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Gruppenstunde | Alter: 8-15 | Aufwand: mittel

Hintergrund

Vereinbarungen und Regeln können das Zusammenleben einfacher machen - so natürlich auch in der Gruppenstunde. Wir Gruppenleiter/innen haben wahrscheinlich alle ein Bild im Kopf, wie eine Gruppenstunde ablaufen sollte und welches Verhalten bei Kindern und Gruppenleiter/innen wünschenswert wäre. Oft sieht die Realität aber nicht ganz so ideal aus.
Gruppenregeln werden nicht dafür sorgen, dass es im Zusammenleben der Gruppe ab sofort keine schwierigen Situationen, keinen Streit usw. mehr gibt. Sie können aber ein Weg sein, sich bewusster zu machen, in welcher Weise sich das Zusammenleben der Gruppe entwickeln soll, und sich dem Idealbild allmählich anzunähern.
Als Gruppenleiter/in kann ich die Kinder daran erinnern, welche Regeln wir uns ausgemacht haben, und ihnen sagen, was das für die konkrete Situation bedeuten würde. Und: Als Gruppenleiter/in bin ich dafür da, den Kindern zu helfen, die Regeln einzuhalten und etwaige Konflikte zu lösen.

Es ist günstig, Gruppenregeln eher am Beginn des "Gruppenlebens" aufzustellen. Wenn es bei euch keine Regeln gibt und du meinst, es wäre vielleicht doch ganz gescheit, geht das Ganze natürlich auch noch später. Kurze Ideen, wie du Gruppenregeln mit Älteren aufstellen kannst, findest du am Schluss.

 

Einige Dinge, die beim Erstellen von Gruppenregeln wichtig sind:

  • Es soll nur wenige, dafür aber wichtige Regeln geben (z.B. "Wir tun einander nicht absichtlich weh."). Wir tendieren dazu, uns zu viel vorzunehmen. Schau darauf, dass ihr euch nicht in Kleinigkeiten verliert! Durch die Gruppenregeln soll nicht jeder "Schritt" der Gruppe geregelt werden, sondern eine Richtung vorgegeben werden, wie das Zusammenleben aussehen soll!
  • Du als Gruppenleiter/in musst hinter allen Regeln stehen können. Wenn du eine Regel für bedenklich hältst, aber alle Kinder dafür sind, hast du trotzdem ein Veto-Recht!
  • Es ist essentiell, dass die Kinder die Regeln und vor allem den Sinn dahinter verstehen und gut finden. Sonst werden sie sich kaum daran halten.
  • Gruppenregeln sind dazu gedacht, das konkrete Zusammenleben in der Gruppe zu ordnen. Sie dürfen nicht dazu missbraucht werden, Kindern etwas aufzuzwingen.
  • Gruppenregeln sollen aus den Kindern keine "braven Lämmer" machen. Vielmehr geht es darum, ihnen Hilfestellungen in schwierigen Situationen zu geben und um Verständnis dafür zu werben, dass man manchmal Dinge tun muss, auf die man vielleicht nicht gerade große Lust hat.
  • Gruppenregeln sind keine Gesetze, die bei "Nicht-Einhaltung" geahndet werden! Sie sind Vereinbarungen, wie ihr in der Gruppe miteinander umgehen wollt — dafür brauchen die Kinder weiterhin deine Hilfe und Unterstützung!

Wie Gruppenregeln finden?


Am Beginn der Stunde erzählst du, dass euch heute jemand besuchen kommt, der auch in eine JS- oder Ministrant/innen-Gruppe geht: Carl Catastrophsky. Und da kommt er schon! (Eine Puppe, die von dir "gesprochen" wird.) Carl hat den Kindern viel aus seiner eigenen Gruppe zu erzählen und möchte die Kinder fragen, wie sie das Ganze sehen. Es gab nämlich in seiner Gruppe manche Situationen, die gar nicht gut gelaufen sind:

1) Quentin hat Carl in einer Gruppenstunde ständig leise "Doofsack" genannt. Das hat Carl so aufgeregt, dass er Quentin gerempelt hat und dann eine Rauferei daraus entstanden ist. Beide hatten dann blaue Flecken und haben zwei Wochen lang nicht mehr miteinander gesprochen.

