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Eine Familie vereint ihre Kräfte

Gruppenstunde | Alter: 6-13 | Aufwand: hoch

Hintergrund

In Tansania leben mehr als 75% der Bevölkerung als Landarbeiter/innen. Das heißt also, dass drei von vier Menschen Bauern bzw. Bäuerinnen sind. All diese Menschen sind von ihrem Land abhängig, es ist der wichtigste Besitz der Familien. Allerdings können viele von ihnen rechtlich nicht nachweisen, dass das Land ihrer Familie gehört. Deshalb ist es für große Firmen oft sehr leicht, die Menschen von ihrem Land zu vertreiben — auch ohne die oft versprochenen Entschädigungen. Dieser Boden wird aus mehreren Gründen gekauft: um Soja oder Mais als Tierfutter anzubauen, um Biotreibstoffe zu produzieren oder wegen Landspekulationen.

Material

Aufbau

Die Jungschargruppe reist als Landarbeiter/innenfamilie nach Tansania. Dort kümmert sie sich erstmal um das Feld und die Ernte. Doch dann kommt jemand daher und will das Land der Familie kaufen. Mit vereinten Kräften und gemeinsam mit Helfer/innen und Unterstützung durch die (DKA-Partner)Organisation MIICO schafft es die Familie, ihr Land zu behalten und kann wieder Samen säen.

Einige Teile der Gruppenstunde sind als Bausteine gekennzeichnet. Diese kannst du je nachdem ob ihr genug Zeit habt, einbauen oder auch weglassen.

 

Einstieg


Lege die Puzzleteile der Tansania Landkarte mit Buchstaben auf den Tisch. Die Kinder sollen sie nun zusammenbauen. Anschließend erzählst du ihnen kurz etwas über Tansania. Zeig den Kindern auch auf einem Globus oder einer Karte von Afrika, wo genau es liegt.

Option für jüngere Kinder: Drucke auf die Rückseite der Karte die Flagge von Tansania und lasse sie diese zusammenlegen. Danach drehst du das fertige Bild um und ihr schaut euch gemeinsam die Karte von Tansania an.

Tansania Infobox

Tansania ist ein großes Land im Osten Afrikas, das an den Indischen Ozean grenzt. Es ist mehr als 11 mal so groß wie Österreich. Es leben fast 6 mal so viele Menschen in Tansania wie in Österreich. Die meisten sprechen Swahili. "Hallo" heißt auf Swahili "Habari". Obwohl Tansania eine britische Kolonie war, ist Swahili heute wieder die wichtigste Sprache im öffentlichen Leben.
Die meisten Menschen leben von Landwirtschaft, hauptsächlich Subsistenzwirtschaft. Viel gewinnbringender für die Unternehmen sind aber andere Sektoren, wie der Export von Mineralien (vor allem Gold), landwirtschaftlichen Produkten (z.B. Cashewnüsse, Kaffee und Tabak) und Erdgas.
In Tansania gibt es eine riesige Savanne — sie heißt Serengeti und ist in der Welt sehr berühmt. Es gibt auch einen sehr großen See — den Viktoriasee.

Auflockerungsspiel (Baustein)


Wir reisen jetzt gemeinsam als Jungschar Familie nach Tansania, um dort unser Land zu versorgen. Wir sind nämlich eine ganz typische tansanische Großfamilie und besitzen so viel Land, dass wir von den Dingen, die wir anbauen, leben können. Nun steht bald die Ernte an, die neuen Pflanzen müssen dann wieder ausgesät und versorgt werden.

Um uns in Tansania gut zurecht zu finden, üben wir auf Swahili "Hallo" zu sagen. Im Jungscharheim verteilt, gehen wir herum und grüßen jede Person die uns entgegenkommt mit "Habari".

Ernte


Super! Wir haben es geschafft und sind in Tansania angekommen. Und wir haben schon eine Nachricht erhalten! Lasst uns lesen, was da draufsteht.

Kärtchen 1
Liebe Familie!
Heute ist es wieder einmal soweit: endlich — nach langer und sorgfältiger Pflege eurer Pflanzen gibt es nun wieder die Belohnung: Bananen und Mangos sind reif, der Mais ist kochbereit, die Bohnen locken schon und der Reis wartet auf euch. Lasst uns zur Ernte gehen!


Es ist nicht immer ganz so leicht, bis zu den Mangos und Bananen zu kommen. Bei Reis, Bohnen und Mais ist das leichter. Ihr seht vielleicht, dass einige Früchte zu hoch sind, um sie ganz ohne Hilfe erreichen zu können. Überlegt euch, wie ihr gemeinsam zum Obst kommen könnt!

