist. Je nach Vor-urteil fällt unser Urteil in einer bestimmten Situation aus.

zum Beispiel: Alexandra:
Das Bild von Alexandra wird in die Mitte gelegt. Jedes Kind bekommt eine Kartonfigur mit Gedankenblasen und Namen, auf deren Hinterseite steht, welche Beziehung sie zu Alexandra hat:
Franz: er kennt Alexandra schon vom Kindergarten her und wohnt auch im selben Haus wie sie; sie sind die besten Freunde. Die beiden haben es immer sehr lustig miteinander. Sie haben gemeinsam eine Witzesammlung angelegt.
Louis: er ist in Alexandra verliebt. Er findet, dass Alexandra ein lustiges Mädchen ist. Sie erzählt ihm immer die neuesten Witze. Vorgestern hat sie ihm erzählt, dass sie oft mit ihren Eltern streitet.
Martin: er ist in Alexandra verliebt und ist eifersüchtig auf Louis, weil er weiß, dass er auch in Alexandra verliebt ist. Louis weiß aber nichts von Martins Liebe. Martin befürchtet, dass Alexandra auch in Louis verliebt ist.
Sabrina: sie mag Alexandra nicht so gerne, weil sie "wegen jeden Schmorrn heult"; außerdem ist Sabrina in Martin verliebt. Und Alexandra hat ihr schon einmal einen Burschen weggeschnappt, in den sie verliebt war.
Simone: bei ihr heult sich Alexandra immer aus, wenn sie Probleme hat. Sie kennen sich seit dem Kindergarten und lesen beide gerne Pferdebücher. Sie weiß als einzige, dass Alexandra in Zlatko verliebt ist.
Bernd: er weiß, dass Alexandra in ihn verliebt ist, will aber nicht mit ihr gehen. Ihm gefällt Simone besser. Aber Alexandra tut ihm leid, weil vor ein paar Tagen ihr Hund gestorben ist.
Zlatko: er bewundert Alexandra, weil sie gut in Mathematik ist, ohne viel zu lernen. Er sitzt neben ihr in der Schule, weiß aber nicht viel von ihr.
Dragana: sie ist die Schwester von Zlatko und weiß als einzige, dass Zlatkoin Alexandra verliebt ist. Sie würde ihren Bruder gerne mit Alexandra verkuppeln, weil sie sich gut mit Alexandra versteht.

Wenn du mehr Kinder in der Gruppe hast, lässt du dir eben noch andere wichtige Personen einfallen. (Bei Älteren solltest du dir andere Beschreibungen überlegen - ohne Pferdebücher und Witzesammlung, stattdessen gemeinsame Discobesuche oder CD-sammlung u.ä.; das Thema Liebe ist hier aber wohl genauso aktuell!)

Dann erzählst du: Dragana, Zlatko, Bernd, Simone, Sabrina, Martin, Louis und Franz sind bei Alexandra auf deren Geburtstagsparty, einem Gartenfest, eingeladen. Alle feiern lustig. Irgendwann im Verlauf des Festes ist Alexandra verschwunden. Zlatko sieht sie durchs Wohnzimmerfenster vor dem Hauseingang sitzen und weinen. Er weist die anderen darauf hin, dass Alexandra draußen sitzt und weint.
Nun soll jedes Kind in die Gedankenblasen seiner Kartonfigur schreiben, was es sich angesichts dieser Situation als Erstes denkt.

Die Figuren weredn zu "Alexandra" gelegt. Dann betrachten wir die unterschiedlichen Gedanken:

  • Was fällt uns auf?
  • Was erstaunt uns?
  • Was verstehen wir nicht?
  • Welchen Eindruck haben wir von den einzelnen Figuren?
  • Warum reagieren sie vielleicht so?


Wie denken die einzelnen Kinder über Alexandra?


Für die letzte Frage hast du für jede Kartonfigur einen kleinen Zettel vorbereitet, in die du das jeweilige Urteil schreibst, das eurer Meinung nach Zlatko, Sabrina, Louis, Marin, Dragana, Franz, Bernd und Simone von Alexandra hatten, bevor sie zu weinen begonnen hat:

    Alexandra ist eine Heulsuse
  • Alexandra hat gestritten
  • Alexandra ist unglücklich verliebt
  • Alexandra weint wegen ihren Eltern



Das sind Vor-urteile: also Urteile, die man über jemanden gefällt hat, bevor man mit ihm eine neue Situation (Alexandra weint) erlebt.
Dann erzählen wir einander noch, welche Vorgeschichte jede der einzelnen Figuren mit Alexandra hatte.
Wir sehen - die Vorgeschichte mit Alexandra hat das Urteil und die Reaktion jedes einzelnen beeinflusst!

