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Allein Sein

Gruppenstunde | Alter: 8-10 | Aufwand: hoch

Hintergrund

Jedes Kind ist sicher schon einmal in irgendeiner Weise mit dem "Alleinsein" konfrontiert gewesen. Diese Erfahrung kann emotional ganz unterschiedlich besetzt sein. Sie kann etwa mit dem Gefühl der Angst verbunden sein, wenn die Eltern abends weggehen, sie kann aber auch durchaus positiv sein, wenn Kinder durch das "Alleinsein" erfahren, daß sie gewisse Situation auf sich allein gestellt bewältigen können.

Ziel

Die Kinder sollen die Möglichkeit bekommen, ihre eigenen Erfahrungen mit dem "Alleinsein" zu thematisieren, und überlegen, wie Situationen, in denen das "Alleinsein" als unangenehm empfunden wird, verändert werden können.

Material

  • Geschichte
  • Spielzeugtelephon oder Telephon auf Packpapier gezeichnet
  • Zettel, Schreibzeug
  • Plakat "allein sein ist..."
  • doppelseitige Kärtchen mit einem lachenden/ weinenden Gesicht
  • Photos auf Papier geklebt
  • Text-Kärtchen
  • Pullover

Aufbau

Eine Geschichte als Einstieg macht mit dem Thema dieser Stunde bekannt.
Ausgehend von der Geschichte wird nach Situationen gesucht, in denen man allein sein kann.
Die verschiedenen Situationen werden danach beurteilt, ob darin "allein sein" schön ist oder nicht.
Anhand einiger Geschichten von verschiedenen Leuten wird überlegt, wie Situationen, in denen man allein ist, verändert werden können.
Zum Schluß wird das Spiel "Alleinmacher" gespielt, bei dem "Erste Hilfe" gegen das "Alleinsein" geleistet wird.

 

Die Geschichte mit dem Telephon



Zu Beginn der Gruppenstunde sagst Du den Kindern, daß Du ihnen heute die Geschichte von Wolfgang erzählen willst. (Achtung: es ist wichtig, daß die Hauptperson der Geschichte nicht denselben Namen hat, wie ein Kind aus Deiner Gruppe!)

Es regnet. Wolfgang ist allein zu Hause. Er steht am Küchenfenster und schaut zu, wie die Regentropfen daran herunterrinnen. Wolfgang hat das schon oft erlebt, aber heute ist es irgendwie anders. Er geht ins Wohnzimmer. Das kommt ihm heute ganz leer vor. Dabei stehen die Möbel genauso dort wie immer. Einen Augenblick lang glaubt Wolfgang, daß er sich an einen Ort verirrt hat, an dem er noch nie war. "Ich bin allein zu Hause", denkt er, "Ich bin allein auf der Welt". "Hallo", sagt er laut, obwohl doch niemand da ist, der ihn hören kann. "Die Erde ist eine Kugel", denkt er plötzlich, "Was ist, wenn alle Leute runtergefallen sind und bloß ich noch da bin?" Ihm ist auf einmal ein bißchen kalt und er holt sich einen Pullover. Plötzlich klingelt es. Wolfgang hebt den Telephonhörer ab. Eine Frauenstimme fragt: "Spreche ich mit Herrn Moser?" "Nein, ich bin`s, der Wolfgang", antwortet Wolfgang zögernd. "Ach, der Wolfgang", meint die Frau. "Bist Du allein zu Hause?" "Ja", entgegnet er und fragt: "Regnet es bei Ihnen auch?" "Und wie", lacht die Frau, "Was machst Du denn gerade?" "Ich bin allein zu Hause." Seine Antwort kommt Wolfgang ziemlich blöd vor. Außerdem findet er, daß sie eigentlich nicht mehr so richtig stimmt. "Na sowas", sagt die Frau, "Ich bin auch allein. Ich werde später noch einmal anrufen. Vielleicht ist Dein Vater dann da." "Vielen Dank für Ihren Anruf!", sagt Wolfgang und legt auf. Das sagt seine Mutter auch immer. Wolfgang fühlt sich plötzlich ganz toll. Das Wohnzimmer sieht auch nicht mehr so leer aus. Als er auf dem Weg in sein Zimmer am Spiegel vorbeigeht, streckt er die Zunge raus.
(frei nach Gina Ruck-Pauquet)

Nachdem Du die Geschichte erzählt hast, könnt Ihr gemeinsam überlegen: Warum erlebt Wolfgang den Regen diesmal anders? Warum glaubt er, daß alle anderen von der Erde gefallen sind? Warum fühlt sich Wolfgang nach dem Telephongespräch plötzlich ganz anders?...


Das Telephon mit dem besonderen Etwas



Du hast ein Spielzeugtelephon mitgebracht oder ein Telephon auf Packpapier gezeichnet, wobei Du den Hörer aus Karton angefertigt hast, sodaß die Kinder ihn "von der Gabel nehmen" und hineinsprechen können. Auf das Packpapier hast Du geschrieben: "Man ist allein, wenn..." Jedes Kind, dem eine Situation einfällt, in der man allein sein kann, nimmt den Hörer und spricht diese Situation in ihn hinein. Du schreibst die geschilderten Situationen auf kleine Zettel und legst sie rund um das Telephon auf. Wenn Euch nichts mehr einfällt, schaut Ihr Euch gemeinsam an, was denn da alles auf den Zetteln steht.


