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Bruder, nicht Sklave!

Messmodelle

Hintergrund

"Bruder, nicht Sklave" haben wir diesen Gottesdienst überschrieben und so versucht, die Intentionen des Paulus in ein Schlagwort zu fassen. Selbstverständlich besitzen wir heute andere Menschen nicht mehr in dem Sinne, wie dies in der Antike und schon lange nachher der Fall war. Doch auch wir schwingen uns nicht setzen zu Herrn über andere auf, erwarten von ihnen, dass sie uns "wie Sklaven" dienen und für uns bereit sind.

Material

  • Zettel
  • Stifte
  • Große Schachtel (Mit braunem Packpapier überzogen)

Aufbau

Die dazu gestalteten Elemente sind:

  • Nach der Begrüßung bzw. nach dem Gloria
  • Vor der Lesung
  • Nach der Lesung
  • Fürbitten

 

Bibelstellen

2. Lesung: Phlm 9b-10.12-17

Lieber Bruder! Ich, Paulus, ein alter Mann, der jetzt für Christus im Kerker liegt, ich bitte dich für mein Kind Onesimus, dem ich im Gefängnis zum Vater geworden bin.
Ich schicke ihn zu dir zurück, ihn, das bedeutet mein ganzes Herz. Ich würde ihn gern bei mir behalten, damit er mir an deiner Stelle dient, solange ich um des Evangeliums willen im Gefängnis bin.
Aber ohne deine Zustimmung wollte ich nichts tun. Deine gute Tat soll nicht erzwungen, sondern freiwillig sein. Denn vielleicht wurde er nur deshalb eine Weile von dir getrennt, damit du ihn für ewig zurückhältst, nicht mehr als Sklave, sondern als weit mehr; als geliebten Bruder. Das ist er jedenfalls für mich, um wie viel mehr dann für dich, als Mensch und auch vor dem Herrn. Wenn du dich mir verbunden fühlst, dann nimm ihn also auf wie mich selbst!

Evangelium: Lk 14, 25-33

In jener Zeit, als viele Menschen Jesus begleiteten, wandte er sich an sie und sagte: Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein.
Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein. Wenn einer von euch einen Turm bauen will, setzt er sich dann nicht zuerst hin und rechnet, ob seine Mittel für das ganze Vorhaben ausreichen? Sonst könnte es geschehen, daß er das Fundament gelegt hat, dann aber den Bau nicht fertigstellen kann. Und alle, die es sehen können, würden ihn verspotten und sagen: Der da hat einen Bau begonnen und konnte ihn nicht zu Ende führen.
Oder wenn ein König gegen einen anderen in den Krieg zieht, setzt er sich dann nicht zuerst hin und überlegt, ob er sich mit seinen zehntausenden Männern dem entgegenstellen kann, der mit zwanzigtausend gegen ihn anrückt? Kann er es nicht, dann schickt er eine Gesandtschaft, solange der andere noch weit weg ist, und bittet um Frieden. Darum kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet.

Hintergrund 2. Lesung:

Onesimus


Der Anlass für den Philemon Brief ist ein für die damalige Zeit sehr aktuelles Ereignis. Ein Sklave namens Onesimus war seinem Herrn, Philemon entflohen. Wir wissen heute nicht mehr, warum er das getan hat: Wollte er "nur" seine Freiheit, wurde er schlecht behandelt, oder hat er ein Vergehen begangen, z.B. Betrug oder Diebstahl, und wollte sich der Entdeckung und Strafe entziehen?

Sklaven


In der Antike waren Familie und Gesellschaft entscheidend durch das Sklavenwesen geprägt. Je nach deren Fähigkeiten verrichteten sie die vielfältigsten Tätigkeiten, die von schwersten Arbeiten unter unmenschlichen Bedingungen bis zu Aufgaben als Pädagogen, Ärzte oder Verwalter reichten. Jedoch wurden Sklaven nicht wie Personen behandelt, sondern galten als Besitz. Sie wurden in den Inventarlisten angeführt. Insofern waren sie weitgehend der Willkür ihrer Besitzer ausgeliefert. So sahen viele Sklaven in der Flucht oft den letzten Ausweg. Für die Eigentümer bedeutete das einen beträchtlichen Verlust und es kam häufig vor, dass sie den Flüchtigen steckbrieflich suchen ließen. Wurde ein entflohener Sklave wieder gefasst, drohten ihm strenge Strafen, meist Schläge, Fesseln, Brandmarkenden und ähnliches. Nur selten und unter erschwerenden Umständen wurde er getötet. Für einen solchen aufgegriffenen Flüchtling bzw. für einen Reumütigen war es sehr wichtig, einen einflussreichen Fürsprecher zu finden, der sich bei seinem Herrn für ihn einsetzte. Der Philemon Brief ist das Dokument einer solchen Fürsprache.

