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Bilder machen Leute

Gruppenstunde | Alter: 10-12 | Aufwand: mittel

Hintergrund

Um uns in der Welt und mit Menschen zurechtzufinden, machen wir uns Bilder und Vorstellungen von ihnen. Das ist gut und wichtig, es ist auch notwendig und unvermeidbar. Aber dieses Bilder-Machen kann auch gefährlich sein, weil wir uns vielleicht einmal ein falsches Bild machen, weil wir unsere Bilder manchmal für die ganze Wirklichkeit halten aber dabei einiges übersehen und weil wir unsere Bilder oftmals erstarren lassen und nicht weiterentwickeln.

In dieser Gruppenstunde können sich die Kinder über die Bilder, die sie voneinander haben, austauschen und ihr momentanes Selbstbild zum Ausdruck bringen. Sie können Selbstbild und Fremdbild vergleichen und sollen feststellen, dass das Bild, das man sich macht, wichtig ist, aber eben immer nur eine ganz bestimmte Sichtweise, die nie den ganzen Menschen abbildet. Sie sollen erkennen, dass man mit solchen Bildern vorsichtig umgehen und sie immer wieder überdenken und verändern muss.

Material

  • Würfel
  • Kärtchen mit Sprachbildern
  • Papier und bunte Stifte
  • ein fotofähiges Handy pro Kleingruppe
  • mehrere (kopierte) leere Steckbriefe
  • ein ausgedrucktes Foto von jedem Kind aus der Gruppe
  • ein A3-Blatt pro Kind
  • kleine Zettelchen mit Eigenschaftswörtern sowie leere Zettelchen
  • Kleber und Scheren
  • evtl. eine Bibel (markiert bei Ex 20,4)
  • pro Kind eine Faltvorlage für einen Papierwürfel
  • evtl. Zeitschriften

Aufbau

Du führst mit einem Ratespiel zum Thema hin, in dem bildliche Vorstellungskraft gefragt ist. Dann überlegen sich die Kinder eine bekannte Persönlichkeit, beschreiben diese Person in Kleingruppen auf bildhafte Art und Weise und vergleichen die Bilder anschließend. Danach weisen sie sich zunächst gegenseitig verschiedene Eigenschaften zu, die auch diskutiert werden können, und schließlich sich selbst — somit entstehen ein Fremdbild und ein Selbstbild.

 

Sprachbilder


Wir halten nicht nur gerne Personen, Situationen oder Landschaften auf Bildern bzw. Fotos fest, um sie in Erinnerung zu behalten. Auch unsere Sprache ist sehr bildhaft. Besonders in Sprichwörtern und Redewendungen verwenden wir viele Vergleiche und Sprachbilder:

  • beleidigte Leberwurst
  • jemand hat ein Brett vor dem Kopf
  • jemand steht unter'm Schlapfen/Pantoffel
  • rot anlaufen wie ein Paradeiser
  • ein Mauerblümchen
  • etwas wie eine heiße Kartoffel fallen lassen
  • wo stehen wie bestellt und nicht abgeholt


Auch Tiervergleiche sind sehr beliebt:

  • wie ein Elefant im Porzellanladen
  • stark wie ein Löwe
  • schlau wie ein Fuchs
  • eitel wie ein Pfau
  • diebische Elster
  • blöde Ziege


Euch fallen bestimmt noch viel mehr ein. Du hast einige solcher Sprachbilder auf Kärtchen vorbereitet. Die Kinder ziehen nun reihum ein Kärtchen und erwürfeln, was sie tun müssen, damit die anderen es erraten. Bei 1 und 4 zeichnen sie es auf, bei 2 und 5 erklären sie es, ohne die Wörter zu verwenden, und bei 3 und 6 stellen sie es pantomimisch dar.

"Was wäre die Person, wenn sie ... wäre?"


Die Kinder teilen sich in Kleingruppen zu je zwei bis vier Personen. Jede Gruppe braucht ein Handy zum Fotos machen und bekommt einen leeren Steckbrief. Einigt euch in der großen Runde auf eine bekannte Person (ein Star, ein/e Prominente/r), den alle Gruppen auf ihrem Steckbrief oben eintragen. Nun hat jede Kleingruppe Zeit, sich zu überlegen, was diese Person wäre, wenn sie ein/e Tier, Land, Speise, Pflanze, Fahrzeug, Landschaft, Buch, Lied, Farbe, Monat/Jahreszeit, Ort ... wäre. Dann machen sie noch ein Foto, auf dem sie versuchen, die Person möglichst treffend nachzustellen (Haltung, Geste, Accessoires etc.). Sind alle Gruppen fertig, kommen sie wieder zusammen und vergleichen ihre Ergebnisse und die Bilder. Gibt es Gemeinsamkeiten in der Darstellung der Person? Wo sind sich die Gruppen uneinig? Hier könnt ihr schon erkennen, dass Bilder von Personen zwar durchaus stimmen können, aber trotzdem nie die ganze Wahrheit abbilden.

Wenn ihr Lust habt, könnt ihr das noch in weiteren Runden mit anderen Personen spielen — vielleicht sogar mit einer, die ihr aus der Pfarre kennt.

