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Das Pferd auf dem Balkon

Gruppenstunde | Alter: 6-14 | Aufwand: mittel

Hintergrund

Mika ist 10 Jahre, 3 Monate, 8 Tage und 9 Stunden alt und wohnt mit seiner Mutter in einer Wohnung in Wien. Über Mika wird gesagt, dass er anders ist, obwohl ja jeder Menschen anders ist als alle anderen. Also ist es doch auch egal, dass ein paar Menschen ein bisschen mehr anders sind.

Als Mika in einer Nacht ein Pferd auf dem Balkon gegenüber seiner Wohnung sieht, beginnt sich sein Leben kräftig durchzuwirbeln. Bei dem gemeinsamen Abenteuer von Mika und dem Pferd, das übrigens Bucephalus heißt und bei dem er sich sehr wohl fühlt und der ihm hilft, ist auch immer das Nachbarsmädchen Dana dabei. Sie wird für Mika immer wichtiger, da sie ihn so hinnimmt, wie er ist und ihn bei den Unternehmungen begleitet und unterstützt.

In dieser Gruppenstunde soll es auch genau darum gehen: Einander so zu akzeptieren wie wir sind und erkennen, dass wir vieles gemeinsam haben!

Material

  • Sprechblase (aus Papier)
  • Weltkarte oder Globus
  • Hammer
  • Polster
  • Bild von Dana
  • Bild von einer Großfamilie
  • Musikinstrument (oder Bild davon)
  • Plakat
  • Stifte, Buntstifte
  • Reithelm (oder Tuch, Mütze...)

 

Begrüßen


Im Film stellen sich die Personen ganz unterschiedlich vor, zum Beispiel Dana fragt Mika: "My name is Deliah and what is your name?" Oder als sich Mika bei Sasha, dem Besitzer von Bucephalus, vorstellt sagt er: "Guten Tag, Michael Landau. Wie geht es Ihnen? Mir geht es gut, danke." und dem Pferd streichelt Mika über den Kopf und drückt seine Stirn gegen die von Bucephalus.

Die Kinder können sich nun jedes für sich eine Begrüßung überlegen und in einer Runde alle ausprobieren. Wenn ihr wollt könnt ihr noch weitere Runden mit ganz leiser Stimme, schreiend, auf den Boden schauend oder in die Augen des Gegenübers blickend machen.

Alle anders


Im Film lernen wir zwei Hauptpersonen kennen, die uns die Welt aus ihrer Sicht zeigen — vor allem Mika sieht einiges vielleicht doch anders als wir.

Mika:


Was Mika — wie er sagt — ein bisschen "mehr anders macht" ist vermutlich sein Asperger-Syndrom.

Was ist das Asperger-Syndrom?
Lass die Kinder kurz sammeln, woran sie sich erinnern können. Du kannst ihnen eventuell auch diesen Dialog vorlesen/vorlesen lassen, wenn sie sich an wenig erinnern können:

Dana: Was ist das Asperger-Syndrom?
Mika: Eine leichte Form von Autismus.
Dana: Was ist Autismus?
Mika: Ich tu‘ mich schwer mit anderen Menschen
Dana: Was zum Beispiel?
Mika: Ich schau‘ die Leute nicht an, wenn ich mit ihnen spreche
Dana: Ist nicht so schlimm.
Mika: Ich habe Platzangst.
Dana: Das haben viele.
Mika: Ich muss immer genau um 14 Uhr 17 zu Mittag essen und um 19 Uhr 17 zu Abend. Sonst werd‘ ich wütend.
Dana: Ich würd‘ gern sehen wie du wütend wirst.
Mika: Ich hasse Witze, ich verstehe keine Witze und ich kann auch keine Witze machen.
Dana: Es gibt Schlimmeres.
Mika: Ich hasse es, wenn man mich anfasst.
Dana: Ich hasse das auch, ich bin ja kein Hund.
Mika: Ich liebe Mathematik!
Dana: Okay, du bist verrückt.

