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Höflich sein

Gruppenstunde | Alter: 10-12 | Aufwand: mittel

Hintergrund

Höflichkeit gehört zu jenen "Tugenden”, die von Erwachsenen bei der Erziehung von Kindern oft als vorrangiges Ziel angegeben werden. "Höflich” sind dann ganz bestimmte Verhaltensweisen, die sich ein Kind aneignen soll.
Die meisten Kinder wehren sich dagegen, höflich sein zu müssen — ganz besonders dann, wenn ihnen der Sinn von Höflichkeit und Höflichkeitsgesten nicht einsichtig ist. Das liegt oft daran, daß es in verschiedenen Situationen ganz unterschiedliches bedeuten kann, "höflich zu sein”, Erwachsene sich jedoch selten die Mühe machen, den Kindern das Anliegen, das hinter ihrer Aufforderung steht, zu erklären.

Ziel

In dieser Gruppenstunde haben die Kinder die Möglichkeit, sich gemeinsam mit verschiedenen Aufforderungen zum "Höflich-Sein” auseinanderzusetzen und sich zu überlegen, welche Formen der Höflichkeit ihnen sinnvoll erscheinen.

Material

  • viele Krawatten
  • Korb oder Schachtel
  • Gegenstände, die man für verschiedene Höflichkeitsgesten benötigt, wie z.B.: Hut, (Papier-)Blume, weiße Handschuhe, Einladung zum Tanz,...
  • Sprechblasen aus dickerem Papier oder Karton, auf Hinter- und Vorderseite verschiedenfärbig
  • Schnüre
  • Packpapier, Filzstifte

Aufbau

Als Einstieg dreht sich bei einem Fangspiel alles um eine/n Anstandswärter/in.
Danach können die Kindern in einem Ausdrucksspiel verschiedene Formen von Höflichkeit ausprobieren.
Anschließend geht es darum, sich mit konkreten Aufforderungen zum "Höflich-Sein” auseinanderzusetzen und zu ergründen, welche Anliegen den Aufforderungen zugrunde liegen können.
Dann überlegen sich die Kinder, welche Anliegen sie sinnvoll finden und welche nicht, um ihrerseits...
in einem "Manifest der Höflichkeit” zu formulieren, in welcher Weise sie sich vorstellen können, höflich zu sein, und was sie diesbezüglich von Erwachsenen erwarten.

 

Der Anstandswärter



Am Anfang der Stunde spielt Ihr ein Fangspiel, in dem ein Anstandswärter (eine Anstandswärterin) unbedingt alle Menschen dazu bringen will, Krawatten zu tragen. Er findet nämlich, daß es einfach eine Frage der Höflichkeit und des Anstandes ist, mit Krawatte bekleidet in der Öffentlichkeit zu erscheinen. Weil das die anderen Menschen in seiner Umgebung aber gar nicht wollen, laufen sie vor ihm davon. Er läuft ihnen nach und gibt jedem Kind, das er erwischt, eine Krawatte. Wurde ein Kind gefangen, so muß es sich nun die Krawatte umbinden und so lange stehenbleiben, bis ihm ein anderes Kind die Krawatte wieder herunternimmt. Die abgenommenen Krawatten werden in einem "Krawatten-Depot” (einem Korb oder einer Schachtel) gesammelt, aus dem sich der Anstandswärter immer wieder neue holen kann. Wird der Wärter seiner Rolle als Fänger überdrüssig, dann gibt er einfach seine eigene Krawatte und die Krawatten, die er noch in der Hand hält, beim Depot ab. Nun kann ein anderes Kind in die Rolle des Anstandswärters schlüpfen.
Besonders fein wäre es, wenn der Anstandswärter als äußeres Zeichen für seine Rolle eine Krawatte in einer auffallend grellen Farbe tragen könnte, damit er von den mitspielenden Kindern auf den ersten Blick als Fänger erkannt wird.


Was sich gehört...



Die Kinder wissen nun bereits, worum es in der heutigen Gruppenstunde gehen wird. Um sich dem Thema "höflich sein” noch weiter zu nähern, könnt Ihr Euch nun beim nächsten Spiel auf humorvolle Weise mit verschiedenen Formen von Höflichkeit beschäftigen.
Dazu stellt Ihr Euch im Kreis auf. In der Mitte des Kreises steht ein Korb (oder eine Schachtel), in der Gegenstände liegen, die man für bestimmte Höflichkeitsgesten braucht, wie z.B.: ein Hut, eine (Papier-)Blume, weiße Handschuhe, eine Einladung zum Tanz,...
Du gehst nun in die Mitte zum Korb, nimmst einen Gegenstand und stellst pantomimisch dar, was man mit diesem Ding machen kann, z.B. an den Blumen riechen und dann mit einem Knicks jemand anderem überreichen. Währenddessen gehst Du auf ein Kind zu. (Die Darstellung kann ruhig witzig und überzeichnet sein — es geht ja nicht darum, einen Kurs in Anstandsregeln zu machen, sondern bei dem Spiel gemeinsam Spaß zu haben!)
Bist Du bei dem Kind angekommen, dann übergibst Du ihm den Gegenstand und es versucht, möglichst genau das nachzumachen, was Du dargestellt hast. Dabei geht es in die Mitte zu dem Korb, legt den Gegenstand wieder ab, nimmt sich einen neuen und stellt damit eine andere Höflichkeitsgeste dar. Ein Gegenstand kann natürlich auch mehrmals verwendet werden. Das Spiel geht immer weiter, so lange es Euch Spaß macht und Euch neue Varianten einfallen.
(Das Spiel findest Du auch in der Spielemappe, 1.17, unter dem Namen "Geräusch und Bewegung”.)