Welches Bild haben andere von mir?


Du hast für jede/n in der Gruppe ein Foto, das ihn/sie zeigt, auf ein A3-Blatt geklebt. Diese Blätter werden nun in einem Kreis aufgelegt. Du hast die folgenden Eigenschaftswörter einige Male kopiert, ausgeschnitten und am Tisch verteilt (es sollten auch leere Zettel dabei sein, damit Wörter, die ausgehen, nachgeschrieben bzw. ganz andere Eigenschaftswörter hinzugefügt werden können):
neugierig| nachtragend| risikofreudig| lustig| grantig| chaotisch| freundlich| aufmerksam| hilfsbereit| eifersüchtig| sparsam| ernst| witzig| ehrlich| begabt| erfinderisch| zurückgezogen| langsam| umweltbewusst| vernünftig| stark| aufs Äußere bedacht| ungeduldig| sportlich| rauflustig| unzufrieden| zufrieden| gutmütig| fröhlich| gläubig| praktisch| zerstreut| verletzlich| berechenbar| ängstlich| modebewusst| geschickt| zaghaft| mürrisch| unsicher| mutig| stur| faul| komisch| selbstbewusst| nachdenklich| ruhig| vorsichtig| schüchtern| ...

Jede/r soll nun zu den Fotos der anderen jene Zettel kleben, die er/sie für die jeweilige Person als zutreffend empfindet. Die Zettel sollen aber nicht anonym hingeklebt sondern mit dem eigenen Namen gekennzeichnet werden. Anonyme Zettel werden entfernt. Im Anschluss an die Kleberunde kann man sich das eigene Bild mit den aufgeklebten Rückmeldungen der anderen anschauen. Gib den Kindern ausreichend Zeit, sich bei denen, die Zettel geklebt haben, zu bedanken oder auch nachzufragen oder zu diskutieren. Dadurch, dass die Zettel unterschrieben sein sollten, weiß man ja, wer wen wie eingeschätzt hat. Wahrscheinlich wird man von verschiedenen Leuten unterschiedlich gesehen.

Achtung! Hier musst du auf jeden Fall gut moderieren und vielleicht sogar schlichten, damit die Gespräche respektvoll bleiben. Weise unbedingt darauf hin, dass dieses Bild, das die anderen von jemandem haben, zum Teil, zur Hälfte oder nur in bestimmten Situationen stimmen kann, vielleicht aber auch gar nicht stimmt.

Ein paar Anregungen für die Diskussionen: Wir machen uns Bilder von anderen Menschen. Das ist gut und wichtig, sonst kennen wir uns nicht aus mit anderen. So ordnen wir für uns ein, wem wir vertrauen, wer unsere Freund/innen sind und auf wen wir uns weniger verlassen können. Aber von jedem Menschen gibt es unterschiedliche Bilder, da Menschen sich je nach Situation oder Gesellschaft anders verhalten und auf verschiedene Leute verschieden wirken. Und so stimmen unsere Bilder von ihnen auch manchmal mehr und manchmal weniger. Manche haben vielleicht früher oder in einer einzigen Situation gestimmt und stimmen jetzt nicht mehr. Wenn wir mit unseren Bildern von anderen hinausgehen, müssen wir vorsichtig sein! Bilder können verletzen und einem Menschen sogar schaden, wenn sie falsch sind und weitererzählt werden. Deshalb müssen wir unsere Bilder nicht blindlings glauben, sondern sie immer wieder überprüfen und überdenken. Menschen entwickeln sich ja auch ständig weiter und verändern sich.

Dass Bilder und Vorstellungen falsch sein können und dadurch vielleicht sogar etwas Schlechtes bewirken könnten, wussten auch schon die Menschen, die das Alte Testament verfasst haben. Dort sagt Gott in den zehn Geboten: "Du sollst dir kein Gottesbild machen und keine Darstellung von irgend etwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde." (Ex 20, 4) Denn manche Dinge sind für uns Menschen so groß und unvorstellbar, dass keine unserer Vorstellungen ihnen nahekommen oder sie auch nur annähernd richtig beschreiben könnte.

Mein Selbstbild


Nun haben die Kinder die Gelegenheit, den anderen das Bild zu zeigen, das sie von sich selbst haben. Dazu bekommt jede/r eine Faltvorlage für einen Papierwürfel, der zusammengebastelt und mit Beschreibungen von sich selbst befüllt wird: Auf jede der sechs Seiten sollen Eigenschaftswörter von vorhin oder Bilder aus Zeitschriften geklebt werden. Es kann natürlich auch etwas geschrieben oder gezeichnet werden. Alle arbeiten zuerst für sich allein und können sich dann zum Abschluss die Würfel der anderen anschauen. Natürlich muss niemand den eigenen Würfel herzeigen, der/die das nicht will.

Beides, Fremd- und Selbstbild, kann dann mit nach Hause genommen werden. Vielleicht möchte jemand beide vergleichen oder das auch mit einem/r Freund/in besprechen.

Autor/in: Katharina Zagajsek und Sandra Fiedler

Publikation: kumquat "Hawara, Held/innen, Heilige" 6/2018

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