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Gestreifte Gedanken

Gruppenstunde | Alter: 12-15 | Aufwand: hoch

Hintergrund

Kids machen sich viele Gedanken - sie sind Heranwachsende, die sich die Welt aneignen und sich zu vielen Dingen noch ihre Meinung bilden müssen. Mit ihren Gedanken sind sie oft fern vom Alltagsgeschehen - sie denken über Philosophisches und Praktisches ebenso nach wie über Persönliches und die Welt um sie herum.

Ziel

Um eine Anzahl von Themen kreisend sollen die Kids ihre Gedanken austauschen und dabei ein Stück weit Orientierung finden. Die Gruppenstunde ermöglicht es auch, einander aus neuen Perspektiven kennen zu lernen.

Material

  • vier große, gleich lange Packpapierstreifen, je in braun und weiß (mindestens 100 x 40cm)
  • pro Kid ca. zehn schmale Papierstreifen (40cm lang)
  • Plakat, auf dem eine Autobahn skizziert ist
  • Wolken aus Papier

Aufbau

 

Gedankenstreifen


Der Gruppenraum ist heute gestreift: Du hast die großen Packpapierstreifen, auf denen beispielsweise die folgenden Sätze stehen, im Raum verteilt.

Ich hab mir öfters überlegt, dass die Schule eigentlich völlig anders sein sollte.
Ich denke über einen für mich passenden Beruf nach.
Ich hab schon einmal überlegt, wie es wäre, wenn ich in einem anderen Land geboren wäre.
Ich stelle mir manchmal vor, wie es wäre, viel Geld zu haben.
Ich überlege mir öfter, ob ich religiös bin.
Ich stelle mir vor, wie es wäre, eigene Kinder zu haben.
Ich hab mir schon mal überlegt, wie es wohl wäre, ein Bub/Mädchen zu sein.

In diesen Sätzen geht es um Gedanken, die den Kids in ihrem Leben so durch den Kopf gehen könnten, an denen sie gleichsam gedanklich "streifen". Wie sehr das der Fall ist, wird von Person zu Person verschieden sein, und darum wird es in weiterer Folge dann auch gehen. Falls du von einem bestimmten, oben nicht genannten Thema, das deinen Kids durch den Kopf geht, weißt, füge noch einen Satz hinzu!

Die Kids streifen zuerst einmal durch diese Streifenlandschaft und lassen sich genügend Zeit, die Sätze zu lesen. Nun stellst du die Frage, ob sie sich über diese Dinge schon Gedanken gemacht haben. Konkret soll das folgendermaßen ablaufen:
Jedes Gruppenmitglied kann nun die Satz-Streifen verlängern, und zwar mit den schmalen Papierstreifen, die du bereitgestellt hast. [siehe Skizze] Sie/er fügt einen schmalen Papierstreifen an, wenn der Satz durchaus auf sie/ihn zutrifft, wenn man also an diesem Gedanken bereits einmal gestreift ist. Zwei Streifen werden angefügt, wenn der Satz sogar sehr stark zutrifft. So entstehen Streifen mit unterschiedlichen Längen, je nachdem, welche Themen die Kids mehr oder weniger beschäftigen. Bei der Streifenverlängerung kann man auch durchaus ins Plaudern kommen und sich ein wenig austauschen.
Wenn alle genügend schmale Papierstreifen verteilt haben, legst du die Satz-Streifen nebeneinander und sortierst sie dabei nach der Länge.

Auf der Überholspur und am Pannenstreifen


Jetzt wird mit dem Satz, der auf dem längsten Streifen steht, weitergearbeitet, weil dieser Satz die meisten Kids beschäftigt. Allerdings kann es sein, dass mehrere Streifen gleich lang sind. Dann ist es nötig, sich gemeinsam für einen zu entscheiden.
Es geht nun darum, in einem Gespräch ausgehend von diesem Satz Gedanken, Assoziationen, Fragen, Befürchtungen, Überlegungen usw. zu äußern. Diese werden auf kleinen Wolken gesammelt und anschließend mit Hilfe eines Plakates geordnet.

Dieses Plakat stellt einen Autobahnabschnitt dar und hat drei Streifen bzw. Fahrspuren:

  • Der linke ist die Überholspur. Dort kommen jene Wolken hin, die beflügeln, die motivierend wirken, interessant, angenehm, toll oder in irgendeiner Weise eindeutig positiv sind.
  • Der rechte Streifen ist der Pannenstreifen. Dorthin kommen alle Bedenken, Befürchtungen, "schwierige" Fragen usw., also alles, was eher bremsend, demotivierend, verunsichernd wirkt.
  • Der mittlere Streifen ist die normale Spur. Dort kommen alle Wolken hin, die weder auf die Überholspur noch auf den Pannenstreifen passen.



Die Gruppe sitzt diese Arbeitsphase hindurch um das Plakat. Du notierst die geäußerten Gedanken auf Wolken. Freilich können das die Kids auch selbst tun. Dabei ist aber wichtig, dass der Redefluss nicht allzu sehr vom Beschriften der Wolken gehemmt wird. Eine entspannte, vertraute Atmosphäre ist dem Prozess förderlich. Keine der geäußerten Sichtweisen darf gewertet werden, denn es sind persönliche Ansichten und Erfahrungen, die hier eingebracht werden und nicht zur Debatte stehen. Sehr wohl aber kannst du dazu einladen, auch andere Sichtweisen, Erlebnisse und Erfahrungen zu konkreten Fragen einzubringen.

Wenn ihr euch mit dem ersten Satz ausreichend beschäftigt habt, könnt ihr euch entscheiden, ob ihr noch einen weiteren Satz anhand der Autobahn-Plakat-Methode behandeln wollt. Dazu musst du freilich vorher genug Plakate und Wolken vorbereitet haben. Falls dies nicht erwünscht ist, geht die Gruppe zu anderen Satz-Streifen zurück, und du fragst, ob noch jemand etwas zu einem dieser Themen gerne sagen, fragen, anmerken,... möchte. Hier könnten weitere Gespräche entstehen. Falls eines der Themen besonders viel Interesse erweckt, kann die Gruppe überlegen, ob sie diesem nicht eine eigene Gruppenstunde widmen möchte.

Der Gedankenteppich


Zum Abschluss nimmt die Gruppe die Satz-Streifen und webt daraus einen Gedankenteppich. Der steht dafür, dass Gedanken nicht alleine kommen, sondern stets miteinander verwoben sind. In dem einen Gedanken verbirgt sich ein anderer. Gedanken sind ja im Endeffekt kein Streifen, sondern bilden zusammen ein Gewebe, sind vernetzt. Hübsch ist es, nun weiße und braune Packpapierstreifen so zu verweben, dass hier ein "adrettes Ganzes" entsteht. Der Gedankenteppich wird dann aufgehängt, das Plakat mit den Autobahnstreifen und den Wolken kommt darüber, um zu verdeutlichen, dass hinter den Themen des Teppichs verschiedene Gedanken stecken.

Streift wohl!

Autor/in: Karin Magrutsch und Gerald Faschingeder

Publikation: Kumquat_2/99

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Schlagwörter: Ich, Ich und die anderen