• Jungschar vor Ort
  • 70 Jahre JS
  • Über uns
  • Angebote
  • Modelle
  • Gruppe
  • Pfarre
  • Gott & die Welt
  • Wildegg

Von Tofu, Sojamilch und anderen Schweinereien

Gruppenstunde | Alter: 8-12 | Aufwand: niedrig

Hintergrund

Denken wir an Brasilien, so haben wir Bilder vom Carneval, von Sambatänzer/innen und vom Amazonas oder armen Kindern in Favelas im Kopf. Doch Brasilien ist viel mehr als das!
In Brasilien wird sehr viel angebaut, von Kaffee über Kakao bis hin zu Soja. Gerade der Anbau von Soja bringt einigen wenigen ein gutes Einkommen, vielen aber nur Nachteile. Der Regenwald muss abgeholzt werden, um Platz für den Anbau zu schaffen, der Boden wird dadurch unfruchtbar, viele Indigene müssen ihr Land verlassen. Diesen Problematiken wollen wir uns in der Gruppenstunde widmen.

Material

  • Ein kleines Säckchen (blickdicht) gefüllt mit Soja-, Kakao- und Kaffeebohnen, schwarze Bohnen, Reis und Cashew (oder einige von diesen Dingen), welches mit einer langen, festen Kordel umwickelt ist.
  • 100 Sojabohnen
  • 1 leeres Plakat (oder großes Papier)
  • Kärtchen mit Sätzen und Pfeilen

Aufbau

In dieser Gruppenstunde erörtern wir zuerst, was in Brasilien überhaupt alles angebaut wird. Dann schauen wir uns den Sojaanbau genauer an — wo ist denn überall Soja drin und wofür wird es sonst verwendet? Wir wollen dann auch noch verstehen, welche problematischen Aspekte mit dem Anbau von Soja einhergehen und uns dann gemeinsam zur Wehr setzen!

 

Spring übers Säckchen


Hintergrundinformation: Dieses Spiel stammt aus Brasilien. Der Ursprung der Spielidee liegt darin, dass die Kinder dort ihre Bohnen in kleinen, mit Kordel umschlungenen Säckchen aus Stoff sammeln. Dieses Spiel für fünf oder mehr Kinder kann sowohl draußen als auch drinnen gespielt werden. Es sollte darauf geachtet werden, dass genügend Platz vorhanden ist, um einen großen Kreis zu bilden.

Spielanleitung: Alle Kinder stellen sich im Kreis auf, so dass jedes Kind ein wenig Bewegungsfreiheit hat. Ein Kind stellt sich mit dem Bohnensäckchen in die Mitte des Kreises, fasst es am Ende der Kordel und beginnt sich im Kreis zu drehen. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass das Bohnensäckchen möglichst in Bodennähe im Kreis geschleudert wird. Die anderen Kinder sollen nun über das Säckchen springen, wenn es vorbeigeschleudert wird. Wenn das Kind in der Mitte nicht mehr das Bohnensäckchen schleudern möchte, lässt es dieses einfach fallen. Wer nun in die Mitte möchte, kann sich das Säckchen einfach aufheben und es kann weitergehen.

Brasilien und die Bohnen


Nach diesem kurzen Spiel öffnet ihr gemeinsam das Bohnensäckchen und schaut euch an, was da alles drinnen ist. Lass die Kinder raten, welches Thema eure Gruppenstunde haben könnte. Wo werden diese Bohnen angebaut? Oder wo essen Menschen bestimmte Dinge?

  • Kakao: Der Kakaobaum ist im Amazonas-Regenwald in Brasilien beheimatet. Der Baum trägt das ganze Jahr Früchte, die bis zu 30 cm lang werden können. In das Fruchtfleisch eingebettet sind bis zu 50 Samen, die wir als Kakaobohnen kennen. Nach dem Trocknen können sie zu Schokolade weiterverarbeitet werden.
  • Kaffee ist eine Frucht von Bäumen und Sträuchern und wächst in den tropischen und subtropischen Regionen Brasiliens. Die Frucht ist meist rot, die Bohne bildet ihren Kern. Brasilien ist weltweit der größte Kaffeeproduzent.
  • Reis und schwarze Bohnen: sind Grundnahrungsmittel der brasilianischen Bevölkerung. Das Nationalgericht "Feijoada" ist ein Bohneneintopf mit Fleisch zu dem Reis serviert wird.
  • Cashewnüsse: Die Cashewfrucht wächst auf Bäumen und hat eine birnenähnliche Form, die gelborange bis rot ist, wenn sie reif ist. Sie kann zu Marmelade oder Fruchtsaft verarbeitet werden. Die bei uns bekannte Cashewnuss wächst unten aus der Frucht heraus.
  • Soja: Die Sojabohne hat einen sehr hohen Anteil an Eiweiß und Öl. Soja wird als Fleisch- und Milchersatz in Form von Tofu, Sojamilch oder "Ersatzfleisch" genutzt. Soja eignet sich auch besonders gut als Futtermittel, weil es so viel Eiweiß und Energie enthält.


"Wenn es nur 100 Sojabohnen gäbe..."


