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Die Bewegung der Landlosen

Gruppenstunde | Alter: 10-14 | Aufwand: mittel

Hintergrund

In Brasilien, dem größten und einwohnerreichsten Land Südamerikas, ist das Land sehr unfair verteilt. 1% der Menschen besitzt fast die Hälfte (45%) der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche. Dabei wird von den Großgrundbesitzern nur ein relativ kleiner Teil "ihres" Landes bebaut, was bedeutet, dass es in Brasilien etwa 100 Millionen ha (1 ha ist ca. so groß, wie 2 Fußballfelder) Boden gibt, der nicht landwirtschaftlich genutzt wird, obwohl er fruchtbar ist. Diese ungerechte Verteilung der Ressourcen und somit auch der Möglichkeit, sich seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, soll den Kindern in dieser Gruppenstunde auf spielerische Weise näher gebracht werden.

Material

  • Weltkarten-Puzzle
  • Großer Papierkreis
  • 100 Figuren (Spielfiguren oder aus Papier ausgeschnitten)
  • Brasilien-Karte (im Jungscharbüro erhältlich)
  • Kärtchen mit Fakten (siehe Facts)

Aufbau

Erst bastelt ihr gemeinsam eine Weltkarte zusammen, um herauszufinden, wohin die Reise geht — nach Brasilien. Dann macht ihr eine abenteuerliche Reise durch den Amazonas-Dschungel, bevor ihr Fakten zu Brasilien und zur Landlosen-Bewegung sucht, sammelt, ordnet und mit Material veranschaulicht. Zum Schluss spielt ihr Kettenfangen, um zu zeigen, wie wichtig es ist zusammenzuhalten, und kostet Produkte, die in Brasilien von Kleinbauern angebaut werden.

 

Wo sind wir überhaupt?


Damit deine Kids wissen, womit ihr euch in der Gruppenstunde beschäftigt, zerteilst du eine große Weltkarte, auf der Brasilien speziell gekennzeichnet ist, in Puzzleteile, die sie dann zusammensetzen sollen. Ihr seid also unterwegs nach Brasilien!

Dschungel!


Weil das riesige Land Brasilien ja zu einem großen Teil aus Dschungel besteht - dem Amazonas - versuchen wir uns da jetzt einmal durchzukämpfen, damit wir die Menschen aus dem Amazonas auch ein bisschen besser kennenlernen können. Amazonien ist der größte der 26 Bundesstaaten Brasiliens und dort ist auch der meiste Dschungel.

Etwa zwei Drittel der Kinder bilden stehend oder am Boden liegend und sitzend mit Armen und Beinen einen "Dschungel", der verwachsen ist. Die anderen Kinder klettern durch den Dschungel von einer Seite auf die andere. Ist ein Kind auf der anderen Seite angelangt, wird es selbst zum Dschungel, sodass die anderen Kinder, die den Dschungel gebildet haben, nach und nach ihre Dschungelwanderung beginnen können.

Facts


  • Brasilien umfasst fast die Hälfte der Gesamtfläche Südamerikas, Größe: 8 Millionen km².
  • Brasilien ist ca. 100 Mal so groß wie Österreich, doppelt so groß wie die EU.
  • Insgesamt hat Brasilien 186 Millionen EinwohnerInnen.
  • Brasilien hat eine Fläche von 850 Millionen ha.
  • 200 Mio ha von Brasiliens Fläche sind landwirtschaftlich nutzbar.
  • Mehr als die Hälfte des Landes gehört einem Prozent der Bevölkerung.
  • 56% der Bevölkerung müssen von fünf Prozent der Fläche leben.
  • 5 Millionen Familien sind landlos, d.h. sie leben zwar von der Landwirtschaft, besitzen aber kein Land und dürfen auch keines erwerben!
  • Die Bewegung der Landlosen organisiert deshalb Landbesetzungen — Landlose fahren auf ein brachliegendes Stück Land und besetzen es, bauen dort ihre Hütten auf und bestellen das Land. Sie dürfen das von der Regierung aus, weil es die Verfassung erlaubt, Land, das nicht wirtschaftlich genutzt wird, in Besitz zu nehmen.
  • Kleinbauern bebauen fast ihr ganzes Land, Großgrundbesitzer/innen nur ganz wenig, d.h es gibt insgesamt mehr als 100 Millionen unbebautes Land (fast ein Fünftel der gesamt nutzbaren Fläche in Brasilien! Das ist so viel wie 200 Millionen Fußballfelder)
  • Brasilien ist ungefähr so groß wie ganz Europa bzw. fast 100 mal so groß wie Österreich.
  • In Brasilien gibt es das größte Regenwaldgebiet der Erde.
  • Brasilien nimmt 47 Prozent des Kontinents ein und grenzt (von Nordosten gegen den Uhrzeigersinn gesehen) an Französisch-Guayana, Suriname, Guyana, Venezuela, Kolumbien, Peru, Bolivien, Paraguay, Argentinien, Uruguay und den Atlantik. Brasilien hat so mit jedem südamerikanischen Land außer Chile und Ecuador eine gemeinsame Grenze.