Stufe 3


"gute" und "schlechte" Vorurteile (für Ältere)


So wie Martin und Louis ein "gutes" Vorurteil über Alexandra haben ("Die ist so nett, dass ich mich in sie verliebe."), so wie Simone ein "schlechtes" Vorurteil hat ("Die ist eine Heulsuse!"), haben wir auch "gute" und "schlechte" Vorurteile. Prüfen wir bei den folgenden Vorurteilen, ob sie gut oder schlecht sind. Vorurteile sind Behauptungen, die man eigentlich und objektiv noch nicht oder niemals sicher wissen kann. Vorurteile sind Urteile über Menschen oder "das Leben", die auf dem gründen, was wir bereits erlebt haben. Es gibt begründete Vorurteile (Wenn mir jemand bis jetzt immer aufmerksam zugehört hat, darf ich begründeterweise hoffen, dass er mir auch nächstes Mal wieder zuhört. Also lautet das Vor-urteil: "Er ist ein guter Zuhörer".) und unbegründete Vor- urteile (Wenn ich einmal mit einem Ausländer gestritten habe, darf ich noch lange nicht behaupten, dass "Alle Ausländer aggressiv sind."). Es gibt "gute" und "schlechte" Vorurteile. "Gute" Vorurteile nützen anderen Menschen und ermöglichen neue Erfahrungen, "schlechte" Vorurteile schaden Menschen.

Da hast Papierstreifen vorbereitet: auf jedem einzelnen steht ein Vor-urteil. Versucht, gemeinsam herauszufinden, ob es sich um ein "gutes" oder ein "schlechtes" Vorurteil handelt und ordnet es auf einem Plakat zu. Ihr werdet sehen, das ist gar nicht so einfach. Überlegt euch, wann solch ein Vor-urteil begründet ist und unter welchen Umständen es unbegründet ist. Und ihr werdet sehen: wir brauchen solche Vorurteile! Vor-urteile ermöglichen Orientierung.

nächste Woche gehe ich eislaufen. (Das ist ein Vorurteil, weil ich das niemals sicher sagen kann, aber damit rechnen kann ich! Es ist z.B. "gut", weil ich mich dann schon eine Woche lang darauf freuen kann. Es kann auch "schlecht" sein, wenn mit mir jemand etwas wichtiges besprechen will, und ich ihn wegen des Eislaufens ablitzen lasse.)

Zu Weihnachten werde ich viele Geschenke bekommen. ("gut": ich kann mich darauf freuen. "schlecht": ich kann aber auch enttäuscht werden, wenn das dann nicht stimmt!)

Der Papa schimpft sicher wegen meinem Fleck in Mathe ("gut": weil ich zur Vorsicht gemahnt bin - ich werde ihm das vorsichtig mitteilen, damit ich z.B. keine Ohrfeige bekomme; "schlecht": weil ich mich fürchten muss und ihn dann vielleicht auch noch anlügen muss! Schlimm - aber begründet, wenn das stimmt!)

Die neue Nachbarin schaut so böse. Mit der kann man sicher nicht reden. ("gut": wenn's stimmt, bin ich gewarnt; "schlecht": vielleicht war sie heute nur grantig und ist sonst ganz nett! Dann versäume ich vielleicht etwas!)

Alle Lehrer/innen sind ungerecht. ("Schlecht": weil es alle in einen Topf haut und verallgemeinert. Da hat dann der beste Lehrer keine Chance. Begründet, wenn jemand wirklich ungrechte Lehrer hat.)

Alle Buben sind blöd. ("Schlecht", wie jedes Vorurteil, das veralgemeinert.)

Dem Dragen kann man nichts erzählen, der sagt alles weiter. ("Gut": ich schütze meine Geheimnisse; "schlecht": ich vertraue dem Dragan nicht! Begründet, wenn er das wirklich tut. Unbegründet, wenn er das ein einzges Mal gemacht hat oder das die anderen von ihm behaupten.)

