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Das Pessach-Fest

Gruppenstunde | Aufwand: hoch

Hintergrund

Das jüdische Pessach-Fest (hebräisch) oder Passahfest (aramäisch) ist eines der bedeutendsten Fest der jüdischen Tradition. Gefeiert wird die Befreiung der Israelit/innen aus der Knechtschaft in Ägypten durch Jahwe. "Pessach" bedeutet "Vorübergehen", denn der Todesengel ging an den Häusern der Israelit/innen vorüber. Sie hatten ihre Eingänge mit Opferblut besprengt und ihre Kinder blieben vom Kindersterben verschont. (Ex 12,27)

Das Pessachfest gehört zu den Wurzeln des christlichen Osterfestes. Wir Christ/innen haben davon Elemente übernommen, die wir von unserer Eucharistie und von der Osterfeier her kennen. Schließlich war auch das Letzte Abendmahl, wie im neuen Testament berichtet wird, ein Pessachmal! Wenn wir miteinander Pessach feiern, erfahren wir einiges über die Geschichte des Juden- und des Christentums. Die Jerusalemer Urgemeinde feierte damals das Pessach noch selbstverständlich mit den Juden mit.

Wir können im Rahmen eines Nachmittags natürlich nicht ein gesamtes Pessachfest mit all seinen Details feiern, schon allein deshalb nicht, weil Pessach 7 bis 8 Tage dauert. Das Wesentlichste an diesem Fest ist aber das Mahl, das am ersten Abend von Pessach gehalten wird, die so genannte "Seder", und dieses Mahl können wir, wenn auch gekürzt, miteinander "nachfeiern". Da das Pessachmahl zum ersten Mal von den Israelit/innen gegessen wurde, stehend und in aller Eile, kurz bevor sie Ägypten verließen, steckt das traditionelle Mahl voller Symbole und Handlungen, die an dieses Ereignis erinnern sollen. Mahl bedeutet auch mehr als nur Essen und Trinken zur Stillung von Hunger und Durst, es gehört auch die Kommunikation mit den anderen, die am Tisch sitzen, und mit Gott dazu (so ist auch die Eucharistie gedacht).

Ziel

Wenn wir gemeinsam ein Pessachmahl halten, wollen wir nicht nur ein Stück fremder Kultur, sondern auch ein Stück Geschichte unseres eigenen Glaubens kennen und verstehen lernen.

Material

  • für jedes Kind eine Kerze (am besten mit Auffangbecher für das Wachs)
  • in Folien gewickelte Brotstücke
  • eine Schüssel mit warmem Wasser
  • Handtuch
  • für das Mahl: Teller, Becher oder Gläser, Tischkerzen, Kerzenständer, ein Krug mit Traubensaft; eine große Platte (Tablett), auf der Folgendes liegt: Mazzot (ungesäuertes Brot, erhältlich in jüdischen Delikatessengeschäften), Charosset (Fruchtmus aus Äpfeln und geriebenen Nüssen; evtl. Mandeln, Rosinen und etwas Zimt), Erdfrucht (Radieschen), Morar (Bitterkraut, wir verwenden am einfachsten Salat oder Petersilie), ein (hartgekochtes) Ei, ein Knochen
  • Schüssel mit Salzwasser
  • evtl. Gitarre
  • Textblatt

Aufbau

Vor der Feier: Suche nach Chametz, Händewaschung, Tisch decken (einen Platz mehr decken)
Pessachmahl: Kurze Einführung, Begrüßung und Gebet, Anzünden der Tischkerzen, Segnung des Weines, Platte (Tablett) auf den Tisch stellen, 4 Fragen des/der Jüngsten, Haggaadah — Erzählung vom Auszug, Erklären der Symbole
Segnung des Essens und der Speisen: Erdfrucht, Bitterkraut, Mazzot, Lied, Trinken des letzten Bechers Wein, Segen

 

Die Speisen und ihre Symbolik


Ungesäuertes Brot (Mazzot):
Die Israelit/innen hatten es vor ihrem Aufbruch so eilig, dass sie den Brotteig nicht mehr aufgehen lassen konnten (die Germ im Sauerteig braucht Zeit zum Aufgehen) und man ungesäuertes Brot backen musste. Pessach wird deshalb auch das "Fest der ungesäuerten Brote" genannt.

