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Wasser für alle!

Gruppenstunde | Alter: 12-14 | Aufwand: mittel

Material

  • Plakatbogen
  • Stifte
  • (leere) Flaschen, Trinkpackerl oder Kübel als Liter-Maßstab
  • Piktogramme: Baumwollfeld, Spinnrad, Stricknadeln, Nähmaschine/ Nähnadeln, Schiff, Flugzeug, Stift
  • evtl. Weltkarte
  • ein Glas pro Kind
  • Rollenbeschreibungen auf Kärtchen
  • zwei Sessel
  • Wasser

Aufbau

Am Beginn der Stunde überlegt ihr euch, wie viel Wasser ihr täglich braucht und was virtuelles Wasser ist. Dann reist ihr nach Südafrika zu einer Gerichtsverhandlung und setzt euch mit dem Menschenrecht auf Wasser und seiner Umsetzung auseinander um dann um einige Aspekte rund um Wasser reicher, wieder nach Hause zu reisen.

 

Überall Wasser!


Du begrüßt deine Kinder am Beginn der Gruppenstunde und sagst ihnen, dass du dich auf die heutige Reise freust. Über die Reise und ihr Ziel wirst du später erzählen. Du weißt, dass alle Kinder Wasser-Expert/innen sind, weil sie alle täglich mit Wasser in Berührung kommen. Ihr könnt allein oder zu zweit überlegen, wann ihr in letzter Zeit (z.B. heute und gestern) mit Wasser in Berührung gekommen seid. Wenn jemanden etwas einfällt, kann er oder sie es pantomimisch darstellen. Habt ihr erraten, was dargestellt wurde, schreibt es auf das Plakat.

Wie viel Wasser brauchen wir?


Habt ihr einiges gesammelt, könnt ihr überlegen, wie viel Wasser ihr denn an einem Tag pro Person so braucht. Du hast etwas mit, zum Beispiel ein paar Wasserflaschen oder einen Kübel, um zu veranschaulichen, wieviel ein Liter Wasser ist. Ihr ratet gemeinsam und schreibt die Literanzahl zu den aufgeschriebenen Begriffen auf das Plakat. Eine Auflösung findest du im Infokasten.

Durchschnittlicher Wasserverbrauch pro Person und Tag:

  • Baden/Duschen — 45 Liter
  • Klo — 40 Liter
  • Wäsche waschen — 17 Liter
  • Geschirr waschen — 8 Liter
  • Wohnung — 6 Liter
  • Garten — 3 Liter
  • Trinken/Kochen — 3 Liter
  • Sonstiges — 5 Liter
  • Insgesamt: 127 Liter

auch unsichtbares...


Nachdem ihr seht, wie hoch der tägliche Bedarf an Wasser ist, sagst du deinen Kindern, dass ihr eigentlich auch einiges an Wasser an euch trägt. Wir kommen nämlich nicht nur mit Wasser in Berührung, wenn wir es angreifen können. In all dem, was wir anziehen oder benutzen, steckt sogenanntes "unsichtbares Wasser", weil es bei der Herstellung verwendet wird.
Du hast einige Piktogramme mitgebracht und ihr überlegt gemeinsam die Reihenfolge der Piktogramme und was bei welchem Produktionsschritt passiert. Ihr könnt auch auf einer Weltkarte die jeweiligen Länder finden, die erwähnt sind.

  • Baumwollfeld: Eine Jeans besteht unter anderem aus Baumwolle. Die wird auf großen Feldern zum Beispiel in China, USA, Brasilien, Ägypten,... hergestellt. Baum­wolle braucht Wasser zum wachsen. Auch Dünger werden eingesetzt (die brauchen auch Wasser in der Herstellung).
  • Spinnrad: Nach der Ernte wird Baumwolle gewaschen und dann zu Garn gesponnen.
  • Stricknadeln: Dann wird sie vor allem in China, Japan, Taiwan,... gewebt oder gestrickt und zu einem Stoff verarbeitet.
  • Stift: Dann wird der Stoff gebleicht oder gefärbt (hier wird viel Wasser verbraucht, denkt an das Batiken von Kleidern) und mit chemischen Mitteln behandelt, damit er nicht schrumpft oder brennt./li>
  • Nadel/Nähmaschine: Dann wird der Stoff mit Hilfe von Computern zugeschnitten und dann vor allem in China, Indien, Südkorea und lateinamerikanischen Ländern zu Jeans genäht.
  • Schiff/Flugzeug: Nachdem die Jeans gebügelt und verpackt wurde wird sie verschifft um dann verkauft zu werden.


Wie viel Liter Wasser glaubt ihr, steckt in einer Jeans? Es sind sage und schreibe 10.800 Liter. In einem T-Shirt stecken rund 2.700 Liter. Das könnt ihr auf das Plakat dazu schreiben, wobei das nichts über den täglichen Verbrauch aussagt.

Auf zur Gerichtsverhandlung nach Südafrika!


