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Malchus wundert sich

Gruppenstunde | Alter: 8-12 | Aufwand: mittel

Hintergrund

In jenem Kapitel des Johannes-Evangeliums, das von der Gefangennahme Jesu erzählt, wird von einem Tempeldiener namens Malchus berichtet, den die Hohepriester mit den römischen Soldaten mitgeschickt hatten. Ihn verletzt ein Jünger mit seinem Schwert am Ohr — eine Begebenheit, von der alle vier Evangelisten berichten. Bei Lukas lesen wir dann noch: "Jesus aber sagte: Hört auf damit! Und er berührte das Ohr und heilte den Mann." Was mag wohl in Malchus in diesem Augenblick vorgegangen sein? Er hatte einen Befehl ausgeführt, man hatte ihn mit der Verhaftung eines angeblichen Verräters betraut und dann ist es gerade dieser Jesus, der für Malchus eintritt. In dieser Gruppenstunde wollen wir die Geschichte mit den Auge von Malchus betrachten.

Material

  • Marionette (bzw. Hampelmann)
  • Bild vom Tempel
  • Tixo
  • Zeitschriften bzw. Bilder von verschiedenen Personen (bekannte und unbekannte)
  • Packpapier
  • Steckbrief
  • Karton für Sticker
  • Filzstifte

Aufbau

Nach einigen Spielen zu Beginn wird Malchus vorgestellt. Er ist ein gutgläubiger Mensch, der Befehle ausführt, ohne viel nachzudenken. Gemeinsam wird überlegt, wem er heutzutage blind vertrauen würde.

Malchus erzählt weiter von der Begebenheit von der Gefangennahme Jesu. Gemeinsam wird rekonstruiert, was geschehen ist. Was durch dieses Ereignis in Malchus vorgeht, wird anhand von Gedankenblasen dargestellt. Malchus wundert sich und weiß nun nicht mehr recht, was tun. Die Kinder streichen auf einem Plakat jene Gedankenblasen durch, von denen sie meinen, dass diese Gedanken Malchus nicht weiterbringen. Jener Gedanke, den sie für den sinnvollsten halten, wird auf ein Stück buntes Papier geschrieben und kann als Sticker mitgenommen werden.

Um noch einmal zu verdeutlichen, dass es immer mehrere Möglichkeiten gibt, wird gemeinsam eine (oder mehrere) Oder-Aber-Geschichte erzählt.

 

Ich tu, was du tust


Zu Beginn der Gruppenstunde spielt ihr zwei bis drei Spiele, bei denen es vor allem darum geht, einander nachzu- machen bzw. etwas nachzuahmen. Dabei können die Kinder ausprobieren, wie das ist, wenn man das nachmacht, was andere tun.

Mögliche Spiele können sein:

Spiegel


Die Kinder bilden Paare. Ein Kind macht Bewegungen, die leicht nachmachbar sind. Sein/e Partner/in steht ihm als Spiegel gegenüber und versucht, die Bewegungen wie ein Spiegelbild möglichst genau nachzuahmen.

Als Steigerung vergrößert bzw. verkleinert der Spiegel die Bewegungen des/r Partners/in. Die Bewegungen müssen leicht nachmachbar sein und zu vergrößern oder zu verkleinern sein (ein Handstand ist z.B. schwer nachmachbar und lässt sich nicht vergrößern!).

Schlängelei


Es werden Kleingruppen gebildet. Jede Kleingruppe stellt sich so in einer Reihe auf, dass jedes Kind seine Hände auf die Schultern des vor ihm stehenden Kindes legen kann. Bis auf das erste Kind, den Kopf der Schlange, schließen alle Kinder die Augen. Dann führt der Kopf die ganze Schlange vorsichtig durch den Raum oder durch das Gelände. Sind Hindernisse zu überwinden, muss der Kopf dem hinter ihm gehenden Kind ein Signal geben, das dieses nach hinten weitergibt. Bei jüngeren Kindern kann das Signal gesprochen sein, ältere Kinder können es mit einem nicht gesprochenen Signal versuchen. Diese Signale können vorher gemeinsam vereinbart werden. Nach einiger Zeit stellt sich der Kopf der Schlange an das Ende, sodass ein anderes Kind den Kopf der Schlange bildet.