Was fällt euch noch ein, was ihr im Film über das Asperger-Syndrom gelernt habt?
Die Kinder können in kleinen Grüppchen zu zweit oder zu dritt überlegen, was ihnen aus dem Film dazu einfällt und dann eine kurze Szene nachspielen (oder ein "Standbild" nachstellen).

Sollten die Kinder sich nicht mehr gut erinnern oder keine Ideen haben, dann sind hier ein paar Beispiele, die du ihnen vorschlagen kannst:

  • Mika sieht Bucephalus zum ersten Mal und geht gleich sehr vertraut mit ihm um. Pferde sind für die die Therapie bei Asperger-Syndrom sehr geeignet, weil ihre Körpersprache eindeutig ist und die Menschen sie deshalb gut einschätzen können.
  • Mika hat ein überempfindliches Gehör (was bei Menschen mit Asperger-Syndrom öfters vorkommen kann): er geht durch eine laute Straße, das fällt ihm schwer und wirkt bedrohlich, er bindet seinen Schal um die Ohren von Bucephalus, um ihn vor Lärm zu schützen und hält sich selbst die Ohren zu.
  • Mika lügt nie, das kann er gar nicht.
  • Mika spielt mit seinem Zug und spricht gleichzeitig mit seiner Mutter, schaut sie aber dabei nicht an. Auch das ist ein übliches Verhalten bei Menschen mit Asperger-Syndrom.
  • Mika richtet den Rucksack beim Fußballspiel anders, weil das Spielfeld sonst nicht genau rechteckig ist.


Gib den Kindern ein paar Minuten Zeit, um die Szenen einzuüben und lass sie sich dann gegenseitig vorspielen. Ihr könnt auch gerne eine Bühne bauen (eine Decke auf den Boden legen). Wenn die Kinder die Bühne betreten, sollen alle anderen wild jubeln. Am Ende der Aufführung gibt es dann eine Verbeugung und wieder jubeln und klatschen.

Nun haben wir also ein bisschen gesehen, wie die Welt für Mika ausschaut. Wollen wir mal schauen, wie das bei Dana so ist?

Dana:


Im Film hören wir die Oma mit Dana eine andere Sprache sprechen: welche ist das?

Romanes. Das ist eine Sprache, die von den Roma gesprochen wird.

Was sind Roma?
Das ist eine ethnische Gruppe, oder eine Volksgruppe, die wir jetzt genauer kennenlernen wollen.

Du hast Gegenstände und Bilder im Raum versteckt, die die Kinder nun suchen sollen. Ihr sammelt alles in der Mitte des Raumes und wenn ihr alles gefunden habt, setzt ihr euch im Kreis zusammen. Besprecht nun die einzelnen Bilder und Gegenstände miteinander, um zu verstehen, wer die Roma eigentlich sind. (Hier sind Infos nach Kategorien gesammelt, je nach Alter kannst du auch etwas weglassen, weil es sonst vielleicht sehr viel wird.)

Herkunft und Wohnorte


Weltkarte/Globus:"Wo leben Österreicherinnen und Österreicher?" Kinder sollen es dir zeigen

"Und wo leben die Roma?"

Roma leben verteilt in sehr vielen Ländern auf der Welt, vor allem in Osteuropa, aber auch in Spanien, Deutschland, Österreich etc. Roma haben aber kein Land, in dem sie die Mehrheitsgesellschaft bilden — sie sind immer eine Minderheit. Ursprünglich kommen die Roma aus Nordindien (zeig den Kindern auf der Karte, wo das ist), deshalb ist die Erzählung von Dana im Film auch nachvollziehbar, wenn sie sagt, dass sie eine indische Prinzessin ist.

Diskriminierung


Sprechblase:Roma sprechen — wie wir schon gesagt haben — Romanes. In der Schule werden die Kinder aber immer in einer anderen Sprache unterrichtet, weil es keine Schule in Romanes gibt. Es gibt auch keine Bücher oder Zeitungen in Romanes, es ist eine rein gesprochene Sprache. Es gibt sehr unterschiedliche Dialekte in der Sprache, wobei die jeweilige Landessprache auch einen großen Einfluss hat.

Polster: Oft ist es leider so, dass Romas keine Wohnung bekommen, weil Menschen so viele Vorurteile gegen sie haben. Das ist ungerecht und gemein. Dana und ihre Familie im Film haben aber eine Wohnung.

