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Was wir uns zutrauen

Messmodelle

Hintergrund

Wenn der Hauptmann es Jesus nicht zugetraut hätte, wäre er nie zu ihm gekommen, um ihn um die Heilung seines Dieners zu bitten. Erst durch unser Einander-Etwas-Zutrauen entfalten sich unsere Möglichkeiten und Fähigkeiten und werden Dinge möglich, die wir vorher nicht für möglich gehalten hätten.

Material

  • das Mutmacherlied
  • ein Fahrrad mit platten Reifen
  • vorgefertigte Briefe in der Anzahl der anwesenden Kinder

Aufbau

Die dazu gestalteten Elemente sind:

  • Szene vor dem Kyrie
  • Lied zum Kyrie
  • Verkündigung
  • Fürbitten

 

Bibelstellen

1. Lesung: 1 Kön 8,41-43

In jenen Tagen betete Salomo im Tempel zum Herrn: Auch Fremde, die nicht zu deinem Volk Israel gehören, werden wegen deines Namens aus fernen Ländern kommen; denn sie werden von deinem großen Namen, deiner starken Hand und deinem hoch erhobenen Arm hören. Sie werden kommen und in diesem Haus beten. Höre sie dann im Himmel, dem Ort, wo du wohnst, und tu alles, weswegen der Fremde zu dir ruft. Dann werden alle Völker der Erde deinen Namen erkennen. Sie werden sich fürchten, wie dein Volk Israel dich fürchtet, und erfahren, dass dein Name ausgerufen ist über diesem Haus, das ich gebaut habe.

2. Lesung: Gal 1, 1-2.6-10

Paulus, zum Apostel berufen, nicht von Menschen oder durch einen Menschen, sondern durch Jesus Christus und durch Gott, den Vater, der ihn von den Toten auferweckt hat, und alle Brüder, die bei mir sind, an die Gemeinden in Galatien. Ich bin erstaunt, dass ihr euch so schnell von dem abwendet, der euch durch die Gnade Christi berufen hat, und dass ihr euch einem anderen Evangelium zuwendet. Doch es gibt kein anderes Evangelium, es gibt nur einige Leute, die euch verwirren und die das Evangelium Christi verfälschen wollen. Wer euch aber ein anderes Evangelium verkündet, als wir euch verkündigt haben, der sei verflucht, auch wenn wir selbst es wären oder ein Engel vom Himmel. Was ich euch gesagt habe, das sage ich euch noch einmal: Wer euch ein anderes Evangelium verkündigt, als ihr angenommen habt, der sei verflucht. Geht es mir denn um die Zustimmung der Menschen, oder geht es mir um Gott? Suche ich etwa Menschen zu gefallen? Wollte ich noch den Menschen gefallen, dann wäre ich kein Knecht Christi.

Evangelium: Lk 7, 1-10

Als Jesus diese Rede vor dem Volk beendet hatte, ging er nach Kafarnaum hinein. Ein Hauptmann hatte einen Diener, der todkrank war und den er sehr schätzte. Als der Hauptmann von Jesus hörte, schickte er einige von den jüdischen Ältesten zu ihm mit der Bitte, zu kommen und seinen Diener zu retten. Sie gingen zu Jesus und baten ihn inständig. Sie sagten: Er verdient es, dass du seine Bitte erfüllst; denn er liebt unser Volk und hat uns die Synagoge gebaut. Da ging Jesus mit ihnen. Als er nicht mehr weit von dem Haus entfernt war, schickte der Hauptmann Freunde und ließ ihm sagen: Herr, bemüh dich nicht! Denn ich bin es nicht wert, dass du mein Haus betrittst. Deshalb habe ich mich auch nicht für würdig gehalten, selbst zu dir zu kommen. Sprich nur ein Wort, dann muss mein Diener gesund werden. Auch ich muss Befehlen gehorchen und ich habe selber Soldaten unter mir; sage ich nun zu einem: Geh!, so geht er, und zu einem andern: Komm!, so kommt er, und zu meinem Diener: Tu das!, so tut er es. Jesus war erstaunt über ihn, als er das hörte. Und er wandte sich um und sagte zu den Leuten, die ihm folgten: Ich sage euch: Nicht einmal in Israel habe ich einen solchen Glauben gefunden. Und als die Männer, die der Hauptmann geschickt hatte, in das Haus zurückkehrten, stellten sie fest, dass der Diener gesund war.

