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Lernen kann ich überall!

Gruppenstunde | Alter: 9-12 | Aufwand: mittel

Hintergrund

Lernen und Bildung wird von vielen Kindern automatisch mit Schule gleichgesetzt. In dieser Gruppenstunde setzen sich die Kinder damit auseinander, was sie alles lernen und auch lernen wollen — in der Schule und anderswo. Sie sollen darin bestärkt werden, dass lernen Spaß machen kann und erfahren, dass es dafür ganz unterschiedliche Möglichkeiten gibt.

Material

  • Interviewfragen
  • Namenskärtchen mit Personenbeschreibungen
  • drei Kleiderständer (oder Pappfiguren, Schneiderpuppen, Kleiderbügel,...)
  • typische Kleidungsstücke für Eltern, Lehrer/innen, Schüler/innen
  • rote und grüne Kärtchen
  • Plakat, Papier und Stifte

Aufbau

Zuerst werft ihr einen Blick in die Vergangenheit und schaut, wie eure Eltern und Großeltern gelernt haben. Dann betrachtet ihr die aktuelle Situation in der Schule und findet mit einem Rollenspiel heraus, was ihr in der Schule lernen wollt. Dann schaut ihr gemeinsam, was euch sonst noch alles interessiert wo man überall lernen kann.

 

Wie war das früher?


Schule hat sich in den letzten 50 Jahren stark verändert. Ihr könnt vor der Gruppenstunde ältere Leute z.B. eure Großeltern und Eltern befragen, wie sie die Schulzeit erlebt haben und versuchen herauszufinden, was sich alles geändert hat. Dazu kannst du den Kindern einfach ein paar Fragen mitgeben (oder ihr überlegt sie euch gemeinsam), die sie dann bis zur nächsten Woche ein paar Leuten stellen:


  • Was ist dir in guter Erinnerung? Was nicht?

  • Was hast du alles gelernt? Und was davon war für dich besonders spannend?

  • Was findest du heute in der Schule besser als früher?

  • Was war zu deiner Schulzeit besser als heute?


Schulkonferenz


Bei diesem Rollenspiel sollen sich die Kinder aus unterschiedlichen Blickwinkeln dazu austauschen, was Kinder alles lernen sollten und was davon in der Schule gelernt werden kann.

Du hast bereits vor der Stunde drei Kleiderständer als Eltern, Lehrer/innen und Schüler/innen verkleidet. In den Taschen der drei Personen finden die Kinder passende Beschreibungen für die unterschiedlichen Rollen. (Wenn mehr als neun Kinder in Deiner Gruppe sind, werden die Rollen doppelt vergeben.) Damit die Kinder sich ein Bild von den Rollen machen können, erklärst Du bei der Verteilung der Rollenbeschreibungen kurz, welche Meinungen die einzelnen Personen vertreten. Dann suchen sich die Kinder ihre Rolle aus und gehen in Eltern-, Lehrer/innen- und Schüler/innengruppen zusammen. In den Gruppen können sie ihre Rolle genau durchlesen und sich noch weitere Argumente für das Rollenspiel überlegen.

Die Rollenbeschreibungen


Die Eltern:
Herr Ernst

Er ist 50 Jahre alt und Vater von drei Kindern. Herr Ernst ist der Ansicht, dass Kinder möglichst viel lernen sollen, damit sie nicht auf dumme Gedanken kommen. Die Anzahl der Schulstunden findet er gerade richtig. Gegen eine Erhöhung der Anzahl hat er aber auch nichts einzuwenden. Die Kinder sollen seiner Meinung nach schon früh genug den Ernst des Lebens kennenlernen, um im Leben bestehen zu können. Deswegen ist er auch gegen jede Abschaffung eines Gegenstandes.

Frau Kreativ
Sie kann sich noch sehr gut an ihre eigene Schulzeit erinnern und versteht die Probleme der Kinder. Frau Kreativ findet, dass die Schule mehr sportliche und kreative Fächer anbieten sollte (Tennis, Theater spielen, Tanzen, Filme drehen,...). Natürlich möchte sie, dass ihre Kinder etwas lernen, das sie später im Leben brauchen.

Herr Kerngesund
Er ist Kinderarzt und weiß, dass viele Kinder wegen Schulstress Beschwerden wie Kopfweh oder Bauchweh haben. Deshalb setzt er sich dafür ein, dass die Kinder weniger Stress in der Schule haben. Herr Kerngesund findet, dass die Anzahl der Schulstunden und die Zeit, die für Aufgaben noch am Nachmittag benötigt wird, zu viel sind. Einer Veränderung von Schulfächern steht Herr Kerngesund offen gegenüber. Er weiß aber, dass für viele Studien zum Beispiel Latein, Mathematik oder Chemie notwendig sind. Deswegen ist er gegen eine Abschaffung dieser Fächer.

Die Lehrer/innen:
Frau Aktiv

Frau Aktiv möchte, dass die Kinder in der Schule den Unterricht mehr mitgestalten können. Sie selbst sollen sagen, was sie gerne lernen möchten. Natürlich ist das in der Schule sehr schwierig durchzuführen, da der Lehrplan bestimmte Dinge vorschreibt. Frau Aktiv meint, dass die Kinder zu Hause mehr arbeiten sollen, dafür aber weniger Schulstunden haben könnten. Die Kinder sollen auch lernen, sich Wissen aus einer Bibliothek zu beschaffen und sich nicht alles vorbeten zu lassen.

