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Tagebuch einer Weltenbummlerin — eine Jean stellt sich vor

Gruppenstunde | Alter: 10-14 | Aufwand: hoch

Hintergrund

Das Wort Globalisierung bedeutet, dass sich etwas ändert oder verändert hat, dass ein Prozess im Gange ist oder war. Doch diese Veränderung geschieht über Jahre und sie ist nicht für jeden und jede so richtig fassbar. Auf welchem T-Shirt steht schon der ganze Produktionsweg drauf? Ganz abgesehen von den verschiedenen Veränderungen bei den einzelnen Produktionsschritten!

Ziel

Das Gruppenstundenmodell will anhand eines Kleidungsstückes die internationale Vernetzung, das globale Zusammenwachsen, ein wenig anschaulicher machen.

Material

  • eine Jean
  • ein alter Koffer
  • eine Weltkarte oder ein Globus
  • Stift oder Wollfaden, um die Reiseroute einzutragen
  • Stifte
  • das Reisetagebuch mit Kärtchen
  • eventuell Kassette mit Auflösung
  • Kuvert mit weiteren Kärtchen (Gründe für die Reise)
  • Fahnenkärtchen
  • Klebstoff
  • Plakat mit Jeangrafik (Preis)

Aufbau

Zu Beginn lesen wir den Brief von Jeanny Cotton, einer weitgereisten Jean.
Dann versuchen wir die Reiseroute der Jean nachzuvollziehen und bringen zu diesem Zweck ihr Reisetagebuch wieder in Ordnung.
Als nächstes erfahren wir Gründe, warum Jeanny so weit gereist ist und beurteilen, ob wir diese Gründe gut finden.
Wir überlegen uns noch, wie viel Jeans so kosten und warum das so unterschiedlich ist...

 

Das Reisetagebuch von Jeanny Cotton, einer Weltenbummlerin



Eine Jean liegt auf einem Tisch. Nett wäre, sie noch etwas mehr als Weltenbummlerin auszustatten, zum Beispiel eine alte Kamera anhängen, eine Sonnebrille "aufsetzen", ein altes Flugticket aus einem Sack schauen lassen,... Sie heißt Jeanny Cotton und hat einen kleinen Reisekoffer (ein ausgedienter Aktenkoffer tut es auch) mitgebracht, obenauf liegt ein Brief, der wird laut vorgelesen:


Liebe Leute,
ich habe eine lange Reise hinter mir und ich habe über diese Reise ein Tagebuch geschrieben. Leider sind bei der Fahrt hierher die Seiten meines Buches etwas durcheinander gekommen, aber ihr schafft es bestimmt, alles wieder in Ordnung zu bringen. Damit ihr meine Reise mitverfolgen könnt, ist eine große Karte dabei. Auf der Karte könnt ihr meine Reisroute eintragen. Ihr werdet staunen, wie weit ich herumgekommen bin!
Eure Jeanny Cotton.


Das Reisetagebuch


Das "Tagebuch" befindet sich im Koffer. Es könnte eine alte kleine Ringbuchmappe sein, auf der "Reisetagebuch" steht, die Kärtchen könnten durcheinander im Koffer liegen. Das Reisetagebuch wird aus dem Koffer geholt, die Kärtchen werden herausgenommen und es wird wie folgt gespielt:

Ein Gruppenmitglied zieht das erste Kärtchen, liest es vor und legt es ab, das nächste Mitglied nimmt die nächste Karte, liest vor und überlegt (gemeinsam mit den anderen), ob es vor oder nach die andere Karte gereiht gehört und ob dazwischen noch andere Reise-Stationen fehlen könnten, dann wird auch diese Karte abgelegt, aber je nach Entscheidung wird die Karte vor oder nach die erste gelegt und bei Bedarf Abstand gelassen, damit andere Karten noch Platz finden. Reihum wird so weiter gezogen und abgelegt, bis alle Karten in einer Reihe liegen. Jetzt wird die Reihenfolge noch einmal kontrolliert — sind alle mit dem Ergebnis zufrieden, dann erhalten die Karten Nummern, damit sie nicht wieder durcheinander kommen können.