Leg 100 Stück Sojabohnen in die Mitte eures Sitzkreises. Die Kinder sollen anhand von den Sojabohnen die angeführten Aufgaben lösen. Am besten bereitet ihr jeweils ein Plakat mit den richtigen Antworten vor, damit ihr dann nachher vergleichen und darüber diskutieren könnt.

  • Wenn es nur 100 Sojabohnen gäbe, wie viele davon würden als Lebensmittel, wie viele als Tierfutter und wie viele für andere Dinge verwendet?
    Antwort:
    Sojabohnen für Tierfutter: 80
    Sojabohnen für Lebensmittel: 2
    Sojabohnen für sonstiges: 18
  • Wenn es nur 100 Sojabohnen gäbe, wie viele davon würden in Brasilien wachsen, wie viele in anderen Staaten Südamerikas, wie viele in Asien, wie viele in Europa und wie viele anderswo?
    Antwort:
    Brasilien: 2
    andere Staaten in Südamerika: 22
    Europa: 2
    Asien: 19
    sonstige (vor allem USA): 33
  • Wenn es nur 100 Sojabohnen gäbe, wie viele würden in Europa verbraucht, wie viele in Südamerika, Asien und wie viele in anderen Ländern?
    Antwort:
    Brasilien: 8
    andere Staaten in Südamerika: 6
    Europa (inkl. Ö): 20 (Österreich: 0,5)
    Asien: 42
    sonstige (vor allem USA): 24


Wenn wir die Ergebnisse nun vergleichen, sehen wir, dass in Südamerika — vor allem in Brasilien — sehr viel Soja angebaut wird. Ein großer Teil davon wird dann aber in Europa und USA verbraucht, vor allem als Tierfutter.
Was hat der Anbau von Soja aber für Folgen? Dazu schauen wir uns die Situation in Brasilien nochmal genauer an.

Anbau von Soja in Brasilien


Verteile die Kärtchen mit den Sätzen und Pfeilen nun im Raum. Die Kinder sollen Zusammenhänge erkennen, indem sie die Sätze miteinander verbinden.
Der Anbau von Soja braucht sehr viel Platz.

  • Große Flächen von Regenwald werden abgeholzt, um Platz zu schaffen.
  • Viele indigene Gruppen leben im Regenwald und werden bei der Abholzung vertrieben.
  • Indigene Gruppen verlieren ihr Land und dadurch auch ihre Lebensgrundlage.


Soja nimmt sehr viele Nährstoffe aus dem Boden.

  • Auf einem Boden, der keine Nährstoffe mehr hat, kann nichts mehr wachsen.
  • Es wird noch mehr Regenwald gerodet, um wieder fruchtbaren Boden zu haben.

Zum Erklären dieser Dinge, hier noch ein paar Hintergrundinfos:

  • Der Anbau von Soja braucht sehr viel Platz, der oft durch die Rodung von Regenwäldern geschaffen wird. Weltweit gibt es ca. 900.000 km2 Soja-Anbaufläche, das ist mehr als das 10-fache der Größe Österreichs. Davon ist gut 1/6 in Brasilien zu finden, das heißt also, dass in Brasilien sehr viel Fläche des Amazonas gerodet wurde, um Sojabohnen anbauen zu können.
  • Vom Jahr 2000 auf heute hat sich in Brasilien die Soja Anbaufläche um über 160% auf 22 Mio. Hektar erweitert: das ist fast das Dreifache der Gesamtfläche Österreichs!
  • Durch die Rodungen wird außerdem die große Artenvielfalt von Tieren und Pflanzen des Amazonas zerstört. Beim Anbau von Soja wird auch der Boden ausgelaugt, weil es so viele Nährstoffe braucht.
  • Indigene (Indigene oder indigene Völker sind die Erstbesiedler/innen einer Region. Früher wurden diese Gruppen als "Ureinwohner/innen" bezeichnet. Dieser Begriffe hat jedoch einen negativen Beigeschmack, weshalb er nicht mehr verwendet wird.), Kleinbäuerinnen und -bauern müssen ihr Land oft verlassen, weil große Konzerne die Fläche für den Anbau von Soja kaufen. Es bleibt ihnen nicht viel übrig, als zu gehen. Ohne Land haben sie aber auch keine Lebensgrundlage mehr und so sind sie von großer Armut betroffen.


Abschluss: gemeinsam sind wir stark — und laut!


Es gibt viele Dinge, die uns nahe gehen und an denen es schwer ist, alleine etwas zu tun. Deshalb schließen wir uns zusammen, dann können wir leichter etwas bewegen. Die Sternsingeraktion ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür. Sie unterstützt mit den in Österreich gesammelten Spenden betroffene Menschen in Brasilien. Auch wir wollen heute hier zeigen, wie laut wir zusammen sein können.
Ein/e Vorschreier/in denkt sich einen Wunsch aus, was sie gerne in Brasilien (oder sonst auch in Bezug auf das Gehörte) verändern möchte. Diese Wünsche schreit sie/er dann ganz laut. Alle Kinder antworten schreiend: "Ja, das werden wir tun!" Jedes Kind, das gerne möchte, darf einen Wunsch schreien — oder auch mehrere.
Als Hilfestellung können zuerst auch Wünsche gesammelt werden oder du schreist einfach mal etwas vor!

Seid laut!

Autor/in: Johanna Walpoth

Publikation: kumquat "Olympia" 2/2016

Share |