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Das Zweite Vatikanische Konzil

„Aggiornamento“ rief Papst Johannes XXIII im Jahre 1962 als er 2540 Bischöfe aus 133 Ländern der Welt zum zweiten Vatikanum nach Rom einlud. Mit diesem italienischen Wort das übersetzt in etwa „Anpassung an heutige Verhältnisse“ meint, hat der damalige Papst die Notwendigkeit einer Erneuerung in der römisch katholischen Kirche zum Ausdruck gebracht. Die Fenster und Türen öffnen, damit neuer Wind wehen kann, der heilige Geist. Das zweite vatikanische Konzil war ein Meilenstein in der jüngeren Katholischen Kirche, das weitreichende Veränderungen hervorgebracht hat.... und eigentlich gern noch viel mehr hervorgebracht hätte!

Hardfacts

Völlig überraschend gab Papst Johannes XXIII am 25. Januar 1959 bekannt, dass er ein Konzil für die Weltkirche einberufen werde, dessen Ziel die „Erneuerung“, „größere Klarheit im Denken“ und „Stärkung des Bandes der Einheit“ sein solle. Das 2. vatikanische Konzil war das 21. ökumenische Konzil der römisch-katholischen Kirche. Von 11. Oktober 1962 bis zum 8. Dezember 1965 wurde im Petersdom in Rom in vier Sitzungsperioden über das „Heutewerden“ und die nötigen Reformen diskutiert. Nach einer pompösen Eröffnungsfeier, bei der Papst Johannes XXIII zum zweiten Mal die Welt überraschte, als er gemeinsam mit allen anderen Bischöfen zu Fuß mit der Mitra am Kopf einzog um zu signalisieren, dass er einer von ihnen sei, wurden Anträge eingebracht, abgelehnt, Arbeitsgruppen gebildet, die neue Vorschläge ausarbeiteten, und über diese Papiere abgestimmt.

Nach dem Tod des einberufenden Papstes wurde wider Erwarten Vieler das Konzil von dessen Nachfolger Paul VI weitergeführt. Als Ende 1965 das Konzil feierlich beendet wurde, hat die Kongregation vier Konstitutionen, drei Erklärungen und neun Verordnungen verabschiedet und durch die Bischöfe wurden die Ergebnisse in die ganze Welt getragen.

Reformbedürftige Zustände und wichtige Veränderer

Ein vom Volk weggedreht feiernder Priester, lateinische Liturgieformen, die fehlenden Partizipationsmöglichkeiten für Laien und Lainnen in der Kirche, ausbaufähige Ausbildungskonzepte und so weiter und so fort. Es gab einiges, dass es zu besprechen und erneuern galt, vor dem 2. vatikanischen Konzil. Der mutige Schritt von Papst Johannes XXIII. hat viele wichtigen Menschen von damals vor die große Herausforderung gestellt, Veränderungen annehmen zu müssen. Die Kurie, eine Art Rat für den Papst, hatte bereits im Vorfeld des Konzils Vorschläge für die abzustimmenden Texte ausgearbeitet und gehofft, dass sich durch die sehr konservative Richtung dieser Dokumente nicht allzu viel ändern würde in der Kirche. Während des Konzils lehnten sich aber viele Bischöfe gegen diese vorgefassten Schriften aufgelehnt und so konnten neu gebildete Arbeitsgruppen neue Texte verfassen und zur Abstimmung vorlegen. Einer der damaligen, jungen Theologen, die von den Bischöfen zur Beratung mitgenommen wurden, war auch der heutige Papst Benedikt XVI. Viele der heutigen, gültigen Texte sind von ihm mitverfasst oder beinhalten zumindest seine damaligen Ideen.

Und jetzt? Was noch zu tun ist...

Die 2540 Konzilsväter haben drei Jahre lang über die Zukunft der Kirche nachgedacht, diskutiert und abgestimmt. Viele wichtige erste Schritte wurden eingeleitet und einige Neuerungen und Beschlüsse wurden sofort und werden bis heute umgesetzt. Zum Beispiel die heilige Messe in der jeweiligen Landessprache oder die Einführung der Pfarrgemeinderäte, sodass Laien und Lainnen endlich mehr Mitsprache- und Mitgestaltungsrecht in der römisch-katholischen Kirche bekommen haben. Neben der neuen, revolutionären Sicht auf die kirchliche Hierarchie, die sich hinwendet zum Volk Gottes und dem Auftrag der gesamten Kirche zur Ökumene ist besonders die neue Haltung zum Judentum und zum Islam nennenswert.

Doch viele Punkte des 2. Vatikanums warten noch darauf, dass ihren leeren Buchstaben endlich Taten folgen. Noch immer ist vor allem die Position der Frauen in der Kirche nicht ausreichend gestärkt. Noch immer gibt es die vorherrschende Meinung, dass nur dort wo auch ein Priester ist, Kirche sein kann. Noch immer gilt in vielen Pfarren nur das, was der Pfarrer sagt. Noch immer ist die Ökumene – also die ernsthafte Zusammenarbeit mit anderen christlichen Konfessionen – ein Stiefkind in unseren Breiten (auch wenn es natürlich immer positiv nennenswerte Ausnahmen gibt!)

Wenn du neugierig bist, was das zweite vatikanische Konzil eigentlich alles auf den Weg bringen wollte und worauf wir uns beziehen können, wenn wir gegen festgefahrene Traditionen und konservative Ansichten ankämpfen und wodurch die positiven Beispiele von gelebtem aggiornamento gerechtfertigt sind, dann hilft das oben genannte Buch „Kleines Konzilskompendium“ weiter. Dort findest du Hintergrundinfos zu den beschossenen Texten und viele spannende Kommentare.

Nika Fürhapter

kumquat "Mythen" 1/2013

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