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Leben für die Schule - Schule für das Leben?

Gruppenstunde | Alter: 10-12 | Aufwand: hoch

Hintergrund

Obwohl Kinder einen großen Teil ihres Tages in der Schule bzw. mit Hausaufgaben und Lernen verbringen, können sie diesen Bereich ihres Lebens jedoch kaum beeinflussen.
Diese Gruppenstunde soll die Möglichkeit bieten, sich einmal kritisch mit der Schule und den einzelnen Schulfächern auseinanderzusetzen. Dabei geht es allerdings nicht darum, sämtlich Fächer für unnötig zu erklären und abzuschaffen, sondern sich die Frage zu stellen: Was will ich lernen? Was finde ich sinnvoll? Was brauche ich?

Ziel

Ziel dieser Stunde ist es, die Schule aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und sich kritisch mit der Frage auseinanderzusetzen, was man in der Schule lernen soll.

Material

  • Namenskärtchen mit Personenbeschreibungen
  • drei Kleiderständer (oder Pappfiguren, Schneiderpuppen,...)
  • typische Kleidungsstücke für Eltern, Lehrer/innen, Schüler/innen
  • vergrößerte Kopien der Köpfe
  • Brief des Stadtschulrats
  • rote und grüne Kärtchen
  • Plakat und Stifte
  • Brief des Direktors
  • Kuverts
  • Kärtchen mit Unterrichtsgegenständen und — inhalten
  • leere Kärtchen
  • Schulbücher
  • rote, gelbe und grüne Klebepunkte
  • Plakat mit großem Stundenplan

Aufbau

In einem Spiel lernen die Kinder die Charaktere der Personen kennen, die im Rollenspiel vorkommen werden.
Danach wird im Rollenspiel die Frage diskutiert, warum Schüler/innen an Schulstreß leiden.
In einem weiteren Schritt geht es darum, den Lehrplan neu zu gestalten und einen Wunschstundenplan zu erstellen.
Die Stunde klingt bei Tee und Kuchen gemütlich aus.

 

Wie bin ich?



Du befestigst jedem Kind ein Kärtchen mit einem der folgenden Namen am Rücken: Herr Ernst, Herr Kerngesund, Frau Kreativ, Frau Praktisch, Frau Aktiv, Herr Zufrieden, Susi Fleißig, Pepi Selbständig, Norbert Schlau. (Wenn mehr als neun Kinder in Deiner Gruppe sind, kannst Du die Namen auch doppelt vergeben.)
Die Kinder gehen durch den Raum. Sobald sie auf jemanden treffen, fragen sie einander: "Wie bin ich?” Das andere Kind versucht nun, den Familiennamen, der auf dem Rücken des Kindes befestigt ist, zu umschreiben. Das geht so lange, bis alle Kinder ihre Familiennamen erraten haben.


Schulkonferenz



Du hast bereits vor der Stunde drei Kleiderständer als Eltern, Lehrer/innen und Schüler/innen verkleidet. Dazu vergrößerst Du die abgebildeten Köpfe und befestigst sie an den Kleiderständern. In den Taschen der drei Personen finden die Kinder passende Beschreibungen für die unterschiedlichen Rollen. (Wenn mehr als neun Kinder in Deiner Gruppe sind, werden die Rollen doppelt vergeben.) Damit die Kinder sich ein Bild von den Rollen machen können, erklärst Du bei der Verteilung der Rollenbeschreibungen kurz, welche Meinungen die einzelnen Personen vertreten. Dann suchen sich die Kinder ihre Rolle aus und gehen in Eltern-, Lehrer/innen- und Schüler/innengruppen zusammen. In den Gruppen können sie ihre Rolle genau durchlesen und sich noch weitere Argumente für das Rollenspiel überlegen.


Die Rollenbeschreibungen



Die Eltern:
Herr Ernst
Er ist 50 Jahre alt und Vater von drei Kindern. Herr Ernst ist der Ansicht, daß Kinder möglichst viel lernen sollen, damit sie nicht auf dumme Gedanken kommen. Die Anzahl der Schulstunden findet er gerade richtig. Gegen eine Erhöhung der Anzahl hat er aber auch nichts einzuwenden. Die Kinder sollen seiner Meinung nach schon früh genug den Ernst des Lebens kennenlernen, um im Leben bestehen zu können. Deswegen ist er auch gegen jede Abschaffung eines Gegenstandes.

Frau Kreativ
Sie kann sich noch sehr gut an ihre eigene Schulzeit erinnern und versteht die Probleme der Kinder. Frau Kreativ findet, daß die Schule mehr sportliche und kreative Fächer anbieten sollte (Tennis, Theater spielen, Tanzen, Filme drehen,...). Natürlich möchte sie, daß ihre Kinder etwas lernen, das sie später im Leben brauchen.

