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Mobiltelefon — Schätze in der Tasche

Gruppenstunde | Alter: 10-15 | Aufwand: hoch

Hintergrund

In der Gruppenstunde wird nur eine kleine Auswahl der etwa 60 Stoffe, die in einem Mobiltelefon vorkommen, bearbeitet. Ihre Gewinnung ist oft mit negativen sozialen und ökologischen Auswirkungen verbunden.
Die Werte sind Richtwerte, es hängt vom Gehalt im Gestein und von der Abbaumethode ab, wieviel Erdreich tatsächlich bewegt wird. Der Weltmarkpreis entscheidet, ab welchem Gehalt ein industrieller Abbau wirtschaftlich ist und durchgeführt wird.

Zum Beispiel Tantal
In seiner häufigsten Vorkommensform "Coltan" hat Tantal vor allem in der Demokratischen Republik Kongo traurige Berühmtheit erlangt: Aus seinem Abbau und Handel finanzier(t)en sich bewaffnete Gruppen im jahrzehntelangen Bürgerkrieg. Tantal gilt daher als "Konfliktmineral". In der EU sollen nun per Gesetz besondere Sorgfaltspflichten für die Importeure von Metallen und Mineralien wie Zinn, Wolfram und Gold auch für Tantal besondere Sorgfaltspflichten eingeführt werden.
Aber der Abbau von Tantal hat auch abseits von Kriegsschauplätzen dramatische Auswirkungen, wie die Dreikönigsaktion gemeinsam mit ihrer bolivianischen Partnerorganisation CEDIB in einer Fallstudie aufgezeigt hat: Tantal wird im Amazonastiefland Boliviens von Gruppen von Kleinschürfern mit einfachsten Methoden aus dem Boden geholt. Entwaldung, Vergiftung von Böden und Wasser durch Chemikalien und Menschenrechtsverletzungen sind die Folgen. Da sie über keinerlei Genehmigungen und Lizenzen verfügen, ist ihre Tätigkeit illegal. Reich werden sie dadurch nicht. Lukrativer ist das Ganze für dubiose lokale Geschäftsleute, die das geschürfte Tantal— meist illegal nach Brasilien — weiterverkaufen. Über undurchsichtige Kanäle findet das Tantal seinen Weg dann zu internationalen Rohstoffhandelshäuser und letztlich möglicherweise in unsere Handys. Internationale Regulierungsinitiativen, das Durchsetzen der nationalen Vorschriften und das Schaffen von Einkommensmöglichkeiten abseits des Bergbaus sind wichtige Lösungsansätze. Aber eines ist klar: Solange es eine rege Nachfrage gibt, werden weiterhin Rohstoffe aus dem Boden geholt werden.

Download der Studie und weitere Informationen zum Einsatz der Dreikönigsaktion zum Thema Rohstoffe

Interessante Informationen sind zu finden:

Ziel

Gemeinsam sammelt ihr spielerisch die Einsatzmöglichkeiten und Bauteile von Mobiltelefonen und lernt die darin enthaltenen Bodenschätze und ihre Abbaubedingungen besser kennen. Im Anschluss sammelt ihr Ideen, wie diese Schätze besser gehütet werden können und lasst die Gruppenstunde mit einer kreativen Methode ausklingen.

Material

  • - Plakatpapier, Stifte, ev. Malutensilien
  • Teile eines alten beschädigten Mobiltelefons
  • Kleine Säckchen
  • Papier und Zeichenstift für jedes Kind
  • 17 kg Erde, Sand, Steine bzw. eine Mischung davon
  • Kuverts (mindestens A4)
  • Eine Brief- oder Küchenwaage

Aufbau

Dieses Modell gibt dir Anregungen zur Auseinandersetzung mit dem Mobiltelefon. Es führt von den Einsatzmöglichkeiten dieses Geräts über die enthaltenen Rohstoffe hin zur Auseinandersetzung mit sozial- und umweltfreundlichen Handlungsmöglichkeiten.

 

Einstieg:


Ihr gestaltet gemeinsam ein großes Smartphone-Plakat. In die Mitte des Plakats wird das Smartphone gezeichnet, die Fläche rundherum bleibt vorerst frei. Hier werden später weitere Notizen und Zeichnungen ergänzt.

Handyfunktionen spielerisch sammeln: Jedes Kind überlegt, was ein Handy alles kann. Reihum wird versucht, diese Funktionen pantomimisch darzustellen, die anderen raten. Wer es errät, schreibt/malt die Funktion auf das Plakat.

Was ist drinnen in so einem Mobiltelefon?


Ihr sammelt, was die Kinder schon über die Bestandteile eines Mobiltelefons wissen. Ergänzung: in kleinen Stoffsäckchen sind Teile eines zerlegten Mobiltelefons, jedes Kind bekommt ein Säckchen, tastet mit den Fingern das Teil ab und beschreibt, was es fühlt, die anderen versuchen, das Teil anhand der Beschreibung zu zeichnen.

