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Vorsicht!

Messmodelle

Hintergrund

Wie wir Erwachsenen kennen auch Kinder bereits die Erfahrung des Beurteilens anderer. Wir alle sind mit Urteilen sehr schnell bei der Hand. Ziel des Gottesdienstes ist es, diesem Urteilen einen zunächst wertfreien Stellenwert zu geben. Es ist gut, "vor-sichtig" zu sein, sich über andere Menschen ein Bild zu machen, zu versuchen, vorauszuschauen, was man von anderen erwarten kann. Etwas "Schlechtes" wird dieses Urteilen und vorsichtig-sein, wenn es zu chronischem Misstrauen und unflexiblen Vorurteilen erstarrt. Die Vorsicht an sich ist zunächst wieder gut noch böse: sie hilft uns, uns im Umgang mit anderen zu orientieren: sie sieht vor.

Material

  • kaputter Fahrradschlauch mit Loch
  • Kübel mit Wasser
  • Batterie
  • Glühbirne
  • ein Ei

Aufbau

Die dazu gestalteten Elemente sind:

  • Besinnung
  • Verkündigung
  • Geschichte
  • Fürbitten

 

Bibelstellen

1. Lesung: Sir 27, 4-7

Im Sieb bleibt, wenn man es schüttelt, der Abfall zurück; so entdeckt man die Fehler eines Menschen, wenn man über ihn nachdenkt.
Töpferware wird nach der Brennhitze des Ofens eingeschätzt, ebenso der Mensch nach dem Urteil, das man über ihn fällt. Der Art des Baumes entspricht seine Frucht; so wird ein jeder nach seiner Gesinnung beurteilt.
Lobe keinen Menschen, ehe du ihn beurteilt hast; denn das ist die Prüfung für jeden.

Evangelium: Lk 6, 39-45

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Kann ein Blinder einen Blinden führen? Werden nicht beide in eine Grube fallen?
Der Jünger steht nicht über seinem Meister; jeder aber, der alles gelernt hat, wird wie sein Meister sein.
Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht? Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Bruder, lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen!, während du den Balken aus deinem eigenen Auge nicht siehst? Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge; dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.
Es gibt keinen guten Baum, der schlechte Früchte hervorbringt, noch einen schlechten Baum, der gute Früchte hervorbringt. Jeden Baum erkennt man an seinen Früchten: Von den Disteln pflückt man keine Feigen, und vom Dornstrauch erntet man keine Trauben.
Ein guter Mensch bringt Gutes hervor, weil in seinem Herzen Gutes ist; und ein böser Mensch bringt Böses hervor, weil in seinem Herzen Böses ist. Wovon das Herz voll ist, davon spricht der Mund.

Hintergrund 1. Lesung:

Weisheitslehre


Das Buch Jesus Sirach (um 150 v.Chr.) ist ein Spiegelbild der Weisheitslehre der Jerusalemer Tempelaristokratie, die ihre Wurzeln in der Auseinandersetzung zwischen jüdischer Tradition und hellenistischem Denken hat. Der Verfasser war wohl ein gebildeter Mann aus der Jerusalemer Stadtbevölkerung.

Vorurteil


In diesem Text geht es um Notwendigkeit und Wichtigkeit, sich ein Urteil über andere Menschen zu bilden und sie nicht nach dem ersten Eindruck zu über (unter)schätzen. Um mit H.G. Gadamer zu sprechen, könnte es hier um eine "Rehabilitation der Vor-urteile" gehen: der Verfasser fordert hier zu Vorsicht, zu einem kritischen (im Sinne von zwischen "gut" und "böse" unterscheidendem) Vorurteil auf. Der Mensch soll anderen Menschen nicht blind vertrauen, aber auch nicht von vornherein misstrauen. Die Aufforderung zur Vorsicht meint wohl kein ängstliches, misstrauisches Sich-Abgrenzen, vielmehr eine umsichtige, realistische Einschätzung anderer Menschen, um die wir wohl im Umgang mit ihnen niemals umhin kommen können. Diese Prüfung anderer, zu der wir aufgefordert werden, meint wohl auch kein statisches Urteil, das dann für ewige Zeiten zu einem wirklichen Vorurteil erstarren würde: der Prozeß des Prüfens und Beurteilens ist nach vorne hin offen - aber eben notwendig, um mit anderen Menschen leben zu können.

Alltagsbilder


Jesus Sirach verdeutlicht seinen Anspruch mit Bildern aus der biblischen Alltagswelt. Das Bild des Siebens entstammt der Landwirtschaft, das Bild der Töpferware, deren Qualität sich erst nach dem Brennen zeigt, der Welt des Handwerks und das Bild des Baumes dem Obstbau. Menge und Güte der Früchte sagen nur etwas über die Qualität des Bodens (die Übersetzung ist hier nicht sehr genau).
Im Übrigen wertet Sirach keinen einzigen seiner Vergleiche, sondern bringt Alltagserfahrungen zur Sprache, die wohl jeder von uns kennt.

Elemente für einen Gottesdienst mit Kindern

Besinnung


Vorsicht - das hat uns eine/r angelogen! Dem/der werden wir nichts mehr glauben! Herr, erbarme dich!

Vorsicht - da hat uns eine/r wehgetan! Dem/der werden wir das nicht verzeihen. Christus, erbarme dich!

Vorsicht - da haben wir zu Gott gebetet und er hat uns nicht zugehört. Herr, erbarme dich!

Verkündigung


In der Lesung fordert uns Jesus auf, vorsichtig zu sein, vorzusehen!
Warum sollen wir das tun? Um uns besser orientieren zu können?

Für alle 3 Beispiele Material in die Messe mitnehmen und demonstrieren.