Verteile vor der Gruppenstunde die Kärtchen mit Hirse, Mais, Bohnen, Hühnern, Bananen und Mangos im Raum (oder draußen am Spielfeld). Achte darauf, dass Bananen und Mangos eher weiter oben, an schwieriger zu erreichenden Stellen sind. Du kannst sie auch irgendwo aufhängen.

Die Kinder sollen nun versuchen alle Kärtchen zu finden und zu "ernten". Sie sollen versuchen auch an die höher hängenden Früchte ranzukommen, ohne Möbel oder andere Hilfsmittel zu verwenden — nur durch gegenseitiges Fest- und Hochhalten. Achtung! Pass bitte gut auf, dass das Obst für die Größe der Kinder geeignet liegt und nur auf bzw. über stabilen Möbeln und Dingen.

Wenn die Kinder alle Kärtchen eingesammelt haben, ratet ihr gemeinsam, was die dargestellten Dinge sind. Dann erzählst du den Kindern, dass diese Obst- und Getreidesorten zu den wichtigsten Anbauprodukten von tansanischen Familien gehören. Hirse, Bohnen und Mais, aber auch Bananen, sind ihre Grundnahrungsmittel.

Tausch-Lauf-Spiel (Baustein)

Subsistenzwirtschaft Infobox

Ein großer Teil der ländlichen Bevölkerung in Tansania und vielen anderen Ländern des Globalen Südens lebt von Subsistenzwirtschaft. Das bedeutet, dass sie die Dinge die sie zum Leben brauchen (Nahrung, Kleidung, Unterkunft) weitgehend selbst produzieren, statt sie für Geld zu kaufen. Im Gegensatz zu bezahlter Arbeit, arbeiten Menschen in der Subsistenzproduktion also nicht um einen möglichst hohen Profit oder Gehalt zu erzielen, sondern um ihre grundlegenden Bedürfnisse zu erfüllen. Meist ist es aber nicht möglich, alle Dinge die sie zum Leben und Arbeiten brauchen selbst herzustellen. Deshalb müssen sie einen Teil ihrer Produkte verkaufen, um etwa Werkzeuge, Maschinen oder bestimmte Lebensmittel am Markt zukaufen zu können.

Die Ernte ist beendet und die Familie muss sich überlegen, was davon sie bis zur nächsten Ernte selbst braucht und was sie tauschen kann. Die Kinder sollen dabei lernen, dass viele Menschen in Tansania von dem Leben, was sie auf ihrem eigenen Land anbauen.

Kärtchen 2
So viel Obst und Getreide haben wir nun gesammelt! Das ist ja wundervoll. Nun müssen wir uns aber gut überlegen, wie viel wir bis zu unserer nächsten Ernte in einem halben Jahr brauchen. Den Rest können wir dann Verkaufen, um uns davon andere nützliche Dinge zu kaufen.


Wir sind auf dem Markt und möchten unsere Lebensmittel, von denen wir genug haben gegen andere Produkte tauschen.
1-2 Kinder sind Fänger/innen und bekommen ein Bananen- Kärtchen. Die anderen Kinder erhalten jeweils ein Kärtchen mit Öl, Salz, Milch oder Zucker.
Wenn ein Kind mit einer Bananen-Karte ein anderes Kind gefangen hat, werden Kärtchen getauscht und das Kind, das nun eine Banane hat, ist der/die neue Fänger/in.
Hat das Kind mit der Banane keine Lust mehr Fänger/in zu sein, dann legt er/sie das Kärtchen auf den Boden. Ein anderes Kind kann es nun aufheben und ist dann neue/r Fänger/in.

Der Mann, der sich ein Schwimmbad bauen wollte


Kärtchen 3
Eines Tages kommt ein Mann zu eurem Hof. Er bietet euch Geld an, damit ihr euer Land verkauft. Doch nachdem eure ganze Familie von diesem Stück Land lebt, sagt ihr nein. Doch der Mann gibt nicht auf. Er will sich unbedingt ein Schwimmbad dort bauen, davon träumt er schon lange. Das Land kann also nicht mehr für Pflanzen, Obst und Gemüse verwendet werden. Nur der eine Mann soll nun also etwas davon haben.