Erdfrucht (Radieschen):
Die Früchte der Erde, die zum Leben notwendige, vitaminhältige Nahrung. Sie mussten in Ägypten entbehrt werden (wie z.B. auch bei uns in Kriegszeiten). Beim Mahl wird die Erdfrucht ins Salzwasser eingetaucht (1. Eintauchen).

Salzwasser:
Symbol der Tränen, die in Ägypten geweint wurden.

Bitterkräuter (Maror) — Salat oder Petersilie:
Sie versinnbildlichen die Bitterkeit des Lebens im Land der Knechtschaft. Die Bitterkräuter werden beim Mahl in das Fruchtmus eingetaucht (2. Eintauchen).

Fruchtmus (Charoset):
Der ziegel- oder tonfarbene Brei aus den Früchten deutet die Slavenarbeit an, die in Ägypten getan werde musste: z.B. Ziegelbrennen zum Bau von Pyramiden.

(Lamm-)Knochen:
Für das Pessachmal war immer schon ein junges Lamm vorgeschrieben, weil das der Innbegriff des Opfertieres war. Es galt als Zeichen der Unschuld und der Arglosigkeit (wie auch bei uns das Osterlamm). Darüber hinaus aßen auch die Israelit/innen in Ägypten bei ihrem Pessachmahl das Lamm, das sie geschlachtet hatten, um ihre Türschwellen mit Opferblut zu bestreichen. Die Juden in der Diaspora ("Zerstreuung") jedoch und diejenigen, die keine Gelegenheit haben, ihr Opferlamm im Tempel auf dem heiligen Berg Garrizim zu schlachten, haben auf ihrem Sedertisch nur einen Knochen als Symbol für das Lamm: Denn alles, was einst im Tempel üblich war, darf nicht außerhalb des Heiligtums nachvollzogen werden.

Wein:
Wein war in Palästina eines der wichtigen Nahrungsmittel und gehörte besonders zu jedem Festmahl, er ist auch Symbol für Süße und Lebensfreude.
Für die Feier mit Kindern wird Traubensaft verwendet.

Ei:
Weil aus dem Ei ein junges Leben entschlüpfen kann, ist das Ei ein Symbol für das Leben.

Vor der Feier


Zu Beginn erklärst du kurz den Grund, warum ihr dieses Fest nun miteinander feiern wollt: Die Geschichte und die Feste des Christentums haben sehr vieles mit dem Judentum gemeinsam. Schließlich war Jesus ja auch Jude und feierte die Feste der Juden. Das "Letzte Abendmal" war auch ein "Pessachmahl". Möglicherweise wird uns manches ungewohnt vorkommen, aber das liegt daran, dass die Ursprünge des Pessachmahles schon sehr alt sind und außerdem aus einer anderen Kultur stammen.

Die Suche nach Chametz und Händewaschung


Am Vorabend des Pessachfestes wird gemäß der jüdischen Tradition das ganze Haus gründlich nach irgendwelchen Resten von Chametz (das ist das Brot aus Sauerteig, wie unser normales Brot) durchsucht. Denn Chametz gilt beim Pessachfest als unrein. Die Suche danach ist auch ein Sinnbild dafür, dass auch alles andere Unreine vor dem Fest gesäubert wird. Wir kennen das auch in Form des Oster- oder Frühjahrputzes, oder wenn wir ein Fest vorbereiten und vorher zusammenräumen. Manchmal werden auch kleine, in Folie gewickelte Stückchen Brot versteckt, die dann gefunden werden müssen. Du machst es ebenso. Gesucht wird bei Kerzenlicht und es darf nicht gesprochen werden, außer in Angelegenheiten, die die Suche betreffen. Ist alles Chametz gefunden, wird es aus dem Raum gebracht und das Pessachfest kann beginnen! Bevor wir mit der Feier beginnen, wollen auch wir uns reinigen. Dazu wäschst du als Symbol allen Kindern die Hände.

