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Wo sind die Frauen?

Gruppenstunde | Alter: 10-14 | Aufwand: mittel

Hintergrund

Am 8. März ist der Internationale Frauen(kampf)tag - und das inzwischen schon seit mehr als 100 Jahren! Und trotzdem ist es immer noch wichtig, dass wir uns für die Gleichstellung von Frauen, für Gleichbehandlung, gegen Gewalt an Frauen, für Selbstbestimmung über das eigene Leben und den eigenen Körper, auftreten. Der Internationle Frauentag wird oft als "Feier"tag wahrgenommen an dem Frauen Blumen geschenkt bekommen und mal nicht kochen müssen - doch eigentlich ist es ein politischer Aktionstag, ein Tag an dem Frauen (und auch Männer) Seite an Seite für ihre Rechte kämpfen sollen, weil wir leider immer noch müssen.

Ziel

In der öffentlichen Wahrnehmung sind Frauen auch heute noch unsichtbar, bestehende Ungleichheiten werden oft als gegeben hingenommen - Kinder müssen schon lernen, dass es eben nicht "normal" ist, dass Frauen den Haushalt alleine schmeißen, dass viel mehr Männer in der Politik sind und auch nicht, dass Frauen weniger verdienen als Männer.

Material

  • Plakat (leer)
  • 100 Spielfiguren (könnt ihr im Jungscharbüro ausborgen) oder 100 Steine, Perlen oder ähnliches
  • je ein Zettel mit "Frauen" und "Männer"
  • Fragen (und Lösungen) für "Wenn die Welt ein Dorf wäre"
  • eventuell (selbstgebastelte) Mikros (geht aber auch ohne)

Aufbau

In dieser Gruppenstunde wird zuerst die Unsichtbarkeit von Frauen in der öffentlichen Wahrnehmung diskutiert, auf bestehende Ungleichheiten geschaut und sie verdeutlicht und auch eine Interviewaktion gestartet, die das Thema nach draußen bringen soll und Kinder mit Erwachsenen zu diesem Thema ins Gespräch bringt.

 

Einstieg:


Zu Beginn erklärst du, dass ihr euch anlässlich des Internationalen Frauentages am 8. März, der sich gegen Diskriminierung und Ausbeutung von Frauen und Mädchen in aller Welt richtet, mit der öffentlichen Wahrnehmung und Sichtbarkeit von Frauen beschäftigt. Du kannst die Kinder auch fragen, was sie schon über den 8. März gehört haben und was sie damit verbinden.

Frauen in der Öffentlichen Wahrnehmung:


Überlegt gemeinsam welche Frauen euch aus Politik, Geschichte, Wissenschaft und Gesellschaft bekannt sind oder welche Frauen im Unterricht in der Schule erwähnt werden. Die Namen könnt ihr auf einem Plakat sammeln.

Diskutiert, wieso über Frauen weniger gelernt wird als Männer und wieso den meisten Menschen mehr bekannte Männer in diesen Bereichen einfallen.

Ein paar Ideen dazu:

  • Geschichte: In der Vergangenheit wurden (in Europa und auch in anderen Teilen der Welt) Frauen in den Hintergrund gedrängt, sie erhielten keine oder weniger Bildung, ihre Chancen im öffentlichen Leben mitzuwirken, waren viel geringer als heute. Daher ist es schonmal schwerer, dass Frauen in der Geschichte auftreten. Heute gelten Frauen bei vielen als "gleichgestellt" - leider ist dem nicht so (siehe auch Artikel über den Weltfrauentag).
  • Politik: Schauen wir uns mal die politische Lage in Österreich oder umliegenden Ländern an, so sehen wir, dass die Präsenz von Frauen immer noch sehr gering ist. Das liegt auch daran, dass die Politik immer noch eine patriarchale Struktur ist, in der Frauen viel härter kämpfen müssen, um etwas zu erreichen, als Männer.
  • Sport: Auch im Sport können wir ähnliche Tendenzen erkennen: männliche Sportler erhalten viel leichter (finanzielle und personelle) Förderungen, um sich voll und ganz dem Sport zu widmen - Frauen müssen dies meist "nebenberuflich" machen. Sprechen wir von der Fußballweltmeisterschaft, so meinen wir zumeist automatisch die Männer-Fußballweltmeisterschaft.
  • Wissenschaft: An der Universität sehen wir sehr schnell, dass Frauen in vielen naturwissenschaftlichen Fächern total unterrepräsentiert sind, Buben werden den Naturwissenschaften, der Mathematik oder Informatik automatisch zugewiesen, wogegen Mädchen oft zu hören bekommen, dass sie das ja nicht so können (vielleicht oft nicht so direkt, sondern oft auch einfach durch Verhaltensweisen von Lehrenden zum Beispiel).


Als Abschluss der Diskussion kannst du einbringen, dass die allgemeine Erklärung der Menschenrechte besagt, dass alle Menschen frei und gleich an Würde und Rechten geboren sind. Männer und Frauen haben demnach den selben Anspruch auf ein erfülltes und selbstbestimmtes Leben.

An Tagen wie dem 8. März, wird auf Ungleichbehandlung hingewiesen, die es leider trotz der Menschenrechte oft noch gibt.

Wenn die Welt ein Dorf wäre:


Nun wollen wir uns ein bisschen anschauen, wie denn die ungleiche Situation zwischen Frauen und Männern wirklich ist - und vor allem auch, wo sich diese Ungleichheiten auswirken und wie.

