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Unfreiwillig unterwegs

Gruppenstunde | Alter: 8-12 | Aufwand: mittel

Hintergrund

Unterwegs sein - das kann Abenteuer, neue Eindrücke, Natur und vieles andere bedeuten, wie wir hier in diesem Heft lesen können. Im Großen und Ganzen also tolle, positive Erfahrungen, die wir als Gruppe gemeinsam machen können.

Aber was bedeutet es, wenn man nicht freiwillig unterwegs ist? Wenn Menschen durch äußere Umstände gezwungen sind, sich auf den Weg zu machen. In eine andere Stadt, ein anderes Land oder gar auf einen anderen Kontinent?
In unserer heutigen Zeit ist das Thema Flucht und Migration in aller Munde und es gibt sehr unterschiedliche Standpunkte dazu. Dabei werden schutzsuchende Menschen oft als "Katastrophe" dargestellt, die unser Land buchstäblich "überrennt", es werden Ängste geschürt und Empathie, Solidarität und Hilfsbereitschaft hintangestellt.
Mit dem folgenden Gruppenstundenmodell kannst du gemeinsam mit deinen Kindern überlegen, was Zuhause für jede/n von uns bedeutet, aus welchen Gründen man seine Heimat verlassen muss und wie es ist, sich ein neues Zuhause in einer fremden Umgebung aufzubauen, um die Lage der vielen Menschen, denen dies zustößt, ein wenig besser zu verstehen.

Ziel

Die Kinder sollen sich mit dem Thema Migration und Flucht auseinandersetzen, um ein Stück weit besser zu verstehen, wie schwierig es ist, sein Zuhause aufgeben zu müssen, um in einem fremden Land neu anzufangen.

Material

  • Textpassage Zuhause
  • Plakat mit Zeichnung von einem Haus (Option: Zeitschriften oder Ähnliches als Material für eine Collage)
  • Stifte
  • Klebepunkte (3 Farben)
  • Post-Its

Aufbau

Zu Beginn sprecht ihr gemeinsam darüber, was denn Zuhause für einen Menschen bedeuten kann. Im Anschluss überlegst du dir mit deinen Kindern, welche Gründe es geben könnte, von Zuhause wegzugehen und was man wohl mitnehmen würde, sollte man tatsächlich in diese Situation kommen. Abschließend denkt ihr noch darüber nach, wie man sich ein neues Land zur neuen Heimat machen kann.

 

Zuhause, das ist viel mehr...


Als Einstieg wollen wir erstmal überlegen, wie wichtig ein Zuhause eigentlich ist. Dazu kannst du oder eines deiner Kinder folgende Textpassage vorlesen:

Zuhause, das ist viel mehr als ein Dach über dem Kopf. Zuhause, das ist das eigene Zimmer, das eigene Bett, die eigene Nachttischschublade, die eigene Zahnbürste, das ist nachts einschlafen und wissen, dass einen die Mutter am nächsten Morgen wieder wecken wird und dass alles noch da sein wird, unser Spielzeug, unser Computer, unser Handy, unser Lieblingsstofftier, dass das Essen auf dem Tisch stehen wird. Dass wir uns im Grunde um nichts zu kümmern brauchen, dass wir mit allem versorgt sind. Zuhause, das sind auch die Menschen, denen wir vertrauen, die Eltern und Geschwister, bei denen wir sicher sein können, dass sie uns nichts Böses wollen, denen wir alles, fast alles erzählen können, an die wir uns mit unseren Wünschen wenden können oder mit unserem Ärger. Unser Zuhause ist der Mittelpunkt unseres Lebens, und wenn wir von einer langen Reise oder nach Wochen im Krankenhaus zurückkommen, dann öffnen wir die Tür und atmen auf - endlich wieder zu Hause! Alles noch so, wie wir es verlassen haben. Was für ein gutes Gefühl! Ein Zuhause haben heißt: wissen, wo man hingehört. Ein Hotel ist kein Zuhause, selbst wenn es fünf Sterne hat. Ein Gefängnis ist kein Zuhause, auch wenn man dort regelmäßig seine Mahlzeiten bekommt. Ein Flüchtlingslager ist kein Zuhause, auch wenn man sich dort sicher fühlt. Man kann sagen:
Zuhause, das ist der wichtigste Ort, den wir auf der Welt haben.
Quelle: Gibt es Hitzefrei in Afrika? So leben die Kinder dieser Welt, Hrsg. Sabine Christiansen, Janosch, Heyne Verlag (2006)

Was haltet ihr von dieser Beschreibung? Stimmt ihr zu? Oder gibt es vielleicht noch andere Dinge, die zu einem schönen Zuhause dazugehören, die euch besonders wichtig sind?