Die Jugoslawen nehmen uns die Arbeitsplätze weg. ("Schlecht": eine "Milchmädchenrechnung", die nicht stimmt; sie vereinfacht schwierige Zusammenhänge und macht die Jugoslawen zu Sündenböcken. Wäre begründet, wenn alle arbeitslosen Österreicher/innen jene schlecht bezahlten Hilfsarbeiten machen würden oder wollten, die Ausländer aus Ex-Jugoslawien meistens machen bzw. für die sie in den 70iger Jahren sogar eigens geholt wurden: Bauwesen, Tourismus, Reinigungskräfte,... Unbegründet, weil die Arbeitslosigkeit in Österreich andere Wurzeln hat: Rationalisierung der Wirtschaft durch Computertechnologie, Konkurrenz durch EU und Billiglohnländer, Frauen brauchen verstärkt Arbeit, 50-jährige werden gekündigt und nicht wieder eingestellt, weil sie zu alt sind,...)

Die ist mir sympatisch! ("Gut": sonst würd ich nie Freund/innen gewinnen!; "schlecht": ich kann enttäuscht werden.)

Ich ziehe mich warm an, weil es draußen kalt ist. ("Gut": weil ich sonst erfrieren würde!)

Diese Turnübung mache ich nicht, weil ich sie nicht kann. ("Gut": weil ich mich nicht überfordere; "schlecht" weil ich so vielleicht nichts Neues lerne).

Im Sommer mache ich einen Tenniskurs. ("Gut": auch ohne sicher zu sein, was im Sommer tatsächlich passiert, muss ich meine Zeit irgendwie einteilen und planen!; "schlecht": ich kann mir durch zu fixe Pläne viel verbauen.)

Der Ali kann ich alles erzählen! ("Gut": ich kann ihr vertrauen und habe eine gute Freundin, "schlecht": ich kann enttäuscht werden.)

Arbeitslose sind selber schuld! ("Schlecht": weil es angesichts der Zahlen und Gründe für die Arbeitslosigkeit in Österreich (s.o.) in der Tat nicht stimmt. Wer arbeitslos wird, muss sich auch noch genieren dafür!)

Der Rudi wird mir sicher helfen. ("Gut": weil ich auf Hilfe hoffen darf, mit Rudi offenbar gute Erfahrungen gemacht habe und ich einen Weg aus meiner Notlage finde; "schlecht": wenn er das nicht kann oder will.)

Es ist gut, anderen Menschen zu helfen. ("Gut": weil es Menschen gut tut.)

Ich werde immer für dich da sein! ("Gut": ein schönes Versprechen, das einem gut tut; "schlecht": es kann passieren, dass ich es nicht einhalten kann.)

Wenn du wirklich willst, wirst du alles schaffen! ("Schlecht": übt Druck aus und stimmt mit der Erfahrung nicht überein. Ein unmenschliches, brutales Vorurteil! Wollen ist wichtig, bewirkt manches, aber bei weitem nicht "alles"!)

Alle Menschen brauchen Liebe. ("Gut": wenn ich das beachte, kann nicht mehr so viel schiefgehen!)

Die schaut heute aber grantig aus! ("Gut": ich werde mich vorsichtig annähern oder ihr aus dem Weg gehen!; "schlecht": wenn ich mir das nur einbilde.)

Die Ausländer wollen sich in Österreich nur bereichern. ("Schlecht": verallgemeinert, bringt Ausländer in einen schlechten Ruf, ist durch nichts zu beweisen. Im Gegenteil: Ausländer bezahlen z.B. mehr Sozialversicherungsbeträge ein, als sie ausbezahlt bekommen - weil sie sie viele Sozialleistungen nicht erhalten, weil sie eben Ausländer sind!!!!)

Hüte dich vor dem Alexander, der lügt immer! ("Schlecht": weil es Alexanders Ruf schädigt.)

Für dich: Achtung - Liebe ist kein Vor-urteil! Liebe ist Erfahrung
"Ich liebe Dich!" - ist ein Versprechen, dass auf Erfahrung gründet.
Ich werde dich immer lieben!" - das ist ein Vorurteil!

Ihr werdet bei manchen Vor-urteilen heftig diskutieren. Manchmal ist es nicht eindeutig, ob ein Vorurteil "gut" oder "schlecht" ist. Manche sind in der Tat nur "schlecht": alle Vorurteile, die Menschen schaden und verallgemeinern oder andere zum Sündenbock machen, sind "schlecht". Aber es gibt auch Vor-urteile , die notwendig sind (meine Zeitplanung, Sympathie, mein mehr oder weniger begründetes Ver- oder Misstrauen in Menschen) und solche, die guttun, wie z.B. die Sympathie, die Hoffnung, dass mir einer hilft oder zuhören wird!

Feststeht: Wir haben Vorurteile, wir brauchen Vorurteile - und wir müssen sie immer wieder überprüfen!

Publikation: fremdsein

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Schlagwörter: Ich, Ich und die anderen