Stell den Kindern folgende Fragen und lass sie dann anhand von 100 Spielfiguren (oder Steinen, Perlen o.ä.) zuordnen, wie sie denn glauben, dass die jeweiligen Aufteilungen sind.

  • Wie viel Besitz haben Frauen und wie viel Männer weltweit?

    Lösung: 75 Spielfiguren zu Männern, 25 zu Frauen
    Weltweit haben Männer um 50% mehr Vermögen als Frauen, das bedeutet dass Frauen nur 25% des weltweit verfügbaren Vermögens (Geld, Besitztümer wie Häuser) besitzen und Männer 75%.

  • Wie viel verdienen Männer und wie viel Frauen in Österreich? Angenommen Männer bekommen für eine Arbeit 100 Euro, wie viel bekommen Frauen für die gleiche Tätigkeit?

    Lösung: 80 Spielsteine (Frauen bekommen 80 Euro für die gleiche Aufgabe)
    Frauen verdienen in Österreich gesamt 19,7% weniger als Männer, das bedeutet auch: am 21. Oktober ist der "Equal pay day". An diesem Tag haben Männer im Durchschnitt also schon so viel verdient, wie Frauen es bis zum Jahresende erst tun - Frauen arbeiten dann also mehr als zwei Monate "gratis".

  • Wie viele Stunden unbezahlter Arbeit (also zum Beispiel Haushalt, Kinderbetreuung, Pfelge von Angehörigen) leisten Frauen in Österreich pro Woche und wie viel Männer?

    Lösung: Frauen arbeiten ca. 27 Stunden (Spielsteine) pro Woche unbezahlt, Männer lediglich ca. 11 Stunden
    Statistisch gesehen arbeiten Frauen 45,7 Stunden pro Woche — bezahlte Arbeit beläuft sich dabei auf 18,7 Stunden, unbezahlte auf 27 Stunden. Bei Männern sind es insgesamt 41,7 Stunden, wobei die bezahlte Arbeit 30,7 Stunden ausmacht, unbezahlte nur elf.
    Global gesehen ist dieses Verhältnis noch viel extremer: in ländlichen Gebieten ärmerer Länder verbringen Frauen täglich bis zu 14 Stunden mit Pflege- und Fürsorgearbeit.

    Ein spezifisches Beispiel gibt eine Befragung von Frauen, die in Wien in der Industrie arbeiten. 78% der befragten Industriearbeiterinnen gaben an, das sie überwiegend zuständig für die Hausarbeit sind, bei 21% ist es der Partner/die Partnerin und bei 6%Prozent andere Personen wie etwa ihre Kinder. Der Grund dafür, dass die Frauen genauso viel arbeiten wie Männer aber trotzdem den Großteil der Hausarbeit erledigen, kann sein, dass die geschlechtsspezifische Aufteilung der Hausarbeit (also dass Frauen Hausrabeit machen und Männer eben nicht, obwohl beide gleich viele Stunden für Geld arbeiten) als Selbstverständlichkeit angesehen und gar nicht infrage gestellt wird. (aus https://www.wien.gv.at/menschen/frauen/pdf/studie-so-leben-wir.pdf s.107)

  • Wenn es auf der Welt 100 Menschen gäbe, viele Frauen und wie viele Männer wären dann Analphabet_innen (können also nicht lesen und schreiben)?

    Lösung: Männer 8, Frauen 14
    Gerade in ärmeren Ländern, wo Kinder oft schon früh arbeiten gehen müssen, um zum Familieneinkommen beizutragen, oder wo sie daheim mithelfen müssen, gehen Mädchen oft nicht oder nur sehr kurz zur Schule. Bei Buben wird die Bildung als wichtiger angesehen, da Mädchen später in der Rolle der Hausfrau, Mutter und eventuell Bäuerin oder ähnliches gesehen werden. In Europa ist die Zahl der Analphabet_innen sehr gering - da es hier eine recht strenge Schulpflicht gibt.

  • Wenn es 100 Menschen im Fernsehen zu sehen gäbe, wie viele Männer und wie viele Frauen könnten wir dann sehen?

    Lösung: Männer: 65, Frauen 35
    Frauen kommen im Fernsehen sehr häufig in Soap Operas oder rund um Partnerschafts-Themen vor. Viele Sendungen kommen ganz ohne Frauen aus, gerade auch in Moderations- und Expertinnenrollen sind Frauen sehr selten zu sehen.

Interviews:


Geh jetzt mit deiner Gruppe auf die Straße und sprecht Passant/innen an. Wenn ihr Lust habt, könnt ihr selbstgebastelte Mikros (z.B. aus Karton und Tennisbällen) mitnehmen. Folgende Fragen könnt ihr stellen, oder ihr denkt euch eigene aus:

  • Wie erleben Sie den 8. März, haben Sie Erinnerungen von früher an diesen Tag?
  • Was machen Sie am 8. März?
  • Welche Bedeutung hat der 8. März für Sie?
  • Wieso glauben Sie, ist der 8, März auch heute noch ein wichtiger Tag?
  • Wo würden Sie sagen, gibt es noch große Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen?
  • Wer macht bei Ihnen zuhause den Haushalt? Warum ist das so?

Abschluss:


Am 8. März gibt es in Wien ganz viel Programm, vieles davon auch für Kinder. Du kannst deine Gruppe als Abschluss auf diese Veranstaltungen hinweisen oder sogar mit ihnen hingehen.

Autor/in: Mirjam Gerstbach, Johanna Aman und Johanna Walpoth

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