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Auf (Wort-) Schatzsuche

Gruppenstunde | Alter: 10-13 | Aufwand: hoch

Ziel

Wie schon der Titel dieser Gruppenstunde andeutet, soll diesmal den - vielleicht fremd anmutenden - Kostbarkeiten der Sprache auf die Spur gekommen werden. Sowohl durch eigenes Tun, als auch durch die Rezeption vorgegebener Texte wird erfahrbar, wie viel an Unbekanntem in der uns so vertraut scheinenden (Mutter)Sprache steckt. Dafür ist nötig, dass der/die Gruppenleiter/in eigens auf "Fremdartiges" hinweist, oder etwa gar anhand einiger ihm liebgewordener Elaborate avantgardistischer Bemühungen namhafter Dichter ein Literaturseminar ein miniatur veranstaltet - es genügt, wenn die Gruppe sich einfach mit den gestellten Aufgaben auseinandersetzt. Der äußere Rahmen (Verkleidung und geheimnisvolles Aufreten eines Magieres, liebevolle Gestaltung vom Arbeitsmaterial, Schatzkarte und Schatzkiste) will gut vorbereitet sein und darf ein wenig aufwendiger ausfallen als gewohnt.

Material

  • Schatzkarte in 7 Stücke geteilt
  • Gedicht z.B. Traum und Leben von Heinrich Heines
  • 21 Dornröschen-Kärtchen
  • ev. Phantasiewörter
  • Rebus
  • Songtext von "Wo hama denn den Fahrschein?" (Kurt Ostbahn)
  • 1-2 Gedichte z.B. Nachtbild, Wintermorgen von Rainer Maria Rilke
  • verschiedene Werke für den Schatz: z.B. Originaltext von Traum und Leben; Duden, Band 7; Kleines Lexikon untergegangener Wörter hg.: Nabti Osman; alles easy; Deutsche Unsinnspoesie; Da Jesus und seine Hawara von Wolfgang A.Teuschl; geeignete Texte aus den privaten Beständen

Aufbau

Wir kennen aus unzähligen Märchen, dass, wer einen Schatz findet und ihn haben will, erst einmal vor einigen Problemen gestellt wird und diese zu lösen hat, bevor er ans Ziel seiner Wünsche gelangt.
Diese Probleme begegenen der Gruppe in Form von sieben Aufgaben, die ihr von einem/r als Magier verkleideten und mit bedeutungsschwangerer Stimme sprechender Gruppenleiter/in gestellt werden (die jeweils nächste immer erst dann, nachdem die vorhergehende zufriedenstellend erfüllt worden ist). Nach jeder erfolgreichen Problemlösung erhält die Gruppe einen Teil einer in sieben Stücke zerissenen Karte (ein Lageplan der zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten), die - ist die erst einmal vollständig - der Gruppe zeigt, wo der Schatz versteckt ist.

 

Die sieben Aufgaben


Der/Die Spielleiter/in erklärt -bereits als Magier verkleidet- den Ablauf der Schatzsuche.

Traum und Leben


Es glühte der Tag, es glühte mein Herz,
Still trug ich herum mit mir den .....
Und als die Nacht kam schlich ich fort
Zur blühenden Rose am stillen .....

Ich nahte mich leise und stumm wie das Grab;
Nur Tränen rollten die Wangen .....
Ich schaut in den Kelch der Rose hinein,-
Da glomms hervor, wie ein glühender .....

Und freudig entschlief ich beim Rosenbaum;
Da trieb sein Spiel ein neckender ....
Ich sah ein rosiges Mädchenbild
Den Busen ein rosiges Mieder ....

Sie gab mir was Hübsches, recht goldig und weich;
Ich trugs in ein goldenes Häuschen .....
Im Häuschen da geht es wunder bunt,
Da dreht sich ein Völkchen in zierlicher .....

Da tanzten zwölf Tänzer, ohn Ruh und Rast,
Sie haben sich fet bei den Händen .....
Un wenn ein Tanz zu enden begann.
So fängt ein andrer von vorne .....

Und es summt mir ins Ohr die Tanzmusik:
Die schönste der Stunden kehrt nimmer .....
Dein ganzes Leben war nur ein Traum
Und diese Stund ein Traum im .....