Facts sammeln — Die Landlosenbewegung kennenleren


Am Boden (oder im Gruppenraum versteckt) liegen verschiedene Schnipsel mit unterschiedlichen Erklärungen und Zahlen zu Brasilien und zum Thema Landlose (siehe Kasten). Die Kinder suchen diese und versuchen, sie zu ordnen: Allgemeine Informationen zu Brasilien können auf der Weltkarte zu Brasilien geklebt werden, Dinge die mit dem Thema Landlose zu tun haben werden extra gesammelt.

Gemeinsam schaut ihr euch die Fakten an und veranschaulicht das Problem der Landlosen mit folgender Methode:
Großer, grüner ausgeschnittener Kreis = Gesamtfläche Brasiliens
100 ausgeschnittene Maxln = Symbolisch alle Leute, die Land besitzen
Vom Kreis schneiden wir etwas weniger als die Hälfte (ca.) 45% heraus - von den 100 Menschen schneiden wir einen ab und legen nun den einzelnen Menschen zum kleineren Teil des Kreises und die anderen 99 Menschen zum größeren. So in etwa können wir nun erkennen wie das Land aufgeteilt ist - 1% der Landbesitzer verfügen über 45% der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche

Du kannst den Kindern auch erzählen, dass Kleinbauern/bäuerinnen, die nur sehr kleine Flächen Land besitzen, fast die gesamte Fläche auch wirklich bebauen — Großgrundbesitzer/innen hingegen bebauen nur einen relativ kleinen Teil, das bedeutet, dass es mehr als 100 Millionen ha unbebautes Land innerhalb der Großgrundbesitzungen gibt (das ist fast ein Fünftel der gesamten nutzbaren Fläche in Brasilien!).

Bitte versuche, deine Sprache und wie du die Dinge erklärst, der Sprache und dem Alter deiner Kinder anzupassen, da ihnen vielleicht einige Ausdrücke fremd sind. Das Ganze wird auch anschaulicher, wenn du eine Brasilienkarte und eine Weltkarte zum Herzeigen dabei hast.

Durch diese ungerechten Verhältnisse wurden viele Landbewohner und Landbewohnerinnen vertrieben, sie sind in die Städte geflüchtet, oder arbeiten als Landarbeiter/innen, oft ohne Arbeitsvertrag, auf den Flächen der Großgrundbesitzer/innen. Andere Landlose haben sich zusammengetan und eine gemeinsame Interessensvertretung (wie einen Verein) gegründet. Die Regierung, die den Landlosen von Brasilien dann versprochen hat, das Land umzuverteilen, hat bisher nur einen ganz kleinen Teil ihrer Versprechungen auch wirklich gehalten. Wichtig für das alles ist, dass die Landlosen in Brasilien zusammenhalten und gemeinsam arbeiten- denn nur so kann auch was erreicht und Gerechtigkeit gelebt werden.

"Wir werden mehr"


Sich zusammentun und gemeinsam etwas schaffen, das ist vor allem bei der Landlosen-Bewegung sehr wichtig. deswegen spielen wir jetzt das Spiel "Wir werden mehr" (in der Spielemappe als "Kettenfangen" zu finden).

Alle Kinder spielen Bauern, die im Spielfeld unterwegs sind. Landlose suchen einander, werden immer mehr, sodass sie gemeinsam etwas erreichen können, sie besetzen Land. Ein Kind übernimmt die Rolle des/der Organisator/in, der/die die landlosen Bauern zusammenschließen möchte. Wenn der/die Organisator/in eine/n Bauern/Bäuerin berührt, geben sie einander die Hand. Sie bewegen sich nun zu zweit weiter und versuchen, weitere Landlose zusammenzufinden.

Sobald sie eine Kette sind und die Gemeinschaft größer ist, setzen sie sich nieder und besetzen das Land. Frei nach dem Prinzip: Manchmal hilft es schon, wenn sich viele Menschen zusammenschließen und einander und den anderen zeigen, dass sie nicht allein mit ihrem Problem sind.

Anbau


Auf besetztem Land werden dann immer Sachen angebaut - nicht nur für den eigenen Gebrauch, sondern auch für den Export- damit die Bauern/Bäuerinnen sich ihren Lebensunterhalt verdienen und dann die brasilisanischen Produkten konsumieren können.
Fallen euch Produkte ein, die wir hier in Österreich konsumieren, die aus Brasilien kommen?

Die Kinder raten, dann kannst du ihnen Bilder zeigen von Mango, Papaya, Soja, Ananas; mitgebrachte Kaffebohnen zum Riechen, Cashewnüsse, Orangen und Zucker zum Kosten machen die Sache natürlich noch spannender.

Autor/in: Katharina Metzbauer und Nika Fürhapter

Publikation: kumquat "Sprache" 4/2014

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Schlagwörter: Welt, Ungerechtigkeit