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Und welchen Vogel verehrst Du?

Gruppenstunde | Alter: 12-14 | Aufwand: hoch

Ziel

Die Kids sammeln bewußt, welche Phänomene von "quasi-religiösen" Kulten sie im Alltag um sich herum beobachten;
Sie überlegen, welchen dieser Werte sie zugeneigt, welchen abgeneigt sind;
Sie überlegen, was ihnen, hier und jetzt, "wirklich wichtig" ist.

Material

  • haufenweise Papierhühner im handlichen A5-Format
  • ein goldenes Ei (echt oder auch nur aus Papier)
  • Papiertauben, je eine pro Gruppenmitglied
  • Film "Das Fest des Huhns", auszuborgen im Jungscharbüro oder bei Baobab

Aufbau

Das Fest des Huhns - eine Filmschau (wahrscheinlich wohl in der Gruppenstunde davor)
Hühner um uns herum - Sammelmethode
Hühnerkonferenz - Präsentation der Sammelergebnisse
Die Qualität von Hühnern - Bewertungsphase
Und was ist mir selbst nun wichtig? -
Die Perlen des Lebens - eine Bibelstelle

 

Hintergrund


Diese Gruppenstunde geht vom Film "Das Fest des Huhns" aus. Ein knapper Einblick in die Filmhandlung: Ein Kamerateam aus Kenia besucht das sagenhafte Oberösterreich, um die Sitten und Bräuche der dort noch unberührt lebenden Völker zu dokumentieren. Dabei werden die Kenianer darauf aufmerksam, daß die offiziellen religiösen Gebäude, die Kirchen, praktisch leerstehen. Dennoch sind auch die Oberösterreicher ein religiöses Volk, denn das Kamerateam kann die Leute beobachten, wie sie sich mit größter Energie dem Zeltfest widmen. Dabei wird nicht nur viel Bier getrunken, sondern auch einer kultische Figur gehuldigt. Nach einigen Recherchen wird den Kenianern klar, daß ein Vogel, das Huhn nämlich, im Mittelpunkt der Feier steht. Hühner werden bei diesen Festen rituell verspeist. Offensichtlich, so vermutete das Filmteam, handelt es sich um eine Weiterentwicklung der Taube, jenes religiösen Tieres, das in den Kirchen häufig dargestellt wird und wohl früher verehrt wurde.

Der Film arbeitet mit einem Umkehreffekt: Jener Blick, mit dem sonst wir die Fremden belegen, analysieren und beurteilen, wird nun ans Eigene, in diesem Fall an die Oberösterreicher, angelegt. Durch diese "Brille" betrachtet erschließen sich neue Zugänge. Was zuerst als witzige Pointe erscheint, erweist sich schließlich als äußerst aufschlußreich, wenn es um das Kennenlernen von uns selbst geht.

Für diese Gruppenstunde soll dieser "fremde Blick" noch weiter genutzt werden und die eigene nähere Umgebung damit betrachtet werden. Tatsächlich stellt sich die Frage, welcher "Vogel" von uns selbst und den Menschen um uns verehrt wird: Sind es die Autos, oft als "Heilige Kühe" bezeichnet? Ist es der Sport? Ist es das Einkommen, das jede/r begehrt und über das niemand spricht? Ist es die romantisch-idylische Vorstellung der Zweierbeziehung, vor der angeblich kein anderer Wert bestehen kann? Oder ist es doch der Heilige Geist, von dem die Kirche spricht? ...

Hinter dieser Fragestellung steht die Annahme, daß jenes, das wir als "religiös" bezeichnen, es häufig weniger ist als viele der Gegenstände, die wir üblicherweise als weltlich betrachten, die aber seltsamerweise mit geradezu religiösem Eifer verehrt werden (Lesehinweis: Thomas Luckmann: Die unsichtbare Religion). Ich denke, dass manche dieser "quasi-religiösen" Vorstellungen dem Menschen nicht gut tun, sondern ihn in schädliche Abhängigkeiten bringen. Diese Gruppenstunde soll aber weniger ein Urteil darüber sprechen, als vielmehr, und damit kommen wir zu den Zielen ...