Landraub Infobox

In Tansania leben mehr als 75% der Bevölkerung als Landarbeiter/innen. Das heißt also, dass drei von vier Menschen Bauern bzw. Bäuerinnen sind. All diese Menschen sind von ihrem Land abhängig, es ist der wichtigste Besitz dieser Familien. Jedoch kann nur ein sehr kleiner Teil dieser Menschen überhaupt nachweisen, dass das Land ihrer Familie gehört. Deshalb ist es für große Firmen, die aus allen möglichen Teilen der Welt nach Tansania kommen, oft sehr leicht, die Menschen von ihrem Land zu vertreiben — auch ohne die oft versprochenen Entschädigungen. Dieser Boden wird aus mehreren Gründen gekauft: etwa um Soja oder Mais als Tierfutter anzubauen, um Biotreibstoffe zu produzieren oder auch wegen Landspekulationen.

Setzt euch in einen Kreis und legt die Landkarte von Tansania, die ihr davor zusammengebastelt habt, in die Mitte. Nun nimm kleine Papierfiguren (oder auch Spielfiguren von einem Brettspiel) und stell sie ausgeglichen verteilt auf die Karte. Erklär den Kindern währenddessen, dass es in Tansania genug Land gibt, sodass alle Bäuerinnen und Bauern genug Essen anbauen könnten. Dann nimm das Kärtchen mit dem Schwimmbad und stell es auf die Karte. Die Papierfiguren, die dort standen, müssen jetzt zusammenrücken. Nimm nun das Kärtchen mit dem Maisfeld und leg es genauso hin, sodass alle Maxerln noch enger beisammen stehen müssen. Erklär den Kindern, dass auch viel Mais angebaut wird in Tansania, um davon Tiere zu füttern, die anschließend auf unseren Tellern landen. Auch so bringt der Ertrag vom Land nur sehr wenigen Menschen etwas. Nimm das letzte Kärtchen mit dem Bild einer Fabrik her. Leg auch das dazu. Erkläre den Kindern, dass viele große Unternehmen Land kaufen, damit sie mehr Platz haben zur Produktion. Viele Firmen kaufen Land auch nur deshalb, um mehr Grund zu haben, dann dürfen sie nämlich mehr CO2 Ausstöße haben, die die Umwelt verschmutzen.

Jetzt stehen alle Figuren auf dem Bild sehr eng aneinander gedrängt. Die wenigen Menschen, die so vom Land etwas haben, nehmen den Großteil der Fläche ein.

Was können wir tun?

MIICO Infobox

MIICO ist eine Organisation, die von der Dreikönigsaktion unterstützt wird. Diese Organisation hilft den Menschen, die ihr Land und ihren Hof verlassen müssen. Es arbeiten viele Rechtsanwälte bei MIICO, die betroffene Familien vor Gericht verteidigen.

Kärtchen 4
Zum Glück gibt es aber nicht nur Menschen, die euch vom Land verdrängen wollen. Es gibt auch viele Leute, die eurer Familie helfen wollen und können.


Bereite nun noch eine Landkarte vor, die du wieder in acht Stücke schneidest (genauso wie die erste). Nun erklärst du den Kindern, was sie mit anderen Menschen überall auf der Welt und was die betroffenen Menschen in Tansania tun können, um diese Situation zu verändern. Am besten nimmst du verschiedene Farben für die beiden Kategorien.

Das können die Kinder mit anderen Menschen überall auf der Welt tun:

  • Geh Sternsingen!
    Bei der Dreikönigsaktion wird jedes Jahr sehr viel Geld gesammelt. Damit wird unter anderem auch die Organisation MIICO unterstützt.
    Wenn mehr Sternsinger/innen unterwegs sind, können mehr Menschen besucht werden und so vielleicht noch mehr Geld gesammelt werden.
  • Erzähle anderen Kindern von diesem Thema!
    Je mehr Kinder über den Landraub in Tansania erfahren, desto mehr wird darüber geredet und gerät nicht in Vergessenheit. Es ist wichtig, dass wir informiert sind, um so auch etwas dagegen unternehmen zu können.
  • Setz dich für eine faire Verteilung von Land ein!
    In aller Welt setzen sich Menschen für die Durchsetzung von Landrechten und eine gerechtere Verteilung von Land ein, die allen Menschen ein würdiges Leben ermöglicht. Nichtregierungsorganisationen (also Organisationen, die unabhängig vom politischem Umfeld agieren können) wie FIAN, GRAIN oder Via Campesina organisieren Kampagnen, um auf Landraub aufmerksam zu machen und fordern Regierungen und internationale Organisationen auf, weltweit gültige Richtlininien durchzusetzen, die Landraub verhindern.
  • Schau drauf, was du kaufst!
    Es gibt viele Unternehmen, die darauf achten, dass sie gut handeln und bei der Produktion von Dingen andere Menschen nicht ausnützen. Da gibt es zum Beispiel die Firma EZA, die etwa Lebensmittel (Schokolade, Kaffee...) fair produzieren. Es gibt auch Kleidermarken, die auf gute Arbeitsbedingungen achten, zum Beispiel Armed Angels oder Anukoo.
    Andere Unternehmen achten aber nur darauf, dass sie möglichst viel Geld verdienen und nützen dabei auch viele andere aus, zum Beispiel Nestle oder Mondelez. Achte darauf, dass du keine Dinge von solchen Firmen kaufst!