Hintergrund Evangelium:

Kafarnaum


Kafarnaum ist ein Dorf am Nordwestufer des Sees Genesaret. Zur Zeit Jesu ist es ein kleiner, aber durchaus geschäftiger Ort. Er wird von vielleicht tausend bis zweitausend Menschen bewohnt, die überwiegend arme Fischer, Händler und Handwerker sind. Es gibt hier eine Synagoge und eine Zollstation (die Berufung des Zolleinnehmers Levi - Mk 2,13-17 geschieht hier).

Der Hauptmann


Außerdem gibt es eine kleine Kaserne für etwa 100 Soldaten. Höchstwahrscheinlich handelt es sich dabei um eine römische Besatzung, vielleicht waren es aber auch "nur" Söldner des Herodes Antipas. In jedem Fall waren diese Soldaten Nichtjuden, also Heiden, Völker einer anderen Religion. Sie wurden von einem "centurio" befehligt(=griech. Hekatonarchos), was wir heute mit "Hauptmann" übersetzen. Meist war das ein tüchtiger Soldat, der zum Unteroffizier befördert worden war. Als Befehlshaber einer Garnison verfügte er sicher über eine bescheidene Bildung, konnte also lesen und schreiben.

Fromme Juden


In einem kleinen Ort wie Kafarnaum war dieser Hauptmann gewiss eine allgemein bekannte Autoritätsperson, wenngleich er deswegen keinesfalls beliebt war. Im Gegenteil — solche Soldaten waren für die gläubigen und frommen Juden ein Ärgernis. Sie verkörperten eine ungeliebte, ja verhasste staatliche Besatzungsmacht und waren außerdem Heiden. Mit ihnen hatte man keinen freundschaftlichen Umgang. Zu dieser Antipathie trugen auch die Reinheitsvorschriften bei, die einem Juden z.B. untersagten, das Haus eines Heiden zu betreten.

Die Situation


Die von Matthäus berichtete Situation (die er aus der alten Logien-Quelle bezieht) ist also ganz ungewöhnlich. Ein Hauptmann, ein Nichtjude bittet den jüdischen Rabbi, von dem er schon einiges gehört hat, um Hilfe. Dabei tritt er ihm voll Rücksicht entgegen und akzeptiert, dass dieser sein Haus nicht betreten darf. Erstaunen, Ärger und Empörung der umstehenden Juden sind vorstellbar. Dieser Hauptmann bricht alle Konventionen. Der Rabbi, der Messias, ist außerdem für die Juden, das auserwählte Volk gekommen - nicht für die Heiden.

Jesus handelt


Aber Jesus handelt nicht so, wie es jetzt von ihm erwartet wird. Er weist den Hauptmann nicht ab, der Jesus etwas zutraut (an ihn glaubt). Der Hauptmann denkt sehr schlicht: er schließt vom Kleinen, nämlich seinen eigenen Alltagserfahrungen, aufs Größere, das Wirken Gottes. Jesus bestätigt sein Vertrauen. Das provoziert die umstehenden Juden. Ja, Jesus hebt sogar den Heiden und dessen Glauben im Gegensatz zu Israel, besonders als Beispiel hervor.

Aktualität — damals und heute


Können Heiden Jesus genauso nachfolgen wie Juden? Das ist ein ganz großes Problem in der jungen Kirche. Noch Paulus wird sich sehr damit beschäftigen. Vor dieser aktuellen Frage haben sich die davon betroffenen Gemeinden wohl immer wieder diese Begebenheit aus Kafarnaum in Erinnerung gerufen, bis sie von Matthäus und (in einer leicht erweiterten und versöhnlicheren Form) von Lukas niedergeschrieben wurde. Die darin enthaltene Antwort: Entscheidend dafür, dass einer das Heil erfährt, ist der Glaube - und nicht ein vermeintliches Anrecht auf dieses Heil. Ins Heute übertragen geht es um die Offenheit unserer Gemeinden für Außenseiter - und natürlich um die Frage nach unserem Glauben.