Im Koffer befindet sich auch die Karte und ein Stift, mit dem die Reiseroute von Jeanny nachgezogen werden kann. Bei einem Globus kann die Route ev. mittels Wollfaden und Stecknadeln markiert werden. Ob die Reihenfolge der Kärtchen richtig ist, kann Jeanny eventuell selbst erzählen, mit einer Kassette, auf der ihre Geschichten (Kärtchentexte in der richtigen Reihenfolge) aufgenommen werden.

Die Gruppe verfolgt dann auf der Weltkarte/dem Globus den Weg der Jean.
Auf Kärtchen sind die Fahnen aller Länder, in denen Jeanny Cotton Station gemacht hat. Die Gruppe rät, welche Fahne zu welchem Land gehört. Der Name des Landes wird unter die Fahne geschrieben und die Fahnen werden auf den Reisekoffer geheftet oder geklebt. So international ist unsere Kleidung! Menschen aus so vielen Ländern sind an der Herstellung unseres Gewandes beteiligt.

Kärtchentexte:



1. Ich bestehe aus Baumwolle, die auf riesigen Feldern in Kasachstan wächst. Große Felder können einfacher bearbeitet werden, dadurch wird die Baumwolle billiger. Allerdings werden zum Schutz der Baumwolle auch in großen Mengen Kunstdünger und Pflanzenschutzmittel eingesetzt.

2. Die Baumwolle reist in die Türkei, dort wird daraus Garn gesponnen.

3. Damit aus dem Garn ein Stoff wird, tritt er eine Reise in ein anderes Land an, mich führte sie nach Taiwan.

4. Jetzt braucht der Stoff Farbe, diese wird in Polen hergestellt.

5. In Tunesien wird der Stoff mit der Farbe aus Polen eingefärbt.

6. In Bulgarien wird der gefärbte Stoff weich und knitterarm gemacht.

7. Danach führt mich die Reise nach China: Hier erhielt ich mein endgütiges Aussehen. Knöpfe und Nieten aus Italien werden beigefügt.

8. In Frankreich wurde ich noch mit Bimssteinen aus der Türkei gewaschen. Zum Schluss wurde das Firmenlabel auf die Hose genäht.

9.Als nächstes bin ich in ein Geschäft gekommen, wo ich mit anderen Jeans auf einem Regal liege. Nach knapp 20.000 Km Reiseweg!

10. Vom Geschäft hierher war es kein weiter Weg mehr, geradezu ein Spaziergang.

Anmerkungen:
Kasachstan: Land in Asien. Grenzt im Osten an das Kaspische Meer.
Taiwan: Insel vor Festlandchina. Wird von China als abtrünnige Provinz betrachtet und als chinesisches Territorium beansprucht. Taiwan selbst wird auch als Republik China bezeichnet.
Bimssteine: poröses vulkanisches Gestein, mit dem der stone-washed-Effekt einer Jean erreicht wird.

Warum der weite Weg?


Im Koffer befinden sich in einem Kuvert weitere Kärtchen. Auf diesen stehen ein paar mögliche Gründe dafür, warum die Jean so einen weiten Weg hinter sich legt, bis sie bei uns landet und dann doch noch so günstig ist.
Welche der Gründe findet die Gruppe okay, welche lehnt sie ab? Warum? Die Karten werden, je nachdem, ob den Gründen zugestimmt oder sie abgelehnt werden, auf zwei Stapel getrennt. Die Argumente der Gruppe werden auf den Kartenrückseiten vermerkt. In Kursivschrift sind ein paar Fragen und Erklärungen aufgelistet, um die Diskussion anzuregen.

Kärtchen mit Gründen:



Fast jede Technik ist heute schon überall verfügbar. Überall können die Maschinen hingestellt werden, die gebraucht werden. Da kann man sich aussuchen, wo man Produkte wie unsere Jean am billigsten einkauft oder etwas herstellen lässt.
Bekommen da nicht Menschen in anderen Ländern eine Chance auf Arbeit? Andererseits: Verlieren da nicht Menschen auch schnell wieder ihre Arbeit? Und: verdienen diese Menschen dann nicht viel zu wenig, wenn immer nur die zum Zug kommen, die am wenigsten Lohn bekommen?

Die Preise für Treibstoffe und Energie (Öl, Kohle) steigen kaum und sind sehr günstig.
Billiger Treibstoff ist doch gut, da haben mehr Menschen eine Chance zum Reisen und sie können ihre Waren in andere Länder verkaufen, oder? Andererseits: billiger Treibstoff, der zum vielen Reisen einlädt, verursacht auch mehr Schmutz in der Luft, im Wasser, in der Erde.

