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#genugfüralle - Kinderarmut muss nicht sein!

Bausteine Gruppenstunde | Alter: 8-15 | Aufwand: mittel

Hintergrund

Unter dem Motto "genug für alle!" setzt sich die Katholische Jungschar für eine gerechtere Wohlstandsverteilung und eine Einführung der Kindergrundsicherung für alle Kinder, unabhängig von sozialem Status, Familienform oder Herkunft der Eltern ein.

Hinweis: Der Gedanke arm zu sein lässt die meisten nicht kalt. Über dieses Thema zu sprechen, löst bestimmte Emotionen aus. Wir als Gruppenleiter/innen können uns nicht sicher sein, was die Diskussionen bei den Kindern bewirken. Wir wissen vielleicht nicht, welches Kind von welchen Aspekten persönlich betroffen ist. Deshalb ist es wichtig, sensibel mit dem Thema umzugehen und während der Gruppenstunde besonders gut auf die Kinder zu achten. Um den Kindern das Sprechen, Diskutieren und Erzählen leichter zu machen, ist es hilfreich, nicht direkt vom eigenen Leben der Kinder zu sprechen und auch die Namen in der Geschichte zu ändern, falls Kinder in der Gruppe denselben Namen haben.

Material

  • ist bei den einzelnen Bausteinen angeführt

Aufbau

Bausteine für die Gruppenstunde

 

Host nix - mocht nix


Man braucht nicht zwingend viele materielle Dinge, um reich zu sein. Genau so ist das beim Spielen. Die besten und lustigsten Spiele sind oft die, für die man gar nichts braucht außer einer Gruppe von motivierten Kindern.
Ein Beispiel dafür ist das 3-Zahl-Spiel. Es werden vom Spielleiter/von der Spielleiterin immer drei Zahlen hintereinander genannt. Die erste Zahl steht für die Anzahl der Spieler/innen, die sich zusammenfinden sollen, die zweite Zahl steht für die Anzahl der Füße, die den Boden berühren sollen, die dritte Zahl steht für die Anzahl der Hände, die den Boden berühren sollen. Beispiel: 3 4 5. Es sollten sich Gruppen von drei Personen zusammenfinden, die mit 4 Beinen am Boden stehen und mit 5 Händen den Boden berühren. Der/die Spielleiter/in kann die Zahlen je nach Gruppengröße variieren. Je schneller die Gruppen den Auftrag ausführen müssen, desto lustiger ist natürlich auch das Spiel. Wenn du das Spiel dynamischer gestalten möchtest, kannst du auch Musik laufen lassen, zu der sich alle Mitspieler/innen durch den Raum bewegen. Wenn du die Musik beendest, sollen die Mitspieler/innen möglichst schnell auf dein Kommando reagieren.

Arm - reich - wichtig


Du hast Kärtchen mit den unten aufgelisteten Aussagen und drei Plakate mit den Titeln ARM, REICH und WICHTIG vorbereitet. Die Mädchen und Buben sollen gemeinsam diese Kärtchen den Kategorien "arm", "reich" und "wichtig" zuordnen und dabei ihre Entscheidungen begründen. Zum Beispiel: Wenn ich ein Auto habe, bin ich dann - arm oder reich? Die Zuordnung ist eine Diskussionsgrundlage, bei der die verschiedenen Wahrnehmungen der Kinder sichtbar werden. Gibt es konträre Meinungen? Was heißt für jede und jeden von euch Arm-Sein beziehungsweise Reich-Sein? Eine Kategorie lautet: "wichtig". Finden die Kinder Kärtchen, die sie dieser Kategorie zuteilen würden, unabhängig von arm und reich? Vielleicht ergibt sich für die Gruppe auch noch eine weitere Zuordnungskategorie. Wenn sich die Gruppe für eine Zuordnung eines Kärtchens zu einer der Kategorien entschieden hat, wird es auf das jeweilige Plakat geklebt.

