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heil-ig sein! Heil-sam sein!

Gruppenstunde | Alter: 10-15 | Aufwand: hoch

Ziel

Vor dem 6. Jahrhundert nach Christi war es üblich, dass Menschen einer Region selbst bestimmten, wer für sie ein/e Heilige/r war. Manche Personen galten schon zu Lebzeiten als heilig, andere erhielten diesen Ehrentitel erst nach ihrem Tod. Nachdem eine Heiligsprechung viele Menschen anzog und damit Geld einbrachte, wurden Heilige bald auch aus wirtschaftlichen Berechnungen ausgerufen. Nach einem kurzen Verbot neuer Heiligsprechungen zogen ab dem 10. Jahrhundert deshalb die Päpste das Recht der Heiligsprechung an sich, was bis heute so geblieben ist (mehr dazu im Kasten auf dieser Seite).
In dieser Gruppenstunde könnt ihr der Tradition der Heiligsprechungen nachgehen und sie "wieder aufleben" lassen, indem ihr euch überlegt, welche Menschen für euch "heilig"/ "heil-sam" sind!

Material

  • Kärtchen mit kurzen Beschreibungen des Lebens eines/r Heiligen
  • Material für den Wohlfühl-Bereich, z.B. Matratzen/ Pölster/ Decken, gemütliche Musik, evtl. Massagetiere, weiche Bälle,...
  • aus Papier ausgeschnittene Hände oder Plastikhandschuhe, Stifte
  • Material für die Verwandlung der Hände, z.B. Wasser- oder Fingerfarben, Wolle, Stoffreste, usw.
  • evtl. Kiste und Tuch für die Bühne

Aufbau

Nachdem die Kids füreinander pantomimisch dargestellt haben, was verschiedene Heilige in ihrem Leben für Menschen getan haben, wie sie für andere heil-sam waren, überlegt ihr euch, was für euch angenehm/ heil-sam ist. Dazu verwandelt ihr den Gruppenraum in eine "Wohlfühl-Lounge". Nachdem ihr gesammelt habt, was euch gut tut, geht ihr der Frage nach, welche Menschen in eurer Umgebung für euch heil-sam sind.

 

Zur Durchführung
Die Gruppenstunde dauert etwas länger als eine Stunde.

Was tut der/die wohl?


Als Einstieg in das Thema geht es darum zu schauen, wie verschiedene Heilige heil-sam für andere Personen waren. Dazu teilen sich die Kids in Kleingruppen auf und erhalten von dir Kärtchen mit einer kurzen Beschreibung des Lebens eines/r Heiligen (siehe Ende der Gruppenstunde). Ihre Aufgabe ist es nun, sich zu überlegen, wie sie für die anderen in einer kurzen Szene pantomimisch darstellen können, wie diese/r Heilige/r mit anderen Menschen umgegangen ist.
Nach einer kurzen Vorbereitungszeit spielen alle Gruppen ihre Szenen vor und die anderen versuchen zu erraten, was diese Person in ihrem Leben — für andere — getan hat. Nach dem Vorspielen wird dann auch noch das "Geheimnis" gelüftet, um welche/n Heilige/n es sich bei den anderen Gruppen gehandelt hat.

Das tut mir gut!