Hammer: Da Roma oft unterdrückt und viele, viele Jahrhunderte vertrieben wurden, haben sie immer wieder ihren Wohnort ändern müssen — deshalb waren viele Handwerker/innen — ein Beruf, der überall ausgeübt werden kann. Das ist auch der Grund, dass viele Menschen behaupten, dass Roma "nicht sesshaft" wären, also keinen fixen Wohnort haben — das stimmt aber nicht und ein Großteil ist schon seit Jahrhunderten sesshaft. Wie genau Roma heute leben, hängt natürlich stark davon ab, wo sie leben und wie andere Menschen ihnen dort begegnen.

Bild von Dana: kein Wunder also, dass Dana sich lieber als indische Prinzessin ausgibt, da muss sie nicht so viele Fragen beantworten und bekommt vor allem keine Gemeinheiten über den Hintergrund ihrer Familie zu hören.

Kultur


Bild von Großfamilie: Wie Romafamilien heute leben, hängt sehr stark davon ab, wie sie in eine Gesellschaft integriert sind, ob sie die Möglichkeit haben, eine passende Wohnung, einen Job und so weiter zu finden. In vielen Ländern ist es nämlich immer noch so, dass Roma aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden. Eine Gemeinsamkeit ist es aber, dass Roma für die Familie und die Verwandtschaft über die Kernfamilie hinaus eine große Wertschätzung haben. Im Film lebt Dana mit einigen Mitgliedern ihrer Familie zusammen. Wer kommt denn da aus Danas Familie vor?

Musikinstrument: Zum Schluss durften wir im Film noch ein bisschen Musik der Roma hören. Wie viele Völker haben auch die Roma eine eigene, ganz bestimmte Musik. Erinnert ihr euch, welche Instrumente im Film zu sehen sind? Roma verwenden Geigen, Blasinstrumente, manchmal Trommeln oder eine Ziehharmonika.

Alle gleich: Gemeinsamkeiten finden


Wir haben nun gesehen, was die beiden Kinder im Film für unterschiedliche Hintergründe haben, doch sie haben sehr viel mehr Gemeinsamkeiten oder? Was fällt euch da ein?

Sammelt auf einem Plakat Stichwörter für die Gemeinsamkeiten. Gerne können die Kinder auch zeichnen oder malen, was ihnen so einfällt.

Hier ein paar mögliche Antworten:

  • Leben im gleichen Gemeindebau
  • Gehen in dieselbe Schule
  • Sprechen dieselbe Sprache
  • sind mutig
  • mögen Pferde
  • sind gerecht
  • sehr ähnliche Lebensrealität
  • gleicher/ähnlicher Tagesablauf
  • mögen ihre Familie
  • lieben ihre Omas (bei Mika: Ersatzoma)
  • tanzen gerne
  • träumen gerne
  • ...

Abschluss


Am Ende von "Das Pferd auf dem Balkon" sind Dana und Mika gute Freund/innen geworden. Als Ausstieg eignet sich deshalb gut ein Fangspiel bei dem nur zu zweit nicht gefangen werden können. Der/die Fänger/in hat einen Reithelm (oder ein Tuch...) als Erkennungszeichen und versucht die anderen Kinder zu fangen. Alle die nicht gefangen werden wollen können sich bevor sie berührt werden mit dem Hilferuf "Bucephalus" retten, wenn ein zweites Kind daraufhin dazu kommt und sie sich irgendwie berühren und "zusammenhalten". Wenn die Gefahr gefangen zu werden vorbei ist, trennen sich die beiden wieder voneinander. Wird ein Kind erwischt bevor es ein anderes berührt dann wird die Rolle gewechselt und das gefangene Kind wird Fänger/in. Möchte der/die Fänger/in nicht mehr fangen, so legt er/sie das Erkennungszeichen einfach auf den Boden und ein anderes Kind kann es aufheben und damit zum/zur neuen Fänger/in werden.

Autor/in: Florian Spatt und Johanna Walpoth

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Schlagwörter: Ich und die anderen, Welt