• Jungschar vor Ort
  • Corona
  • Über uns
  • Angebote
  • Modelle
  • Gruppe
  • Pfarre
  • Gott & die Welt
  • Wildegg

Es reicht! — Wir haben den Hunger satt!

Gruppenstunde | Alter: 11-14 | Aufwand: hoch

Material

  • Kärtchen oder evtl. Erdäpfel, Karotten/Salat, Bananen
  • "verkehrte" Weltkarte
  • 4 Pfeile
  • Block mit Fragen
  • Bleistifte
  • gezeichnete Schweinchen

Aufbau

"Earth provides enough to satisfy every man‘s need, but not every man‘s greed." (Mahatma Ghandi). Es gibt tatsächlich genug Lebensmittel auf der Erde für alle Menschen. Das ist die Botschaft der ersten Stationen im Jungscharheim. Bei einer anschließenden Datenerhebung gilt es herauszufinden, was Erwachsene über die Zusammenhänge zwischen der globalen Wirtschaft und dem Hunger auf der Welt wissen. Zum Abschluss betet ihr und feiert alle Menschen, die sich für Gerechtigkeit einsetzen. Roter Faden ist die "verkehrte" Weltkarte, die du im Welthaus bestellen kannst (Welthaus Wien, 01/ 51552-3353, wien@welthaus.at)

 

Station Nr. 1 Genug Ackerland


Bevor die Kinder kommen, hast du im Pfarrheim ein 2x2m-Feld markiert. Würde man alles Ackerland der Erde gleichmäßig auf alle Menschen aufteilen, so kämen auf jede Person 1500m². Das ist z.B. so groß wie ein Straßenstück von 15m Breite und 100m Länge. D.h. an jedem Tag könnte jeder Mensch durchschnittlich auf 4m² ernten (ganz exakt: 1500m²/365=4,1m²). In der Realität wird natürlich an manchen Tagen mehr geerntet und dann die Frucht gelagert. So viel kann ein Mensch gar nicht essen! Das reicht nämlich z.B. für: 12kg Erdäpfel oder 9kg Gemüse oder 20kg Bananen. Diese Angaben kannst du auf Kärtchen in das 2x2m Feld legen. Noch eindrucksvoller ist es, wenn du z.B. 6kg Erdäpfel (50% der Fläche) und 3,6kg z.B. Karotten und Salat (40%) und 2kg Bananen (10%) auf das 2x2m-Feld legst.

Station Nr. 2 Genug Fleisch


Du hast für jedes Kind eine "verkehrte" Weltkarte. Die Karte ist verkehrt, aber nicht falsch: Der Süden ist oben. Das erscheint uns ungewohnt, weil normalerweise Europa nicht an der Peripherie ist. Um euch zu orientieren, kann jedes Kind ein Land nennen und ihr sucht es gemeinsam. Dann schaut ihr, ob dort viele Menschen unterernährt sind.
Diese Station führt uns nach Österreich, Indien und in die USA: Die Weltfleischproduktion hat sich in den letzten 50 Jahren gut vervierfacht. Von 78 Millionen Tonnen hat sich die Produktion auf 308 Millionen Tonnen gesteigert. Für jeden Menschen sind das in etwa 42,8 kg pro Jahr. Diese Daten hast du auf Pfeile geschrieben. Die Kinder sollen raten, welcher Pfeil wohin gehört:

  • USA: 120kg/ Jahr (das sind 33dag am Tag, also z.B.: 2 Schnitzerl + 2 Wurstsemmerl pro Tag)
  • Österreich: 98kg/ Jahr (27dag am Tag, also 2 Schnitzerl + 1 Wurstsemmerl pro Tag)
  • Indien: 3,3kg/ Jahr (11dag in 2 Wochen, also 1 Schnitzerl in 2 Wochen)
  • Durchschnitt: 42,8kg/ Jahr (11dag am Tag, also 1 Schnitzerl pro Tag)


Den letzten Pfeil mit der Durschnittsangabe kann jedes Kind dorthin kleben, wo es gefühlsmäßig glaubt, es könnte so sein. Schließlich darf man nicht vergessen: Die Zahlen sind ein statistischer Mittelwert. Es wird sicher in jedem Land eine Person geben, für die das zutrifft!

