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Unsere Welt ist vielfältig — Gott sei Dank!

Gruppenstunde | Alter: 8-15 | Aufwand: hoch

Hintergrund

"Da geht's ja zu wie bei den Wilden!" oder "die halbnackten Wilden", so hat man früher oft über indigene Gruppen gesprochen, Menschen, die ganz anders leben als die meisten Menschen in Österreich. Heute ist das, Gott sei Dank, anders und wir entdecken mehr und mehr, dass die Auseinandersetzung mit anderen Lebensweisen spannend und bereichernd sein kann. Um mit deinen Kindern etwas über die Situation der Indigenen in Brasilien zu erfahren, kannst du dir ein Fotoset im Jungscharbüro ausborgen. Und diese Gruppenstunde soll auch dich dabei unterstützen, mehr über das Leben Indigener zu erfahren. Da auch heute noch die Kontakte vieler indigener Gruppen zur westlichen Welt sehr beschränkt sind, ist das Ziel dieser Gruppenstunde nicht, umfassendes Wissen über Indigene zu vermitteln, v.A. auch weil es "die Indigenen" nicht gibt. Jede dieser Gruppen hat eigene Lebensweisen, Traditionen und Weltbilder. Einige Dinge gelten aber für sie alle: Sie sind durch die westliche Welt in ihrem Lebensraum und in ihrer Lebensweise bedroht und werden somit dazu gezwungen, ihre eigenen Lebensentwürfe mit denen der westlichen Welt in Einklang zu bringen.

Die Dreikönigsaktion unterstützt Organisationen in ganz Lateinamerika, die sich für die Rechte indigener Gruppen einsetzen. Ein Beispiel dafür ist CIMI, die Indigenenpastoral der brasilianischen Bischofskonferenz. Der langjährige Projektpartner der Dreikönigsaktion ist seit 1972 auf nationaler und regionaler Ebene in ganz Brasilien tätig. CIMI setzt sich sowohl für die Wertschätzung der Indigenen als auch die Anerkennung und Einhaltung ihrer besonderen Rechte ein.

Der Begriff "indigen" ist direkt mit der Geschichte des europäischen Kolonialismus seit 1492 verbunden. Er hat sich als Sammelbezeichnung für die Nachfahr/innen jener Menschen durchgesetzt, die in den Regionen Lateinamerikas, Afrikas und Asiens lebten, bevor diese von den europäischen Mächten erobert wurden. Ins Deutsche übersetzt würde "indigen", "eingeboren" oder "einheimisch" bedeuten. In Brasilien werden indigene Gruppen oft als "Indios" bezeichnet, was auf deutsch "Indianer/in" bedeutet. Diese Bezeichnung geht auf die irrige Annahme von Christoph Columbus zurück, er sei bei seinen Eroberungsfahrten in Indien gelandet. Begriffe wie "Eingeborene", "Indianer/innen" und "Ureinwohner/innen" wurden von den europäischen Eroberer/innen abwertend gebraucht, um ihre eigene Herrschaft zu rechtfertigen. Sie vermitteln die Vorstellung, diese Menschen würden schon immer auf die gleiche Weise leben wie heute und müssten von den Europäer/innen "zivilisiert" oder "modernisiert" werden. Tatsächlich sind die Lebensweisen von Indigenen aber sehr vielfältig und ändern sich laufend. Indigene verstehen sich heute als Nachfahren von Menschen, die über Jahrhunderte hinweg unterdrückt, ausgebeutet und erniedrigt wurden und bis heute an den Rand gedrängt leben. Der Begriff "indigen" macht außerdem das Anliegen deutlich, auf eine Art zu leben, die nicht den westlichen Modellen entspricht und er verweist auf den Widerstand, den indigene Gruppen der Eroberung und der immer wieder angestrebten Auslöschung ihrer Kulturen von Anfang an entgegensetzten.

