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Der Heilige Leopold – vom Politiker zum Heiligen

Am 15. November feiern wir in Niederösterreich und Wien den Hl. Leopold. Von der Schleierlegende bis hin zum Fasslrutschen gibt es über den Heiligen einige interessante Dinge zu erzählen, die du im folgenden Artikel nachlesen kannst.

Die Schleierlegende und die Kritik daran

Gründungsgeschichte des Stiftes Klosterneuburg nach Matthias Fuhrmann 1735:

"Dann als dieser H. Marggraf mit seiner frommen Gemahlin im Schloß auf dem Gallen-Berg unter einem Fenster sich dißfalls unterredete, sihe! da ward urplötzlich bey heiterem Himmel durch Göttliche Anordnung der Tugendsamen Fürstin Agnes, durch einen unverhofften Wind der Schleyer vom Haupt hinweg gerissen, und vor beyder Augen in das nächst an der Donau liegende Gebüsch und Waldung fortgetragen. So geschehen im ersten Jahr ihrer Vermählung 1106. Im 9ten Jahr hierauf, als Leopoldus einsmals um diese Gegend jagete, und die Jagd ein grosses Bellen hatten, und er diesen begierig zueylte, fand er nicht ohne höchste Verwunderung in dem Gesträuß auf einem Holder, den verlorenen Schleyer seiner Gemahlin, welcher biß zu der Zeit so viel Jahr in Regen, Schnee, und allen Ungewitter wundersam ganz unversehrt hangen geblieben. Durch welche  Erfindung Leopoldus, als ein vom  Himmel gegebenes Zeichen, erkennet, daß dieser Ort zur Erbauung seines vorhabenden Gottes und Closters von Gott gewidmet seye."

Wissenschaftler/innen kritisieren die Legende und deuten den Schleier als Hinweis darauf, dass Agnes Mitgift einen großen Anteil an der Gründung des Stifts hatte. Weiters wird der Fund des Schleiers überhaupt in Frage gestellt, da die Gründung des Stifts wohl ihren Hauptgrund in der Nähe der Residenz hat.

Leopold als Markgraf

Der kleine bewohnte Landstrich entlang der Donau, ab 996 Marcha orientalis oder Ostarîcchí gennant, wurde schon früh von den Babenbergern entdeckt. Das Adelsgeschlecht, herrschte von 976 bis zu seinem  Aussterben 1246 – vor dem Aufstieg des Hauses Habsburg – als Markgrafen und Herzöge in Österreich. Im Jahr 1095 wurde Leopold III. Markgraf von Österreich. Er war der sechste Markgraf aus der Familie der Babenberger. Leopold lebte in einer Zeit, in der Kirche und Staat, sprich König und Papst, sich über die Rolle der weltlichen Herrscher bei der Amtseinsetzung von Bischöfen und Äbten stritten. Damals war es Gang und Gebe, dass die weltlichen Herrscher durch die Übertragung von weltlichen Rechten, wie Münzprägung, Zoll oder Gerichtsbarkeit große Macht auf die kirchlichen Würdenträger ausübten und sich somit große Macht und auch Ländereien sicherten, um ihre Herrschaft zu stützen und zu erweitern. Leopold III. stellte sich in diesem Streit gegen den Kaiser auf die Seite des Papstes und unterstellte diesem das Stift Melk.

1106 heiratete der junge Markgraf die Tochter Kaiser Heinrich IV mit der er 18 Kinder zeugt. Fünf Mädchen und sechs Buben überleben und haben ihrerseits interessante Karrieren vorzuweisen. So wird ein Sohn Bischof von Freising, und ein anderer Graf von Österreich, Heinrich V, genannt Jasomirgott. Leopold, genannt „der Fromme“, gründete im weiteren Verlauf seines Lebens das Stift Klosterneuburg, das Zisterzienserstift Heiligenkreuz und das Benediktinerstift Mariazell.

Leopold der Fromme wird Heiliger Landespatron

349 Jahre nach seinem Tod wurde Leopold III von Papst Innozenz VIII heiliggesprochen. Dieser Prozess dauerte so lange, weil es zwischenzeitlich etliche Päpste gab, die die Heiligsprechung aus unbekannten Gründen nicht vorangetrieben haben. Erst 1483 erklärte sich Sixtus IV schließlich zur Erhebung in die Reihen der Heiligen bereit, wobei das Interesse des Herrscherhauses an der Heiligsprechung eines seiner Vorgänger wohl ausschlaggebend war. Nach dem Tod des Papstes im August 1484 bestimmte sein Nachfolger Innozenz VIII wenige Tage nach seiner Wahl, die kommenden Weihnachten als Zeitpunkt der Kanonisation.

Als geeignetes Datum für einen Regenten wurde der Dreikönigstag, der 6. Jänner 1485, für die feierliche  Zeremonie gewählt. Vor allem auf Grund seiner friedvollen Herrschaft und seinem Näheverhältnis zu den Päpsten seiner Zeit, aber auch wegen der Stiftsgründungen und der Förderung der Städte, Wien, Melk und Krems, das sogar eine Münzprägestätte bekam, wurde er heiliggesprochen. Die Heiligsprechung am 6. Jänner 1485 nach einem fast 20 Jahre dauernden Kanonisationsprozess war der Endpunkt einer Entwicklung, die mit der offiziellen Erhebung zum Landespatron 1663 ihre konsequente Bestätigung fand.

Nach dem Tode Leopolds wurde im Stift Klosterneuburg ein großer Stammbaum der Babenberger anfertigen lassen, der immer noch im Stift ausgestellt ist.

Der Heilige Leopold heute

Nicht nur der freie Tag am 15. November und die Stifte in Niederösterreich sind heute noch ein Hinweis auf den Heiligen, sondern auch die Tradition des „Fasslrutschens“, die jedes Jahr am Leopoldikirtag in Klosterneuburg zelebriert wird.

Dieser  Volksbrauch ist ein besonderes Erlebnis für Jung und Alt. Die Spuren des Fasslrutschens lassen sich bis 1813 zurück verfolgen. Viele Geschichten ranken sich um den Brauch, der wahre Ursprung aber liegt im Dunkeln. Floridus Röhrig, Kustos des Stiftes Klosterneuburg, führt den Brauch auf das Abliefern des Zehentweines durch die Hauer zurück, die auf der einen Seite das Fass erklommen, den Wein oben in einen Gießkorb entleerten und auf der anderen Seite herunterrutschten.

Wo auch immer die Wurzeln des Brauches liegen, wenn man über das über 300 Jahre alte, 3,84 Meter hohe und 56.000 Liter fassende „Tausend Eimer Fass“ rutscht, so heißt es, geht jeder Wunsch in Erfüllung.

Nika Fürhapter

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