Aussagen zur Beschreibung von Armut und Reichtum:
...ein Handy haben...
...ein Auto haben ...
...gute Freundinnen und Freunde haben...
...einen Computer haben...
...sich alles leisten können, was man will...
...Hunger haben müssen...
...zur Schule gehen können...
...Sportgeräte wie Schi, Tennisschläger usw. mit Geschwistern teilen...
...ein Pferd besitzen...
...eine Familie haben...
...von anderen respektiert und gemocht werden...
...einen i Pod besitzen...
...keine Computerspiele kaufen können...
...keine Marken-Kleidung besitzen ...
...das Gewand von älteren Geschwistern weitertragen ...
...auf Urlaub fahren können...
...wenn Eltern Zeit haben ...
...weniger Taschengeld bekommen als die anderen in der Klasse...
...nicht den Wunschberuf erlernen können...
...eine Playstation besitzen ...
...das Zimmer mit Geschwistern teilen...
...nicht auf Schikurs oder Sportwoche mitfahren können...
...auch mit wenig Spielsachen viel Spaß haben können...
...Platz für eigene Ideen (leere Kärtchen zum Ergänzen)...

Das perfekte Kinderzimmer


Material: Gegenstände, Bauklötze von Lego oder Playmobil (wenn du so etwas nicht besitzt, kannst du die gewünschten Gegenstände auch gemeinsam mit den Kindern aufmalen und ausschneiden oder basteln), eine leere Schachtel (eine Schuhschachtel oder sonstiges Verpackungsmaterial).

Nachdem ihr nun gemeinsam Überlegungen darüber angestellt habt, was es bedeutet, reich oder arm zu sein, habt ihr vielleicht festgestellt, dass reich oder arm sein nicht nur von Vermögenswerten abhängig ist. Es gibt nämlich einige Dinge im Leben, die wichtig sind, egal ob sie viel Geld kosten oder nicht. Kindern sind andere Dinge wichtig wie Erwachsenen und das ist auch gut so. Versucht nun als Gruppe gemeinsam anhand eurer Vorüberlegungen herauszufinden, wie für euch das "perfekte Kinderzimmer" aussieht. Befüllt es mit Lego/Playmobil oder euren selbstgebastelten Utensilien und überlegt, was in einem Kinderzimmer sein muss, damit ein Kind glücklich ist. Weiters könnt ihr überlegen, ob es dabei immer nur um Dinge geht, die man für Geld kaufen kann oder ob man auch ein "perfektes Kinderzimmer" basteln kann, wenn man nicht so vermögend ist.

Gesichter von Armut


Folgende Geschichten spiegeln Situationen aus dem Leben von Kindern wider. Wähle eine Geschichte aus, die du mit deiner Gruppe bearbeiten möchtest. Die Geschichten sind dafür gedacht, dass die Kinder sie in kleinen Rollenspielen nachspielen und gemeinsam verschiedene Enden der Geschichten finden. Im Anschluss an die Geschichte gibt es einige Fragen, die helfen, die Geschichten mit den Kindern aufzuarbeiten.

Verpatzte Schikursfreude?


Jürgen geht in die 2. Klasse Hauptschule. Er hat viele Freunde und Freundinnen in seiner Klasse und am meisten hat er sich schon auf den gemeinsamen Schikurs im Februar gefreut. Er hat gedacht, dass ihm seine Eltern zu Weihnachten vielleicht Schi kaufen würden, aber leider hat er nur einen Pullover und ein Buch bekommen. Nein, er hat sich eh gefreut - aber wenn er ehrlich ist, dann war er auch ein bisschen enttäuscht. Seine Eltern haben ihm erklärt, dass er nicht auf Schikurs mitfahren kann, weil sich eine Schiausrüstung für eine Woche einfach nicht auszahlt. Jürgen ist wirklich sehr traurig. Nach den Ferien in der Schule sitzt er mit seinen Freunden und Freundinnen beisammen. Alle erzählen von den Weihnachtsferien. Plötzlich meint Geli: "Ich freu mich schon so auf den Schikurs! Ich hab eine neue Schijacke bekommen zu Weihnachten!" Jürgen sieht erschreckt auf. Er sagt: " Ach, der blöde Schikurs, ich hab meinen Eltern gesagt, dass ich nicht mitfahren will. Es zahlt sich ja gar nicht aus, wegen einer Woche Schi zu kaufen. Ich wollt sowieso viel lieber daheim meinen Computer herrichten." Geli und seine anderen Freundinnen und Freunde sind enttäuscht: "Was? Du willst nicht mitfahren? Sicher musst du mitfahren, das wird total lustig!" Später, als sie allein sind, fragt Mirko, Jürgens bester Freund, Jürgen: "Du hast dich doch vor Weihnachten schon so auf den Schikurs gefreut. Was ist denn geschehen?" Jürgen erzählt Mirko: "Ich habe keine Schi bekommen und deshalb kann ich nicht mitfahren." Mirko meint: "Das ist wirklich schade, wir könnten bestimmt viel Spaß haben! Gibt es denn gar keine Möglichkeit, dass du mitkommst?"