Das Fest des Huhns - eine Filmbeschau



Zuerst schaut sich die Gruppe gemeinsam den Film an. Da er etwa 45' dauert, wird dies wohl eine ganze Gruppenstunde in Anspruch nehmen. Den Film erhältst Du im Jungscharbüro. Außerdem kannst Du ihn Dir bei Baobab ausborgen (Wien 9, Berggasse 7, Tel. 01/ 317 30 90/ 326 Fax; o1/ 317 30 95; e-mail: baobab @ magnet.at; Öffnungszeiten Mo-Do 9-12 und 14-17 Uhr )


Hühner um uns herum



Zu Beginn der Gruppenstunde versucht Ihr Euch wieder jene Szenen in Erinnerung zu rufen, die den Titel des Films erklären: Wo kam eigentlich dieses Huhn vor?
Du erklärst Deiner Gruppe, dass Ihr Euch heute auf die Suche nach solchen Hühnern machen wollt. Zu diesem Zweck hast Du Papierhühner mitgebracht, die etwa ein A5-Blatt groß sind und von Dir eventl. ausgeschnitten wurden. Jede/r bekommt mehrere davon, weil auf jedem Papierhuhn ein "verehrtes" Huhn geschrieben wird. Es gilt nun, "Hühner" ausfindig zu machen.

Wie das geht? Du hast aus unterschiedlichen Zeitschriften, Illustrierten und Magazinen Abbildungen von Menschen in verschiedenen Lebenssituationen (Sportler/innen, Manager/innen, Familienmenschen, Berater/innen, Skater/innen,....) ausgeschnitten und Dir zu jedem/r von ihnen eine kurze Vorstellung überlegt. Zum Beispiel handelt es sich bei einer Abbildung um:

Name: Karla Klaves
Alter: 19
Beruf: Musikstudentin
Familienstand: ledig
Interessen: die Geschichte des Klavierbaus
Freizeitaktivitäten: "Ich hab eigentlich kaum freie Zeit, außerdem sitz’ ich liebend gern am Klavier."

Die Gruppenmitglieder versuchen nun, anhand der Photos und der "Vorstellungsformulare" zu phantasieren, was denn diese Person (wirklich) verehren könnte. Natürlich kann das niemand so genau, und noch dazu von außen, beurteilen. Aber man darf sich ja so seine Gedanken machen, vor allem, solange man sich dessen bewußt bleibt, dass man ja auch Falsches annehmen könnte. Die Gruppenmitglieder sollten ermuntert werden, hinter die Fassaden der Leute zu schauen und sich ihre Phantasien zu machen, was die bewegt.

Du hast diese Zeitungsausschnitte im Raum verteilt. Die Gruppenmitglieder sollen einen kleinen "Spaziergang" unternehmen und etwas die Leute beobachten, was denn deren "Huhn" sein könnte und diese "Hühner" aufs Huhn draufschreiben.


Hühnerkonferenz



Nach dieser Sammelphase präsentieren nun alle Gruppenmitglieder ihre "Hühner": Jedes Gruppenmitglied nimmt eines seiner Hühner und läßt es in der Ich-Form reden , also spricht jedes Huhn für sich selbst.
Damit sich alle auskennen, machst Du das vor, z.B.: "Hallo, ich bin das Huhn »peppige Kleidung«. Ich werde von einem Herrn verehrt, der zwar rasch an dem Geschäft »flotte Wäsche« vorüber gegangen ist, aber in seinem flüchtigen Blick große Verehrung erkennen ließ."