Die Schlangenköpfe sollten darauf achten, dass sie einen nicht zu komplizierten Weg gehen.

Schattengehen


Die Kinder bilden Paare. Ein Kind des Paares geht im Raum umher, das zweite Kind folgt ihm als sein Schatten und versucht, die Bewegungen möglichst genau zu kopieren. Der Schatten soll nicht "ausgetrickst" werden. Es geht darum, Bewegungen zu machen, die das Schattenkind auch nachmachen kann.

Marionetten


Die Kinder bilden Paare. Ein Kind ist ein/e Marionetten-spieler/in, das andere Kind die Marionette. Die Kinder sind durch unsichtbare Schnüre verbunden. Nun versucht der/die Marionettenspieler/in, seine/ihre Marionette vorsichtig zu bewegen. Es kann für die Kinder einfacher sein, wenn der/die Marionettenspieler/in auf einem Sessel steht und die Marionette vor dem Sessel steht oder sitzt.

Als Hilfe können in einer ersten Phase zur Übung tatsächlich Fäden verwendet werden, die die Marionette in den Händen hält (nicht anbinden!).

Malchus glaubt alles


Du hast eine Marionette (bzw. einen Hampelmann) mitgebracht. Diese stellt sich den Kindern als Malchus vor. Er ist ein Tempeldiener aus Jerusalem, der vor ungefähr 2000 Jahren gelebt hat. Tempeldiener sind Männer, die verschiedene Arbeiten im Tempel zu verrichten haben: Sie helfen bei der Opferung der Tiere, machen den Tempel sauber oder sind als Wächter eingesetzt. Ihre Vorgesetzten sind die Priester des Tempels, ihnen haben sie zu gehorchen. Tempeldiener sind keine Israeliten.

Malchus gehorcht stets allen Befehlen, ohne viel nachzudenken, denn er ist gutgläubig und vertraut blind darauf, dass seine Herren schon wissen, was gut und richtig ist. Wenn ihm etwas gesagt wird, dann tut er es - so wie eine Marionette sich bewegt, wenn man an den Fäden zieht.

Du zeigst nun den Kindern ein Bild des Tempels von Jerusalem, wie er zur Zeit Jesu ausgesehen hat:
Tempel
Dieses Bild klebt ihr nun mit einem Streifen Tixo an die Schnur der Marionette: Die Herren des Tempels sind diejenigen, die Malchus zum Tun bringen, ohne dass er selbst entscheidet, was zu tun ist.

Wenn Malchus heute leben würde, würde er vielleicht — gutgläubig wie er ist — noch vielen anderen glauben, ohne nachzudenken: Politiker/innen, Werbefachleuten vom Fernsehen,... Gemeinsam sucht ihr nun aus den Zeitschriften Personen aus, von denen ihr annehmt, dass Malchus ihnen heute blind vertrauen würde und klebt sie ebenfalls an die Schnur der Marionette. Währenddessen könnt ihr euch darüber austauschen, was ihr diesen Personen glaubt und was nicht, z.B. der Werbung nicht, dass nur dieses eine Waschmittel das Beste ist, einem/einer Politiker/in nicht, dass nur seine/ihre Vorstellungen die richtigen sind usw.

Malchus wundert sich


Malchus erzählt nun weiter: "Eines Tages habe ich einen besonderen Auftrag bekommen. Ich wurde mit Soldaten ausgeschickt, um jemanden zu verhaften. Wir wussten nicht genau, wen wir suchten und es war finster. Alles was wir wussten, war Folgendes..."

