• Jungschar vor Ort
  • 70 Jahre JS
  • Über uns
  • Angebote
  • Modelle
  • Gruppe
  • Pfarre
  • Gott & die Welt
  • Wildegg

So eine Frechheit?!

Gruppenstunde | Alter: 10-12 | Aufwand: niedrig

Material

  • Zeitungsartikel
  • Sessel
  • Rollenbeschreibungen
  • Zettel und Stifte

Aufbau

Die rasende Reporterin Karla Kolumna bringt euch eine Geschichte mit, bei der es um gerechte Löhne geht. Ihr versetzt euch in die handelden Personen hinein und schreibt die Geschichte dann um.

 

Die rasende Reporterin


Du begrüßt deine Kinder in der Jungscharstunde und stellst dich als Karla Kolumna vor. Du erzählst ein bisschen von dir: Du kommst aus einer kleinen Stadt in Deutschland und bist leidenschaftliche Journalistin. Dein Freund Benjamin Blümchen ist sehr bekannt. Vielleicht kennt ihn jemand im Raum? Du bist vor allem durch deine Reportagen über Benjamin Blümchens Abenteuer und Erlebnisse berühmt geworden. Nun willst du die große weite Welt entdecken, reisen und dich mit neuen Themen auseinandersetzen. Du hast deinen Job in Deutschland aufgegeben. Eigentlich bist du nur auf der Durchreise in Wien. Gestern ist dir in einem Klatschblatt folgende, merkwürdige Geschichte untergekommen:

Frechheit!


Tobias Traube besitzt einen Weinberg in der Nähe von Wien. Das ist ein Berg, auf dem viele Weintrauben angepflanzt sind. Der Mann trinkt nämlich sehr gerne Traubensaft und verkauft diesen auch. Der Mann ging, wie jeden Tag, um 9 Uhr in die Stadt in die Sesamstraße. Dort warten Menschen, die für einen Tag Arbeit suchen. Er trifft dort Menschen, die bereit sind, für ihn zu arbeiten. Sie machen sich gemeinsam einen Lohn aus: 80 Euro. Dann bringt Herr Traube sie zum Weinberg und die Menschen beginnen zu arbeiten. Um 11 Uhr geht Herr Traube nochmal zum Markt, nimmt einige Männer mit, verspricht ihnen, dass er sie gerecht bezahlen wird. Um 15 Uhr und um 18 Uhr geht er wieder dorthin. Auch um 18 Uhr stehen noch immer Männer dort, die eine Arbeit wollen. Herr Traube fragt die Männer, warum sie immer noch da stehen. Sie antworten: Niemand hat uns angeworben. Da sagte er zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg!
Um 19 Uhr ist es dann so weit: Alle Arbeiter/innen bekommen ihren Lohn. Zuerst sind die dran, die erst um 18 Uhr mit der Arbeit begonnen haben. Sie bekommen, zu ihrer Freude, 80 Euro. Dann kommen die dran, die um 15 Uhr begonnen haben: Auch sie bekommen überraschenderweise 80 Euro. So geht es weiter, bis auch die, die schon um 9 Uhr begonnen haben, ihre 80 Euro bekommen.

Nachdem Karla den Kindern die Geschichte vorgelesen hat, fragst du sie, was sie davon halten. Finden sie es gerecht, dass alle Menschen, egal wie viel sie gearbeitet haben, dasselbe bekommen?
Karla wittert die Chance, aus dieser Angelegenheit eine tolle Story zu entwickeln und dazu musst du dich intensiv mit den unterschiedlichen Aspekten auseinandersetzen.

Der Wahrheit auf der Spur


Die rasende Reporterin Karla Kolumna sagt, dass sie am liebsten mit den Leuten reden würde, die dabei waren. Vor allem auch mit Herrn Traube, um herauszufinden, was er sich dabei gedacht hat. Oft ist es ja so, dass in den Zeitungen Dinge stehen, die nicht ganz der Wahrheit entsprechen. Du willst der Wahrheit nachgehen und lädst die Kinder ein, mit dir mit an die Stelle des Geschehens zu "rasen". Um schnell hin zu kommen, legt ihr euch auf den Rücken und "fahrt Rad".

Am Ort des Geschehens, am Weinberg, angekommen, klärt euch Karla Kolumna über ihr "Erfolgsrezept" auf: Sie ist nämlich deshalb so eine tolle Reporterin, weil sie sich mit Hilfe ihrers Reporter/innenwunderstift in andere Personen hineinversetzen kann. Sobald sie den Namen einer Person auf ihren Notizblock schreibt, kann sie sich in diese Person hinein versetzen. Hier braucht sie die Unterstützung von den Kindern. Es ist nämlich manchmal schwierig, Reporterin und mehrere andere Personen gleichzeitig zu sein. Gut, dass ihr jetzt so viele seid. So könnt ihr euch die Arbeit aufteilen! Ihr könnt euch nun in die Rollen von Herrn Traube, Herrn Walich oder Frau Trumpf hineinversetzen, nachdem Karla sie alle auf den Notizblock geschrieben hat. Die Rollenbeschreibungen hast du groß ausgedruckt auf Sessel gelegt. Je nachdem, wer man sein will, setzt man sich auf den passenden Sessel.