Der Traum war aus, der Morgen graut,
Mein Auge schnell nach der Rose .....
Oh weh! Statt des glühenden Fünkleins steckt
Im Kelch der Rose ein kaltes .....

Bei diesem Gedicht von Heinrich Heines (entstanden zwischen den Jahren 1819 und 1822) fehlt in jeder zweiten Zeile das letzte Wort (den vollständigen Originaltext findet die Gruppe dann in der Schatzkiste). An diesen Leerstellen sollen Wörter eingesetzt werden, aber: nichts darf sich reihmen, und: je unpassender die Wörter, umso lustiger!

Teilt sich die Gruppe in mehrere Kleingruppen oder in Paare, verspricht das Vorlesen der Ergebnisse der jeweils anderen mehr Überraschung und Spaß. (Dafür sind dann aber auch entsprechend viele vorlagen vorzubereiten!) Sind alle Gedichte zur Gehör gebracht worden, erhält die Gruppe den ersten Teil der Karte.

Dornröschen


Die Gruppe erhält 21 Kärtchen, die so beschriftet sind:
und| Es| beide| zufrieden| bis| Kinder,...| waren| ein König| hatten| eine Königin,| an| lebten| ...und| einmal| glücklich| ihr| keine| und| Ende| miteinander,| die

Diese Kärtchen sind von der Gruppe so aufzulegen, dass der zerschnippelte Text, der sich sich dahiner verbirgt wieder lesbar wird. Die richtige Lösung ergibt den ersten Teil des ersten und den letzten Teil des letzten Satzes des Märchens "Dornröschen" aus der Sammlung Ludwig Bechsteins: "Es waren einmal ein König und eine Königin, die hatten keine Kinder,...
...und beide lebten glücklich und zufrieden miteinander, bis an ihr Ende."

Phantasiewort


Die Gruppe teilt sich in zwei Hälften. Jede Kleingruppe spielt der anderen eine kurze Szene vor,wobei aber ausschließlich ein Phantasiewort verwendet darf (entweder wird dieses selbst ausgedacht oder der/die Magier/in stellt es - auf ein zerknittertes und durch die Jahrhunderte deutlich in Mitleidenschaft gezogenes Zetterl in schöner Schrift geschrieben - zur Verfügung) - etwa:

Myrzelfaun und für die andere Gruppe Gruhdenbloch gesprochen werden darf. Das Phantasiewort darf während der Aufführung der kleinen Szene beliebig oft und gleichgültig ob es als Haupt-, Zeit-, Eigenschafts- oder sonst ein Wort verwendet werden.

Haben beide Gruppen erkannt, wovon das Spiel der jeweils anderen gehandelt hat, wird der dritte Teil der Schatzkiste ausgefolgt und die vierte Aufgabe gestellt.

Ein Rebus


ist ein Bilderrätsel, dem ein Text (oft wieder ein Rätsel ...) zugrunde liegt, der erkennbar wird, wenn mit den Bezeichnungen der abgebildeten Menschen, Tiere, Gegenstände etc. den (meist verschlüsselten) Anweisungen entsprechend verfahren, bzw. einfach herumprobiert wird.
Die Gruppe erhält den großen A3 Rebus und soll auf folgende Lösung kommem:
"Habt ihr das erraten? - Geil!
Jetzt kriegt ihr den vierten Teil."


(Ja, und dann erhält die Gruppe auch den vierten Teil der Schatzkiste)

Dialekt


Der Gruppe wird die Aufgabe gestellt, einen in Dialekt verfassten Text (etwa von Dr. Kurt Ostbahn "Wo hama denn den Fahrschein?") in Hochsprache zu übertragen:

Wo hama denn den Fahrschein

Es gibt in Wien an schwoarzen Mann
Den sichts den Schwoarzen garnet an
Sei Job is hart und streng geheim
Eam geht a jeda aufn Leim
Geht gut getarnt auf die Pirsch
Merkst eam erst wanns die dawischt

Refrain
Nau wo hama denn den Fahrschein
Nau wann kommt er denn zum Vorschein
Jo wo is er denn der Fahrschein
Fahrn ohne Fahrschein
Na des derf ned sein
(Gemma gemma brenn)