Die Kinder sollen den Namen des Mannes erraten und in den dafür vorgesehenen Platz eintragen: Jesus von Nazareth. Gemeinsam könnt ihr nun (in mehreren Bibeln bzw. Kinderbibeln) nachschlagen und herausfinden, was nun geschah. In den Evangelien ist Folgendes zu finden:

Die Gefangennahme: Mt 26,47-56


Während er noch redete, kam Judas, einer der Zwölf, mit einer großen Schar von Männern, die mit Schwertern und Knüppeln bewaffnet waren; sie waren von den Hohenpriestern und den Ältesten des Volkes geschickt worden. Der Verräter hatte mit ihnen ein Zeichen verabredet und gesagt: Der, den ich küssen werde, der ist es; nehmt ihn fest. Sogleich ging er auf Jesus zu und sagte: "Sei gegrüßt, Rabbi!" Und er küsste ihn. Jesus erwiderte ihm: "Freund, dazu bist du gekommen?" Da gingen sie auf Jesus zu, ergriffen ihn und nahmen ihn fest. Doch einer von den Begleitern Jesu zog sein Schwert, schlug auf den Diener des Hohenpriesters ein und hieb ihm ein Ohr ab. Da sagte Jesus zu ihm: "Steck dein Schwert in die Scheide; denn alle, die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen. Oder glaubst du nicht, mein Vater würde mir sogleich mehr als zwölf Legionen Engel schicken, wenn ich ihn darum bitte? Wie würde dann aber die Schrift erfüllt, nach der es so geschehen muss?" Darauf sagte Jesus zu den Männern: "Wie gegen einen Räuber seid ihr mit Schwertern und Knüppeln ausgezogen, um mich festzunehmen. Tag für Tag saß ich im Tempel und lehrte, und ihr habt mich nicht verhaftet. Das alles aber ist geschehen, damit die Schriften der Propheten in Erfüllung gehen." Da verließen ihn alle Jünger und flohen.

Die Verhaftung: Joh 18, 1-11


Nach diesen Worten ging Jesus mit seinen Jüngern hinaus, auf die andere Seite des Baches Kidron. Dort war ein Garten; in den ging er mit seinen Jüngern hinein. Auch Judas, der Verräter, der ihn auslieferte, kannte den Ort, weil Jesus dort oft mit seinen Jüngern zusammengekommen war. Judas holte die Soldaten und die Gerichtsdiener der Hohenpriester und der Pharisäer, und sie kamen dorthin mit Fackeln, Laternen und Waffen. Jesus, der alles wusste, was mit ihm geschehen sollte, ging hinaus und fragte sie: "Wen sucht ihr?" Sie antworteten ihm: "Jesus von Nazaret."
Er sagte zu ihnen: "Ich bin es." Auch Judas, der Verräter, stand bei ihnen. Als er zu ihnen sagte: "Ich bin es!", wichen sie zurück und stürzten zu Boden. Er fragte sie noch einmal: "Wen sucht ihr?" Sie sagten: "Jesus von Nazaret." Jesus antwortete: "Ich habe euch gesagt, dass ich es bin. Wenn ihr mich sucht, dann lasst diese gehen!" So sollte sich das Wort erfüllen, das er gesagt hatte: "Ich habe keinen von denen verloren, die du mir gegeben hast." Simon Petrus aber, der ein Schwert bei sich hatte, zog es, schlug nach dem Diener des Hohenpriesters und ihm das rechte Ohr ab; der Diener hieß Malchus. Da sagte Jesus zu Petrus: "Steck das Schwert in die Scheide! Der Kelch, den mir der Vater gegeben hat — soll ich ihn nicht trinken?"

Die Gefangennahme: Mk 14, 43-52


Noch während er redete, kam Judas, einer der Zwölf, mit einer Schar von Männern, die mit Schwertern und Knüppeln bewaffnet waren; sie waren von den Hohenpriestern, den Schriftgelehrten und den Ältesten geschickt worden. Der Verräter hatte mit ihnen ein Zeichen vereinbart und gesagt: "Der, den ich küssen werde, der ist es. Nehmt ihn fest, führt ihn ab und lasst ihn nicht entkommen." Und als er kam, ging er sogleich auf Jesus zu und sagte: "Rabbi!" Und er küsste ihn. Da ergriffen sie ihn und nahmen ihn fest. Einer von denen, die dabei standen, zog das Schwert, schlug auf den Diener des Hohenpriesters ein und hieb ihm ein Ohr ab. Da sagte Jesus zu ihnen: "Wie gegen einen Räuber seid ihr mit Schwertern und Knüppeln ausgezogen, um mich festzunehmen. Tag für Tag war ich bei euch im Tempel und lehrte, und ihr habt mich nicht verhaftet; aber (das ist geschehen), damit die Schrift in Erfüllung geht." Da verließen ihn alle und flohen. Ein junger Mann aber, der nur mit einem leinenen Tuch bekleidet war, wollte ihm nachgehen. Da packten sie ihn; er aber ließ das Tuch fallen und lief nackt davon.

