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Leid - das, was wehtut

Gruppenstunde | Alter: 10-15 | Aufwand: mittel

Hintergrund

Leid ist ein wichtiger Begriff im gesamten Ostergeschehen. Fassbarer für Kinder wird er in der Umschreibung: das, was wehtut. In diesem Kreuzweg geht es darum, was uns und anderen wehtut. Er ist so aufgebaut, dass er im Rahmen der Gruppenstunde im Gruppenraum gefeiert werden kann.

Material

  • 4 Bilder (siehe Kopiervorlage: Bild 1, Bild 2, Bild 3, Bild 4 - es handelt sich um Holzschnitte von Albrecht Dürer)
  • Kerze
  • Filzstifte
  • ein Textblatt mit den Evangelienstellen für jede/n
  • Liederbücher für alle, aus dem du ein oder zwei Lieder auswählst, die die Kinder kennen und mögen und die zu den jeweiligen Themen passen
  • Malfarben in Gelb-, Orange-, und Rottönen

Aufbau

Der Kreuzweg besteht aus vier Stationen. Im Gruppenraum hängen an den Wänden vier Bilder mit den Titeln: "Jesus lehrt", "Jesus wird festgenommen", "Jesus stirbt" und "Jesus lebt". Bei jedem Bild findet jeweils eine Station statt.

 

Beginn


Du leitest den Kreuzweg mit etwa folgenden Worten ein:
Vielleicht kennt ihr den Ausspruch: "Das ist ein Kreuz!" Das sagen Leute, wenn sie unter irgendetwas leiden, wenn ihnen etwas wehtut, wenn sie Schwierigkeiten haben. Heute wollen wir gemeinsam einen Kreuzweg gehen. Dabei wollen wir uns auch mit dem beschäftigen, was uns wehtut. Wir wollen schauen, worunter Jesus gelitten hat und was er sagt, wie man mit Leid umgehen soll. Wir beginnen diesen Kreuzweg mit dem Kreuzzeichen: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

1. Station


Du zündest eine Kerze bei der ersten Station an. Ihr stellt euch im Halbkreis um das Bild auf und singt die erste Strophe des Liedes, das du ausgewählt hast.

Dann liest Du (oder jemand anderer aus der Gruppe) die betreffende Stelle aus dem Evangelium vor.

Mt 25, 31-40
Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt, begleitet von allen Engeln, dann wird er sich auf den königlichen Thron setzen. Alle Völker der Erde werden vor ihm versammelt werden, und er wird die Menschen in zwei Gruppen teilen, so wie ein Hirt die Schafe von den Ziegen trennt. Die Schafe wird er auf die rechte Seite stellen und die Ziegen auf die linke. Dann wird der König zu denen auf der rechten Seite sagen:"Kommt her! Euch hat mein Vater gesegnet. Nehmt Gottes neue Welt in Besitz, die er euch von Anfang an zugedacht hat. Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd, und ihr habt mich bei euch aufgenommen; ich war nackt, und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank, und ihr habt für mich gesorgt; ich war im Gefängnis, und ihr habt mich besucht."
Dann werden die, die Gottes Willen getan haben, fragen:"Herr, wann sahen wir dich jemals hungrig und gaben dir zu essen? Oder durstig und gaben dir zu trinken? Wann kamst du als Fremder zu uns und wir nahmen dich auf, oder nackt und wir gaben dir Kleider? Wann warst du krank, und wir sorgten für dich, oder im Gefängnis, und wir besuchten dich?" Dann wird der König antworten:"Ich will es euch sagen: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr für mich getan."


In diesem Evangelium ist von vielen Dingen, die wehtun, die Rede: von Hunger, Durst, Armut, Krankheit, Einsamkeit usw. Jesus will, dass wir Menschen, die darunter leiden, helfen.