So, nun wisst ihr, wie viel Wasser ihr ca. verbraucht und wie viel Wasser auch unsichtbar verbraucht wird. Du erzählst den Kindern, dass ihr euch beeilen müsst: in 15 Minuten beginnt eine Gerichtsverhandlung zu der ihr geladen seid. Die findet in Südafrika statt. Jede nimmt einen Schluck Reisewasser und nachdem ihr den Schluck hinuntergeschluckt habt, befindet ihr euch in einem Gerichtssaal in Südafrika. Du bist als Gruppenleiter/in der/die Richterin und begrüßt die Kinder zum Prozess. Du erläuterst die Situation:

Jeder Mensch hat ein Recht auf Wasser. In Südafrika steht das auch in der Verfassung und kann vor Gericht eingeklagt werden. In der südafrikanischen Stadt Johannesburg wurde im Stadtteil Phiri folgendes System eingeführt: Es wurden Wasserstellen mit automatischer Zählfunktion eingeführt. Jeder Haushalt besitzt eine Karte, mit der diese Wasserstellen betätigt werden können. Die ersten 6000 Liter pro Monat sind gratis. Wird mehr gebraucht, muss das bezahlt werden. Seit einiger Zeit ist ein Prozess im Gang: Die Firma "Johannesburg Water", die das System eingeführt hat und die Bevölkerung nicht damit zufrieden ist. Heute sind Zeug/innen geladen, um Aussagen zu machen.

Rollenbeschreibungen


Vertreter/innen der Vereinigung "Wasser für alle!"
Ihr seid Bewohner/innen des Stadtteils Phiri. Ihr seid gegen die Einführung der automatischen Wasserstellen, weil Menschen mehr Wasser brauchen. Die 6000 Liter sind zu wenig. Wenn die ersten Liter verbraucht sind, müssen sich die Frauen auf den langen Weg zu einer Wasserstelle machen. Die Frage ist auch, was passiert, wenn ein Feuer ausbricht? Mit den Maschinen kann man nicht sprechen und um Wasser bitten.
Problematisch ist auch, dass wenn Menschen bei Wasser sparen müssen, das auf Kosten ihrer Gesundheit ist: Zu wenig trinken und unsauberes Wasser verwenden, vergrößert die Gefahr, krank zu werden. Außerdem sind Installation der Geräte und die Instandhaltung teuer — dieses Geld könnte man anders einsetzen. Die Geräte nehmen Menschen die Arbeitsplätze weg. In Stadteilen wo reiche Menschen leben, gibt es dieses System nicht. Das ist ungerecht.

Vertreter/innen der Firma "Johannesburg Water"
Euer Unternehmen hat viel Geld in die Installation der Geräte gesteckt und ihr verteidigt daher das System. Aus eurer Sicht handelt es sich um ein gutes und gerechtfertigtes System, von dem letztlich die Armen profitieren. Niemand muss mehr ständig das Geld einfordern, wie früher. Das spart Kosten. Außerdem sind die ersten 6000 Liter gratis. Früher haben Menschen auch gratis Wasser bekommen, allerdings mussten sie darum ansuchen. Das hat lange gedauert und war für die Leute unangenehm. Mit dem neuen System wird kein Wasser verschwendet, weil die Leute darauf schauen, nicht zu viel zu verwenden.

Jede/r bekommt nun eine Rollenbeschreibung. Ihr geht zu zweit zusammen, je ein/e Vertreter/in von "Johannesburg Wasser" und ein/e Vertreter/in von "Wasser für alle!" und erzählt euch, was ihr von dem System haltet. Danach beginnt die Gerichtsverhandlung. Du hast zwei Sessel aufgestellt. Bei einem Sessel können Fragen gestellt werden. Und beim anderen Sessel wird geantwortet.

Du beginnst die Verhandlung und sagst, dass es darum geht, herauszufinden, ob das System der automatischen Wasserstellen bleiben oder abgeschafft werden soll. Zuerst können Fragen an "Johannesburg Water" und dann an "Wasser für alle!" gestellt werden. Wer eine Frage hat, kann sich auf den Sessel setzen und diese stellen. Ihr könnt auch vorher gemeinsam Fragen sammeln. Wer die Frage beantworten will, kann sich auf den Sessel setzen und eine Antwort geben. Wer nicht mehr reden will, kann aufstehen.

Nachdem ihr beide Positionen gehört habt, bedankt sich der/die Richter/in und zieht sich zurück. Sie wird euch Bescheid geben, welches Wassersystem eingeführt werden soll. Ihr könnt in der Zwischenzeit nach Hause gehen. Jede/r nimmt einen Schluck Reisewasser und ihr kommt nach dem Schlucken in der Pfarre an.

Back home


Du erzählst deinen Kindern, dass es diese Verhandlung in Südafrika wirklich gegeben hat. Der Richter/Die Richterin hat der Seite der Stadtverwaltung Recht gegeben und die automatischen Wasserzäher sind geblieben, aber noch immer versuchen Bewohner/innen, dies zu ändern.
In vielen Ländern gibt es ähnliche Fragen und Probleme. Ihr könnt euch nun darüber austauschen, was ihr von den automatischen Wasserstellen haltet und damit abschließen wie und ob diese Gruppenstunde eure Sicht auf Wasser vielleicht geändert hat und was ihr euch von der Stunde gerne merken wollt.

Autor/in: Betti Zelenak

Publikation: Kumquat "gratis" 2/2011

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