Nehmt dazu ein Plakat, auf das du ein großes Haus gemalt hast und füllt dieses mit Begriffen, die euch zu "Zuhause" einfallen. Das können Gegenstände wie im Text (Spielzeug, Stofftier) sein oder aber auch Abstrakteres wie 'gute Freunde', 'gemeinsame Spieleabende', etc. Ihr könnt sie draufschreiben oder zeichnen.

Option: Statt die Dinge zu zeichnen, könnt ihr auch Bilder, Zeitschriften, etc. mitbringen und eine große Collage zum Thema "Zuhause" basteln.

Flucht, aber wieso?


Im nächsten Schritt erklärst du deinen Kindern, dass ihr euch nun mit Menschen beschäftigen wollt, die ihr Zuhause aufgeben mussten, um an einem anderen Ort zu leben. Frag deine Kinder, ob sie Menschen in ihrem Umfeld kennen, die aus einem anderen Land nach Österreich gekommen sind und ob sie wissen, warum sie ihre Heimat verlassen haben. Lass deine Kinder erzählen. Malt nun Pfeile auf euer Plakat, die vom "Zuhause" wegzeigen und schreibt zu jedem Pfeil einen genannten Grund, weswegen jemand seine/ihre Heimat verlassen hat. Sollten deine Kinder niemanden im Bekanntenkreis haben, der/die nach Österreich geflüchtet ist, überlegt gemeinsam, welche Gründe Menschen in unterschiedlichen Situationen haben könnten.

Koffer packen


Die Heimat aufzugeben und in ein anderes Land flüchten zu müssen, ist ein sehr einschneidendes Erlebnis. Oft kann man dabei nicht einfach seinen Urlaubskoffer packen und ins nächste Flugzeug steigen. Der Weg der Flucht ist oft beschwerlich, gefährlich und lässt es nicht zu, mehr als das Allernötigste mitzunehmen.

Deine Kinder sollen nun überlegen, was sie aus dem "Zuhause", das sie zu Beginn kreiert haben, auf der Flucht mitnehmen würden. Anhand von verschiedenfarbigen Klebepunkten können sie markieren, welche Dinge sie für "sehr wichtig", "wichtig" oder "nicht wichtig" erachten. Jedes Kind erhält für drei Klebepunkte pro "Wichtigkeit".

Haben alle Kinder ihre Punkte vergeben, seht ihr euch das Ergebnis an. Sind die Punkte sehr unterschiedlich verteilt oder sind sich deine Kinder einig? Lass deine Kinder diskutieren, warum sie welche Gegenstände für wichtig/unwichtig erachten. (Achte darauf, es gibt hier keine richtige / falsche Wahl.)

Ankommen


Zum Abschluss wollen wir uns noch damit auseinandersetzen, was es braucht, um in einem neuen Land auch eine neue Heimat finden zu können.

Hierfür könnt ihr wieder auf euer Plakat zurückgreifen. Sind es Gegenstände, die ihr mitgebracht habt? Oder Immaterielles, das sich nicht so einfach in den Rucksack packen lässt (z.B. Freunde)? Was kann man nun tun, um diese Dinge auch im neuen Land zu bekommen? Schreibt als letzten Schritt nun Lösungsstrategien auf Post-Its und klebt sie zu den jeweiligen Dingen eures Zuhauses. Dies könnte ein Supermarkt für spezielle Lebensmittel sein, sollte es um die heimatliche Landesküche gehen, die man vermissen würde, die Jungschar oder Schule, um neue Freunde zu finden oder auch per Skype, sozialen Medien etc. Kontakt zu Freunden und Familie aus der Heimat zu halten. Ihr werdet sehen, es gibt nicht für alles eine klare, einfache Lösung, aber gemeinsam lässt sich schon einiges finden.

Nach einer thematischen Gruppenstunde wie dieser ist es für die Kinder oft angenehm, wenn anschließend noch etwas Zeit bleibt, um zur Auflockerung - unabhängig vom Thema - ein kurzes Spiel zu spielen und sich zu bewegen.

Autor/in: Te Millesi

Publikation: movi 1/2017

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Schlagwörter: Welt, AusländerInnen, Gesellschaft