Die Gefangennahme: Lk 22, 47-53


Während er noch redete, kam eine Schar Männer; Judas, einer der Zwölf, ging ihnen voran. Er näherte sich Jesus, um ihn zu küssen. Jesus aber sagte zu ihm: "Judas, mit einem Kuss verrätst du den Menschensohn?" Als seine Begleiter merkten, was (ihm) drohte, fragten sie: "Herr, sollen wir mit dem Schwert dreinschlagen?" Und einer von ihnen schlug auf den Diener des Hohenpriesters ein und hieb ihm ein Ohr ab. Jesus aber sagte: "Hört auf damit!" Und er berührte das Ohr und heilte den Mann. Zu den Hohenpriestern aber, den Hauptleuten der Tempelwache und den Ältesten, die vor ihm standen, sagte Jesus: "Wie gegen einen Räuber seid ihr mit Schwertern und Knüppeln ausgezogen. Tag für Tag war ich bei euch im Tempel, und ihr habt nicht gewagt, gegen mich vorzugehen. Aber das ist eure Stunde, jetzt hat die Finsternis die Macht."

Malchus — was nun?


Für Malchus war diese Begebenheit ein wichtiges Erlebnis. Plötzlich hat er gemerkt, dass seine Vorgesetzten auch nicht immer wissen, was recht ist. Denn ein so großer Verbrecher, wie man ihm sagte, konnte Jesus nicht sein, denn er hat ihn geheilt — ihn, der gekommen war, um ihn zu verhaften.

Schneidet nun von der Puppe die Schnur samt allen Bildern ab.

Malchus ist durch dieses Ereignis natürlich etwas verwirrt. Was soll er jetzt tun? So wie bisher, einfach gutgläubig alle Befehle auszuführen, kann es nicht weitergehen. Viele Gedanken schwirren in seinem Kopf umher.

Du hast verschiedene Gedanken auf jeweils eine Gedankenblase geschrieben und auch noch einige leere Gedankenblasen vorbereitet, auf denen ihr noch sammeln könnt, was Malchus nun durch den Kopf geht. Dann überlegt ihr, ob das Gedanken sind, die ihm weiterhelfen oder nicht. Für alle Gedanken, die ihm nicht weiterhelfen, überlegt ihr euch nun, Gegenargumente und schreibt sie dazu.

Jedes Kind kann nun den Gedanken, den es am wichtigsten findet, auf einen runden Karton schreiben und als "Sticker" mit nach Hause nehmen.

Ausklang


Zum Abschluss der Gruppenstunde erzählt ihr gemeinsam eine Oder-Aber-Geschichte. Diese soll den Kindern noch einmal verdeutlichen, dass es in vielen Situation mehrere Handlungsmöglichkeiten gibt, auch wenn man selbst manchmal nicht von alleine draufkommt. Dabei sitzen alle Kinder im Kreis. Du hast die Malchus-Puppe in der Hand und beginnst, eine Geschichte zu erzählen. Du erzählst den Beginn der Geschichte von Malchus, die ihr schon vorher gehört habt, und wie sie ausgegangen ist bzw. eine andere von dir erfundene Geschichte. Danach sagst du "...oder aber..." und gibst die Puppe einem Kind weiter. Dieses schildert nun eine andere Lösungsmöglichkeit oder Entscheidung, sagt wieder "...oder aber ...” und gibt die Puppe wiederum weiter.

Hat ein Kind keine Lust zu erzählen, gibt es die Puppe einfach gleich einem anderen Kind weiter.

Publikation: Fasten- & Osterzeit

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Jahreskreis: Fastenzeit

Schlagwörter: Fastenzeit, Religiöses, Werte, Gesellschaft