Die Kärtchen mit den beiden Seiten



Wenn die Kinder es noch nicht entdeckt haben, machst Du sie nun auf ein Plakat aufmerksam, das Du schon vor der Gruppenstunde an der Wand aufgehängt hast. Auf diesem steht in der rechten Hälfte "Allein sein ist schön, wenn...", in der linken Hälfte "Allein sein ist nicht schön, wenn...". Nun wird ein Zettel nach dem anderen genommen und es wird gemeinsam beraten, ob in der jeweiligen Situation "allein sein" schön oder nicht schön ist. Zu diesem Zweck hast Du doppelseitig gestaltete Kärtchen mitgebracht, die auf einer grünen Seite ein lachendes Gesicht, auf einer roten ein weinendes zeigen. Die Kärtchen werden an alle Gruppenmitglieder verteilt. Wenn Ihr nun eine Situation besprochen habt, gebt Ihr mit diesen Kärtchen Eure Meinung bekannt: Wer eine Situation schön findet, zeigt das lachende Gesicht, wer nicht, das traurige. Die Zettel mit den Situationen werden dann je nachdem in die linke oder in die rechte Spalte geklebt. Kann eine Situation sowohl schön als auch nicht schön sein, wird der Zettel zwischen die beiden Spalten gepickt.


Die Photos mit den Texten



Du hast im Gruppenraum Photos von Menschen verschiedenen Alters aufgehängt. (Jedes Photos ist dabei auf ein extra Papier geklebt.) Die Kinder bekommen von Dir einige Kurzbeschreibungen von Menschen mit verschiedenen Problemen, die alle in irgendeiner Weise mit dem "Alleinsein" zu tun haben. (Einige Vorschläge für solche Problemsituationen findest Du am Ende der Gruppenstunde.)
Die Kinder sollen nun überlegen, welche Geschichte zu welchem Photo gehört. Wenn sie sich geeinigt haben, werden die Texte zu den passenden Photos auf das Papier geklebt. Dann geht Ihr gemeinsam von Bild zu Bild und beratet Euch: Wie soll sich die jeweilige Person in ihrer Lage am besten verhalten? Welche Veränderungsmöglichkeiten gibt es? Wer könnte der Person zur Hilfe kommen, damit sie nicht mehr allein ist? Die Vorschläge können anschließend neben das Photo und den Text auf das Papier geschrieben werden.


Das Spiel mit dem Pullover



Zum Schluß zeigst Du den Kindern einen mitgebrachten Pullover - vielleicht können sie sich noch erinnern, welche Rolle ein Pullover in der Geschichte am Anfang der Stunde gespielt hat. Den Pullover, den Du in der Hand hast, braucht Ihr für das nun folgende Spiel: Ein "Alleinmacher" läuft durch den Raum und versucht, die anderen Kinder zu berühren. Diese können sich davor schützen, indem sie zu zweit zusammengehen. Berührt der "Alleinmacher" ein Kind, bleibt dieses stehen und jammert lautstark, wie allein es nun ist. Ihm kann von den anderen Kindern geholfen werden, indem ihm der Pullover um die Schulter gelegt wird. Das Kind kann nun weiterlaufen und mit dem Pullover einem anderen Kind, das allein ist, zu Hilfe kommen. Das Kind, das den Pullover trägt, kann natürlich nicht gefangen werden. Nach einiger Zeit übernimmt ein anderes Kind die Rolle des "Alleinmachers".


Vorschläge für Problemsituationen



Bernhard ist mit seinen Eltern in eine neue Stadt übersiedelt. Er ist ein Einzelkind und recht viel allein, weil er kaum andere Kinder kennt.

Frau Maier ist 82 Jahre alt und lebt allein in einer kleinen Wohnung in Wien. Da die meisten ihrer Bekannten schon gestorben sind und sie nicht mehr so gut gehen kann, sitzt sie die meiste Zeit allein in ihrer Wohnung.

Sabine ist allein zu Hause und macht gerade ihre Aufgabe. Da fällt ihr ein, daß sie morgen in der Schule ein Heft braucht. Das will sie jetzt gleich kaufen gehen. Gerade als sie die Tür hinter sich zugemacht hat, durchzuckt es sie: "Der Schlüssel". Doch da ist es schon zu spät. Sie hat vergessen, den Schlüssel einzustecken, und steht jetzt allein vor verschlossener Tür.

Frau Müller ist mit ihrem kleinen Kind im Kinderwagen unterwegs, um Einkäufe zu erledigen. Dazu muß sie zwei Stationen mit dem Autobus fahren. Als der Bus in die Station eingefahren ist, steht sie ganz allein vor der offenen Tür. Die Stufen sind zu hoch, und sie schafft es nicht, den Kinderwagen in den Bus zu heben. Im Bus sitzen nur wenige Leute. Keiner scheint sie zu sehen.

Martin fährt mit der Straßenbahn. Auf einmal rempelt ihn ein Mann, der hinter ihm steht, an und schimpft: "Kannst Du nicht aufpassen. Jetzt steigst Du mir schon zum dritten Mal auf die Zehen." Martin ist sich keiner Schuld bewußt und antwortet: "Aber ich bin ihnen doch gar nicht auf die Zehen gestiegen." "Sei nicht so frech, Du Fratz", mischt sich da auf einmal eine Frau ein, und ein älterer Herr murmelt: "So eine Unverschämtheit".

Autor/in: Oliver Bruck

Publikation: Na ich

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Schlagwörter: Gefühle, Ich, Ich und die anderen