Schatzsuche:


Du erklärst, dass in einem Mobiltelefon regelrechte Schätze enthalten sind. Denen soll nachgespürt werden. Im Raum, noch besser im Haus, sind Schatzsäckchen versteckt. Ihr begibt euch auf Schatzsuche. Die Säcke werden zusammen getragen und die beigefügten Kuverts geöffnet (aufgeteilt, je nach Gruppengröße, ein bis drei Kinder pro Säckchen). Die Kuverts beinhalten Bilder, Schautafeln und kurze Informationen zu Kupfer, Kobalt, Nickel, Zinn, Silber, Tantal, Gold und Aluminium (die Liste kann um weitere Rohstoffe ergänzt werden). Die Kinder stellen einander die Bilder und Informationen aus ihren Schatztruhen vor.

Handys versetzen Berge:


Um diese Schätze für das Mobiltelefon zu gewinnen, muss gegraben, gewaschen, chemisch gefiltert,... werden. Wenn möglich zeigt das Gewicht der Säcke, wieviel Erde bewegt wird und — mitunter giftig oder unbrauchbar — zurückbleibt, um die für ein Handy notwendige Menge an Gold, Kupfer, Silber etc. zu gewinnen (sonst: auf Plakaten veranschaulichen).

Die Tabelle zeigt den Anteil des Materials in einem Mobiltelefon und das Verhältnis zum beim Abbau bewegten Erdreich am Beispiel eines Smartphones mit 120 g Eigengewicht. Das Gewicht eines Smartphones liegt in der Regel zwischen 100 und 180 g, aber auch darunter und darüber. Mit der Waage können alle ihr Telefon abwägen und anhand der Prozentspalte das ungefähre Gewicht des Rohstoffs berechnen. Leider variiert nicht nur das Gewicht der verschiedenen Modelle an Mobiltelefonen, auch die Angaben zu den Anteilen der Bestandteile sind unterschiedlich. Wir gehen hier also von einem möglichen Beispiel aus.

Metall / Halbmetall

Anteil in Mobiltelefon in %

Gewicht der Rohstoffe im Telefon in Gramm

Abraumfaktor: dieses Mehrfache an Gestein wurde dafür bewegt

Gewicht der zusätzlich bewegten Erde

Kupfer

15

18

476

8,5 kg

Kobalt

3

3,6

33,3

120 g

Nickel

2

2,4

33,3

80 g

Zinn

1

1,2

100

120 g

Silber

0,16

0,192

4545

870 g

Tantal

0,004

0,0048

3333

16 g

Gold

0,024

0,0288

250000

7,2 kg

Aluminium

3

3,6

28

104 g

Summe

17 kg


Für nur acht Rohstoffe eines gerade 120 g schweren Mobiltelefons mussten also etwa 17 Kilogramm Gestein zusätzlich ab- bzw. umgegraben werden.

Schätzung:


Wieviel Erde wurde für alle im Raum befindlichen Handys bewegt?

Den Schatz bewahren:


Mobiltelefone enthalten tatsächlich wertvolle Bodenschätze. Für jedes neue Handy wurde umgegraben, das wertvolle Metall herausgelöst und auch Boden unbrauchbar gemacht. Ihr sammelt Vorschläge, was ihr zur Bewahrung dieser Schätze tun könnt (Handys länger nutzen, sorgfältiger damit umgehen, kaputte Handys wenn möglich reparieren lassen, nicht mehr genutzte Handys zu Recyclingsammelstellen bringen,...) — auch diese Vorschläge werden auf dem Plakat gesammelt.
Das fertige Plakat wird nun noch an einer für viele sichtbaren Stelle im Pfarrhof (oder sogar im Pfarrschaukasten) aufgehängt.

Rohstofflied oder Handyklangwolke:


Gemeinsam wollt ihr einen Sprechkanon oder ein Lied zu den Rohstoffen komponieren. Dazu sucht sich jedes Kind einen der Bodenschätze aus und überlegt sich dazu einen Rhythmus oder eine Melodie, wie er/sie das Wort aussprechen mag. Ihr könnt euch auch Geräusche (klatschen, stampfen, schnipsen,...) ergänzen. Dann probiert ihr aus, wie euer Lied klingt, wenn alle gleichzeitig nur ihr Wort sprechen oder singen.

Oder aber ihr "komponiert" zum Abschluss eine Klangwolke mit den Klingeltönen und akustischen Signalen auf den mitgebrachten Mobiltelefonen.

Autor/in: Alfons Drexler, Herbert Wasserbauer

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Schlagwörter: Welt, Medien, Wirtschaft, Technik