Herr Kerngesund
Er ist Kinderarzt und weiß, daß viele Kinder wegen Schulstreß Beschwerden wie Kopfweh oder Bauchweh haben. Deshalb setzt er sich dafür ein, daß die Kinder weniger Streß in der Schule haben. Herr Kerngesund findet, daß die Anzahl der Schulstunden und die Zeit, die für Aufgaben noch am Nachmittag benötigt wird, zuviel sind. Einer Veränderung von Schulfächern steht Herr Kerngesund offen gegenüber. Er weiß aber, daß für viele Studien zum Beispiel Latein, Mathematik oder Chemie notwendig sind. Deswegen ist er gegen eine Abschaffung dieser Fächer.

Die Lehrer/innen:
Frau Aktiv
Frau Aktiv möchte, daß die Kinder in der Schule den Unterricht mehr mitgestalten können. Sie selbst sollen sagen, was sie gerne lernen möchten. Natürlich ist das in der Schule sehr schwierig durchzuführen, da der Lehrplan bestimmte Dinge vorschreibt. Frau Aktiv meint, daß die Kinder zu Hause mehr arbeiten sollen, dafür aber weniger Schulstunden haben könnten. Die Kinder sollen auch lernen, sich Wissen aus einer Bibliothek zu beschaffen und sich nicht alles vorbeten zu lassen.

Frau Praktisch
Sie möchte den Unterricht gerne interessant gestalten. Leider sind vom Stadtschulrat nur wenig Exkursionen zugelassen. Die Anzahl der Wochenstunden findet sie gerade richtig. Nur das, was unterrichtet wird, könnte in den einzelnen Fächern verändert werden. Mehr Bezug zum Leben wäre ihrer Meinung nach wichtig.

Herr Zufrieden
Für ihn ist jede Änderung der Schulfächer eine Verschlechterung. Man weiß ja oft noch nicht, was man später einmal machen will, deswegen muß man auch alles lernen. Es wäre doch schlimm, wenn man später draufkommt, daß man viele Dinge nicht gelernt hat, die man dann aber braucht. Die Anzahl der Wochenstunden findet er gerade richtig, um den Schulstoff unterzubringen.

Die Schüler/innen:
Susi Fleißig
Susis Lieblingsfächer sind Turnen und Englisch. Sie lernt gut und ist sehr fleißig. Trotzdem findet sie, daß sie zuviel Zeit für die Schule und Aufgaben braucht. Sie würde gerne öfters mit ihren Freunden und Freundinnen fortgehen.

Pepi Selbständig
Pepi findet, daß sich die meisten Lehrer/innen nicht genügend Zeit nehmen, um den Stoff so zu erklären, daß es wirklich alle verstehen. Frau Aktiv ist seine Lieblingslehrerin. In ihren Stunden sitzt man nicht nur da und läßt sich berieseln. Da darf man auch viele Dinge selber machen.

Norbert Schlau
Norberts Lieblingsfächer sind Musik und Mathematik. Er interessiert sich aber sonst auch noch für vieles andere. Norbert findet, daß in der Schule viele Dinge nicht unterrichtet werden, die man später einmal wirklich braucht.


Schulstreß



Jede Gruppe erhält von Dir diesen Brief.

Stadtschulrat
des Ortes Unterschulbach
4711 Unterschulbach

An alle Lehrer/innen, Schüler/innen und Eltern!
Aufgrund einer Untersuchung wurde festgestellt, daß ein Großteil der Schüler und Schülerinnen unter Schulstreß leidet. Was glauben sie sind die Ursachen? Und was kann man dagegen tun?
Wir bitten Sie, ihre Ergebnisse in 10 Minuten bei einer Diskussionsrunde im Stadtschulrat mitzuteilen. Danke für ihre Mühe.

Der Stadtschulrat

Nachdem die Kinder sich in ihren Gruppen untereinander beratschlagt haben, kommen sie wieder zusammen. Für die Diskussionsrunde hast Du die drei Kleiderständer-Figuren kreisförmig in der Mitte des Raumes aufgestellt. Jedes Kind erhält von Dir ein rotes und ein grünes Kärtchen.

Wenn ein Kind in der Diskussionsrunde etwas sagen möchte, stellt es sich hinter die Figur, die zu seiner Rolle gehört, und gibt sein Statement als z.B. Herr Kerngesund, Frau Kreativ,... ab. Die anderen Kinder können durch Heben des grünen bzw. roten Kärtchens ihre Zustimmung bzw. Ablehnung zeigen und begründen aus ihrer Rolle heraus, was ihnen an dieser Meinung nicht gefällt bzw. was sie daran gut finden.
Wichtig ist, daß immer nur die Person im Rollenspiel (Frau Praktisch, Herr Ernst,...) kritisiert wird und nicht das Kind, das die Rolle übernommen hat. Die Kinder äußern die Meinung ihrer Rolle und nicht die eigene.