Die Qualität von Hühnern



Nehmen wir einmal an, es gäbe etwas ganz ganz Wertvolles, bei dem sich alle einig sind, dass es DAS ganz ganz Wertvolle ist. Nennen wir es "das goldene Ei". Um es zu symbolisieren, hast Du ein solches mitgebracht, entweder ein echtes, goldgefärbtes (das vorzugsweise ausgeblasen ist) oder in bewährter Weise aus Papier geschnipselt. Du legst das goldene Ei in die Mitte das Raumes, weil es ja das Zentrale ist. Dieses "Ideal-Ei" wird allerdings nicht konkret benannt. Und nun kommen die einzelnen Hendln dran. Gemeinsam als Gruppe überlegt Ihr, wie nahe an dieses Ideal-Ei das einzelne Huhn heran reicht. In entsprechender Distanz vom Ei wird das Huhn zu Boden gelegt.

Als Gruppenleiter/in hast Du hier die Aufgabe, die Gruppenmitglieder zur Auseinandersetzung zu motivieren, darauf zu schauen, dass die Hühner nicht nur einfach nur möglichst rasch im Raum verteilt werden, Gespräche anzuregen, entstehende Diskussionen zu moderieren . Dies ist der Moment der Gruppenstunde, wo es zu interessanten und mitunter auch intensiven Gesprächen kommen könnte. Es gilt zu argumentieren, aber auch zuzuhören. Ob das möglich ist, hängt von der Gesprächskultur der Gruppe, von der Tagesverfassung der Kids und vielen anderen Dingen ab, die mitunter nicht direkt beeinflußbar sind. Falls es zu keinen sonderlich aufregenden Gesprächen kommt, hat bestimmt schon das Sammeln bzw. Beobachten von "Hühnern" eine Auseinandersetzung mit dem Thema bewirkt.


Und was ist mir selbst nun wichtig?



Nachdem der ganze Hühnerstall am Boden liegt und sich die diversen Hennen der beglückenden Bodenhaltung erfreuen dürfen, wendet Ihr Euch Euch selbst zu. Zuerst wurden ja die "Hühner" anderer Leute beobachtet. Nun stellt Ihr diese Frage an Euch selbst: Was eigentlich ist mir so wichtig, dass ein kenianisches Fernsehteam annehmen könnte, ich verehre es in "quasi-religiöser" Weise?
Für dieses Überlegen bekommt wieder jede/r einen Vogel, aber diesmal kein Huhn, sondern eine Taube, die ja auch im Film vorkam. Auf dieser Taube ist genügend Freiraum, um "Wichtiges" draufzuschreiben.

Für diesen letzten Teil der Gruppenstunde sollte es genügend Ruhe und Zeit geben. Wichtig wäre, dass die Kids selbst entscheiden können, ob jede/r diese seine/ihre "wichtigen Taube" für sich behält und gar nichts weiter sagt. Dann sollte das aber vorher gesagt werden. Oder aber, die Atmosphäre in der Gruppe ist so vertrauensvoll, dass auch darüber geredet werden kann und ein persönliches Erzählen darüber, was mir/ihm wichtig ist, möglich ist. Auch dies sollte, falls es so abläuft, schon vorher gesagt werden, damit alle wissen, worauf sie sich einlassen.

Du als Gruppenleiter/in machst hier genauso wie die mit wie die Kids. Das könnte eine gute Gelegenheit sein, etwas von dem zu erzählen, was Dir wichtig ist.


Die Perlen des Lebens



Die Frage, was wirklich wichtig ist, hat sich Jesus auch gestellt und sie wurde ihm oft von den Leuten um ihn herum gestellt. Einmal hat er darauf mit einem Gleichnis geantwortet, mit dem Du diese Gruppenstunde beenden könntest.

Das Gleichnis vom Schatz und von der Perle



Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben ist. Ein Mann entdeckte ihn, grub ihn aber wieder ein. Und in seiner Freude verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte den Acker. Auch ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte. Als er eine besonders wertwolle Perle fand, verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte sie. (Mt. 13,44-46)

Autor/in: Gerald Faschingeder

Publikation: Bravo & Co, KiK 105

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