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Zu cool für den „lieben Gott“?

Ideen zum religiösen Tun mit Kids von Sara Dallinger

Unsere Arbeit in der Jungschar ist von Vielfältigem geprägt. Aspekte, die im Leben der Kinder eine Rolle spielen, versuchen wir in unseren Jungscharstunden aufzugreifen und zu vertiefen. Aspekte, die zu unseren Werten und Lebenswichtigkeiten gehören, versuchen wir ihnen nahezubringen. Eine dieser „Wichtigkeiten“ – ein Pol, um den sich viele Fragen und Herausforderungen ranken, ist unser Glauben.

Vielfalt
Die Bedeutung des Glaubens im eigenen Leben verändert sich mit zunehmendem Alter der Kinder. Sie beginnen, diesen Bereich für sich zu entdecken, und wenn ihnen Raum zum Anstellen von Erkundigungen gelassen wird und Verbindungen zum eigenen Leben gemeinsam mit ihnen hergestellt werden, kann auch für coole Kids Glauben zu einem spannenden Bestandteil ihres Alltags werden. 

Weil Glauben und dessen Auslebung für jede/n anders aussehen kann und darf, ist es oft schwierig, Religiosität eingrenzen zu können. Für manche bedeutet es, zu beten, für andere Nächstenliebe – und genau das ist das Spannende an unserem Glauben.

So wie du deinen Glauben im Rahmen unserer Kirche gut leben kannst, so kannst du ihn auch am Besten an deine Kids weitergeben. Das kann bedeuten, dass du ihnen einfach von deinem Glaubensweg erzählst oder mit ihnen verschiedene Methoden ausprobierst. Es darf aber auf keinen Fall heißen, dass du ihnen deine Art des Glauben-Lebens aufzwingst. 

Gerade wenn die Kinder in deiner Gruppe älter werden, ist das religiöse Tun mit ihnen etwas, das an Spannung gewinnt. Hier erwischt man die Kids in einer Phase, in der alles infrage gestellt wird und sie sich „neu entwerfen“. Dabei sind sie auch oft „wegen Umbau geschlossen“, suchen aber sehr häufig nach „Baumaterial“ für sich selbst.

In der Jungschar gibt es Raum, Fragen zu stellen, gemeinsam nach Antworten zu suchen und Glauben auf vielfältigste Weise zu erleben. 

Was wollen Kids – was brauchen Kids
Wir versuchen, in unseren Jungscharstunden so zu arbeiten, dass unsere Kids die Dinge, die gemeinsam getan werden, spannend finden sodass sie gerne in die Jungschar kommen. Bei religiösen Angeboten werden wir oft unsicher. Viel von dem, was als „religiöse Grundbildung“ gilt, wurde schon längst im Religionsunterricht „durchgemacht“ und wir wollen die Kinder nicht mit Verdopplungen langweilen. Aber wie kann religiöses Tun gut passieren, ohne all diese Vorurteile, langweilig und förmlich zu sein, zu bestätigen?

•    Glauben bewegt machen
Einer der Punkte, die in der religiösen Arbeit mit Kids wichtig sind, ist wegzugehen von unbewegtem Erzählen und stillem Zuhören. Glauben lässt sich bewegt gestalten – mit Aktivität und Kreativität der Kinder.
•    Glauben Freiraum geben
Ein weiterer Aspekt ist, den Glauben nicht einzuschränken, sondern den Kids die Möglichkeit zu geben, zu forschen, zu entdecken und einen guten eigenen Zugang dazu zu finden. Wir bieten den Kindern die Basis, forschen können sie selbst.
•    Glauben und Kirche gestalten
Wenn wir uns gut mit Kids und dem Glauben auseinandersetzten, so ist es auch wichtig, dass die Ergebnisse und die Erfahrungen, die wir dadurch machen nicht einfach so unter den Tisch fallen. Kinder und Jugendliche bilden die Zukunft der Kirche!