Station Nr. 3 Datenerhebung: Genug für xx Milliarden?


In mehreren Grüppchen macht ihr eine Datenumfrage auf der Straße:

Frage 1) Etwa 805 Millionen Menschen sind unterernährt (einer von neun). Für wie viele Menschen - schätzen Sie - reichen die Nahrungsmittel auf der Welt?

Mit dem derzeitigen Nahrungsmittelangebot können 12 Milliarden Menschen ernährt werden (FAO - Food and Agriculture Organization - UNO).

Frage 2) Wissen Sie, was hinter diesen Abkürzungen von internationalen Organisationen steckt?

  • FIFA (Internationaler Fußballverband)
  • UNO (Vereinte Nationen)
  • WTO (Welthandelsorganisation, World Trade Organization)


Jedes Interviewgrüppchen macht bei jeder richtigen Antwort ein Stricherl und vergleicht sie nachher. Die WTO müsste bekannter sein als die FIFA, sie beeinflusst den Alltag der Menschen, die Wirtschaft, weit mehr als der Freizeitbereich Fußball. Sie gilt neben dem UNO-Sicherheitsrat als die mächtigste internationale Organisation.

Nachdem ihr eure Befragungs-Daten verglichen habt, wendet ihr euch wieder eurer Weltkarte zu:

Station Nr. 4 Soja - Unsere Mastschweine fressen in Brasilien


Ein großer Kritikpunkt am WTO-Freihandel ist, dass in den Entwicklungsländern eine Landwirtschaft von Agra-Konzernen gefördert wird, die Exportprodukte anbaut. Dadurch werden Kleinbauernbetriebe, die für die eigene Bevölkerung produzieren, verdrängt. Z.B. wird Mastfutter für die Schweinemast zum Export produziert. Allein in Brasilien wird auf 18% des Ackerlandes Soja angebaut — das ist eine Ackerfläche, die 40 Millionen Brasilianer/innen (etwa 1/4 der Bevölkerung) versorgen könnte. Auch Österreich importiert Sojaschrot für Mastzwecke, dafür werden in Übersee 2500km² fruchtbarer Boden besetzt. (Das ist etwa die Fläche Vorarlbergs). Der Soja-Anbau ist einer der Gründe für die massive Abholzung des Regenwaldes.
Auf der Weltkarte überklebt ihr 1/4 Brasiliens mit kleinen Schweinen.

Abschluss: Es reicht! Wir haben den Hunger satt!


Die internationale Politik und Wirtschaft muss sich ändern. Deshalb gibt es viele Organisationen, die sich für eine Bekämpfung von Hunger und Armut einsetzen und das wird zum Abschluss gefeiert, z.B. mit einem (Sternsinger-) Lied, einem Gebet und Bratkartoffeln, Bananen(milch) und Karotten von Station 1.

Du verteilst Kärtchen, auf denen jeweils eine Organisation steht. Jedes Kind kann sich eine oder mehrere Karten nehmen und auf die Weltkarte neben die Überschrift kleben, z.B.: Dreikönigsaktion der Kath. Jungschar, Familienfasttag (Kath. Frauenbewegung), Weltläden, Fairtrade, World Wildlife-Found, Greenpeace, attac, FIAN, UNO (FAO, UNICEF,...), Landpastoral-Brasilien, Biobäuer/innen-Verband VIA CAMPESINA,...

Guter Gott,
wir danken dir, dass du die Welt so gut geschaffen hast, dass es ausreichend zu Essen gibt. Es gibt aber über 800 Millionen Menschen, die trotzdem nicht genug zu essen bekommen.
Wir bitten dich: Für die Menschen, die sich in der Politik, bei den Managerinnen und Managern in der Wirtschaft und in den Medien, Schulen und Universitäten dafür einsetzen, dass Hunger und Armut verschwiden: Gib ihnen allen Kraft für ihren Einsatz für eine gerechte Welt.
(Nun können die Kinder ihr(e) Kärtchen vorlesen.)

Autor/in: Christoph Watz, überarbeitet von Benni Dittmoser-Pfeifer

Publikation: kumquat"zuwenig" 2/2015

Share |

 

Schlagwörter: Ungerechtigkeit, Welt, Essen