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Ist das wirklich wahr?

Gruppenstunde Bausteine | Alter: 12-15 | Aufwand: mittel

Hintergrund

Tag für Tag filtern Medien Ereignisse des Tages. Aus einer Fülle von Informationen gilt es, die auszuwählen, die der Radiosender, die Zeitung, das Fernseh-Journal,... den Konsument/innen präsentieren möchte. Ob bei der Auswahl eher gesellschaftspolitische Relevanz, Vollständigkeit und Sachlichkeit eine Rolle spielen oder Sensationsmeldungen, die zur Steigerung der Auflage führen sollen, hängt stark von der Ausrichtung und Seriosität der Medien ab.

Zeitungen und Zeitschriften haben nur einen gewissen Platz, Medien wie Radio und Fernsehen nur eine gewisse Zeit für einzelne Meldungen vorgesehen. So kann es gerade bei komplexeren Themen oft zu Verkürzungen und verzerrten Darstellungen kommen.
Oft werden Prozesse auf die Handlungen und Aussagen einzelner Personen reduziert oder umgekehrt, Wirtschaftsthemen unabhängig von menschlichen Handlungen dargestellt (z.B. "Die Preise sind gestiegen.").
Während Länder, mit denen Österreich intensive Handelsbeziehungen pflegt oder die für den Tourismus relevanter sind, einen großen Raum in der Berichterstattung einnehmen, kommen Ereignisse aus Ländern mit geringerer wirtschaftlicher Relevanz und größerer Entfernung oft nur als Randnotizen vor. Naturkatastrophen und Sensationen schaffen es oft auf die Titelseite, während langsame Prozesse oder komplizierte Ereignisse draußen bleiben.

Ziel

Ziel dieser Gruppenstunde ist es, für die Kids erfahrbar zu machen, dass Informationen sehr stark von den Medien, die sie vermitteln, geprägt werden. Sie sollen dadurch ein Gespür dafür bekommen, Informationen in Zeitungen, im Radio, Internet oder Fernsehen aufmerksam und kritisch zu konsumieren.

Aufbau

Im Folgenden findest du einige Methoden für die Gruppenstunde, die du beliebig für deine Gruppe zusammenstellen kannst. Die Methoden sind v.a. für Ältere geeignet, da es immer auch um eine Reflexion über die Medien geht. Am besten wählst du 2-3 Bausteine aus, die für deine Kids am passendsten sind.

Die Methoden sind v.a. auf Tageszeitungen ausgerichtet, es empfiehlt sich daher, vor einer Gruppenstunde mit diesem Thema 1-2 Wochen lang unterschiedliche Zeitungen zu sammeln, um ein großes Spektrum für eure Recherche zu bekommen. Um verschiedene Zeitungen zu bekommen, kannst du Freund/innen, andere Gruppenleiter/innen, Bekannte, Leute in der Pfarre, usw. um Mithilfe bitten. Wenn das gesammelte Sortiment eher in eine Richtung geht, empfiehlt es sich, vor der Gruppenstunde auch noch ein paar andere Zeitungen zu kaufen. Interessant kann es auch sein, zum Vergleich zusätzlich deutschsprachige ausländische Zeitungen zu kaufen und alternative Medien (wie z.B. Straßenzeitungen wie den Augustin) mit einzubeziehen.

 

1 Thema — 5 Zeitungen


Für diese Methode sucht ein Thema aus, über das zur Zeit der Gruppenstunde in allen Medien berichtet wird, z.B.: ein Thema aus dem Wahlkampf, ein Bericht über eine Naturkatastrophe, eine Diskussion zu einem neuen Gesetz, o.Ä. Nun beginnt ihr zu überprüfen, wie (unterschiedlich) die verschiedenen Zeitungen an dieses Thema herangehen.
Dazu teilt ihr euch in Kleingruppen und jede Gruppe sucht in ihrer Zeitschrift Artikel zu dem gewählten Thema. Nun können die Kleingruppen die Berichte auf einer Skala, die ihr auf Packpapier aufgezeichnet habt, bewerten. Mögliche Gegensatzpaare für die Bewertung wären:
sachlich — emotional/reißerisch
ausführlich — kurz
positiv — negativ
verständlich — unverständlich
usw.