Das ist natürlich allen klar und einsichtig, aber was heißt das konkret für unsere Gruppe? Was können wir füreinander tun? Wo brauchen wir einander? Du lädst die Gruppenmitglieder ein, Antworten auf diese Fragen mit ihren Filzstiften rund um das Bild zu schreiben. Ist die Gruppe zu groß, um gleichzeitig schreiben könnten, dann schreiben nur zwei oder drei die Dinge auf, die ihnen andere zurufen. Überlege dir selbst schon vorher, welche Dinge du aus deiner Sicht für die Gruppe tun möchtest und bring das ebenfalls ein. Wenn sich das Bild mit vielen eurer Erfahrungen gefüllt hat, wird deutlich, dass sich in der Geschichte des Kreuzweges auch viel von unserer eigenen Lebenserfahrung widerspiegelt.

Als Abschluss formulierst du ein Gebet, das etwa so lauten könnte:
Bruder Jesus, du hast gesagt: Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan. Es gibt viele Dinge, die wir füreinander tun könnten: ... (hier zählst du einiges auf, was eben auf das Blatt geschrieben wurde). Du willst, dass wir nicht einfach zuschauen, wenn es anderen schlecht geht. Du willst, dass wir etwas dagegen tun. Hilf uns dabei und bleibe bei uns. Amen.

2. Station


Ihr singt die zweite Strophe des Liedes. Du erklärst nun, dass sich Jesus unbeliebt gemacht hat beim Hohen Rat (das sind die Priester und Schriftgelehrten, die für die Juden Regierung, religiöse Leitung und Gericht waren). Sie planen seine Gefangennahme. Jesus feiert währenddessen mit seinen Jüngern Pascha, das Fest, das an den Auszug aus Ägypten erinnert. Nach diesem "Letzten Abendmahl" gehen sie alle hinaus auf den Ölberg. Während Jesus betet, schlafen die Jünger, bis plötzlich folgendes geschieht: (Nun wird die Stelle aus dem Evangelium vorgelesen - Mt 26, 47-57).

Noch während er das sagte, kam Judas, einer der zwölf Jünger, mit einem Trupp von Männern, die mit Schwertern und Knüppeln bewaffnet waren. Sie waren von den führenden Priestern und Ratsältesten geschickt worden. Der Verräter hatte mit ihnen ein Erkennungszeichen ausgemacht: "Wem ich einen Begrüßungskuss gebe, der ist es. Den nehmt fest!" Judas ging sogleich auf Jesus zu und sagte:"Sei gegrüßt, Lehrer! und gab ihm einen Kuss. Jesus sagte zu ihm:"Freund, komm zur Sache!" Da traten die Bewaffneten heran, packten Jesus und nahmen ihn fest.
Einer von seinen Begleitern zog sein Schwert, hieb auf den Diener des Obersten Priesters ein und schlug ihm ein Ohr ab. Aber Jesus befahl ihm:"Steck dein Schwert weg; denn wer zum Schwert greift, wird durch das Schwert umkommen. Weißt du nicht, dass ich nur meinen Vater um Hilfe zu bitten brauche, und er wird mir sofort mehr als zwölf Legionen Engel schicken? Aber wie soll sich dann erfüllen, was in den heiligen Schriften vorausgesagt ist. Es muss doch so kommen!"
Aber zu denen, die ihn festgenommen hatten, sagte Jesus:"Musstet ihr wirklich mit Schwertern und Knüppeln anrücken, um mich gefangen zu nehmen? Bin ich denn ein Verbrecher? Jeden Tag war ich bei euch im Tempel und habe gelehrt; da habt ihr mich nicht festgenommen. Aber es musste alles so kommen, damit die Voraussagen der Propheten in Erfüllung gehen." Da verließen ihn alle seine Jünger und flohen.


Du fragst die Gruppenmitglieder, wem hier wehgetan wird. Als erstes ist das Jesus, denn er wird recht unsanft von der Tempelwache verhaftet. Dann wird einem Diener wehgetan - einer der Jünger hackt ihm ein Ohr ab. Was aber tut Jesus, als ihm wehgetan wird? Er will nicht, dass Schmerzen mit Schmerzen vergolten werden. Er sagt: "Wer zum Schwert greift, wird durch das Schwert umkommen." Das bedeutet soviel wie: Es führt zu nichts, wenn man anderen wehtut, wenn einem selbst wehgetan wird.