Mut zu spannenden Themen: 
In unserem Glauben findet sich viel Spannendes. Lass dich überraschen und begib dich mit deinen Kids auf eine Forschungsreise durch die vielschichtigen Gebiete des Glaubens. Du wirst sehen, je mehr du mit ihnen tust, umso mehr kommst auch du auf Themen drauf, die auch für dich herausfordernd, neu, mitreißend und bewegend sein könnten. Außerdem wirst du vielleicht einige neue Zugänge und Betrachtungsweisen von deinen Kids lernen.

Praktischer Teil:

Aktionen mit und um die Bibel
Die Bibel als das Buch unseres Glaubens, liefert viel Stoff, um sich auf unterschiedlichste Weise mit den Hintergründen und Geschichten unseres Glaubens auseinander zu setzen. Dies kann in den verschiedensten Formen passieren:

Personenraten: 
An die Kids werden Zettel mit Namen von Personen, die in der Bibel vorkommen und eventuell deren Geschichte darauf, ausgeteilt. Reihum wird nun jede/r von der restlichen Gruppe befragt, darf auf die Fragen aber nur mit ja oder nein antworten. Nun versuchen die anderen zu erraten, um welche biblische Figur es sich handelt.

Bibel-Domino:
Auf Dominosteine (Kartonrechtecke, durch einen Strich in zwei Hälften geteilt) wird in jede der beiden Hälften ein Ding, eine Person oder ein Ereignis aus der Bibel aufgeschrieben oder -gezeichnet. Diese Dominosteine können auch mit den Kindern gemeinsam gestaltet werden. Sind alle Steine mit Inhalt versehen, kann es losgehen. Dazu werden die Steine an alle Kinder gleichmäßig verteilt. Der/die Gruppenleiter/in legt den ersten Stein auf den Tisch. Nun geht es darum, einen Dominostein anzulegen. Dieser soll ein Motiv zeigen, das etwas mit dem Motiv des ersten Steines zu tun hat. Dazu wird von dem legenden Kind der Zusammenhang erzählt, der aber nicht immer direkt sein muss, sondern auch durch einen Namen, ein Ding, das in der Geschichte vorkommt oder sonstige Gemeinsamkeiten hergestellt werden kann. Sind alle Steine aufgelegt, ist das Spiel zu Ende und ihr könnt noch eine Runde starten. 

Reliquiensuche
Die Pfarrräumlichkeiten/der Gruppenraum ist eure Fundstätte. Jedes Kind wird nun als Forscher/in losgeschickt um eine möglichst wunderbare Reliquie zu finden. Diese Reliquie soll aber nicht nur mitgenommen und hergezeigt werden, nein, sie soll auch mit einer Geschichte versehen werden, was mit dieser Reliquie seit der Zeit Jesu alles passiert ist. Da kann es sich um einen Ball handeln, den damals die Nachbarskinder von Jesus in Nazareth besessen haben, der danach in die Hände eines sonderbaren Händlers gefallen ist und als Sitzball auf dessen Schiffsreisen nach Griechenland gedient hat, bis er schließlich ins Meer gefallen ist und dort viele, viele Jahre unter den Fischen verbracht hat, bis er von einem Kreuzfahrtsschiff aufgelesen und an der Küste Italiens zwei Kindern geschenkt worden ist, die ihn schlussendlich vor zwei Jahren der Pfarrjungschar gespendet haben. Lasst eurer Fantasie freien Lauf!

Geschichte erleben (Rollenspiel und Co.)

Am besten lassen sich Bibel- und Glaubensgeschichten erleben, wenn die Kinder direkt in bestimmte Rollen schlüpfen können und an deren Stelle die Handlung nachvollziehen. Auch dazu gibt es viele spannende Möglichkeiten. Neben verschiedensten Formen des Theaters, in denen eure Stücke gespielt werden können, kann es – besonders für Ältere – eine spannende Sache sein, in die Geschichte einzugreifen und im Stehgreif Handlungen zu verändern und weiterzuentwickeln. Aus dem Theaterspielen kann sich eine anschließende Podiumsdiskussion mit den Charakteren des Stückes entwickeln: Die Hauptcharaktere einer Bibelstelle werden auf die Bühne geholt und können diskutieren und befragt werden. 