Ziel

Diese Gruppenstunde soll Lust an der Auseinandersetzung mit anderen Lebensformen wecken und einladen, über Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen uns und "den Anderen" nachzudenken.

Material

  • "Bemvindos no Brasil" - Plakat
  • Globus oder Atlas
  • Kärtchen mit Begriffen aus Brasilien
  • Kärtchen mit Sätzen auf Maxakali
  • Schreib- bzw. Malsachen und Papier
  • Bilder vom Projekt CIMI (als Fotoset im Jungscharbüro auszuborgen)
  • oder: zweifärbige Kärtchen mit den Problembeschreibungen, Papierstern mit Projektbeschreibung

 

Einstieg:


Im Gruppenraum hast du ein Schild mit der Begrüßung "Bemvindos no Brasil" ("Willkommen in Brasilien" auf portugiesisch) aufgehängt und du kannst die Kinder mit: "Oi! Ola! Bom dia [bom dschia]" (Hi, Hallo, Guten Tag!) begrüßen. Heute soll es um Brasilien gehen und um Menschen, die dort leben. Auf einem Globus oder in einem Atlas könnt ihr euch anschauen, wo Brasilien liegt, welche Länder an Brasilien grenzen, wie groß Brasilien im Vergleich zu Österreich ist (100 x so groß) usw. und die Kinder können erzählen, was sie mit Brasilien verbinden.

Du kannst ihnen dabei erzählen, dass in Brasilien viele Menschen (~208 Mio.) leben, dazu gehören auch indigene Gruppen, auf portugiesisch "Indios" genannt. Das sind Menschen, die schon seit sehr langer Zeit in Brasilien leben. Als die Portugiesen vor ungefähr 500 Jahren nach Brasilien kamen, starben viele der damaligen Bewohner/innen des Landes an Krankheiten, die von den Eroberern eingeschleppt wurden, und viele wurden getötet. Es war eine schlimme Zeit, die etwa 5 Millionen Indigenen das Leben kostete. Heute leben etwa 180 verschiedene indigene Gruppen in Brasilien, mit jeweils eigenen Sprachen und Traditionen. Der Großteil von ihnen lebt im Amazonasgebiet. Von ihnen wollen wir heute mehr erfahren.

Für die Kinder hast du Kärtchen vorbereitet, auf denen die Namen von unterschiedlichen indigenen Gruppen stehen bzw. Kärtchen mit anderen Begriffen aus Brasilien. Die Kinder raten nun, bei welchen Begriffen es sich um Indigene handelt. Du hilfst den Kindern und sagst ihnen anschließend, welches die indigenen Gruppen sind und was die anderen Begriffe bedeuten. Am besten teilt ihr die Begriffe in zwei Bereiche ("Bezeichnungen für indigene Gruppen" und "das ist was anderes...") und legt sie so auf, dass man sie gut lesen kann.

  • Kärtchen mit indigenen Gruppen: Yanomami, Kayapo, Guarani, Karaja, Mundurucu, Terena, Maxakali, Bororo, Kaingang, Macuxi, Tirio, Xavante, Piraha, Zuruaha
  • Andere Begriffe: Amazonas, Cachaca [kadschassa] (Zuckerrohrschnaps), Mae (Mutter), Farofa (Maismehl), Capoeira (brasiliansicher Kampftanz), Maniok (stärkehaltige Wurzel, ähnlich einer Kartoffel), Maumau (die Frucht Papaya auf brasilianisch)


Mit den Kärtchen, die als indigene Gruppen identifiziert wurden, könnt ihr nun folgendes Spiel spielen:

Von jedem Namen (je nach Anzahl der Kinder z.B. Zuruaha, Piraha, Maxakali) gibt es zwei oder mehr Kärtchen, von denen jedes Kind eines zieht. Die Kinder, auf deren Kärtchen derselbe Name steht, versuchen nun, einander zu finden. Alle gehen durch den Raum, wenn man jemandem begegnet, begrüßt man sich und ruft laut den Namen seines Kärtchens. So finden alle Zuruahas, alle Pirahas usw. zusammen. Das Spiel kann beliebig oft wiederholt werden, als Variante kann es auch nur mit Flüstern versucht werden.