Bevor die Kids den anderen ihre Berichte und Bewertungen zeigen, bekommen sie die Aufgabe, in der Kleingruppe ihren Text als Nachrichtensprecher/innen zu präsentieren. Dafür stellst du einen Tisch, Sessel, evtl. ein gebasteltes Mikrophon, usw. bereit.
Die Kinder können dabei versuchen, ihren Text überspitzt darzustellen, z.B.: besonders emotional oder besonders sachlich, sehr schnell oder ganz langsam, besonders heiter oder ganz traurig, usw. Die anderen Gruppen können anhand der Darstellung versuchen, die Art des Berichtes zu erraten.

Mit Sicherheit werden die Kids in der Berichterstattung große Unterschiede herausfinden. Wenn alle Gruppen ihre Berichte präsentiert haben, kannst du als Anregung noch die Frage aufwerfen, was Gründe für die Unterschiede in der Berichterstattung sein könnten.

Titelseiten


Beim Vergleich der Zeitungen kann es darüber hinaus spannend sein, euch die Titelseiten der Zeitungen näher anzuschauen.

Als Einstieg könnt ihr versuchen, euch nur in Headlines zu "unterhalten" bzw. eine "Diskussion" in Headlines zu führen. Dafür schneidet ihr möglichst viele Headlines (inklusive der dazugehörigen Bilder) aus, je nach Anzahl nimmt sich jede/r aus der Gruppe 1-3 Headlines. Nun geht ihr durcheinander durch den Raum und beginnt mit den Gruppenmitgliedern, auf die ihr trefft, kurze "Gespräche" zu führen, bei denen ihr allerdings nur Sätze aus euren Headlines verwendet. Um verständlich zu machen, was ihr sagen wollt, wird es also nötig sein, auch Hände, Mimik und Tonfall einzusetzen! Wenn ihr das einige Zeit ausprobiert habt, lädst du die Kids zu einer kurzen "Diskussion" ein, bei der wiederum alle nur in Headlines miteinander reden. Du kannst als Moderator/in ein Thema vorschlagen (z.B. Wohin soll die nächste Urlaubsreise gehen?).

Nachdem ihr die Headlines nun schon gut kennt, könnt ihr euch näher damit befassen. Dazu legt ihr die Headlines samt Bildern nebeneinander und überlegt:
Welche Art von Headlines gibt es? Was ist am Titelbild zu sehen? Gibt es große Unterschiede, wie die Headlines formuliert werden? Wen sollen die Headlines ansprechen bzw. was will die Zeitung damit vermitteln?

Eine weitere Möglichkeit, mit Headlines zu arbeiten: Du hast dieselbe Headline auf mehreren Zetteln notiert. Wichtig ist dabei, dass die Kids den dazugehörigen Artikel in der Zeitung noch nicht gelesen haben.
Die Kids teilen sich nun in Kleingruppen. Jede Gruppe bekommt einen Zettel mit der Headline und versucht nun — ohne näheres über den Inhalt zu wissen — einen Artikel dazu zu verfassen.
Dann kommt ihr wieder zusammen und vergleicht, wie ähnlich oder unterschiedlich eure Artikel geworden sind.

Sport, Politik, Klatsch & Co.


Bei dieser Methode wird überprüft, wie viel Platz verschiedene Zeitungen unterschiedlichen Rubriken zuteilen.
Am besten eignet sich dafür ein Raster auf einem Plakat, in den ihr links die Namen der Zeitschriften eintragt und oben die Rubriken, die ihr vergleichen wollt, z.B. Innenpolitik, Außenpolitik, Sport, Chronik, Wirtschaft, Kultur,... Die Kids können sich die Zeitschriften nun in Kleingruppen aufteilen und die herausgefundenen Zahlen (z.B. Innenpolitik: 3 Seiten, Chronik: 5 Seiten,...) in den Raster eintragen.

Nun könnt ihr die jeweils größte und kleinste Zahl in jeder Rubrik kennzeichnen und euch die Zeitungen mit der geringsten und größten Seitenanzahl in einer Rubrik zum Vergleich anschauen: Worin unterscheiden sich diese Zeitungen? Was fällt bei der Zeitung mit wenigen Seiten in der Rubrik weg? Was kommt bei der Zeitung mit den meisten Seiten in der Rubrik hinzu?

Als Abschluss haben die Kids die Möglichkeit, ihre eigene "fiktive" Zeitung zusammenzustellen und dabei zu überlegen, wie viele Seiten sie sich in welcher Rubrik in einer für sie "perfekten" Zeitung wünschen.

