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Planspiel Regierungsbildung

Gruppenstunde Spiele | Alter: 13-15 | Aufwand: mittel

Ziel

Im Mittelpunkt dieses Modells steht das spielerische Erfahren, was so alles zu den Aufgaben von Politiker/innen gehören könnte, und die Möglichkeit, in einem Rollenspiel Verhandlungen auszuprobieren.

Material

  • 4 Parteiprofile auf Plakaten
  • Papier und Stifte
  • evtl. Verkleidungsaccessoires wie Krawatten, Tücher, Aktenkoffer, ect.
  • Orangensaft und Mineralwasser zum Anstoßen beim Empfang

Aufbau

Zunächst stellst du den Kindern vier Parteiprofile vor, sie entscheiden sich dann, bei welcher Partei sie mitarbeiten wollen. Die vier Parteien treten in Koalitionsverhandlungen, schließlich wird eine Regierung gebildet und ein Koalitionspakt geschlossen. In der Koalition werden Ressorts und Verantwortlichkeiten verteilt. Die Oppositionsparteien verteilen ebenfalls die Aufgabengebiete und suchen Sprecher/innen für jede Aufgabe. Anschließend werden die Minister/innen vom/von der Bundespräsidenten/in angelobt. Schließlich halten die Regierungsmitglieder und die Mitglieder der Oppositionsparteien ihre Antrittsreden im Parlament, beim anschließenden Empfang ist Gelegenheit zum Austausch.

 

Wahlsonntag


Du begrüßt die Kids zur Gruppenstunde und erklärst ihnen, dass heute Wahlsonntag ist. Es stehen vier Parteien zur Auswahl: die Extrem Liberale Partei ELPÖ, die Grüne Sozialpartei GSPÖ, die Besonders Konservative Partei BKPÖ und die RPÖ, die Österreichische Radikalpartei. Auf Plakaten ist dargestellt, für welche Ziele die Parteien ungefähr stehen:

ELPÖ

  • Abschaffung der Ehe, stattdessen völlig freies Zusammenleben, paarweise oder in Wohngemeinschaften.
  • Abschaffung von Strafe: jeder Mensch ist frei, zu tun was er/sie will, auch wenn es nach jetzt noch geltendem Recht kriminell ist.
  • absolute Gleichbehandlung von Männern und Frauen: es gibt nur noch Vornamen, die für beide Geschlechter verwendbar sind, wie Jackie oder Dominique.
  • Abschaffung der Schulpflicht
  • Wahlrecht für Kinder jeden Alters
  • generelle Abschaffung aller Pflichten, totale Freiheit der Menschen
  • Abschaffung des Bundesheeres



GSPÖ

  • 50% der Fläche aller Österreichischen Städte sollen als Spielplätze umgewidmet werden.
  • Autoverbot in ganz Österreich
  • einheitliches, gleich hohes Gehalt für alle, unabhängig davon, ob eine Erwerbstätigkeit ausgeübt wird oder nicht
  • Begrünen und Bepflanzen aller Autobahnen, Zugfahren soll dafür gratis sein.
  • Gratistheater-karten für alle
  • Unterricht in selbst gebauten Baumhäusern im Wald
  • Verwendung eines Großteils des Budgets für Förderung biologischer Landwirtschaft



BKPÖ

  • Abschaffung der Möglichkeit der Scheidung, Unauflöslichkeit der Ehe
  • Verbot von Computern und jeglichem neumodischen Zeug wie Handys und Sushi.
  • Einführung der unumschränkten elterlichen Gewalt über die Kinder, Eltern dürfen z.B. bestimmen, welchen Beruf ihre Kinder ergreifen müssen.
  • starke Förderung der Landwirtschaft
  • "Zurück zur Natur": Abschaffung der Industrie, Rückkehr zu traditionellen Methoden der Verarbeitung von Arbeitsstoffen
  • eigener Volksmusiksender im Fernsehen
  • ewiges Arbeitsverbot für Mütter



RPÖ

  • Einführung des totalen Überwachungsstaats, alle Bürger/innen sollen ständig beobachtet werden, um jegliche Kriminalität im Keim zu ersticken.
  • Verbot aller Schimpfwörter
  • allgemein schwere Strafen (z.B. 10 Jahre Haft für Falschparken)
  • verpflichtende Einheitstracht für alle Bürger/innen (Dirndl und Trachtenanzug)
  • starke Orientierung am Geld: wer reicher ist, soll z.B. auch bei Wahlen mehr Stimmen abgeben dürfen. Wirtschaftlich Erfolglose werden aus Österreich abgeschoben.
  • starke Aufrüstung, Verwendung eines Großteils des Budgets für Waffen
  • allgemeines Internatswesen: alle Kinder sollen in radikalen staatlichen Internaten großgezogen werden