Elemente für einen Gottesdienst mit Kindern


Szene vor dem Kyrie


Hinter dem Priester und den Ministrant(inn)en geht ein Gruppenleiter, der ein Rad neben sich herschiebt. Beide Reifen haben keine Luft mehr. Er (nennen wir ihn Fritz) wendet sich nun mit einer Bitte nacheinander an seinen älteren Bruder, seinen Vater und seine Schwester.
Fritz: Ich weiß nicht, was mit meinem Fahrrad los ist, ich glaub, die Reifen müssen aufgepumpt werden. Kannst Du mir sagen, wo die Pumpe ist?
Älterer Bruder: Geh' Kleiner, lass das lieber, das schaffst Du ja eh nicht.
Fritz: Du Papa, mein Rad ist kaputt - irgendwas mit dem Reifen. Kannst Du mir helfen, das zu reparieren?
Vater: Du, da drüben ist die Fahrradpumpe, aber ich hab jetzt keine Zeit, dir das zu machen.
Fritz: Du, Elke, bei meinem Fahrrad ist was kaputt, aber ich glaube, ich kann das nicht allein reparieren.
Elke: Weißt du was, wir werden das gemeinsam machen. Ich glaub' schon, dass du das Rad reparieren kannst. Ich werde dir das einmal zeigen und dir dabei helfen, und beim nächsten Mal kannst du das schon ganz allein.
Elke zeigt Fritz, wie man einen Reifen aufpumpt und lässt ihn dann selbst arbeiten. Mit den Kindern wird nun diese Szene kurz nachbesprochen. Wie finden wir die Antworten der Familienmitglieder von Fritz? Was meinen wir zum Verhalten von Elke? Was war daran besonders wichtig?
Es ist also nicht nur wichtig, dass wir einander helfen, etwas zu machen, sondern dass wir einander auch etwas zutrauen, dass wir einander Mut machen. Es macht nichts, wenn nicht immer alles gleich auf Anhieb gelingt.
An dieser Stelle folgt das Mutmacherlied