Sendezeit


Für diese Methode nimmst du ein Thema, über das in letzter Zeit umfassender berichtet wurde, und suchst aus 1-3 Zeitungen Texte dazu heraus. Diese kopierst du einige Male, damit die Kleingruppen dann die gleichen Texte verwenden können.

In der Stunde teilen sich die Kids in 3 Kleingruppen auf und erhalten von dir die kopierten Texte — jede Gruppe hat für die Methode also genau die gleichen Informationen zur Verfügung. Die Gruppen haben nun die Aufgabe, zu demselben Thema einen Beitrag für die Nachrichten im Radio zu gestalten. Der Unterschied liegt darin, dass die Beiträge unterschiedlich lang sein dürfen: Eine Gruppe hat für ihren Beitrag 3,5-4,5 Minuten Sendezeit, die zweite Gruppe 1,5-2 Minuten, die dritte Gruppe lediglich 0,5 Minuten.
Die Gruppen müssen sich demnach die Frage stellen: Was soll auf Sendung gehen? Welche Informationen werden weggelassen oder vielleicht auch ausgeschmückt, um die Sendezeit zu füllen? Besonders nett ist es, wenn ihr die Beiträge tatsächlich aufnehmt und einander dann vorspielt.

Anschließend können euch folgende Fragen zum Austausch anregen:
War es einfach/ schwierig das Thema in der Sendezeit zu behandeln?
Wie habt ihr euch für Kürzungen/ Ausweitungen von Informationen entschieden?
Worin unterscheiden sich die Beiträge?

Über welche Menschen wird berichtet?


Bei dieser Methode geht es darum, einen Blick darauf zu richten, über welche Menschen eigentlich in Medien berichtet wird — und welche Gruppe von Menschen bzw. Menschen in welchen Lebenssituationen in Zeitungen kaum oder gar nicht vorkommen. Hier soll der Blick einmal speziell auf "Randgruppen" in der Berichterstattung gerichtet werden.
Neben klassischen, im Handel überall erhältlichen Zeitungen und Zeitschriften empfiehlt es sich, für diese Methode auch alternative Medien zu verwenden, z.B. der "Augustin", die "Bunte Straßenzeitung", "Südwind Magazin",...

Die Kids teilen sich nun in Kleingruppen und analysieren die Fotos und Geschichten einer Zeitung/ Zeitschrift mithilfe des unten stehenden Rasters, auf dem sie kurze Stichworte oder Zähl-Stricherl vermerken können.
In die freien Zeilen können die Kinder andere Personen(gruppen) eintragen, über die in den von ihnen analysierten Zeitungen besonders häufig berichtet wird. Danach kommen die Kleingruppen wieder zusammen und berichten einander von ihren Ergebnissen.

Personengruppen Es wird positiv über sie berichtet./ Sie sind die "Stars". Es wird negativ über sie berichtet.
Menschen mit Behinderung    
alte Menschen    
Migrant/innen (aus dem Ausland zugewanderte Menschen)    
Minderheiten in Österreich (Slowen/innen, Kroat/innen, Roma, Sinti,...)    
Menschen mit wenig Geld    
Arbeitslose    
Kinder & Jugendliche    
Männer mit Babys und Kleinkindern    
     

Die Kids werden herausfinden, dass über viele Menschen in Zeitungen gar nicht berichtet wird oder dass viele Personengruppen besonders oft in negativer Berichterstattung vorkommen (z.B. Migrant/innen...).
Nach eurer Analyse können die Kids versuchen, das zu ändern, indem sie in Kleingruppen 2-3 fiktive, positive Artikel über genau solche Personen(gruppen) schreiben (z.B. ein Projekt der Jungschar vorstellen, ein Bericht über Männer in Karenz,...).

Für die Bausteine wurden Ideen aus dem Behelf "Dasiba — Guten Morgen, Afrika" und "um outro mundo — eine andere Welt ist möglich" sowie aus dem Buch "Leben in einer Welt. Anregungen zum globalen Lernen" von Susan Fountain verwendet.
Beide Behelfe sind im JS-Büro erhältlich, das Buch kannst du dir in unserer Bibliothek gratis ausborgen.

Autor/in: Andrea Jakoubi

Publikation: kumquat "und" 3/2008

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Schlagwörter: Medien, Kommunikation, Gesellschaft, Arbeit