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Überall Plastik!

Lager Gruppenstunde | Alter: 7-14 | Aufwand: mittel

Hintergrund

Plastik ist ein Stoff, der uns immer und überall umgibt. Wir sind mit Plastik aufgewachsen: Spielzeug, Verpackungsmaterial, Gebrauchs- und Einrichtungsgegenstände zu Hause und im öffentlichen Raum bestehen oft aus Plastik.

Der erste Kunststoff, Kasein, wurde schon im 16. Jahrhundert aus Milcheiweiß hergestellt. Heute wird Kunststoff vor allem synthetisch aus den Ausgangsprodukten Erdöl, Kohle, Erdgas hergestellt. Problematisch, das heißt mit großer Wahrscheinlichkeit gesundheitsschädigend, ist die Verwendung von Weichmachern (Phthalate) und Bisphenol A (eine sehr häufig verwendete Industriechemikalie, die einen Einfluss auf das Hormonsystem von Tier und Mensch hat) bei der Herstellung.

Die Plastikindustrie ist riesig. Laut Schätzungen werden täglich weltweit pro Minute eine Million Plastiksackerl verbraucht. Allein in Österreich kommen pro Jahr eine Million Tonnen Kunststoff zum Einsatz.

Diese Menge an Plastik ist eine große Umwelt- und somit auch Klimabelastung und bewirkt eine Riesenmenge an Plastikmüll. Teilweise wird Müll im Meer entsorgt. Laut Schätzungen der Meeresschutzorganisation Oceana, werden weltweit jede Stunde rund 675 Tonnen Müll direkt ins Meer geworfen. Die Hälfte davon besteht aus Plastik. Da sich Plastik nicht abbauen kann, treibt es in den Ozeanen herum und Tiere nehmen es irrtümlicherweise als Nahrung zu sich und viele sterben daran. Betroffen sind vor allem Schildkröten, Robben, Krebse, Fische und Seevögel.
Diese Fakten wirken schockierend und sind uns oft nicht bewusst. Dieses Stationenspiel will den vielgelobten Kunststoff beleuchten, die Akteur/innen der Plastikindustrie greifbarer machen und versuchen, Lust auf die Entdeckung von Alternativen zu machen.

Material

  • findest du bei den einzelnen Stationen

Aufbau

Das Spiel ist für 4-5 Gruppen ausgelegt, es werden daher auch 5-6 Gruppenleiter/innen zur Durchführung benötigt. Bei 4 Gruppen ist eine Station pro Durchgang unbesetzt, was auch kein Problem ist. Nach einer Einleitung teilen sich die Gruppen zu jeweils einer Station zu, bei der sie verschiedene Aufgaben erledigen müssen, um danach zur nächsten Station geschickt zu werden bzw. am Ende einen Hinweis auf den/die Verdächtige/n (ein Stück Plastikmüll) zu bekommen. Zum Abschluss treffen sie wieder zusammen, um die Beweise zu sichten und eine Demonstration zu organisieren.

 

Einleitung


Fritz Öko kommt völlig aufgelöst, mit einem Müllsack in der Hand in euren Frühstücksraum. Er erzählt euch, was er in der Nacht beobachtet hat: Zwei ihm unbekannte Personen haben einen großen Sack im Wald abgeladen und sind dann gleich wieder mit dem Auto weggefahren. Fritz Öko ist total entrüstet. Er liebt den Wald, lebt seit fünf Jahren dort, ernährt sich fast nur von dem, was der Wald ihm schenkt und ist über jeden Störenfried empört. Er will die Polizei verständigen und Leute für eine Demo organisieren. Denn das Abladen von Müll im Wald ist ein schlimmes Vergehen.

Das Problem ist allerdings, dass er nicht weiß, wer der/die Täter/in war. Sein erster Hinweis ist der Sack, mit dem der Plastikmüll transportiert wurde. Das ist jedoch für einen Gerichtsprozess nicht Beweis genug. Er bittet euch um Mithilfe, die Beweisgegenstände zu finden und sie zum Prozess mitzubringen, damit dieser Umweltskandal aufgedeckt wird.