Bereiten des Tisches


Nun deckt ihr gemeinsam den Tisch, wobei ihr ein Gedeck mehr herrichtet als Leute anwesend sind. Du erklärst, dass die Juden Pessach zu Hause feiern, genauso wie wir Weihnachten zu Hause feiern. Deshalb wird als Symbol für alle, die kein Zuhause haben, ein Platz gedeckt, damit auch jene die Möglichkeit haben, mitzufeiern.

Die Feier beginnt ...


Du heißt noch einmal alle zur Feier willkommen, erklärst, warum ein Platz zusätzlich gedeckt ist, und beginnst mit einem Gebet (siehe auch Kopiervorlage des Ablaufes):

"Wir preisen dich, guter Gott. Du hast uns den Auftrag gegeben, dieses Fest zu feiern. Wir preisen dich, guter Gott. Du erhältst unser Leben und schenkst uns Hilfe. Mach diesen Raum zu einem heiligen Raum, durch dein Licht, das uns Frieden bringt. Amen."

Nun zündet ihr die Tischkerzen an und sprecht gemeinsam: "Wir danken dir, lieber Gott, für die Festtagslichter und dafür, dass wir alle dieses Fest feiern dürfen."

Kiddusch — der Segen über den Wein


Du erklärst kurz die Bedeutung des Weines und ihr nehmt die mit Traubensaft gefüllten Gläser in die Hand und betet gemeinsam:
"Wir danken dir, lieber Gott, für die Trauben, die für uns wachsen und aus denen wir dieses Getränk haben."

Die vier Fragen


Du stellst die Platte mit Eiern, Knochen, Erdfrucht, Bitterkraut, Charoset und Mazzot auf den Tisch. Dies sind alles Speisen, die wir nicht bei einem gewöhnlichen Abendessen essen würden. Auch für die Juden und Jüdinnen sind diese Speisen etwas Besonderes.

Darum stellt nun der oder die Jüngste folgende vier Fragen, damit wir verstehen, warum gerade diese Speisen am Teller liegen:

  • Warum ist die heutige Nacht anders als die anderen Nächte?
  • An allen anderen Abenden/Tagen essen wir Brot. Heute nur Mazzot.
  • An allen anderen Abenden/Tagen essen wir verschiedene Gemüse und Kräuter. Jetzt essen wir nur Bitterkräuter.
  • An allen anderen Abenden/Tagen tauchen wir das Essen nicht ein. An diesem Abend zweimal.


Vielleicht erfahren wir die Antworten auf diese Fragen, wenn wir die Pessachgeschichte, die Haggadah, hören:

Die Haggadah, der Bericht vom Auszug


Den Bericht vom Auszug aus Ägypten kannst du im Buch Exodus nachlesen. Es ist sinnvoll, die Geschichte mit eigenen Worten zu erzählen:

Als die Israelit/innen in Ägypten waren, mussten sie als Sklav/innen arbeiten. Sie wurden gezwungen, aus Lehm Ziegel herzustellen und harte Feldarbeit zu verrichten. Weil der ägyptische König, der Pharao, befahl, jeden neugeborenen Sohn in den Nil zu werfen, versteckte eine jüdische Mutter ihren Sohn in einem Korb im Schilf des Nils, wo ihn der Pharao nicht finden konnte. Als die Tochter des Pharaos einmal zum Nil kam, fand sie den Säugling im Schilf und nahm ihn in den Palast mit. Sie nannte ihn Mose. Dieser Name bedeutet "aus dem Wasser gezogen".