Wir wollen Fahrrad fahren. Dazu muss das Rad funktionieren. Wie weiß ich, dass das Rad kein Loch hat?
- mit den Kindern einen kaputten Fahrradschlauch mit Loch im Wasser prüfen. Wenn Blasen aufsteigen, hat der Schlauch ein Loch.

Wie weiß ich, ob eine Batterie noch funktioniert?
- den Plus bzw. Minuspol an einer Glühbirne anlegen. Wenn sie leuchtet, funktioniert die Batterie.

Wie weiß ich, ob ein Ei noch essbar ist?
- wenn es schon kaputt ist, schwimmt es im Wasser an der Oberfläche.

Jesus Sirach meint, dass wir auch im Umgang mit Menschen Vorsicht walten lassen sollen und nicht jedem blindlings vertrauen sollen. Das heißt nicht, dass wir jedem misstrauen sollen oder ein Urteil, das wir von jemandem einmal gefällt haben, nie wieder ändern dürfen. Sehr wohl aber sollen wir vor-sichtig sein.
Umsichtig auf die Menschen zugehen und zunächst ein bisschen aus der Entfernung betrachten, vorsehen sollen, was wir von jemandem halten können. Das kann uns vor so mancher Enttäuschung bewahren. Oft zeigt sich nämlich gerade in Situationen, in denen es nicht gut geht, was man von anderen Menschen haben kann, und wie ernst es jemand mit uns meint. Und wenn wir dann erst bemerken, dass jemand doch nicht so ist, wie er zu sein scheint, tut das oft sehr weh. Daher ist es gut, sich vorher vor-sichtig bei jemandem umzusehen, wie bist du? Und dabei nie zu vergessen, wir können uns auch irren, und der andere kann sich ändern! Dann ist es sinnvoll, Vorurteile zu haben, solange sie vorläufig bleiben, helfen sie uns im Umgang mit anderen.

Geschichte


Das vorsichtige Vertraut machen mit einer Person beschreibt die folgende Geschichte von Antoine de Saint-Exupéry "Der kleine Prinz"

In diesem Augenblick erschien der Fuchs:
"Guten Tag" sagte der Fuchs.
"Guten Tag" antwortete der kleine Prinz, der sich umdrehte, aber nichts sah.
"Ich bin da", sagte die Stimme, "unter dem Apfelbaum..."
"Wer bist du?" sagte der kleine Prinz. "Du bist sehr hübsch..."
"Ich bin ein Fuchs", sagte der Fuchs.
"Komm und spiel mit mir", schlug ihm der kleine Prinz vor.
"Ich bin so traurig ..." Ich kann nicht mit dir spielen", sagte der Fuchs. "Ich bin noch nicht gezähmt!"
Ah, Verzeihung!" sagte der kleine Prinz. Aber nach einiger Überlegung fügte er hinzu: "Was bedeutet das: ‘zähmen’?"
Das ist eine in Vergessenheit geratene Sache, sagte der Fuchs. "Es bedeutet: sich ‘vertraut machen’. "Vertraut machen?"
"Gewiss", sagte der Fuchs. "Du bist für mich noch nichts als ein kleiner Knabe, der hunderttausend kleinen Knaben völlig gleicht.. Ich brauche dich nicht, und du brauchst mich ebenso wenig. Ich bin für dich nur ein Fuchs, der hunderttausend Füchsen gleicht. Aber wenn du mich zähmst, werden wir einander brauchen. Du wirst für mich einzig sein in der Welt. Ich werde für dich einzig sein in der Welt ..."
"Ich beginne zu verstehen", sagte der kleine Prinz. "Es gibt eine Blume.... Ich glaube, sie hat mich gezähmt..."
"Das ist möglich", sagte der Fuchs. "Man trifft auf der Erde alle möglichen Dinge ..." Der Fuchs verstummte und schaute den Prinzen lange an: "Bitte .... Zähme mich!" sagte er.
"Ich möchte wohl", antwortete der kleine Prinz "aber ich habe nicht viel Zeit. Ich muss Freunde finden und viele Dinge kennenlernen."
"Man kennt nur die Dinge, die man zähmt", sagte der Fuchs. "Die Menschen haben keine Zeit mehr, irgendetwas kennenzulernen. Sie kaufen sich alles fertig in den Geschäften. Aber da es keine Kaufläden für Freunde gibt, haben die Leute keine Freunde mehr. Wenn du einen Freund willst, so zähme mich!"
"Was muss ich da tun?" sagte der kleine Prinz.
"Du musst sehr geduldig sein", antwortete der Fuchs. "Du setzt dich zuerst ein wenig abseits von mir ins Gras. Ich werde dich so verstohlen, so aus dem Augenwinkel anschauen, und du wirst nichts sagen. Die Sprache ist die Quelle der Missverständnisse. Aber jeden Tag wirst du dich ein bisschen näher setzen können...."

Fürbitten


Gott, es ist manchmal nicht leicht, Menschen zu vertrauen. Hilf uns dabei.

Gott, es ist manchmal schwer, zu unterscheiden, wem wir vertrauen können und wem nicht. Schenke uns Klugheit und Umsicht im Umgang mit anderen.

Gott, es ist manchmal nicht einfach, an dich zu glauben. Zeig uns, dass du uns lieb hast.

Publikation: Effata

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Lesejahr: C

Sonntag im Jahreskreis : 8. Sonntag im Jahreskreis

Schlagwort: Gottesdienst

 

Mit Kindern Gottesdienst feiern ist eine besondere Herausforderung. In dieser Publikation der Jungschar gibt es neben einigen grundsätzlichen Überlegungen eine Reihe von praktischen Anregungen für die Arbeit in pfarrlichen Kindergruppen ...