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Sei (un)gehorsam!

Gruppenstunde | Alter: 10-14 | Aufwand: mittel

Ziel

In der folgenden Gruppenstunde wollen wir uns damit auseinandersetzen, was es bedeutet, gehorsam zu sein — und wann man vielleicht auch mal ungehorsam sein muss.

Material

  • Verkleidungen für Pantomime
  • Notizzettel
  • Stifte
  • Bilder der vorgeschlagenen Personen
  • ausgedruckte Beschreibungen
  • Plakat

 

Einstieg — Voice Control


Zum Einstieg spielt ihr das Spiel "Voice Control" (Sprachbefehl) und das geht so: Die Hälfte der Kinder sind Roboter, die durch Sprachbefehle einfache Dinge machen können (geradeaus gehen, nach links/rechts drehen, stehenbleiben), die andere Hälfte der Kinder sind Programmierer, die diese Roboter trainieren. Je ein Kind kümmert sich um einen Roboter und gibt diesem nun Sprachbefehle, sodass sich dieser durch den Raum bewegt. Nach einiger Zeit wechselt ihr die Rollen. Tipp: Du kannst auch nach kurzer Zeit als Spielleitung "ein Update zur Verfügung stellen", beispielsweise dass die Roboter nun auch den Befehl Hand heben zum Grüßen oder hinsetzen ausführen können.

Habt ihr genug von diesem Spiel, setzt ihr euch und du erklärst, dass es in der heutigen Stunde um "gehorsam oder ungehorsam sein" geht. Du fragst die Kinder, was sie denn unter diesen Ausdrücken verstehen. Alternativ/Zusätzlich dazu erzählst du, üblicherweise unter Gehorsam verstanden wird: zu gehorchen, also das Befolgen von Verboten und Geboten.
Der gehorsame Pantomime
Nun bittest du die Kinder, Gebote oder Verbote, die sie aus ihrem Alltag kennen (in der Schule, zu Hause, vielleicht auch im Park, im Zoo, in der Jungschar...) auf Notizzettel zu schreiben, sodass die anderen dies nicht sehen, und in einen Hut (oder Ähnliches) zu werfen. Ihr könnt auch dazuschreiben, wer diese Verbote oder Gebote ausspricht (also beispielweise Eltern, Großeltern, Lehrer/innen, Gruppenleiter/innen etc.).

Wenn den Kindern nicht gleich Verbote oder Gebote einfallen, kannst du auch ein paar Beispiele nennen: Hausaufgaben fertig machen, bevor man spielen darf; still sein, während der/die Lehrer/in etwas erklärt; Hände halten in der Zweierreihe bei einem Ausflug; Tiere nicht füttern durch den Zaun; min. 1x/Woche abwaschen am Lager...

Nun kommt der gehorsame Pantomime ins Spiel: Jedes Kind zieht nach der Reihe ein Gebot oder Verbot und versucht, dieses pantomimisch darzustellen. Dafür wäre es gut, wenn Verkleidungen zur Verfügung stehen, aus denen sich das jeweilige Kind etwas aussuchen kann. Die anderen versuchen, es zu erraten. Nach dem Erraten des jeweiligen Gebots/Verbots fragst du die Kinder, ob sie es gut/verständlich finden, ob sie wissen, warum es dieses Gebot oder Verbot gibt bzw. ob sie es befolgen oder "ungehorsam" sind. Ziel ist es, eine Diskussion darüber anzuregen, dass manche Regeln vielleicht sehr wichtig sind, Regeln grundsätzlich aber nicht einfach hingenommen werden müssen und Entscheidungen über das Befolgen oder Nicht-Befolgen jeder und jede Einzelne selbst treffen kann.

Sei ungehorsam! — Wer/wann/wie/wo/warum?


Wir haben gesehen, dass es ganz schön viele Regeln gibt, an die man sich zu halten hat. Einige sind nachvollziehbar und wichtig, andere weniger, wieder andere können sogar sehr problematisch sein. Denn nicht immer dienen Regeln dazu, dass es allen Menschen in ihrem Miteinander besser geht.

Manchmal gibt es sogar Situationen, wo es wichtiger ist, sich eben nicht an Regeln zu halten, also ungehorsam zu sein.

Nun lernen die Kinder Menschen kennen, die für ihren Ungehorsam berühmt geworden sind. Dazu hast du Bilder von den untenstehenden Personen in Teile zerschnitten und auf jedes Teil eine Info/einen Satz des Absatzes geschrieben oder geklebt. Du teilst die Teile der Bilder an die Kinder aus und diese müssen nun schauen, welche Infos bzw. Bildteile zusammenpassen. Dadurch finden sich die Kinder zu Gruppen zusammen.