Beratungen & Koalitionsverhandlungen


Spätestens jetzt ist den Kids klar, dass es sich bei den vier Parteien um keine real existierenden Parteien handelt. Sie sollen sich nun entscheiden, in welcher Partei sie mitarbeiten wollen, wobei sie sich dabei nicht für die Partei entscheiden müssen, die am ehesten ihre Meinung vertritt: du erklärst den Kids, dass ihr in Folge ein Rollenspiel machen werdet, in dem sie Politiker/innen spielen. Die Kids sollen sich so auf die vier Parteien verteilen, dass jede Partei mindestens zwei Mitarbeiter/innen und keine Partei alleine eine absolute Mehrheit hat. Die Verteilung der Kinder stellt das Ergebnis der Wahl dar, das die Stärke der Parteien bedingt.
Die Kinder schlüpfen nun in die Rollen von Politiker/innen, sie können sich mit Jacken, Tüchern und anderen Accessoires verkleiden. Die Parteien ziehen sich zu internen Beratungen zurück und überlegen, welche Ziele und Anliegen sie noch in ihre Parteiprogramme aufnehmen wollen, mit welchen anderen Parteien eine Mehrheit an Stimmen im Parlament erzielbar wäre und mit welcher/welchen anderen Parteien sie die meisten inhaltlichen Übereinstimmungen feststellen können.
Es kommt in Folge zu Koalitionsverhandlungen, bei denen die Parteien jeweils vollständig oder durch einzelne Vertreter/innen versuchen, eine Regierungsmehrheit aus zwei oder sogar drei Parteien zu bilden.

Der Koalitionspakt


Sobald eine solche Mehrheit gebildet ist, werden die Koalitionsverhandlungen abgebrochen und es kommt zu detaillierteren Koalitionsverhandlungen der zukünftigen Regierungsparteien. Ein Koalitionspakt will geschlossen werden, es muss festgesetzt werden, für welche Bereiche Ministerien eingerichtet werden sollen und wer welches Ministerium als Minister/in übernimmt.
Zur Auswahl stehen:

  • Kinder- und Familien-
  • Verkehrs-
  • Justiz-
  • Wirtschafts-
  • Innen-
  • Frauen-
  • Technik- und Medien-
  • Umwelt
  • Sozial- und Arbeits-
  • Landwirtschafts-
  • Verteidigungs-
  • Unterrichts- und
  • Kulturministerium


Abgesehen von diesen Ministerien können nach Übereinkunft der Regierungsparteien auch noch andere Ministerien "erschaffen" bzw. bereits bestehende zusammengelegt werden.

Es müssen für die Hauptziele, die die Regierungsparteien verfolgen, Kompromisse geschlossen werden, die dann schriftlich festgehalten und von den Parteienvertreter/innen unterschrieben werden. Du hilfst den Kids in dieser Situation, berätst sie, welches Ministerium für die Umsetzung welchen Anliegens wichtig ist und welche Ministerien sie folglich wahrscheinlich brauchen. Außerdem soll festgesetzt werden, wer Kanzler/in werden soll und folglich später im Parlament die Ziele der Koalition präsentieren wird. Gleichzeitig beraten die Oppositionsparteien, wer von den Politiker/innen als Sprecher/in für welchen Bereich zuständig ist, schließen einen Oppositionspakt und legen ihre Ziele fest.

Angelobung durch den/die Bundespräsidenten/in


Im Folgenden übernimmst du oder ein/e zweite/r Gruppenleiter/in die Rolle des/der Bundespräsidenten/in und gelobst die einzelnen Minister/innen und den Kanzler/die Kanzlerin an. Sie müssen einen Eid auf die Republik leisten und versprechen, ihr Amt nach Treue und Gewissen sorgfältig auszuüben.

Antrittsreden im Parlament


Sobald alle Parteien dazu bereit sind, hält von jeder Partei ein Vertreter/eine Vertreterin, jedenfalls aber der/die Bundeskanzler/in eine Antrittsrede. Die Sitzung im Parlament wird vom/von der Nationalratspräsidenten/in (gespielt von dir oder einem/einer anderen Gruppenleiter/in) geleitet. Dabei erteilst du, wenn es nötig ist, auch Ordnungsrufe. Zuerst sprechen die Vertreter/innen der Regierung, damit die Oppositionsvertreter/innen gleich die Möglichkeit haben, in ihren Reden unmittelbar auch auf das Regierungsprogramm einzugehen.

Der Empfang


Zuletzt findet ein Empfang im Festsaal des Parlaments statt, bei dem der bedeutende Tag gefeiert werden soll. Anlässlich dieses Empfangs schlüpfen die Kinder wieder aus ihren Rollen, damit sie Gelegenheit haben, sich darüber auszutauschen, wie es ihnen als Politiker/innen ergangen ist, was sie darüber wissen, wie Wahlen und das Bilden einer Regierung in Wirklichkeit vor sich geht und wie sie die Chancen der Parteien aus dem Spiel einschätzen würden.

Regierungsbildung am Lager


Dieses Planspiel eignet sich auch sehr gut für Jugendlager oder andere größere Veranstaltungen mit älteren Kindern. Zu diesem Zweck kannst du das Spiel noch erweitern, im Folgenden ein paar Ideen dazu:

  • Ein paar Kinder könnten Reporter/innen spielen, die fotografieren und interviewen.
  • Bei den Parteien werden Pressestellen eingerichtet, die schriftliche Erklärungen an die Reporter/innen ausgeben, die von diesen veröffentlicht werden.
  • Weiters könnt ihr auch eine Fernsehdiskussion inszenieren mit der Möglichkeit, den/die Redner/in abzuklatschen, wenn man selber das Wort ergreifen will.

Autor/in: Julia Klaban, Martin Lacroix

Publikation: Kumquat_1/01

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Schlagwörter: Rollenspiel, Politik