Die Ergebnisse der Diskussion werden von Dir auf einem Plakat festgehalten, jeweils mit der Anzahl der Zustimmungs- und Ablehnungskärtchen. Wenn alle Kinder die Möglichkeit hatten, im Rollenspiel ihre Meinung einzubringen, und keine Argumente mehr auftauchen, dann beendest Du die Diskussionsrunde und bedankst Dich bei den Teilnehmer/innen. Die Kinder geben an dieser Stelle ihre Rollenbeschreibungen zurück und steigen damit auch aus ihren Rollen aus.


Ein Feuer und die Folgen



Nachdem Ihr Euch nun schon lange mit den Ursachen von Schulstreß und möglichen Auswegen auseinandergesetzt habt, geht es in einem weiteren Schritt darum, einen Wunschstundenplan zu erstellen.

Du erklärst den Kindern, daß der Direktor der Schule in Unterschulbach mit einem großen Anliegen an Dich herangetreten ist und liest den folgenden Brief vor:

Liebe Schülerinnen und Schüler!

Bei einem Brand in unserer Schule sind die Lehrpläne fast vollkommen vernichtet worden. Es sind nur noch einzelne Stücke vorhanden. Helft bitte mit, alle Dinge, die in der Schule gelernt werden sollen, zu finden und einen neuen Stundenplan zu erstellen.

Viele Grüße

Direktor der Schule in Unterschulbach


Die Kinder gehen nun zu dritt oder viert zusammen. In den Kleingruppen wird diskutiert, welche Fächer und Inhalte in den neuen Lehrplan aufgenommen werden sollen. Als Hilfe erhält jede Gruppe Kärtchen mit Vorschlägen in einem Kuvert und verschiedene Schulbücher. Auf den leeren Kärtchen können die Kinder eigene Ideen notieren.

Haben alle Gruppen ihre Auswahl getroffen, dann kommen die Kinder wieder zusammen. Jedes Kind erhält nun rote, gelbe und grüne Klebepunkte, mit denen es die Vorschläge der anderen Kleingruppen bewerten kann: Grün wird geklebt, wenn ein Vorschlag für gut befunden wird; rot, wenn er abgelehnt wird. Die gelben Punkte bedeuten "ja, aber” und können nachher noch diskutiert und verändert werden. Alle Kärtchen, die überwiegend grüne Punkte erhalten haben, werden schließlich der Schuloberkommission zur weiteren Verwendung vorgelegt.

Mögliche Inhalte:
Englisch, Grammatik, Noten lesen, singen, Nachrichten besprechen, Rechtschreibung, Bibliotheken in der Umgebung kennenlernen, ins Theater gehen, nähen, zeichnen, Insekten, europäische Länder, Afrika, fotografieren, Italienisch, Theater spielen, ins Museum gehen, Christentum, Judentum, Islam, Leute aus fremden Ländern kennenlernen, Nationalsozialismus, Kräutersalben machen, giftige Pilze, Strom/Elektrizität, Kosmetik, Computer, maschinschreiben, Bauernhof besuchen, Amerika, Radio reparieren, Filme drehen, tanzen, seidenmalen, Bruchzahlen, Fahrrad reparieren, erster und zweiter Weltkrieg, Römer, Steinzeit, Aufsätze schreiben, Französisch, Trampolinspringen, fair streiten lernen, menschliches Skelett, Säugetiere, Ballspiele, töpfern, ein Instrument lernen, kochen


Die Schuloberkommission



Nachdem Ihr nun wißt, welche Inhalte im neuen Lehrplan vorkommen sollen, geht es daran, die Vorschläge den einzelnen Fächern zuzuordnen. Wenn es notwendig ist, können auch neue Fächer erfunden und Fächer aus dem alten Lehrplan gestrichen werden. Insgesamt sollten es nicht mehr als 15 Schulfächer sein.
Die Erstellung des Wunschstundenplans wird in der Schuloberkommission vorgenommen. Du hast dafür auf einem Plakat einen großen Stundenplan vorbereitet. Nun könnt Ihr gemeinsam überlegen, wie oft die einzelnen Fächer in der Woche vorkommen sollen. Insgesamt habt Ihr 30 Wochenstunden zur Verfügung. Das endgültige Ergebnis könnt Ihr in den Wunschstundenplan eintragen und anschließend im Jungscharraum aufhängen.


Tee und Kuchen



Bei Tee und Kuchen könnt Ihr die Stunde gemütlich ausklingen lassen und gemeinsam Eure Phantasien austauschen, wie es in einer Schule mit einem solchen Wunschstundenplan wäre...

Autor/in: Andrea Rohrer

Publikation: Urarg

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Schlagwörter: Schule, Rollenspiel