Fragen:

  • Warum glaubt ihr, hat Jürgen seinen Freundinnen und Freunden nicht die Wahrheit gesagt?
  • Was hättet ihr in seiner Situation getan?
  • Wie hat sich Jürgen wohl gefühlt, als die anderen ihn dazu überreden wollten, doch mitzufahren?
  • Fallen euch Lösungen für Jürgens Problem ein?

Maria will etwas erleben


Maria wohnt seit sieben Jahren in Österreich. Ihre Eltern sind im Krieg aus Kroatien nach Graz gezogen. Maria ist 12 Jahre alt und kann sich eigentlich gar nicht so richtig an das Leben in Kroatien erinnern. Österreich ist ihre Heimat - hier geht sie in die Schule und hier wohnen alle ihre Freundinnen und Freunde. Im Sommer fahren sie und ihre Eltern nach Kroatien und besuchen die Großeltern. Das ist immer lustig und ein richtiger Urlaub, aber leben will Maria nicht dort. Deshalb ärgert sie sich auch über ihre Eltern. Immer, wenn Maria etwas haben will, zum Beispiel eine neue Sommerjacke, die einfach cooler ist als die alte, oder ein neues Handy, weil das alte nicht mal eine gute Kamera hat, sagt Papa: "Wir haben kein Geld dafür, weil wir auch noch Familie in Kroatien haben. Wir müssen sparen!" Maria ärgert das. Gestern war es wieder einmal soweit. Maria wollte gerne mit ihren Freundinnen ins Kino gehen. Auch in der Vorwoche waren sie gemeinsam im Kino und es hat richtig Spaß gemacht. Aber gestern sagte ihre Mutter: "Wir können es uns nicht leisten, dass du jede Woche ins Kino gehst. Wir müssen sparen!" Maria war wütend und hat ihre Zimmertüre so fest es ging hinter sich zugeschlagen!

Fragen:

  • Warum glaubt ihr, ärgert sich Maria über das Sparen?
  • Wie hat sich Maria wohl gefühlt, als ihre Mama nein gesagt hat?
  • Was hättet ihr in dieser Situation getan?
  • Fallen euch Lösungen für Marias Problem ein?

Wenn ich reich wäre, dann...


Die Gruppe teilt sich in Kleingruppen mit drei bis fünf Personen. In der Kleingruppe überlegen nun alle, was besonders wäre, wenn sie reich wären, und teilen das einander mit. Dann einigen sich alle in der Kleingruppe auf eine Besonderheit, die zutreffen würde und die sie nun vor den anderen Gruppen darstellen wollen. Zum Beispiel: Wenn ich reich wäre, dann hätte ich ein Pferd (ein Haus, ein Auto, eine Luxusjacht, einen Wald...). Eine Kleingruppe beginnt, ihre gewählte Besonderheit gemeinsam pantomimisch darzustellen, die anderen versuchen, es zu erraten.

Experiment


Material: 2 Halbliter-Flaschen (du kannst auch Krüge verwenden, musst dann aber die Wassermenge anpassen), Leitungswasser, mindestens sechs (besser neun) gleiche Wassergläser, "Maßstab" (ein Blatt Papier so groß wie ein Glas hoch ist, das in drei Abschnitte geteilt ist: "Überleben", "Alltag" und "schönes Leben")

Armut und Reichtum haben auch etwas mit der Verteilung der vorhandenen Güter zu tun, was dieses Experiment zeigt.