Was im Leben wichtig ist!


Die folgenden Sätze haben Maxakali [maschakali] Indigene für eine Broschüre von CIMI gesammelt. Darin beschreiben sie, was ihnen im Leben wichtig ist.

Die Kinder teilen sich in zwei Gruppen und bekommen je einen Satz, auf Deutsch und auf Maxakali, den sie versuchen, der anderen Gruppe pantomimisch darzustellen. Wenn erraten wurde, um was es sich handelt (der genaue Wortlaut ist wohl etwas schwierig), wird der dazugehörige Maxakali-Satz laut vorgelesen.

  • Hamscha haha-tehet schi haham
    Behutsam mit Umwelt und Land umgehen.
  • Puyi no yami-yschop mi
    Religion und Rituale feiern.
  • Schi schok-schop, schi schu maham
    Jagen, fischen.
  • Tappet mi tik-muhun yiy.
    Die eigene Sprache schreiben lernen und sprechen.
  • Ham schip iha uyu-mug Ayuhuk yiy.
    Nachher die offizielle Landessprache (Portugiesisch) lernen.

Was ist uns wichtig? - Zeichnungen und Slogans


Wir haben vorhin gehört, was den Maxakali am Wichtigsten ist. Nun stellen wir uns die Frage, was uns selbst im Leben wichtig ist (worüber denken wir gerne nach, was mögen wir an anderen Menschen, wie verbringen wir gerne unsere Zeit, etc.) Die Kinder können nun alleine oder zu zweit überlegen. Wer will, kann eine Zeichnung anfertigen, wer lieber schreiben möchte, soll dies aufschreiben - z.B. in Form eines Slogans wie: Wichtig ist: Spielen! - Wir wollen nicht den ganzen Nachmittag Hausübung machen!

Es ist nicht immer alles einfach...


Es geht nun auch um die Probleme der indigenen Gruppen in Brasilien. Wenn man Probleme hat, hilft es oft, sich mit anderen zusammenzutun. Als Einstieg könnt ihr das Spiel "Hilfe" spielen:

Ein Kind ist das Fängerkind, das die anderen zu berühren versucht. Wird ein Kind vom Fängerkind berührt, wird es zum neuen Fängerkind. Die Kinder können dem Gefangen-Werden nicht nur durch Davonlaufen entgehen, sie können einander auch schützen, indem sie "Hilfe!" rufen und mit einem zweiten Kind zusammengehen. Stehen zwei Kinder beisammen, können diese nicht gefangen werden. Das Fängerkind hat ein Attribut (z.B. ein Tuch), das es fallen lassen kann, wenn es nicht mehr weiter fangen möchte. Das Kind, das das Tuch aufhebt, ist der/die nächste Fänger/in.

Damit das Leben der Indigenen, die sehr weit weg und auch anders leben als wir, besser vorstellbar wird, ist es gut, Bildmaterial zu zeigen. Dazu kannst du dir das Fotoset im Jungscharbüro ausborgen oder die Bilder herunterladen. Auf den Bildern ist zu sehen, wie viele der Indigenen leben, welche Schwierigkeiten sie haben und was das Sternsingen damit zu tun hat. An dieser Stelle schaut ihr euch die Bilder gemeinsam an und lest die dazugehörigen Texte.