Paulus gefangen


Der Herr des Sklaven ist der angesprochene Philemon, ein reicher, von Paulus bekehrter Grundbesitzer in Kolossa. - Paulus erwähnt in seinem Brief mehrmals, dass er im Gefängnis ist. Dafür kommen grundsätzlich drei Orte in Frage, nämlich Rom, Cäsarea (am Meer) und Ephesus. Überwiegend nimmt man zurzeit an, dass der Brief Mitte der fünfziger Jahre in Ephesus verfasst wurde. Hier in Kleinasien hatte ein flüchtiger Sklave noch am ehesten die Chance unterzutauchen; von hier aus war es aber auch realistisch denkbar, dass ihn Paulus zu seinem Herrn zurückschicken konnte.

Das Anliegen


Bemerkenswert ist, wie Paulus mit dem Problem umgeht. Selbstverständlich ist er in den grundlegenden Denkmustern seiner Zeit verhaftet. Er stellt also nicht das Sklavenwesen prinzipiell in Frage. Hingegen macht er ganz deutlich, dass für Christen nun eine andere, eine neue Form des miteinander Umgehens angesprochen ist. Dies hat er im Brief an die Galater schon gesagt: "Es gibt nicht mehr ............ Sklaven und Freie ..........."Nun lesen wir, wie er sich das konkret denkt. Er stellt nicht das Recht des Herrn in Abrede, aber die christliche Brüderlichkeit ist das Entscheidende im Alltag.
So kommt er zunächst nicht direkt auf sein Anliegen zu sprechen, sondern sagt, dass Onesimus ihm, dem alten Mann - er ist jetzt sicher über fünfzig Jahre alt - wie ein Kind geworden ist. Im Griechischen kommt hier auch noch ein Wortspiel zum Tragen. Onesimus heißt "der Nützliche". Nun standen aber phrygische Sklaven im Ruf, besonders unzuverlässig und nicht nützlich zu sein, was durch seine Flucht bestätigt scheint. Paulus betont nun, wie wichtig und hilfreich, also "nützlich" ihm Onesimus geworden ist. Er hat ihn dazu bewogen, zu seinem Herrn zurückzukehren. Von Philemon aber erwartet er, dass er seinen Sklaven nicht mehr als solchen annimmt (und schwer bestraft), sondern in ihm den Bruder sieht.

Wie Geschwister


Wir erkennen hier die Utopie des Paulus, der zwar nicht an eine grundsätzliche Revolution der Gesellschaft denkt, der aber die christliche Brüderlichkeit so konsequent versteht, dass gerade sie zu einer grundlegenden Umgestaltung des Zusammenlebens führen muss.

Elemente für einen Gottesdienst mit Kindern


Nach der Begrüßung bzw. nach dem Gloria


nach der Begrüßung bzw. nach dem Gloria werden die Kinder angesprochen(wobei dann das Tagesgebet zur Lesung passend formuliert sein sollte):
Denkt einmal an einen ganz gewöhnlichen Wochentag. An einem solchen Tag muss jeder von uns viele Kleinigkeiten tun. Manches davon machen wir gar nicht gerne. Das könnte z.B. sein: mein Bett machen, meine Schuhe putzen, schnell etwas einkaufen gehen - und ähnliche Dinge.
Was für Sachen fallen Euch ein, die Ihr gar nicht gerne macht; Sachen, die wir - wenn nur irgendwie möglich - andere für uns tun lassen?
Die Kinder werden aufgefordert, diese Sachen jeweils auf vorbereitete Zettel zu schreiben. Diese Zettel werden dann auf eine sehr große Schachtel (Fernseher- oder Waschmaschinenkarton mit braunem Packpapioer überzogen) geklebt. Dieser Karton steht bei den Kindern.

