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Reges Treiben im Kinderbüro!

Intensivbetreuung im Integrationshaus

Wie Kinder mit den traumatischen Erlebnissen, die sie in der Heimat oder auf der Flucht erlebt haben, umgehen, kann sehr unterschiedlich sein. Es sind nicht unbedingt immer die lauten, auffälligen Kinder, die am meisten leiden. Auch die nach außen hin Stillen und Unauffälligen brauchen oft Unterstützung. Aufgrund des steigenden Bedarfs und des spürbar positiven Effekts auf die Eltern hat sich die Kinderbetreuung zu einer „Intensivbetreuung“ entwickelt. Die Sorge der Eltern, sich um die eigenen Kinder nicht ausreichend kümmern zu können, verstärkt oft die psychische Belastung. Gibt es hier eine zusätzliche Unterstützung, können sich die Eltern mehr um ihre eigene Stabilisierung kümmern. die Kinder gewinnen dadurch schneller die präsenten und emotional kompetenten Eltern zurück, die sie für ein gesundes Aufwachsen brauchen.

Im Kinderbüro haben alle Kinder zwei Mal wöchentlich die Möglichkeit, mit ihrer „eigenen Betreuerin“ unter vier Augen zu sprechen. Zeigt sich ein erhöhter Bedarf nach Gesprächen, so werden zusätzliche Termine vereinbart, in denen bestimmte Themen genauer mit dem Kind bearbeitet werden. Auch kann es darum gehen, die Motivation für die Schule zu stärken oder Konflikte mit Lehrer/innen oder Eltern näher zu beleuchten.

Gespräche mit Eltern

In regelmäßigen Gesprächen mit Eltern wird bei Konflikten zwischen Eltern und Kindern vermittelt. Es kann aber auch darum gehen, die Eltern in ihrer Erzieherrolle zu stärken, Missverständnisse aus dem Weg zu räumen oder Bedürfnisse der Kinder, die von den Eltern nicht wahrgenommen werden, aufzuzeigen.

„Gemeinsam sind wir stärker“

Jedes Kind hat die Möglichkeit, an den wöchentlichen Aktivitäten einer bestimmten psychologischen Gruppe, die sich nach dem Alter richtet, teilzunehmen. Kreative, non-verbale Angebote stehen bei den jüngeren Kindern im Vordergrund. Bei den Älteren sind es vermehrt spielerisch-sportliche Aktivitäten. Das gemeinsame Tun fördert die Kontaktaufnahme und den Zusammenhalt der gleichaltrigen Kinder im Haus. Außerdem sehen die Kinder, dass sie mit ihren Problemen nicht alleine sind. „Gemeinsam sind wir stärker“ ist ein wichtiger Leitsatz, der den Kindern hier vermittelt wird. Zudem erlernen sie wichtige soziale Kompetenzen, die ihnen in anderen Lebensumwelten (Familie, Schule) helfen können.

Klare Regeln

Regeln was Teilnahme, Ablauf und das Miteinander in den Gruppen betrifft, bieten den Kindern zugleich einen geschützten Rahmen und vermitteln Struktur. Denn als Asylwerberkind gibt es viele Lebensbereiche, die höchst unsicher sind (Gesundheit der Eltern, Verbleib in Österreich, Ausbildungsmöglichkeiten). Sich unter diesen Bedingungen dennoch anzustrengen, Schulerfolge zu bringen und ein soziales Bewusstsein zu entwickeln, ist nicht immer leicht. Da hilft es schon, seine eigene, persönliche Betreuerin zu haben, die einen motiviert und unterstützt und bei der man auch mal seinem Unmut Luft machen darf, ohne dass gleich das ganze (Integrations-)Haus zusammenbricht.

Gwendolyn Ploberger

Das Projekt Integrationshaus

Das Integrationshaus besteht seit 1995 und ist ein auf nationaler und internationaler Ebene anerkanntes Kompetenzzentrum mit Vorbildcharakter, insbesondere im Bereich der Aufnahme und Integration von Asylwerber/innen, subsidiär Schutzberechtigten, anerkannten Flüchtlingen und Migrant/innen.

Eine spezielle Zielgruppe des Integrationshauses sind besonders schutzbedürftige und verletzliche Personen wie Traumatisierte, unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, psychisch und physisch Kranke, AlleinerzieherInnen, Schwangere etc., die aufgrund ihrer speziellen Bedürfnisse besondere Unterstützungsleistungen benötigen.

Grundsätzlich gibt es im Integrationshaus zwei große Bereiche:

Einerseits die Abteilungen für Beratung und Betreuung, andererseits eine Vielzahl an Projekten in der Bildungs- und Kulturarbeit: Zur Betreuung gehören neben der Unterkunft ein Angebot an professionellen psychosozialen und rechtlichen Leistungen, zur Bildungs- und Kulturarbeit u. a. die Ausbildung und Integration in den Arbeitsmarkt, sowie Spracherwerb und Kinderbetreuung. Zusätzlich werden Projekte im Kultur- und Freizeitbereich angeboten.

Im Integrationshaus wird nach einem ganzheitlichen Beratungs- und Betreuungsansatz gearbeitet. Wichtig sind die interkulturelle und mehrsprachige Arbeitsweise sowie Hilfe zur Selbsthilfe. Ein Markenzeichen des Integrationshauses ist die innovative Arbeitsweise. Neue Ideen werden laufend aufgegriffen und umgesetzt. Insbesondere in europäischen Projekten wurde viel an fachlich überaus interessanter Entwicklungsarbeit geleistet.

Lobbyarbeit für die Zielgruppen

Ein zusätzliches Betätigungsfeld des Integrationshauses ist die Lobbyarbeit für die Zielgruppen. Das Integrationshaus erstellt Stellungnahmen zu Gesetzesentwürfen, führt Gespräche mit politischen EntscheidungsträgerInnen, nimmt Teil an Diskussionsveranstaltungen und Pressekonferenzen, realisiert Konferenzen, Kampagnen, Veranstaltungen, Bildungs- und Begegnungsprojekte. Dadurch versucht das Integrationshaus, die Verbesserung von rechtlichen und sozialen Rahmenbedingungen zu erwirken und die mangelhafte Ressourcenlage der Zielgruppen zu verbessern.

Das Integrationshaus und damit die psychologische Intensivbetreuung für Kinder wird durch die laufende Unterstützung durch Spender/innen finanziert (Konto-Nr. 00671 130 300 bei BLZ 12000 Bank Austria).

kumquat "Mythen" 1/2013

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