Beim Lohn kann viel gespart werden. Unsere Jean wurde in Ländern produziert in denen die Arbeiter/innen sehr wenig Lohn bekommen, dadurch ist die Jean billiger, aber sie muss auch weiter reisen.
Billige Jeans sind doch gut, es soll sich jede/r eine Jean kaufen können! Allerdings verdienen die Näherinnen so wenig, dass sie sich selten eine neue Jean kaufen können.

Die Mode wechselt ständig, da spielt Qualität keine Rolle. Hauptsache, es ist billig. Wer fragt schon danach, ob auf den Baumwollfeldern viel zu viel Gift gesprüht wird, wie viel die Arbeiterinnen verdienen, die das Garn herstellen oder die Hose nähen?
Was ist wichtiger, dass eine Hose lange hält, oder dass sie topmodisch ist? Ist es uns wirklich egal, wie es anderen, etwa den Arbeiter/innen, geht, oder wussten wir bisher nur zu wenig darüber?

Alles in einem Land, etwa in Österreich, machen zu lassen ist viel teurer. Die Maschinen, die Löhne, die Steuern an den Staat, das kostet alles mehr als in anderen Ländern.
Warum ist es bei uns so viel teurer? Krankenversicherung, Pensionszahlungen, Arbeitslosenabgaben und Steuern machen bei uns tatsächlich einen hohen Teil der Kosten aus. Die Näher/innen unserer Kleidung kennen oft keine Krankenversicherung oder Pension. Wenn sie krank werden, verdienen sie nichts und müssen auch noch viel Geld für Medikamente und Behandlungen zahlen....

So bekommen auch Menschen in anderen Ländern Arbeit. Die machen das alles für viel weniger Geld! Ist das nicht gerecht?
Wann ist ein Lohn gerecht? Das ist sicher eine schwierige Frage, aber der Lohn muss mindestens so hoch sein, dass eine Familie davon leben kann. Das kann bei manchen Preisen für Kleidung gar nicht der Fall sein.

Der Preis einer Jean:


Bis Jeanny bei uns landete, hat sie eine weite Strecke zurückgelegt. Das wird immer einfacher und immer billiger. Deswegen legen nicht nur Textilien, sondern viele andere Produkte so einen weiten Weg zurück. Vor allem wird damit Geld gespart.

Wer aus der Gruppe hat eine Jean, sicher jede/r. Wer weiß, was so eine Jean kostet? Da gibt es große Preisunterschiede. Wer weiß, wie viel eine Jean kostet, schreibt es auf das Plakat mit der Jeans-Grafik.
Woher kommt der Preisunterschied bei Jeans? Die Gruppe schreibt ihre Vermutungen gleich zu den Preisen (so billig, weil;..., so teuer, weil...).

Die Jean mit Reisekoffer ist aber in jedem Fall wertvoll auch wenn wir nur wenig dafür zahlen, und das trifft für die meisten Jeans zu, weil sie eine ähnliche Reise wie Jeanny hinter sich haben. Dieser Wert der Jean ist wahrscheinlich höher als der Verkaufspreis war. Die Erklärung dafür steht schon auf den Kärtchen mit den Gründen, die im vorigen Schritt von der Gruppe abgelehnt wurden. Das Gift auf den Baumwollfeldern, die niedrigen Löhne der Arbeiter/innen in anderen Ländern (sie bekommen nur 1% des Preises für die Hose!), der billige Treibstoff mit seinen Auswirkungen auf die Umwelt,... Alles das macht unsere Jeans billiger.
Die Kärtchen werden nun zu den Preisen dazugeklebt (so, dass beide Seiten lesbar bleiben).

Nachdem der Koffer schon vorher mit den Fahnen verziert wurde, werden die Materialien und die Ergebnisse wieder hineingepackt. So gibt die Gruppe Jeanny Cotton etwas mit auf den Weg.

Tipp: So ein Koffer macht natürlich auch andere Leute neugierig. Vielleicht gibt es einen Platz in der Pfarre, wo er einfach "abgestellt" wird, damit andere neugierig hineinschauen und etwas über den Weg einer Jean erfahren?

Autor/in: Alfons Drexler

Publikation: Kumquat_4/01

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Schlagwörter: Welt, Wirtschaft