Anliegen dringend gesucht!



Nach dem Ende des Spiels wendet Ihr Euch nun den Sprechblasen zu, die Du schon vor Beginn der Gruppenstunde im Raum aufgehängt hast. In den Sprechblasen sind verschiedene Aufforderungen zu lesen, die Kinder oft gesagt bekommen und in denen es darum geht, höflich zu sein oder sich anständig zu benehmen, wie z.B.: Grüß schön! Red ordentlich! Gib die Beine vom Tisch runter! So kannst Du Dich doch nicht anziehen! Sprich nicht so mit ...! Halt dich grad! Benimm Dich ordentlich!...
Du kannst auch einige leere Sprechblasen aufhängen, damit die Kinder noch weitere Aufforderungen ergänzen können.

Da Erwachsene ihre Aufforderungen leider nur selten begründen, entstehen solche formelhaften Sätze, die ganz verschiedenes bedeuten können.
Ihr geht nun gemeinsam von einer Sprechblase zur anderen und überlegt Euch, in welchen Situationen Kinder solche Sätze hören. Dann versucht Ihr gemeinsam herauszufinden, was hinter solchen Aufforderungen stehen könnte und welche Anliegen, Wünsche oder Forderungen sich dahinter verbergen. Die Ergebnisse Eurer Überlegungen schreibt Ihr mit einem Filzstift auf die Rückseite der entsprechenden Sprechblase, sodaß danach auf der einen Seite die "Höflichkeitsfloskel” der Erwachsenen und auf der anderen Seite Eure Erklärungen zu lesen sind. (Ist Deine Gruppe sehr groß, dann können sich die Kinder für diesen Schritt auch in Kleingruppen teilen und einander anschließend ihre Ergebnisse vorstellen.)

Wahrscheinlich habt Ihr bei Euren Untersuchungen die unterschiedlichsten Antworten gefunden. Manche Aufforderungen sind möglicherweise gut begründet, bei anderen wiederum geht es vielleicht einzig und allein darum, daß Kinder in einer Situation sich genau so verhalten, wie es den Erwachsenen gerade paßt.


Sinnvoll oder nicht?



In einem nächsten Schritt geht es nun darum zu überlegen, ob Ihr die Wünsche und Anliegen, die hinter den Aufforderungen stehen, selbst auch für sinnvoll erachtet. Außerdem sollen die formelhaften Sätze so umformuliert werden, daß sie verständlich werden. Dazu bittest Du die Kinder, sich zu der Sprechblase mit der Aufforderung zu setzen, die ihnen am sinnvollsten erscheint.
Du kannst die einzelnen Sprechblasen auch in einer Art Versteigerung verteilen. In dem Zeitraum, während Du: "Zum ersten — zum zweiten — zum dritten!” rufst, finden sich die Kinder, denen die gerufene Aussage vernünftig erscheint, bei der entsprechenden Sprechblase ein.

Die Gruppen, die sich gebildet haben, überlegen sich nun gemeinsam eine Szene, in der dieser Satz vorkommen könnte. Dabei versuchen sie auch das Anliegen anders auszudrücken, sodaß es verständlich ist und den Kindern in der Ausdrucksweise angemessen erscheint. Diese Formulierung kann dann auch vorne auf die Sprechblase geschrieben werden. Anschließend kommen die Gruppen wieder zusammen und spielen einander ihre Szenen vor.

Sind alle Ergebnisse vorgestellt, dann könnt Ihr Euch den Sprechblasen widmen, die niemand gewählt hat. Vielleicht findet Ihr gemeinsam eine Möglichkeit, den Wunsch, der hinter der Aufforderung steht, angemessener zu formulieren. Möglicherweise findet Ihr das Anliegen aber auch völlig überflüssig, dann streicht Ihr die "Höflichkeitsfloskel” vorne auf der Sprechblase durch und schreibt darunter, was Euch daran stört bzw. warum Euch diese Aufforderung sinnlos erscheint.
Die fertigen Sprechblasen könnt Ihr nun an Schnüren im Jungscharraum aufhängen, sodaß beide Seiten gut sichtbar sind.


"Manifest der Höflichkeit”



In dieser Gruppenstunde haben sich die Kinder ausführlich überlegt, auf welche Art und Weise sie höflich sein wollen und welche Höflichkeiten sie für nicht sinnvoll erachten. Da sicherlich auch in Eurer Pfarrgemeinde viele Erwachsene großen Wert auf Höflichkeit legen, wäre das eine gute Gelegenheit, ihnen die Ergebnisse Eurer Gruppenstunde vorzustellen.
In einem "Manifest der Höflichkeit” könnt Ihr nun formulieren, welche Erkenntnisse Ihr aus Eurer Auseinandersetzung mit den Höflichkeitsaufforderungen gewonnen habt. Dabei sollen sowohl Eure Vorstellungen von Höflichkeit als auch konkrete Wünsche an die Erwachsenen aufgeschrieben werden. Das so entstandene Plakat könnt Ihr dann an einem gut sichtbaren Ort im Pfarrheim, in der Kirche oder beim Pfarrcafé aufhängen. Vergeßt dabei nicht, darunter zu schreiben, wer das Manifest verfaßt hat, damit eventuell auftretende Fragen oder Anmerkungen direkt an Euch gerichtet werden können.

Autor/in: Regina Petrik-Schweifer

Publikation: Urarg

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Schlagwörter: Werte, Gesellschaft