Du hast eine Flasche ganz und die andere halb mit Wasser gefüllt und erzählst von einer Familie. Es gibt zwei Eltern und ein Kind — dafür stehen die drei Gläser. Ein Elternteil geht Vollzeit arbeiten und das andere halbtags, das Wasser in den Flaschen steht für das Geld, das sie damit verdienen. Ihr das Wasser möglichst gleichmäßig auf die Gläser auf und haltet dann den Maßstab daneben. Nun könnt ihr gemeinsam überlegen, was mit den drei Abschnitten gemeint ist. Was braucht man zum Überleben? Was kostet im Alltag Geld? Und was gehört zu einem schönen Leben, das man sich nur manchmal leisten kann? Überprüft, wie es der Familie wohl geht.

Nun wiederholt ihr das Experiment mit einer anderen Familie. Es gibt wieder zwei Eltern, die genau wie die vorigen arbeiten gehen, nun aber drei Kinder und einen Großelternteil, der mit im Haushalt lebt. Füllt das Wasser also diesmal gleichmäßig in sechs gleiche Gläser und überprüft mit dem Maßstab, wie es dieser Familie geht. Überlegt, was sie sich leisten können und was nicht.

Ihr könnt das Experiment auch mit anderen Einkommensverhältnissen ausprobieren, z.B. mit einer alleinerziehenden Mutter. Wichtig ist, dass ihr bei jedem neuen Durchgang nur entweder die Größe der Familie oder das Einkommen verändern, sonst tut ihr euch beim Vergleichen schwer. Es ist toll, wenn es genug Gläser gibt, damit sie gefüllt stehen bleiben können. So habt ihr einen guten Vergleich.

Schätze angeln


Material: Stock mit Schnur, an deren Ende ein Magnet befestigt ist, "Schatzkarten" mit Büroklammern

Sammelt gemeinsam Ideen für Schätze, die euch wichtig sind, und schreibt sie auf die Kärtchen auf (z.B.: mit der Familie Zeit verbringen, ein Eis an einem heißen Sommertag, auf Jungscharlager fahren, ...). Alle Kärtchen kommen in einen kleinen Schatzteich, sodass man sie gut sehen kann, und jedes Kind darf sich einen solchen Schatz angeln. (Sollten mehrere Kinder denselben Schatz angeln wollen, schreibt die Schätze einfach auf mehrere Kärtchen auf.) Jedes Kind kann dann, wenn es möchte, kurz sagen, warum es genau diesen Schatz gewählt hat.

Kinderarmut muss nicht sein!


Du erzählst den Kindern von Kinderarmut in Österreich.
Infos dazu findest du unter:


Obwohl Österreich eines der reichsten Länder der Erde ist, gibt es immer noch Kinder und Jugendliche, die von Armut betroffen sind. Armut grenzt Kinder aus und verschlechtert ihre Zukunftschancen. Ökonomisch und sozial benachteiligte Menschen in unserer Gesellschaft dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Wir leben in einem reichen Land, in dem das nicht sein muss. Alle Kinder haben ein Recht auf einen angemessenen Lebensstandard. Der Staat hat dafür zu sorgen, dass es in prekären Situationen Hilfs- und Unterstützungsprogramme für Kinder, die sozial oder ökonomisch benachteiligt sind. (UN-Kinderrechtskonvention, Art. 2).

Unter dem Motto "genug für alle!" setzt sich die Katholische Jungschar daher heuer im Rahmen der Kinderrechte-Aktion für eine gerechtere Wohlstandsverteilung und eine Einführung der Kindergrundsicherung für alle Kinder, unabhängig von sozialem Status, Familienform oder Herkunft der Eltern ein.

Damit aber nicht nur die Menschen in eurer Pfarre von den Kinderrechten und den Forderungen der Jungschar für eine gerechtere Welt erfahren, könnt ihr als Gruppe ein Handy-Video aufnehmen, in dem ihr eine Botschaft an Politiker und Politikerinnen aufnehmt, was ihr euch für die armutsgefährdeten und die von Armut betroffenen Kinder in Österreich wünscht.
Schickt euer Video dann ans Jungscharbüro.

Autor/in: Veronika Schweiger, Sandra Fiedler und Stephanie Schebesch

Publikation: Aussendung Kinderrechte 2017

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Schlagwörter: Kinderrechte, Gesellschaft