Vor der Lesung


Vor der Lesung bedarf es einer guten Einleitung, damit den Kindern der Zusammenhang und die Vorgeschichte des Briefabschnittes verstehbar wird. Das könnte etwa so geschehen:
Es war einmal vor langer Zeit, und zwar ungefähr 20 Jahre, nachdem Jesus am Kreuz gestorben war, da lebte in der griechischen Stadt Kolossä ein Mann, der hieß Philemon. Philemon war ein Grundbesitzer, ihm gehörten also Felder, auf denen Leute für ihn arbeiteten, ihm gehörte Land, für das ihm andere Leute zahlten, damit sie darauf wohnen und Leben durften. Philemon hatte den Apostel Paulus getroffen, und der hatte ihm von Jesus erzählt, er hatte ihm genau berichtet, was Jesus alles gesagt und getan hat. Und so war Philemon ein Christ geworden.
Nun lebte damals im Haus des Philemon ein Sklave, der hieß Onesimus.
Jetzt könnten die Kinder gefragt werden, ob sie wissen, was ein Sklave ist.
Eines Tages muss irgendetwas Besonderes passiert sein. Wir wissen heute nicht mehr, was genau passiert ist. Aber der Sklave Onesimus ist davongelaufen. Vielleicht war sein Besitzer, der Herr Philemon so streng und unfreundlich zu ihm, dass Onesimus es nicht mehr ausgehaltenhat; oder vielleicht hat der Onesimus einen groben Fehler begangen und sich so vor einer Strafe gefürchtet, dass er vor seinem Herrn geflohen ist. Jedenfalls: Onesimus war fort und Philemon hat ihn gesucht. Denn Philemon hat sich gedacht: Der Onesimus gehört schließlich mir, ist mein Eigentum, der darf nicht weglaufen, der muss immer machen, was ich will.
Onesimus war also auf der Flucht. Philemon war hinter ihm her und natürlich auch die Polizei. Er ging in eine große Hafenstadt, weil er sich dort, unter den vielen Menschen, am besten verstecken und untertauchen konnte. Hier, in der Stadt Ephesus, traf er auch den Apostel Paulus und es ging ihm wie seinem Herrn. Er war von dem, was ihm Paulus über Jesus erzählte, ganz fasziniert und er wurde auch ein Christ. Außerdem blieb er bei Paulus und half ihm bei vielen Dingen. Immerhin war Paulus damals schon über fünfzig Jahre alt. Einige Zeit war Paulus sogar im Gefängnis - und da war er natürlich sehr froh, daß er den Onesimus als Unterstützung hatte. Und dann hat der Onesimus dem Paulus seine Geschichte erzählt: daß er ein Sklave ist, daß er seinem Herrn davongelaufen und jetzt auf der Flucht ist.
Was glaubt ihr, hat der Paulus jetzt gemacht?
Nun, ihr habt Euch jetzt sehr gut überlegt, was Paulus gemacht haben könnte. Wißt ihr, Paulus hat damals einen Brief an den Philemon geschrieben, an den Herrn des Onesimus, und aus diesem Brief hören wir jetzt ein Stück als Lesung:

Nach der Lesung


Paulus sagt dem Onesimus: Weglaufen ist nicht gut. Geh zurück zu Philemon. Vor allem aber sagt er zu Philemon: Du sollst den Onesimus nicht mehr wie einen Sklaven behandeln. Behandle ihn wie einen Bruder! Christen sollen einander nicht gegenseitig wie Sklaven behandeln, sie sollen miteinander umgehen wie gute Geschwister, die sich vertragen. Was Paulus dem Onesimus sagt, könnten wir uns auch vornehmen. Sachen die wir selber tun sollten, sollten wir nicht andere für uns tun lassen. Wenn wir es gemeinsam tun, wird es leichter. Onesimus und Philemon haben ja dann auch zusammengearbeitet wie gute Brüder, wenn sie den Rat des Paulus befolgt haben.
Die Schachtel als Bild für eine Last, die ein Sklave schwer schleppen kann, die aber gemeinsam leicht zu bewältigen ist.

Fürbitten


Fürbitten sind auch eine Art, wie wir Lasten gemeinsam tragen und Sorgen miteinander teilen.

Lieber Gott!
Es gibt viele Sachen, die wir gar nicht gerne machen. Das sind zum Beispiel:

Jetzt lesen einige Kinder alles vor, was auf die große Schachtel, die "Sklavenlast" geklebt wurde.

Hilf uns, daß wir diese Dinge nicht nur andere für uns tun lassen, sondern daß wir gemeinsam unsere Aufgaben erfüllen.

Im Anschluß stellen die Kinder gemeinsam die "Last" vor den Altar.

Publikation: Effata

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Lesejahr: C

Sonntag im Jahreskreis : 23. Sonntag im Jahreskreis

Schlagwort: Gottesdienst

 

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