Geschichten erfinden 
Kreatives Experimentieren mit Bibel kann sehr spannend sein. Dabei lernt man die Figuren der Bibel besser kennen. Für diese Methode werden verschiedene Charaktere und Ereignisse auf kleine Kärtchen geschrieben. Alle Kärtchen werden verdeckt auf einen Stapel in die Mitte gelegt, deine Gruppe und du setzen sich rundherum im Kreis auf. Eine/r beginnt, wenn ihr wollt kann ein Erzählsymbol verwendet werden (Hut, Stab,…) das immer der- oder diejenige bekommt, der/die gerade am Erzählen ist. Erzählt werden soll eine Geschichte, die immer mit demjenigen Ereignis oder derjenigen Person zusammenhängt, die gerade am aufgedeckten Kärtchen steht. Hat der/die Beginnende genug erzählt, ist der/ die nächste an der Reihe (und das Erzählsymbol wird weitergegeben).

Bibelstelle mit neuem Ende
Von dem/der Gruppenleiter/in wird eine Bibelgeschichte ausgesucht und den Kindern (bis auf das Ende) vorgelesen. Gemeinsam überlegt die Gruppe dann, wie die Bibelstelle ausgegangen sein könnte oder wie sie diese Bibelstelle enden lassen würden. Eventuell kann die Geschichte mit neuem Ende auch aufgeschrieben werden. Sind alle Ideen für ein neues Ende erschöpft, wird die ganze Geschichte mit Ende aus der Bibel vorgelesen. Bei dieser Methode wie auch bei der vorigen geht es nicht darum, Bibelstellen zu verfälschen, sondern darum, den Kindern einen guten Zugang zu ermöglichen. 

Glauben erlebbar machen
Nicht nur seine Hintergründe sondern auch unser Glaube an sich kann zu vielen verschiedenen spannenden Tätigkeiten einladen. Das Knifflige dabei ist, dass unser Glaube nicht so greifbar ist wie die Geschichten der Bibel es sind. Daher geht es bei den nächsten Methoden eher darum, verschiedenste Blickpunkte unseres Glaubens, wie das Vertrauen, die eigene Gedanken- und Gefühlswelt oder das Interesse an anderen Menschen in den Mittelpunkt zu rücken. 

Menschen aus der Pfarre einladen
Ladet doch einmal Personen aus eurer Pfarre zu euch in die Gruppenstunde zu einer Frage- und Diskussionsrunde rund um ihren und euren Glauben ein. Diese kann wie eine Talkshow gestaltet sein und sich um konkreten Themen aus der Bibel, um die Geschichte der Pfarre oder, wenn die Eingeladenen das möchten, um den eigenen Glauben drehen – gemeinsam mit den Kids lassen sich da sicherlich viele spannende Fragen finden. Von den Kids selbst können in dieser Talkshow natürlich auch aktive Rollen eingenommen werden (Moderator/in, Mitdiskutierende/r, Publikum, Anrufer/in,…). 

Solltet ihr in eurer Gruppe eine solche Talkshow machen wollen, braucht das eine gute Vorbereitung, die gemeinsam mit deinen Kids in den vorhergehenden Gruppenstunden durchgeführt werden. Neben Einladungen an die Gäste und dem Thema, zu dem ihr eure Talkshow gestalten möchtet gehören zu der Vorbreitung auch das Erstellen von Fragen, das Verteilen der Rollen und das überlegen der Rahmenbedingungen wie Raum und Verpflegung. 

