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Beten mit den Füßen

„Beten mit den Füßen“, das ist es was eine Wallfahrt ist. In beinahe allen Religionen gibt es diese Tradition. Aber warum tun wir das eigentlich, und wohin zieht es uns?

Wallfahrten stehen in einer langen Tradition. Schon die antiken Griech/innen, Römer/innen und auch German/innen reisten zu weit entfernten Tempeln und Hainen, um dort ihren Göttern zu huldigen. Auch im Judentum reisten Gläubige zum Passah- und Laubhüttenfest zum Tempel in Jerusalem. Als gläubiger Jude folgte auch Jesus diesem Brauch.

In dieser Tradition etablierte sich im Christentum die Wallfahrt im Mittelalter als Möglichkeit seinen Glauben zu bekennen. Ziel solcher Reisen waren, wie auch heute, Orte von religiöser Bedeutung, wie etwa die Gräber von Aposteln, oder Orte an denen es zu Marienerscheinungen gekommen ist. Wochen- oder auch monatelang reisten die Leute, zum Teil alleine, zu Fuß bis in andere Länder. Dies war aufgrund von Dieben nicht nur gefährlich, sondern auch sehr teuer. Aus diesem Grund wurden den Gläubigen diese Glaubenszeugnisse auch sehr hoch angerechnet. So wurden zum Beispiel Diebstahls- und Grundstücksklagen bis zur Rückkehr ausgesetzt, wenn man sich auf eine Wallfahrt begeben wollte. Auch standen die Pilger und Pilgerinnen unter dem besonderen Schutz der Kirche. Verbrechen gegen solche wurden kirchenrechtlich hart bestraft, und den Täter/innen zum Beispiel ein christliches Begräbnis verwehrt.

Auch heute begeben sich noch viele Millionen Menschen jährlich zu den vielen Wallfahrtsorten weltweit. Diese waren entweder eine wichtige Station im Leben Jesus waren, oder der Marien- und Heiligenverehrung dienen. Bitten die Pilger und Pilgerinnen um Vergebung für ihre Sünden, um Heilung, oder tragen sonstige Anliegen für sich oder auch andere vor. Der Weg wird als spirituelle Reise, oder als „beten mit den Füßen“ empfunden.

Wallfahrtsorte

Der weltweit meistbesuchte christliche Wallfahrtsort ist die Basilika der Jungfrau von Guadalupe in Mexiko. Dort kam es zur einer Marienerscheinung. Daraufhin wurde dort eine Kirche errichtet, zu der bis heute 20 Millionen Pilger jährlich wandern.

Der bekannteste Wallfahrtsort in Europa ist Lourdes. Dieser liegt in Südwestfrankreich in der Nähe an der spanischen Grenze. Nach einer Reihe von Marienerscheinungen, bei der einem Bauernmädchen eine Quelle gezeigt wurde, entstanden in der Umgebung eine Reihe von Kirchen und Kapellen. Dem Wasser dieser Quelle wird bis heute eine heilende Wirkung nachgesagt. Aus diesem Grund reisen etwa fünf Millionen Pilger jährlich dorthin, um in dieser Quelle zu baden. Es wird von mehreren tausend Spontanheilungen berichtet. 67 davon wurden von der Kirche als Wunderheilung anerkannt.

Auch in Österreich haben wir einen sehr bekannten Wallfahrtsort. Mariazell mit der Basilika Mariä Geburt, in der die Magna Mater Austriae, eine 48cm große Marienfigur aus Lindenholz steht, zieht jährlich über eine Million Pilger/innen an.

Wallfahrten in anderen Religionen

Nicht nur im Christentum sind Wallfahrten eine übliche Tradition. Im Islam etwa ist die Pilgerfahrt nach Mekka, die sogenannte „Hadsch“, neben Glaubensbekenntnis, Gebet, Almosensteuer und Fasten eine der fünf Säulen dieses Glaubens. Das bedeutet, dass jede/r gläubige Moslem/Muslimin, der/die es sich finanziell leisten kann, in seinem/ihrem Leben einmal an dieser Pilgerreise teilnehmen sollte.

Auch im Hinduismus reisen die Gläubigen zum Beispiel in die Stadt des Gottes Shiva („Oberster Herrscher der Welt“), Varanasi in Indien. An dieser heiligen Stätte baden die Gläubigen im Fluss Ganges um sich von ihren Sünden reinzuwaschen. Auch versuchen viele, in diesem Fluss zu sterben, da es eine Reinkarnation verhindern soll.

Eine Ausnahme bildet hier das Judentum. Nachdem der Tempel in Jerusalem im Jahr 70 n. Chr. von römische Kaiser Titus zerstört wurde, wurden die Wallfahrten eingestellt. Auch andere Pilgerstätten wie das Grab Moses wurden „aktiv“ vergessen, um Heiligenverehrung zu verhindern.

Benjamin Dittmoser-Pfeifer

kumquat "Ungehorsam" 1/2012

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