Als Mose erwachsen war, sah er, wie ein Ägypter einen Sklaven erschlug. In seinem Zorn erschlug Mose den Ägypter und musste in ein anderes Land fliehen. Als er eines Tages die Schafe hütete, erschien ihm Gott im brennenden Dornbusch und sagte zu ihm: "Geh zurück zum Pharao und führe mein Volk aus Ägypten."

Mose kehrte nach Ägypten zurück, doch der Pharao wollte die Israelit/innen nicht gehen lassen. Deshalb kamen Plagen über das Land: Das Wasser wurde zu Blut, eine Froschplage kam über das Land, Stechmücken, Ungeziefer, eine Viehseuche, Geschwüre, Hagel, Heuschrecken und ein Finsternis plagten das Land.

Doch der Pharao blieb starrsinnig. Deshalb sagte Gott, der Herr, dass er jeden Erstgeborenen in Ägypten erschlagen werde. Damit die Israelit/innen davor geschützt waren, sollten sie die Türpfosten ihrer Eingänge mit dem Blut eines Lammes anstreichen. Außerdem machten sie sich bereit für die Flucht aus Ägypten. Sie hatten keine Zeit mehr, das Brot wie üblich zu backen. Deshalb aßen sie Mazzot, das ungesäuerte Brot. Noch in derselben Nach flohen die Israelit/innen mit Hilfe Gottes in aller Eile aus Ägypten. Deshalb feiern die Juden und Jüdinnen jedes Jahr dieses Fest und auch wir Christ/innen hören in der Osternacht die Lesung vom Auszug aus Ägypten.
Nun überlegen wir gemeinsam, ob wir die Fragen des/der Jüngsten beantworten können, nachdem wir nun die Geschichte vom Auszug gehört haben. Du nimmst nun ein Symbol nach dem anderen in die Hand und hilfst natürlich mit Hilfe der Erklärungen zum Beginn:

  • Was bedeutet Pessach?
  • Warum essen wir Mazzot?
  • Warum essen wir Bitterkraut?
  • Warum tauchen wir das Essen zweimal ein?
  • Was bedeuten Ei und Knochen?


Danklied für die Befreiung aus Ägypten


Wir singen "Hevenu Schalom Aleichem" oder ein anderes passendes jüdisches Lied

Segnung der Speisen


Jede/r nimmt sich nun ein Stück der Erdfrucht (Radieschen) und taucht es in Salzwasser ein. Vor dem Essen beten wir:
"Wir danken dir, lieber Gott, für das Gemüse, das in der Erde wächst."

Wir tauchen ein Stück Bitterkraut (Salat, Petersilie) in Charoset (Fruchtmus) und sagen:
"Wir danken dir, lieber Gott, für das Bitterkraut, das uns an die bittere Zeit der Sklaverei erinnert"

Wir nehmen die Mazzah, tauchen sie in das Charoset und beten:
"Wir danken dir, lieber Gott, für den Segen des Brotes und für die Mazzah, die uns an den Auszug aus Ägypten erinnert."

Dann wird gemeinsam gegessen.

Nach dem Essen...


Nach dem Essen singen wir noch ein Lied: "Schalom Chaverim"

Letzter Segen:


Wir füllen zum letzten Mal unseren Becher und sprechen:

"Guter Gott, wir danken dir für die Frucht des Weinstockes."
Alle trinken den Becher aus und du sprichst den Segen:
"Der Herr segne uns und bewahre uns. Guter Gott, schau freundlich auf uns, sei uns nahe und schenke uns Glück und Frieden."
Alle: "Amen."

Zum Abschluss können noch Lieder gesungen, Tänze getanzt oder es kann einfach geplaudert werden.

Publikation: Fasten- & Osterzeit

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Jahreskreis: Fastenzeit

Schlagwörter: Fastenzeit, Religiöses, Bibel