Fritz Öko bittet die Kinder sich in 4-5 Gruppen aufzuteilen und bei verschiedenen Personen, die sich alle mit Plastik sehr gut auskennen, Nachforschungen anzustellen. Jeder Charakter nimmt eine Gruppe mit zu seiner Station und dort geht es los.

Bei den ersten vier Stationen werden die Kinder immer zur nächsten weitergeschickt, bei der letzten Station bekommen sie dann jeweils einen Hinweis, die sie zusammentragen und Fritz Öko als Beweismittel übergeben.

Die Stationen

Prof. Zelluloid


Bei dieser Station soll veranschaulicht werden, von wie viel Plastik wir eigentlich umgeben sind und auch überlegt werden, ob man nicht andere Materialien stattdessen verwenden könnte.

Prof. Zelluloid ist Wissenschaftlerin, die sich schon lange mit Plastik und Kunststoff beschäftigt, und vor allem herauszufinden versucht, in welchen Gegenständen denn überall Kunststoff enthalten ist, bzw. welche Dinge denn alle aus Plastik und plastik-verwandten Materialien sind. Da das aber so viele Dinge sind, fürchtet sie mit ihrer Arbeit nie fertig zu werden und bittet die Kinder daher um Unterstützung — im Austausch bietet sie ihnen ihre Hilfe an. Sie sollen innerhalb von ca. 5 Minuten möglichst viele Dinge und Gegenstände sammeln, die entweder ganz oder auch zum Teil aus Plastik sind und sie zu ihr bringen. Das können Sachen sein, die sie an sich selbst tragen, Dinge aus ihren Zimmern, oder auch (falls das für das Lager- bzw. Kochteam in Ordnung ist) aus den Gemeinschaftsräumen holen und zu ihm bringen.

Es wird vermutlich eine ganze Menge zusammenkommen. Prof. Zelluloid weist daraufhin, dass das schon gewaltige Mengen sind, vor allem wenn man bedenkt, dass einige der Sachen die gefunden wurden, doch nur kurzlebig sind (Plastikflaschen, Sackerl,...) und daher eine große Belastung für Klima und Umwelt darstellen, weil sowohl die Produktion das Klima belastet, als auch der Müll schlecht für die Umwelt ist. Ihr könnt nun gemeinsam überlegen, welche der Dinge durch andere Materialien (z.B.: Glas, Holz,..), die länger halten oder wiederverwendet werden können, ersetzt werden können. Für etliche Produkte werden euch vielleicht auch keine Alternativen einfallen, aber auch das ist ok.

Prof. Zelluloid dankt den Kids, und meint, sie wisse zwar nicht, wer die Täter sind, dass aber ihr/e Bekannte/r Peter/Petra Petroli ein heißer Tipp für Infos sei und schickt die Kinder dorthin für weitere Infos.

Peter/Petra Petroli


Material: Kärtchen mit Gegenständen, Bilder von Produktionsschritten
Kunststoffe werden heute fast ausschließlich synthetisch hergestellt, die Ausgangsprodukte sind Erdöl, Kohle und Erdgas. Peter/Petra Petroli zeigt den Kindern auf Kärtchen verschiedene Dinge, die alle etwas gemeinsam haben — die Kinder sollen herausfinden, was das ist — nämlich dass sie (so wie Plastik) aus Erdöl gewonnen werden. Diese Dinge können sein Benzin, Lippenstift, Medikamente, Seifen, Lacke & Farben, Dünger, ....

Immerhin 4% des Erdöls wird zur Herstellung von Plastik verwendet. Die Kids sollen nun die verschiedenen Produktionsschritte vom Erdöl zu Plastik in die richtige Reihenfolge birngen. Hierfür hast du Fotos oder Bilder mitgebracht, die zu ordnen sind: Von der Erdölförderung zum Transport (via Tanker oder Pipelines) zur Raffinierie, da das Ausgangsprodukt meist Rohbenzin ist, dann folgt ein chemischer Spaltprozess, "Cracken" genannt, wo das Benzin in Verbindungen auseinander"gebrochen" und umgebaut wird. Dann folgen chemische Reaktionen (Polymerisation,...), wo in weiteren Schritten verschiedene Plastik-Pellets werden, die Ausgangsprodukte der Kunststoffverarbeitung sind — erst dann entsteht die konkrete Plastikflasche oder ähnliches. Bilder findest du hier.