Alle Heiligen, die in den kurzen Szenen vorgekommen sind, haben gemeinsam, dass sie — auf verschiedene Weise — anderen Menschen "gut getan" haben, "heil-sam" für andere waren. Den nächsten Schritt kannst du mit ähnlichen Worten einleiten: Auch wir erleben immer wieder in unserem Alltag, dass uns andere Menschen gut tun — sei es dadurch, dass sie in schwierigen Situationen für uns da sind, dass wir uns wohl fühlen, wenn sie in unserer Nähe sind, dass sie uns Anstoß geben, über uns nachzudenken u.v.m.
Im nächsten Schritt überlegt ihr, wer in eurem Leben für euch "heil-sam" ist. Dazu ist es hilfreich, eine angenehme Atmosphäre zu schaffen, in der die Kids entspannt ihren Gedanken nachhängen können. Ihr verwandelt nun einen Teil des Gruppenraums in eine "Wohlfühl-Lounge", indem ihr Matratzen / Pölster/ Decken o.Ä. auflegt, gemütliche Musik spielt,... Zusätzlich hast du ein paar Dinge mitgebracht, die die Kids, die das gerne möchten, z.B. für eine Nackenmassage verwenden können (z.B. Massagetiere, weiche Bälle,...). Die Kids können sich nun entspannt in den Raum legen oder aber den Part der Masseur/innen einnehmen, die sich nach einem Wechsel selbstverständlich auch entspannen können.
Du gibst den Kids die Anregung, sich zu überlegen, was ihnen gut tut — wobei sie besonders daran denken sollen, auf welche Weise andere Menschen um sie herum "heil-sam" sein können.

Wir werden gut be-hand-elt, wenn...


Hände tun beim Massieren gut oder aber, wenn sie segnen, heilend berühren, sanft streicheln,... — deshalb verwenden wir sie für den weiteren Verlauf der Stunde auch als Symbol des "Gut-Tuns" und "Heilsam-Seins".
Nachdem alle aus dem "Wohlfühl-Bereich" gekommen sind, setzt ihr euch zusammen und könnt einander davon berichten, was euch zu der Frage, auf welche Weise andere Menschen um euch herum "heil-sam" sein können, eingefallen ist, während ihr in angenehmer Atmosphäre euren Gedanken nachgehangen seid. Wichtig ist, dass du dazu sagst, dass es nicht notwendig ist, von konkreten Personen und Situationen zu berichten, sondern die Kids die Dinge ruhig in allgemeiner Form einbringen sollen, z.B. "Jemand tut mir gut, wenn er mir zum richtigen Zeitpunkt ein Stück von seiner Schokolade schenkt!", "Personen sind heilsam für mich, wenn sie mir zuhören, wenn es mir nicht gut geht!",...
Um euch diese Dinge für den nächsten Schritt zu merken, könnt ihr diese entweder auf ausgeschnittenen Händen aufschreiben oder, wenn ihr ein ausgefalleneres Material verwenden wollt, blast ihr Plastikhandschuhe auf und schreibt auf deren Finger, was euch eingefallen ist.

"Du bist für mich heilig — "heil-sam"!"


Im letzten Schritt können sich die Kids auf spielerische Weise konkrete Personen vergegenwärtigen, die sie in ihrem Leben als "heil-sam" empfinden. Es geht nicht darum, Personen zu finden, die uns immer gut tun, sondern einmal den Blick darauf zu richten, dass es Menschen rund um uns gibt, die Eigenschaften haben, die uns gut tun, oder in manchen Situationen für uns wohltuend sind. Damit die Kids in Ruhe überlegen können, ist es wichtig, für diesen Schritt noch genügend Zeit einzuplanen.
Wahrscheinlich sind den Kids schon beim Entspannen ganz konkrete Personen eingefallen, vielleicht können auch die Sammlung auf den Händen und die Erzählungen anregen.
Das Bild der Hände könnt ihr auch im letzten Schritt einsetzen, indem die Kids nun ihre Finger in die Personen "verwandeln" können, an die sie konkret denken. Dazu stellst du den Kids Wasser- oder Fingerfarben, Wolle, Stoffreste usw. zur Verfügung, die sie verwenden können, um die einzelnen Finger in Gesichter mit Haaren, Gewand usw. zu verwandeln.
Wenn ihr wollt, könnt ihr danach eine Bühne (mit einer Kiste und einem Tuch) improvisieren und dort ein paare Leute — anonymisiert oder real — vorstellen, z.B. "Darf ich mich vorstellen, ich bin die Freundin von Simone und ich tu ihr gut, wenn ich ihr eine Tasse Tee koche, wenn sie gerade schlecht drauf ist!"

Beschreibungen der Heiligen:


Weitere und ausführlichere Beschreibungen findest du z.B. unter http://www.heiligenlexikon.de. Wenn ein Gruppenmitglied den gleichen Namen wie eine/r der beschriebenen Heiligen trägt, dann suche eine/n andere/n Heilige/n für diese Methode.