Nachdem euch Carl diese Situation erzählt hat, sollen die Kinder Carl Ratschläge geben, wie er die Situation anders — besser — hätte lösen können bzw. wie die Situation besser hätte laufen sollen. Ihr sammelt gemeinsam verschiedene Ideen und einigt euch am Schluss, welche ihr wirklich gut findet.
Im Anschluss versucht ihr, eine Regel zu formulieren, wie ihr gerne in eurer Gruppe eine solche Situation lösen würdet: Wie wollen wir uns in Zukunft verhalten, wenn es einen Streit gibt? Mögliche Vorschläge könnten sein: Wir wollen einander nicht weh tun! Wenn wir einen Streit nicht alleine lösen können, bitten wir den/die Gruppenleiter/in um Hilfe!... Die Regel(n), die ihr für euch gut findet, schreibst du auf ein Kärtchen.

Diese beiden Schritte folgen auch nach den nächsten beiden Situationen.

2) Vor ein paar Wochen hat es in Carls Gruppe ein großes Fest gegeben, mit allem Drum und Dran: Kuchen, Soletti, Getränke, Papierschlangen und so weiter. Am Ende sind dann viele vor dem Wegräumen gegangen — auch Carl, weil er hat auch keine Lust auf Putzen gehabt. Danach hatte er aber ein schlechtes Gewissen, schließlich haben die Gruppenleiter/innen und zwei Kinder alles weggeräumt!

3) In der ersten Gruppenstunde im Herbst haben alle Kinder ein Foto aus ihren Ferien mitgebracht und dazu etwas erzählt. Der Charlotte haben alle Kinder zugehört, obwohl ihre Ferien überhaupt nicht so cool waren, wie die von Carl. Als Carl dann drangekommen ist, hat sich niemand dafür interessiert, was er erzählen wollte. Im Gegenteil, sie haben geredet und ihm nicht zugehört. Das hat ihn sehr aufgeregt!

Carl Catastrophsky ist begeistert von den Tipps der Kinder und würde die Regeln am liebsten gleich einstecken. Doch vorher schreibt ihr sie noch schnell groß auf ein Plakat auf! Dann kann sich Carl von euch verabschieden. Die Kinder können als Zeichen für ihr Einverständnis bunte Handabdrücke auf das Plakat machen, dann hängt ihr es im Gruppenraum auf. Es wäre fein, wenn das Plakat einen Platz im Gruppenraum bekommt, wo es lang hängen bleiben kann!

Kurze Ideen für Ältere:


Du könntest dir im Vorfeld provokante, aber auch vernünftige Vorschläge für Gruppenregeln überlegen, z.B. In einer Diskussion hören sich alle die Meinung von allen an. Wenn ich einen Streit nicht alleine lösen kann, bitte ich jemand anderen um Hilfe,... Diese schreibst du auf Zettel, legst sie auf und die Kids kleben Klebepunkte auf die drei Gruppenregeln, die ihnen am wichtigsten erscheinen. In einer spontan einberufenen Konferenz setzt ihr euch nun mit den Regeln auseinander, die von den Kindern mit Punkten versehen wurden. Am "Konferenztisch" diskutiert ihr nun die Vor- und Nachteile der Regeln, könnt sie natürlich auch noch verändern oder neue dazu formulieren. Die Regeln, die ihr für gut und notwendig befindet, werden als Abschluss ebenfalls auf ein Plakat geschrieben.

Autor/in: Andrea Jakoubi und Lisi Paulovics

Publikation: kumquat "Kunst" 1/2005

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