Er schaut net aus wie ein Organ
Was kontrolliert in Bus und Bahn
Ob jeder Gast der wos do fahrt
Wia sa se gheat die Fahrt bezahlt
Er is ned schwoarz wann er so pirscht
Ka Kappla mehr was zu dir zischt

Refrain
Nau wo hama denn den Fahrschein
Nau wann kommt er denn zum Vorschein
Jo wo is er denn der Fahrschein
Fahrn ohne Fahrschein
Na des derf ned sein
(Gemma gemma brenn)

Er ist geheim auf Mission
Als Passagier in dein Waggon
Mit falschem Bart und an gutn Buch
Fangt er di o mitd oidn Spruch
Und kummst eam aus wart am Perron
Was wett ma no a Nulltarifspion

Refrain
Nau wo hammma denn den Fahrschein
Nau wann kommt er denn zum Vorschein
Jo wo is er denn der Fahrschein
Fahrn ohne Farnschein
Na des derf ned sein
(Gemma gemma brenn)

Sieben Wörter


sollen von den Kindern in einer Weise geschrieben werden, dass sie so aussehen, wie das was sie bezeichnen.
Mögliche Wörter: Topfenstrudel, Bonbon, Tankwagen, Hummel, Karies, Faszination, Rollsplitt, Museum, Kanalratte, Kurzschluss, Erdäpfelpüree, Beichtgeheimniss, Gummistifel, Kokospalme, Feuersalamander,...

Geräusch-Gedicht


Die Gruppe (oder zwei Kleingruppen) erhält ein kurzes Gedicht (bzw. eben zwei Gedichte), die ohne Wörter rezitiert, also nur mit Hilfe von Geräuschen ausgedrückt werden sollen.

Wintermorgen
Der Wasserfall ist eingefroren
die Dohlen hocken am harten Teich.
Mein schönes Lieb hat rote Ohren
und sinnt auf auf einen Schelmenstreich.
Die Sonne küsst uns, Traumverloren
schwimmt im Geäst ein Klang in Moll;
und wir gehen fürder, alle Poren
vom Kraftarom des Morgens voll.

Nachtbild
Auch auf der Theaterrampe
Wird es still und nach und nach-
Eine eitle Bogenlampe
schaut sich in ein Droschenkendach.
Auf dem leeren Gangsteig zucken
Lichter. - Sehnnicht dort am Haus
helle Dachmansardenlucken
Wie verweinte Augen aus?

(Beide Gedichte hat Rainer Maria Rilke verfasst)

Ist auch diese Aufgabe erfolgreich gelöst worden, erhält die Gruppe natürlich den letzten Teil der Schatzkarte und nun ist es nicht mehr schwer, den Schatz zu finden.

Der Schatz


In einem kleinen Kästchen befindet sich eine Fülle von Texten - es handelt sich also im wahrsten Sinne um einen "Wortschatz".
Jetzt muss nicht mehr geraten werden, getüfftelt oder sonst eine Aufgabe erfüllt werden, jetzt ist Zeit zum Staunen und genüsslichen Schmökern.
Schätzt der/die Gruppenleiter/in seine Gruppe so ein, dass die eher wild im Schatz wühlen und sich kaum gemütlich um das Kistchen versammeln wird, um sich in Ruhe an den einzelnen Kostbarkeiten zu erfreuen, so gestaltet er das Finden des Schatzes eben strukturiert und bringt es Stück für Stück zu Tage, nicht ohne jedes Kleinod allen bekannt zu machen.

Der Schatz könnte bestehen aus:

  • Duden, Band 7 (ein etymologisches Wörterbuch also eines, das die Herkunft vieler Wörter erklärt)
  • Kleines Lexikon untergegangener Wörter (herausgegeben von Nabti Osman; Beck'sche Reihe 487)
  • alles easy (ein Wöterbuch des Neudeutschen von Eike Schönfeld; Beck'sche Reihe 1126)
  • Deutsche Unsinnspoesie (Reclam 9890)
  • Da Jesus und seine Hawara (eine von Wolfgang A.Teuschl verfasste Evangelienübertragung in den Wiener Dialekt; Residenz Verlag
  • geeignete Texte aus den privaten Beständen des/der Gruppenleiters/in

Autor/in: Günter Bosek, Judith Pühringer

Publikation: fremdsein

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Schlagwörter: AusländerInnen, Sprache