Rollenbeschreibungen


Tobias Traube: 54 Jahre alt. Seine Familie gehört zu den bekanntesten Weinbergbesitzern in Österreich. Er selbst besitzt sehr viel Geld. Dieses Geld will er möglichst sinnvoll einsetzen. Er ist der Meinung, dass alle das bekommen sollten, was sie brauchen. Herr Traube weiß, dass viele Menschen Arbeit suchen. Er findet, dass auf Arbeit warten und nicht wissen, ob man Arbeit bekommt, auch sehr anstrengend sein kann.

Franz Walich: 28 Jahre alt. Hat keine fixe Arbeit. Er geht täglich zum Markt um dort Arbeit zu bekommen. Er braucht Arbeit und Geld, um zu leben. Er findet, dass die Bezahlung eine Frechheit ist. Der Gutsherr hat sie nicht alle... Er bezahlt denen, die nichts arbeiten, auch so viel wie dir. Du bist mit deinem Lohn zufrieden, das war ja auch ausgemacht. Du wünscht dir eine fixe Arbeit und würdest gerne eine Zeit lang auf dem Weingut bleiben.

Johanna Trumpf: 34 Jahre alt. Braucht Geld. Sie weißt, dass während der Weinernte Arbeitskräfte gesucht werden. Sie findet die Bezahlung super! Sie hat sehr lange auf Arbeit gewartet und war froh, dann noch um 18 Uhr arbeiten zu können. Mit so einer guten Bezahlung hast sie nicht gerechnet.

Wenn ihr Lust habt, könnt ihr noch mehr Rollen dazu erfinden.

Karla Kolumna interviewt alle wie bei einer Talkshow. Mögliche Fragen, die gestellt werden können: Wie geht es den Leuten? Was halten sie von der Geschichte? Finden sie die Entlohnung gerecht? Haben alle das bekommen, was sie brauchen? Brauchen sie noch mehr? Was wünschen sie sich?
Ihr könnt Rollen nach Lust und Laune tauschen, indem ihr Sitzplätze tauscht.

Nach einiger Zeit fragt Karla Kolumna, ob man die Situation mit folgender Situation vergleichen kann: Ein Vater hat zwei Kinder. Ein Kind hilft beim Spülen, Kochen, Putzen usw., der/die andere trägt nur den Mist weg. Trotzdem bekommen beide dasselbe Abendessen, denselben Nachtisch und außerdem zehn Euro Taschengeld, um sich etwas im Spielwarenladen zu kaufen. Ist das gerecht?

Während eurer Diskussion werdet ihr vielleicht feststellen, dass ihr durch die vielen unterschiedlichen Meinungen die von euch vertreten werden, kaum auf einen grünen Zweig kommt. Diese unterschiedlichen Ansichten entstehen unter anderem durch die verschiedenartige Lebensgestaltung der Menschen und ihrer subjektiven, persönlichen Wahrnehmung. Auch in den Medien wird nur eine gewisse Sichtweise, Geschichten nie mit allen Einzelheiten und nicht neutral dargestellt. Um jedoch ein richtiges Bild zu bekommen, ist es wichtig möglichst viele Details einer Sachlage zu kennen. Das ist wie bei einem Puzzle, solange nicht alle Teile zusammen gesteckt sind, fehlt etwas an dem Bild, je größer es wird, desto eher ist zu erkennen, welches Bild dargestellt wird.

Journalisms mal anders


In Karla Kolumna wird wieder die Jounalistin geweckt, sie möchte den Menschen eine Stimme geben und schlägt vor, den Artikel umzuschreiben. Wie könnte die Geschichte geschrieben sein, sodass ein möglichst vollständiges Bild entsteht?
Lasst eurer Phantasie nun freien Lauf, überlegt euch für die betroffenen Personen Lebensgeschichten. Wie sind sie in die Lage gekommen, in der sie nun sind? Wo kommen sie her? Was haben sie davor gemacht? Wie verbringen sie ihren Tag? Womit beschäftigen sie sich gerne? Was machen sie in ihrer Freizeit? Welche Wünsche und Zukunftsträume haben sie?
Sammelt eure Ideen in Form von gemalten Bildern, Gedichten oder kurzen Geschichten zu den einzelnen Personen. Seht euch eure Ergebnisse gemeinsam an. Karla Kolumna fasst das Material schließlich zusammen, um es später an das Klatschblatt zu schicken. Danach "setzt" ihr euch wieder auf eure Radln und rast in die Pfarre zurück.

Autor/in: Betti Zelenak und Clara Graf

Publikation: kumquat "gratis" 2/2011

Share |