Frau Praktisch
Sie möchte den Unterricht gerne interessant gestalten. Leider sind vom Stadtschulrat nur wenige Exkursionen zugelassen. Die Anzahl der Wochenstunden findet sie gerade richtig. Nur das, was unterrichtet wird, könnte in den einzelnen Fächern verändert werden. Mehr Bezug zum Leben wäre ihrer Meinung nach wichtig.

Herr Zufrieden
Für ihn ist jede Änderung der Schulfächer eine Verschlechterung. Man weiß ja oft noch nicht, was man später einmal machen will, deswegen muss man auch alles lernen. Es wäre doch schlimm, wenn man später draufkommt, dass man viele Dinge nicht gelernt hat, die man dann aber braucht. Die Anzahl der Wochenstunden findet er gerade richtig, um den Schulstoff unterzubringen.

Die Schüler/innen:
Susi Fleißig

Susis Lieblingsfächer sind Turnen und Englisch. Sie lernt gut und ist sehr fleißig. Trotzdem findet sie, dass sie zu viel Zeit für die Schule und Aufgaben braucht. Sie würde gerne öfters mit ihren Freunden und Freundinnen fortgehen.

Pepi Selbständig
Pepi findet, dass sich die meisten Lehrer/innen nicht genügend Zeit nehmen, um den Stoff so zu erklären, dass es wirklich alle verstehen. Frau Aktiv ist seine Lieblingslehrerin. In ihren Stunden sitzt man nicht nur da und lässt sich berieseln. Da darf man auch viele Dinge selber machen.

Norbert Schlau
Norberts Lieblingsfächer sind Musik und Mathematik. Er interessiert sich aber sonst auch noch für vieles andere. Norbert findet, dass in der Schule viele Dinge nicht unterrichtet werden, die man später einmal wirklich braucht.

Nachdem die Kinder sich in ihren Gruppen untereinander beratschlagt haben, kommen sie wieder zusammen. Für die Diskussionsrunde hast Du die drei Kleiderständer-Figuren kreisförmig in der Mitte des Raumes aufgestellt. Jedes Kind erhält von Dir ein rotes und ein grünes Kärtchen.

Wenn ein Kind in der Diskussionsrunde etwas sagen möchte, stellt es sich hinter die Figur, die zu seiner Rolle gehört, und gibt sein Statement als z.B. Herr Kerngesund, Frau Kreativ,... ab. Die anderen Kinder können durch Heben des grünen bzw. roten Kärtchens ihre Zustimmung bzw. Ablehnung zeigen und begründen aus ihrer Rolle heraus, was ihnen an dieser Meinung nicht gefällt bzw. was sie daran gut finden.

Wichtig ist, dass immer nur die Person im Rollenspiel (Frau Praktisch, Herr Ernst,...) kritisiert wird und nicht das Kind, das die Rolle übernommen hat. Die Kinder äußern die Meinung ihrer Rolle und nicht die eigene.

Die Ergebnisse der Diskussion werden von Dir auf einem Plakat festgehalten, jeweils mit der Anzahl der Zustimmungs- und Ablehnungskärtchen. Wenn alle Kinder die Möglichkeit hatten, im Rollenspiel ihre Meinung einzubringen, und keine Argumente mehr auftauchen, dann beendest Du die Diskussionsrunde und bedankst Dich bei den Teilnehmer/innen. Die Kinder geben an dieser Stelle ihre Rollenbeschreibungen zurück und steigen damit auch aus ihren Rollen aus.

Und wo noch?


Schule ist aber nur ein Bereich, wo man interessante neue Dinge erfahren kann. Deswegen sammeln wir auf dem Plakat auch noch, was uns denn noch so alles interessieren würde. Diese Dinge dürfen ruhig auch ein bisschen utopisch sein. Einige Anregungen stehen schon auf der Liste z.B.:

  • ein Baumhaus bauen

  • ein Lagerfeuer machen

  • eine Kuh melken

  • eine Nacht im Freien verbringen

  • barfuß durch einen Bach laufen

  • ein chinesisches Schriftzeichen malen und verstehen

  • eine warme Mahlzeit zubereiten

  • ein technisches Gerät zerlegen und wieder zusammenbauen

  • einem/r Tischler/in, Mechaniker/in, Frisör/in,... bei der Arbeit helfen

  • vor vielen Menschen etwas erzählen

  • ein Theaterstück aufführen

  • ....



Wenn die Sammlung beendet ist, überlegt ihr euch nun für einzelne Dinge, welche Voraussetzungen es braucht, um mehr darüber zu erfahren oder es umzusetzen, z.B. ob man andere Kinder oder Erwachsene dafür braucht, wer etwas darüber wissen könnte, ob man spezielle Ausrüstung braucht, wer damit schon Erfahrung hat,... Und vielleicht fallen euch ja einige Dinge auf, die ihr in der Jungschar lernt

Wie geht‘s weiter?


Zum Abschluss könnt ihr euch überlegen, ob es auf der Liste Dinge gibt, die ihr gerne gemeinsam ausprobieren wollt — zum Beispiel in einer der nächsten Gruppenstunden oder am Sommerlager.

Autor/in: Sandra Fiedler nach Ideen von Bernhard Binder, Christina Schneider und Andrea Rohrer

Publikation: kumquat "Bildung" 2/2013

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Schlagwörter: Gesellschaft, Schule