Das können betroffene Menschen in Tansania tun:

  • Mitarbeiter/innen von MIICO beraten Betroffene und verteidigen sie vor Gericht
    Die Organisation MIICO, die schon seit vielen Jahren von der Dreikönigsaktion unterstützt wird, hilft betroffenen Menschen. Sie geben ihnen Informationen über ihre Rechte oder Gesetze und verteidigen auch betroffene Landarbeiter/innen vor Gericht.
  • Menschen über Landrechte informieren
    Es ist wichtig, dass Menschen auch wissen, welche Rechte sie haben. Deshalb gibt es Organisationen — darunter auch MIICO — die den Leuten erklären, was sie dürfen und wie sie sich verteidigen können. So ist es für die Landarbeiter/innen viel leichter sich davor zu schützen, dass ihnen jemand ihr Land wegnimmt.
  • Sich gegenseitig Aushelfen
    Von Landraub betroffene Familien tauschen sich über ihre Probleme aus und unterstützen sich gegenseitig. Z.B. teilen sie Lebensmittel, Werkzeuge und Maschinen, kochen gemeinsam oder helfen sich mit der Betreuung der Kinder aus. Denn schwierige Situationen lassen sich gemeinsam viel leichter bewältigen.
  • Landrechte durchsetzen
    Von Landraub Betroffene schließen sich zusammen, um gemeinsam ihr Recht auf Land durchzusetzen. Sie besetzen Grundstücke von großen Landeigentümer/innen oder sie organisieren Demonstrationen und fordern die Regierung auf, für eine gerechtere Verteilung von Land zu sorgen.

Aussaat und Aufzucht


Nach der Ernte müssen natürlich neue Pflanzen angesetzt werden, damit auch im nächsten Jahr wieder etwas wachsen kann. Reis, Bohnen und Mais werden ganz neu angesetzt, die Obstbäume natürlich nicht.

Kärtchen 5
Juhu! Gemeinsam haben wir es geschafft! Unser Land gehört noch uns und wir dürfen in unserem Haus bleiben! Da heißt es nun also: nichts wie weiter mit unserer Landarbeit! Damit wir auch in einem halben Jahr wieder eine erfolgreiche Ernte haben, müssen wir natürlich gleich wieder neue Samen aussähen. Das ist eine sehr mühsame und auch sehr genaue Aufgabe, die innerhalb von kurzer Zeit passieren muss.
Doch nach einigen Wochen wird sich die Arbeit belohnt machen und wir haben alle wieder genug zum Essen!


Du hast eine große Schüssel mit Bausteinen (kann auch Lego oder kleine Holzstücke/Äste sein) vorbereitet. Die Kinder sollen nun versuchen innerhalb von 5 Minuten daraus einen möglichst großen Turm (bei Holzstücken/Ästen besser einen "Hügel" bzw. eine "Pyramide") zu bauen. Sie dürfen dabei allerdings nicht ihre Hände verwenden, sondern müssen die einzelnen Teile mit Essstäbchen aus der Schüssel fischen und zum Ort, wo gebaut wird, tragen. (Dieser Ort kann je nach Alter etwas näher oder weiter entfernt sein.)

Rolle abschütteln


Alle gemeinsam schütteln alle Körperteile und machen Geräusche — so schütteln wir unsere Rollen ab und kommen wieder zurück nach Österreich, in unsere Jungscharstunde.

Abschluss (Baustein)


Als Abschluss wollen wir uns — als Jungscharkinder in Österreich — nun überlegen, was für uns so wichtig ist, dass wir ohne es nicht leben könnten? Jede und jeder sammelt nun diese Dinge auf Kärtchen.
Während ihr nachdenkt und sammelt könntet ihr etwas typisch tansanisches Essen oder Trinken. Ideen für Rezepte findest du im Länderpaket.

Hinweis: Sollten Kinder diese Dinge nicht sagen wollen (das kann ja durchaus sehr persönlich oder emotional sein), können sie die Kärtchen auch einfach mitnehmen oder entsorgen.

Autor/in: Jonathan Scalet, Valentina Steigerwald und Johanna Walpoth

Publikation: kumquat "sternsingen" 4/2016

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Schlagwörter: Sternsingen, Welt, Familie, Ungerechtigkeit