Polly Styrol


Material: Zetterl mit den Begriffen, event. MP3-Player
Polly ist in der Kunststoff-Industrie tätig und meint, sie gibt den Kindern erst Infos, wenn sie sich als talentierte Kenner verschiedener Plastikdinge erwiesen haben. Sie will den Kindern verdeutlichen, dass Plastik sie schon das ganze Leben begleitet. Hierzu lädt sie die Kids zu einem Schnellratespiel ein, bei dem es darum geht Plastikgegenstände zu erklären und zu erraten. Die Gruppe soll sich hintereinander aufstellen. Das erste Kind bekommt den Begriff auf einem Zettel und muss es dem Nächsten mit Worten erklären. Damit die anderen Kinder, die Erklärung nicht hören, sollen sie sich die Ohren zuhalten (man kann bei ausreichend MP3-Playern am Lager, die Kids auch Musik hören lassen). Wenn der Begriff erraten wurde, darf das Kind, das geraten hat, das folgende Kind antippen und muss nun den gleichen Begriff erklären, darf aber nicht dieselbe Erklärung verwenden wie sein/e Vorgänger/in, muss sich also andere Worte bzw. etwas anderes einfallen lassen. Bei Erraten geht es so weiter, man muss sich aber immer nur eine andere Erklärung einfallen lassen als sein/e Vorgänger/in. Ist der Begriff beim letzten Kind angekommen, geht das erste Kind ans Ende der Reihe und der nächste Begriff wird von dem nun jetzt an erster Stelle stehendem Kind erklärt. Mögliche Begriffe sind: Schnuller, Lego, Frisbee, Haargummi, Strohhalm, Flip-Flop, Tupperware, Autoreifen,... Je nach Alter der Kids sollen die Begriffe schwieriger oder einfacher sein, auch kann Polly Styrol als "Schiedsrichterin" genauer bzw. weniger genau sein. Polly Styrol sagt, sie selbst wisse nichts über den Fall, aber sie meint, vielleicht weiß der Künsterl Sebastian Sackerl mehr über die Spur.

Sebastian Sackerl


Material: viele, viele (alte) Plastik-Sackerln, alte (ausgewaschene) Pet-Flaschen, diversen anderen Plastikmüll.
Plastik wird nicht umsonst noch anders genannt — nämlich Kunststoff! Viel zu wenig wird es aber derzeit diesem Namen gerecht! Sebastian Sackerl hat es sich als Künstler zur Aufgabe gesetzt die Kunst wieder in den Kunststoff zu bringen. Viel zu viel Plastikmüll wird tagtäglich weggeworfen, dabei kann man aus Plastik”müll” doch noch ganz großartige Kunstwerke erschaffen. Er stimmt den Kindern zu, dass es ein Skandal ist, dass Müll einfach im Wald abgeladen wird, und würde ihnen gerne eine Info geben, doch ist er so beschäftigt sein Riesenkunstwerk aus Müll zu erschaffen, dass er keine Zeit hat. Wenn die Kids ihm aber helfen und ihr kreatives Potential zu diesem Kunstwerk beisteuern, kann er vielleicht Infos geben.

Die Kinder sollen nun aus dem unterschiedlichsten Plastikmüll eine Gesamtkunstwerk machen, jede Gruppe baut an dem der vorigen weiter, so dass am Ende ein großes Ganzes entsteht (das auch bei der Abschlusskundgebung eingesetzt werden kann!)

Von Herrn/Frau Sackerl geht es weiter bei der Umweltexpertin Helga Heilewelt, die er als kluge Frau in Erinnerung hat, die immer gut ist im Aufdecken von Müllsünder/innen ist.

Helga Heilewelt


Material: Quizfragen, Joker
Helga ist Expertin in Umweltfragen und weiß genau über die negativen Auswirkungen von Plastik und vor allem Plastikmüll Bescheid. Sie ist entsetzt über das Müllabladen Die Kids sollen bei ihr ein paar Fragen rund um Plastik beantworten. Ob sie dabei die richtige oder falsche Antwort haben, ist gar nicht so wichtig. Dennoch kann Helga den Kids Joker geben, bei denen jeweils eine der drei möglichen Antworten wegfällt.
Folgende Fragen können gestellt werden:

Wann wurde Plastik (bzw. der Vorläufer von Plastik) entwickelt?