Verkündigung


Wir haben heute die Geschichte vom Hauptmann aus Kafarnaum gehört, dessen Diener krank war. Dieser Hauptmann hat Jesus zugetraut, dass er seinen Diener heilen kann, sonst hätte er nämlich überhaupt niemanden zu Jesus geschickt und dann hätte auch dem Kranken nicht geholfen werden können. Zutrauen macht also vieles erst möglich. Schauen wir uns gemeinsam noch zwei Szenen an:
Ein paar Kinder spielen miteinander ihr Lieblingsspiel. Ein weiteres Kind kommt dazu.
Kind: Hallo, magst Du mit uns mitspielen?
neu hinzugekommenes Kind: Naja, ich weiß ja nicht, was ihr da spielt.
Kind: Macht nichts. Pass auf: (Das Spiel wird kurz erklärt).
neu hinzugekommenes Kind: Ja, das ist schön, da spiel' ich gerne mit.
Ein Kind kommt zu seiner Lehrerin gelaufen.
Kind: Frau Lehrerin, ich hab' die Aufgabe ganz allein geschafft.
Lehrerin: Und, ist es dir sehr schwer gefallen?
Kind: Naja, anfangs hab' ich geglaubt, dass es schwieriger ist, aber dann ist es mir leichter gefallen.
Lehrerin: Na, siehst Du, ich hab' gewusst, dass Du das schaffen wirst!
(Menschen können einander verschiedene Fähigkeiten zutrauen: Welche? Jemandem etwas zutrauen, "zutraulich" sein, kann aber auch noch etwas anderes bedeuten: Nämlich für möglich halten, dass jemand mein Freund werden kann).
Wir haben jetzt also bemerkt, dass "jemandem etwas zutrauen" mehreres bedeuten kann: Es kann bedeuten, dass ich jemandem zutraue, dass er etwas zustande bringt. Wenn mir nie jemand zugetraut hätte, dass ich Lego-Spielen kam, hätte ich wahrscheinlich auch nie Legosteine bekommen, und ich wäre nie draufgekommen, was man daraus für tolle Sachen machen kann. Oder wenn wir einem Kind, dass wir neu kennenlernen, nie zugetraut hätten, dass es mit uns "Hilfe" oder "Eins, zwei, drei, abgepasst" spielen kann, dann hätten wir auch nie entdeckt, wie toll wir miteinander spielen können. Jemandem etwas zutrauen kann aber auch noch etwas anderes heißen: "Ich kenne dich zwar noch nicht so gut, aber ich trau' dir zu, dass du ein lieber Mensch bist und dass du mein Freund werden kannst." Erst wenn wir einander das zutrauen, können wir auch wirklich Freunde werden.
Allerdings muss man jetzt noch etwas dazu überlegen: Denken wir nochmals an das Beispiel vom Anfang (man könnte die Szene noch einmal spielen).
Fritz hat sein Fahrrad nicht aufpumpen können. Es hat ihm anscheinend noch nie jemand gezeigt. Wenn Elke ihm jetzt nur die Pumpe gegen hätte und gesagt hätte: "Ich trau Dir schon zu, dass Du das Fahrrad reparieren kannst", dann hätte das vielleicht gar nichts genützt. Rad-Aufpumpen ist nicht schwer, aber einmal muss es einem gezeigt werden. Wenn wir jemandem also etwas zutrauen, dann müssen wir auch überlegen, wieviel wir einander am Anfang helfen müssen. Genauso müssen wir ja einem Kind, das ein Spiel mitmachen will und das auch kann, aber die Spielregeln noch nicht kennt, zuerst erklären, wie wir dieses Spiel miteinander spielen (oder hier noch eine Szene spielen).
Genauso ist nicht jeder Mensch, den ich kennenlerne, sofort mein Freund oder meine Freundin. Wenn wir uns Schritt für Schritt kennenlernen, müssen wir merken, dass der andere unser Zutrauen verdient. Wenn mich jemand enttäuscht, werde ich nachher wahrscheinlich weniger Zutrauen zu diesem Menschen haben.
Aber dieses heutige Evangelium will uns Mut machen, Schritte aufeinander zuzugehen und einander etwas zuzutrauen. So wie die Heilung des Dieners des Hauptmannes von Kafarnaum erst möglich wurde, weil dieser Jesus das zutraute, so sollten wir einander mehr zutrauen. Auf der anderen Seite heißt das aber auch, wenn uns etwas getraut wird, zu versuchen, dieses Zutrauen nicht zu enttäuschen. So können ganz neue und tolle Dinge zwischen uns möglich werden; so können wir immer bessere Freunde werden.
Am Ende der Verkündigung kann man an die Kinder im Gottesdienst vorgefertigte Briefchen verteilen. Darauf steht zu lesen: "Liebe/r ...., ich trau Dir zu, dass....!" Die Kinder werden eingeladen, dieses Briefchen zu Hause an eine/n Freund/in zu schreiben und sich zu überlegen, was sie ihm/ihr zutrauen. Wenn sie wollen, können sie es ihm/ihr dann auch schenken.

Fürbitten


  • Wir bitten dich für alle Kinder: Dass sie Eltern haben, die ihnen etwas zutrauen und viel Zeit mit ihnen verbringen.
  • Wir bitten für alle Menschen, die von anderen enttäuscht worden sind: Lass sie nicht verbittert werden und gib ihnen den Mut, auch weiterhin Freundschaften zu schließen.
  • Wir bitten für uns alle, dass das Zutrauen, das wir einander entgegenbringen, uns hilft, unsere guten Seiten weiterzuentwickeln.
  • Wir bitten für unsere Gemeinde, dass wir es Menschen, die neu in unsere Gemeinschaft kommen, leichter machen, bei uns mitzutun.

Publikation: effata

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Lesejahr: C

Sonntag im Jahreskreis : 9. Sonntag

Schlagwort: Gottesdienst

 

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