Im Folgenden findest du jeweils einen Ausschnitt aus dem Leben verschiedener Heiliger, der von einer Legende, die sie umrankt, erzählt bzw. von dem Aspekt ihres Lebens, in dem sie sich anderen Menschen in besonderer Weise gewidmet haben.

Elisabeth von Thüringen (von Ungarn) (1207-1231)
Legende: Elisabeth faszinierte das Ideal der Franziskaner, allen Besitz herzugeben und frei von Besitztum zu leben. Obwohl die Familie ihres Mannes, Ludwig IV., es nicht gerne sah, besuchte sie Armenviertel und kümmerte sich um bedürftige Menschen. Als im Jahr 1226 eine große Hungersnot ausbrach, ließ Elisabeth alles verfügbare Korn austeilen und verwendete auch Geld aus der Staatskasse zur Hilfe für die Armen. Als daraufhin heftige Vorwürfe gegen sie erhoben wurden, bedeckte sich plötzlich der Boden des Saales mit Korn, und alle Kammern füllten sich mit Korn.

Martin von Tours (ca. 316-397)
Martin musste mit 15 Jahren auf Wunsch seines Vaters in den Soldatendienst bei einer römischen Reiterabteilung eintreten. Der Legende nach begegnete Martin am Stadttor von Amiens einem frierenden Bettler. Darauf teilte er seinen Mantel mit seinem Schwert in zwei Teile und schenkte dem Bettler die eine Hälfte.

Angela Merici (1474-1540)
Angela trat als junges Mädchen dem Orden der Kapuzinerinnen bei, wo sie sich vor allem der Erziehung der Kinder widmete. Als etwa Zwanzigjährige erkannte sie, wie ungebildet die Kinder ihrer Heimat aufwuchsen: Schulen gab es nicht, viele Eltern konnten ihren Kindern nur wenig Wissen weitergeben und legten wenig Gewicht auf eine gute Ausbildung.
In ihrem Heimatort konnte sie zunächst einige Freundinnen überreden, zusammen mit ihr eine Art regelmäßige Schule zu organisieren, die schon bald wegen des großen Erfolges ausgebaut wurde.

Nikolaus von Myra (ca. 280/286 — ca. 345/351)
Eine der vielen Legenden, die sich um Nikolaus von Myra ranken, erzählt, dass es in Myra eine große Hungersnot gab. Als ein Schiff mit Getreide in den Hafen kam, bat Nikolaus den Kapitän um einen Teil der Ladung. Doch der verweigerte das, weil alles für den Kaiser bestimmt war. Aber Nikolaus versicherte dem Kapitän, dass das Getreide gleich viel bleiben würde, selbst wenn er die Hälfte davon ausladen würde. Daraufhin willigte der Kapitän ein. Und tatsächlich wurde das Getreide nicht weniger, obwohl die Hälfte ausgeladen wurde.


Heiligsprechung heute
Im kirchenrechtlichen Verfahren zur Heiligsprechung überprüft die Kanonisierungskommission, ob der "Ruf der Heiligkeit und eines vorbildliches Lebens" einer Prüfung standhält und durch außergewöhnliche Vorkommnisse bestätigt werden kann — zumeist wird dazu ein Heilungswunder herangezogen, zu dessen Überprüfung z.B. Ärzt/innen als Gutachter/innen hinzugezogen werden.
Die Person, die in diesem Prozess Argumente für die Heiligsprechung vorträgt, heißt Advocatus Dei (lat. "Anwalt Gottes"), die Person, die Gegenargumente vorbringt, heißt Advocatus Diaboli (lat. "Anwalt des Teufels" — ein Begriff, der sprichwörtlich geworden ist). Weitere Infos dazu findest du z.B. im ökumenischen Heiligenlexikon unter http://www.heiligenlexikon.de.

Autor/in: Julia Klaban und Andrea Jakoubi

Publikation: kumquat 2/05

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