Natürlich bist du überzeugt, dass keiner aus deiner Gruppe einem anderen ein Ohr abhauen würde, wenn der ihm wehtut. Was aber soll man denn tun, wenn einem wehgetan wird?

Um dieser Frage nachzugehen, könnt ihr auf dem Bild in Gedankenblasen zu den handelnden Personen dazuschreiben, warum sie so handeln, was ihnen wohl gerade durch den Kopf geht und gemeinsam überlegen, welche Strategien hilfreich sein können.

Ein abschließendes Gebet könnte etwa so lauten:
Bruder Jesus, du hast gesagt: Wer zum Schwert greift, wird durch das Schwert umkommen. Du willst nicht, dass wir einander wehtun und Gewalt anwenden. Das ist sicher nicht leicht, denn oft packen uns der Zorn und die Wut. Hilf uns, dass wir immer die nötige Ruhe bewahren können. Bleibe bei uns alle Tage bis zur Vollendung der Welt. Amen.

3. Station


Ihr singt die dritte Strophe des Liedes. Dann erklärst du, dass die Tempelwache Jesus vor den Hohen Rat gebracht hat. Es wird ihm ein kurzer Prozess gemacht und er wird zum Tod verurteilt. Die Todesstrafe kann aber als oberster Richter nur der römische Prokurator Pontius Pilatus verhängen. Jesus wird ihm vorgeführt und zum Tod am Kreuz verurteilt, was die übliche Strafe für Hochverräter war. Auf der Hinrichtungsstätte Golgotha wird er ans Kreuz genagelt. Du liest die Stelle aus dem Evangelium vor (Mt 27, 35-44).

Sie nagelten ihn ans Kreuz und losten untereinander seine Kleider aus. Danach setzten sie sich und bewachten ihn. Über seinem Kopf hatten sie ein Schild angebracht, auf dem der Grund für seine Hinrichtung geschrieben stand: "Dies ist Jesus, der König der Juden!" Dann nagelten sie neben Jesus zwei Verbrecher an Kreuze, einen links und einen rechts von ihm.
Die Leute, die vorbeikamen, schüttelten höhnisch den Kopf und beschimpften Jesus: "Du wolltest den Tempel niederreißen und in drei Tagen wieder aufbauen! Wenn du Gottes Sohn bist, dann befrei dich doch und komm herunter vom Kreuz!"
Genauso machten sich die führenden Priester und die Gesetzeslehrer und Ratsältesten über ihn lustig: "Anderen hat er geholfen, aber sich selbst kann er nicht helfen! Wenn er wirklich der König von Israel ist, soll er doch vom Kreuz herunterkommen! Dann werden wir ihm glauben. Er hat doch auf Gott vertraut; der soll ihm jetzt helfen, wenn ihm etwas an ihm liegt. Er hat doch behauptet, Gottes Sohn zu sein!" Sogar die beiden Verbrecher, die mit ihm gekreuzigt worden waren, beschimpften ihn.


Jesus leidet nicht nur körperliche Schmerzen, sondern er muss auch noch Spott und Beschimpfungen ertragen. Aber er tut nichts dagegen. Warum wohl? Er wusste, dass er diese Kreuzigung durchstehen muss. Hätte er getan, was die Spötter gerufen haben, wäre er wirklich vom Kreuz herabgestiegen, dann wäre das vielleicht ein Kunststück gewesen, das die Spötter zum Schweigen gebracht hätte, aber damit hätte Jesus einen Verrat an der eigenen Sache getan. Er will nicht als Zauberer bestaunt werden, er will seinem Auftrag treu bleiben.

Die Situation, zu etwas stehen zu wollen, obwohl andere es blöd finden und uns dafür verspotten, kennen wir vielleicht auch - im Gespräch könnt ihr einige solcher Situationen sammeln. Um dem nachzuspüren, wie es sich anfühlt standfest zu bleiben oder nachzugeben, könnt ihr, wenn das mit deiner Gruppe passend und möglich ist, folgende Übung ausprobieren: Die Kinder gehen zu zweit zusammen und drücken ihre Hände möglichst fest gegeneinander - dabei können sie ausloten, wie weit sie nachgeben oder standfest bleiben wollen und können.