Wenn du keine Fotos besorgen konntest, dann könnt ihr Folgendes versuchen:

Du hast Kärtchen in zwei Farben vorbereitet. Zwei gehören jeweils zusammen. Eines beschreibt die Lebensgewohnheiten vieler Indigener, das dazugehörige Kärtchen beschreibt, warum vieles davon für sie heute nicht mehr möglich ist (zweite Farbe). Die Kinder überlegen nun gemeinsam, welche beiden Kärtchen zusammengehören und erfahren so auch von den Problemen der Indigenen:

  • Viele indigene Gruppen, z.B. die Zuruaha, leben im Wald und ernähren sich von den vielen Pflanzen und Tieren, die darin leben. Der Wald ist ihr Zuhause.
    Große Firmen dringen immer weiter in den Regenwald vor und brennen riesige Waldflächen nieder. Dort werden dann Sojabohnen angebaut, die später als Tierfutter auch nach Europa verkauft werden. Diese Firmen nehmen keine Rücksicht auf die Indigenen, also die Menschen, die schon lange hier leben und den Wald pflegen.
  • Land ist für sie mehr als nur Land zum Wohnen, Jagen und Fischen. Es ist ihnen von ihren Vorfahren anvertraut, sie wollen es schützen und auch wieder an ihre Kinder weitergeben.
    Die Indigenen haben zwar vom Gesetz her das Recht, auf ihrem Land zu leben, aber der Platz dafür wird immer kleiner. Die großen Firmen missachten nämlich diese Rechte, sie holzen weiterhin Bäume ab, bauen riesige Staudämme oder verunreinigen das Wasser.
  • Die Flüsse werden als Straßen benützt und man kann darin fischen.
    Viele Fische sind gestorben, weil das Wasser im Fluss schmutzig ist. Weil es weniger regnet, haben viele Flüsse auch weniger Wasser und das Befahren wird schwieriger.
  • Einige indigene Gruppen, z.B. die Piraha, haben wenig Kontakt mit anderen Menschen, z.B. aus der Stadt.
    Durch die vielen fremden Menschen, die jetzt auch im Regenwald sind, bekommen die Indigenen oft Krankheiten, an die sie noch nicht gewöhnt sind.Sie kannten diese Krankheiten bisher nicht und haben daher auch noch keine Medizin erfunden, um sie zu heilen.

Puzzlestern


Auf einem Papierstern hast du einiges über CIMI aufgeschrieben. Den Stern hast du in mehrere Teile geschnitten. Die Kinder können nun den Puzzlestern zusammensetzen und so erfahren, was die Leute von CIMI, also ein Projekt, das durch die Sternsinger/innen unterstützt wird, gemeinsam mit den Indigenen gegen diese Probleme tun:

  • Für die Indigenen ist es besonders wichtig, den Regenwald als ihre Heimat zu verteidigen. So können sie sich dort auch weiterhin mit allem versorgen, was sie zum Leben brauchen. CIMI hilft den Indigenen dabei, sich für ihr Land einzusetzen und sich gegen Vertreibungen zu wehren.
  • Sie bauen Obst und Gemüse an, und sie pflanzen Maniok. Das ist eine große Wurzel, die so ähnlich ist wie unsere Kartoffel. Damit sie sich noch besser selber versorgen können, gibt es auch ein paar neue Ideen, die Indigenen bauen jetzt z.B. auch Paranüsse an.
  • Die Indigenen haben ihre eigenen Vorstellungen, wie sie in Zukunft leben möchten. Dafür müssen sie sich auf den Kontakt mit Menschen, die nicht im Regenwald leben, vorbereiten. Die Leute von CIMI begleiten sie dabei.
  • Die Menschen aus der Stadt bringen Krankheiten in den Regenwald, an die die indigenen Gruppen dort nicht gewöhnt sind. Sie kennen diese Krankheiten oft noch nicht, daher unterstützen sie Mitarbeiter/innen von der Organisation CIMI bei der Behandlung. Für viele Krankheiten haben die indigenen Gruppen aber selbst sehr gute Heilmittel entwickelt, die zum Teil besser wirken als unsere Medizin.

Autor/in: Clara Handler, mit Ideen von Kathrin Wexberg und Christoph Watz adaptiert von Jonathan Scalet

Publikation: kumquat "Vielfalt" 1/2018

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Schlagwörter: Sternsingen, Welt