Sie haben nun kurz Zeit, sich die Beschreibungen durchzulesen und erzählen den anderen dann von der jeweiligen Person. Überlegt gemeinsam: Auf wen haben diese Menschen gehört/wem haben sie sich widersetzt? Warum? Was war ihnen wichtig?

Personenbeschreibungen:

  • Henry Thoreau
    Henry Thoreau lebte im 19. Jahrhundert in den USA, war Schriftsteller, Philosoph und Naturliebhaber. Aus Protest gegen den damaligen Krieg gegen Mexiko und gegen den Sklavenhandel weigerte er sich, Steuern zu bezahlen, wofür er auch ins Gefängnis ging. In seinem Aufsatz "Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat" beschreibt er seine Überlegungen, dass durch derartigen Ungehorsam, wie die Weigerung, Steuern zu bezahlen, das Gesetz in Einklang gebracht werden kann mit dem, was moralisch richtig ist. Das Gewissen steht seiner Meinung nach über dem Gesetz. Ähnlich sahen dies auch beispielsweise Menschen, die Juden vor dem Nationalsozialismus retteten, indem sie sie heimlich außer Landes brachten, oder die Seenotrettung, die trotz Verbot Flüchtlinge aus dem Mittelmeer rettet.
  • Mahatma Gandhi
    Gandhi war ein indischer Rechtsanwalt, Widerstandskämpfer und Revolutionär. Erst kämpfte er gegen die Rassentrennung in Südafrika, später für die Unabhängigkeit Indiens von der Kolonialmacht Großbritanniens, die seine Unabhängigkeitsbewegung im Jahr 1947 erreichte. Er setzte sich für Menschenrechte, Versöhnung und gegen koloniale Ausbeutung ein. Seine Methoden waren dabei gewaltloser Widerstand, das beharrliche Festhalten an der Wahrheit oder auch Hungerstreiks. Er wurde zwölfmal für den Friedensnobelpreis nominiert und ist auch heute noch ein wichtiges Vorbild für viele im Kampf gegen Unterdrückung und soziale Ungerechtigkeit.
  • Rosa Parks
    Rosa Parks lebte im 20. Jahrhundert in den USA. Im Jahr 1955 — damals herrschte eine strikte Trennung vieler öffentlicher Räumlichkeiten zwischen schwarzen und weißen Menschen — weigerte sie sich eines Tages, ihren Sitzplatz im Bus für einen weißen Fahrgast aufzugeben. Sie wurde festgenommen. Dies löste große Empörung aus, die Menschen boykottierten den öffentlichen Busverkehr und in weiterer Folge entstand die schwarze Bürgerrechtsbewegung. Diese erzielte nach zahlreichen Konflikten das Ende diskriminierender Gesetze und die Aufhebung der Rassentrennung. Ein zentrales Vorgehen dabei war der gewaltlose Widerstand und ziviler Ungehorsam. Eine wichtige Person, die diese Form des politischen Kampfes wählte und vorlebte war Martin Luther Kink Jr.
  • Greta Thunberg
    "Weil ihr Erwachsenen euch nicht für meine Zukunft interessiert, werde ich eure Regeln nicht beachten."
    Greta ist erst 16 und kämpft schon seit einiger Zeit gegen die Untätigkeit der Politiker/innen weltweit, etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen. Begonnen hat ihr Kampf in Schweden, als sie regelmäßig den Schulbesuch verweigert hat, um auf die Klimakrise aufmerksam zu machen. Nach wenigen Monaten hat sich mit Fridays for Future eine globale Bewegung an Kindern und Jugendlichen gebildet, die sich dem Schulstreik angeschlossen hat, um für eine bessere Klima- und Umweltpolitik und damit für eine lebenswerte Zukunft zu protestieren.

Und wir?


Welchen Regeln wir folgen, wem wir vertrauen und gehorsam gegenüber sind, können wir selbst entscheiden. Das hat viel damit zu tun, was uns wichtig ist, was wir für richtig halten und wem wir glauben — unabhängig davon, ob etwas erlaubt ist oder nicht.

Gemeinsam gestaltet ihr nun zum Abschluss ein Plakat zum Thema: Dafür bin ich ungehorsam! Überlegt in der Gruppe, welche Dinge euch wichtig sind, wofür ihr euch einsetzen wollt und wie dabei euer ziviler Ungehorsam aussehen könnte. Vielleicht fallen euch sogar Aktionen ein, die ihr in der nächsten Gruppenstunde umsetzen könnt.

Autor/in: Te Millesi

Publikation: kumquat "Jetzt wird´s politisch!" 3/2019

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Schlagwörter: Gesellschaft, Ich und die anderen