So könnte ein abschließendes Gebet lauten:
Bruder Jesus, als du ans Kreuz genagelt warst, haben sie dich ausgelacht und verspottet, aber du hast nicht klein beigegeben. Auch wir wollen nicht klein begeben, sondern zu dem stehen, was wir für gut und richtig halten, auch wenn das manchmal schwer fällt. Es gibt immer etwas, auf das wir uns freuen können. Bruder Jesus, du bist bei uns, auch wenn es uns nicht gut geht. Bleibe bei uns alle Tage bis zur Vollendung der Welt. Amen.

4. Station


Nach dem Singen des Liedes erklärst du: Jesus ist gestorben und wurde begraben. Doch als die Frauen am ersten Tag der Woche - das ist ein Sonntag gewesen - ans Grab kamen, da war es leer. Jesus ist auferstanden und lebt. Das erfahren auch die Jünger. Die betreffende Stelle aus dem Evangelium wird vorgelesen (Mt 28, 16-20).

Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, zu dem Jesus sie bestellt hatte. Als sie ihn dort sahen, warfen sie sich vor ihm nieder, aber einige taten es mit zwiespältigem Herzen. Jesus trat auf sie zu und sagte: "Gott hat mir unbeschränkte Vollmacht im Himmel und auf der Erde gegeben. Darum geht nun zu allen Völkern der Welt und macht die Menschen zu meinen Jüngern! Tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch aufgetragen habe. Und das sollt ihr wissen: ich bin immer bei euch, jeden Tag, bis zum Ende der Welt."

Jetzt scheint ja alles in Ordnung zu sein, wo ist in dieser Stelle also noch von Leiden die Rede? Das, was hier jemandem wehgetan haben könnte, war das zwiespältige Herz, mit dem sich einige Jünger vor Jesus niederwarfen. Einige Jünger hatten sichtlich Zweifel, ob das wirklich Jesus ist, der da vor ihnen stand, ob er wirklich auferstanden war.
Wie reagiert Jesus darauf? Er versucht gar nicht, irgendwelche Zweifel zu zerstreuen, sondern er sendet die Jünger aus. Er meint also, sie sollen das von seiner Botschaft weitersagen, was sie verstanden haben. Er versichert ihnen auch, dass er immer bei ihnen sein wird.

Und was heißt das jetzt für unsere Gruppe? Jede/r von uns hat wohl manchmal Zweifel, ist sich über viele Dinge nicht recht im Klaren - ganz ähnlich ist es ja auch den Jüngern gegangen, trotzdem hat Jesus sie ausgesandt, um seine Botschaft zu verkünden. Wir dürfen darauf hoffen, dass es auch für uns Auferstehung, Erlösung aus dem Leid gibt. Abschließend könntet ihr das letzte Bild passend zum Auferstehungsgedanken in Gelb-, Orange- und Rottönen anmalen und euch währenddessen darüber austauschen, was euch schwer fällt zu glauben.

Ganz zum Schluss könntet ihr beten:
Bruder Jesus, du hast uns gezeigt,
dass wir etwas dagegen tun sollen, wenn es anderen schlecht geht,
dass wir nicht anderen wehtun sollen, wenn sie uns
wehtun,
dass wir zu dem, was wir für richtig halten, stehen sollen, auch wenn die anderen das anders sehen,
dass die Schmerzen und der Tod nicht das Letzte sind,
sondern dass es danach eine Auferstehung gibt.
Jesus, du bist unser Bruder, der immer bei uns ist, du hast uns gezeigt, wie wir beten können, nämlich so:
Vater unser...

Publikation: Fasten- & Osterzeit

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Jahreskreis: Fastenzeit

Schlagwörter: Kreuzweg, Bibel, Religiöses, Fastenzeit