  • 1905
  • 1935
  • 1965

(In den Jahren 1905 bis 1907 entwickelte der belgischen Chemiker Leo Hendrik von Baekelan "Bakelite", das erste vollsynthetische Produkt aus Erdöl, den Vorläufer von Plastik).

Die Menge an Kunststoff, die wir seit Beginn des Plastikzeitalters produziert haben, reicht bereits aus, um unseren gesamten Erdball wie oft mit Plastikfolien einzupacken?

  • 2 Mal
  • 4 Mal
  • 6 Mal

(Die Erde kann 6 Mal mit Plastik umwickelt werden.)

Wofür wird das meiste hergestellte Plastik verwendet?

  • Elektronik
  • Verpackung
  • Haushaltsgegenstände

(33% des hergestellten Plastiks wird für Verpackungsmaterialien verwendet.)

Einige Staaten haben Plastiksackerl schon verboten — welches der drei Länder aber noch nicht?

  • Bangladesch
  • Papua Neuguinea
  • Schweiz

(In Bangladesch sind Plastiksackerl seit 2002 verboten, in Papua-Neuguinea seit 2003 — Grund war die enorme Umweltverschmutzung, zusätzlich haben in Bangladesch Plastiksackerl häufig die Abwässerkanäle verstopft, was während der Monsun-Zeit (der Regenzeit) die Überschwemmungen verschlimmert hat.)

Es gibt auch "Bio-Plastik", das aus nachwachsenden Ressourcen hergestellt wird. Welcher dieser Stoffe kann nicht zur Plastik-Herstellung verwendet werden?

  • Mais
  • Karotten
  • Kartoffel

(Maiskörnern und Kartoffeln enthalten Stärkepulver. Mit einem bestimmten Verfahren lässt sich daraus Plastik herstellen.)

Wie viel Prozent des Plastikmülls landet laut Schätzungen über Umwege im Meer?

  • 20%
  • 40%
  • 80%

(80 % des Kunststoffmülls, die UNO spricht von insgesamt weltweit jährlich rund 6 Millionen Tonnen, gelangen über Flüsse in die Ozeane. Schätzungen zufolgen werden weltweit jede Stunde rund 675 Tonnen Müll direkt ins Meer geworfen, die Hälfte davon ist aus Plastik.)

Helga meint, vielleicht kann der Wissenschaftlerin Prof. Zelluloid den gefundenen Müllsack analysieren und sagt den Kindern wo sich deren Station befindet.

Bei der jeweils letzten Station bekommen die Kinder einen Hinweis und zwar einen Gegenstand, den die Person in der Nähe des Tatorts gefunden hat, ein Stück Plastikmüll. Das können ein Gummistiefel, ein Plastikarmband, ein Zopfgummi, eine Pet-Flasche, etc. sein.
(Im Idealfall sind es Sachen, die sich gut als Beweisstücke eignen, so kann Fritz Öko- sagen, dass die Größe des Gummistiefels Aufschluss gibt über die Schuhgröße einer der Täter/innen, auf der Flasche finden sich vielleicht DNA-Spuren, usw.)

Auf zur Demo!


Fritz Öko ist begeistert über die Beweise und hofft, damit nun vor Gericht ziehen zu können. Da das alleine aber oft zu wenig ist, braucht er die Kids noch zur Unterstützung, um aus dem Fall "eine große Sache" zu machen, sprich, damit die Öffentlichkeit und das Gericht auf das Problem des Plastikmülls aufmerksam wird. Hierfür sollen die Kinder eine Spontan-Demo organisieren. Sie können Banner und Plakate schreiben, sich Zweizeiler für Sprechchöre überlegen und auch das KUNSTstoffWERK kann in der Demonstration präsentiert werden. Bei dieser Abschlusskundgebung habt ihr die Möglichkeit, eure Forderungen lautstark zu verkünden!

Autor/in: Clemens Huber

Publikation: kumquat "klima(un)gerecht?!" 1a/2010

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Lager-Kategorie: Stationenspiele

Schlagwörter: Umwelt, Welt, Wirtschaft