Wohnung einrichten

In vielen Möbelgeschäften und auf deren Homepages finden sich Raumpläne mit ausschneidbaren Möbelstücken. Hier geht es darum, zu überlegen, wie euer „Innenraum“, eure „innere Wohnung“ aussieht. Dafür bekommt jede/r einen dieser Pläne und die dazugehörigen Möbelstücke, Schere, Kleber und Stifte. Die Kids sollen sich nun überlegen, welches Möbelstück für welche Wichtigkeit in ihrem Leben steht. Da könnte zum Beispiel ein Wohnungsbereich entstehen, der Schule heißt, in dem es helle Vorhänge gibt und eine gemütliche Couch, weil es mir in der Schule gut geht und ich mich wohl fühle. Oder Teppiche, die in allen Räumen meiner „Innenwohnung“ liegen, und meinen Glauben symbolisieren, durch den ich in allen Lebensbereichen einen weichen, angenehmen Untergrund habe. Lass der Fantasie deiner Kids freien Lauf! Besonders spannend kann es für sie auch sein, wenn auch du als Gruppenleiter/in eine Wohnung gestaltest. Wenn Zeit bleibt, können die, die das möchten einander ihre Wohnungen vorstellen. 

Vertrauen ist wie…
Hier geht es darum zu erfahren, wie gut Vertrauen tut. Vertrauen ist ein eher abstrakter Begriff, der in unserem Glaubensvokabular aber häufig gebraucht wird. Wir sollen auf Gott vertrauen, uns ihm anvertrauen – hier bei diesen Spielen kann die Gruppe erfahren, was vertrauen untereinander bedeutet. Diverse Spiele dazu findest du in der Spielemappe (im Jungscharbüro erhältlich) oder auf der Homepage (http://wien.jungschar.at unter Spiele).

Brot
Meine Gruppenkids haben Brot geliebt, vor allem das frische, krustige. Wenn wir gemeinsam in der Stunde Brot geteilt haben, dann war das immer ein besonderes Erlebnis. Ein Mädchen aus meiner Gruppe hat gemeint: „Wenn das in der Messe auch so ein Brot wäre, würde ich fix jeden Sonntag kommen“. Natürlich sind die Reaktionen der Kids in jeder Gruppe unterschiedlich und es ist wahrscheinlich finanziell nicht möglich, jede Woche einen Laib Brot mitzubringen, aber am Anfang oder am Ende der Gruppenstunde einmal im Monat gemeinsam Brot zu Essen, ist ein schönes Ritual, zumal Brot teilen und essen eines der wichtigsten Rituale des Christentums ist. 

Mein Symbol
In unserem Glauben finden sich sehr viele Symbole wieder. Angefangen vom Kreuz bis zur Taube gibt es eine Menge aussagekräftiger Zeichen, die uns durch das Kirchenjahr begleiten. Gemeinsam mit den Kids kann es spannend sein, solche Symbole zu sammeln und dann ein eigenes Symbol zu entwerfen, das diejenigen Dinge beinhaltet, die der Person, die es entwirft am Glauben wichtig sind. Dazu braucht ihr als Material viel Papier, Malutensilien und Kreativität und schon könnt ihr loslegen. 

Kirchenraum mal anders
Unsere Kirche ist der Raum für unsere Gottesdienste. Aber dieser Raum bietet noch viel mehr. Hier ist jetzt nicht gemeint, dass du mit deinen Kids eine Kirchenführung der gewöhnlichen Art machst. Das könnte auch sehr spannend sein. Nein, hier ist gemeint, dass die Kids Kirchenraum auf eigene Faust erforschen und entdecken können, ihn also quasi verinnerlichen. Dafür ist es wichtig, dass du dich mit eurer Mesnerin oder eurem Mesner und eurem Pfarrer absprichst, damit du gut informiert bist, was es in eurer Kirche alles zu entdecken gibt und wo die Kids eher nicht hingehen sollten.

Eine Möglichkeit, diese Stunde in der Kirche spannend zu gestalten ist, vorher Fotos von Ausschnitten der Kirche zu machen, und sie den Kindern zu geben damit diese die Stellen an denen das Foto gemacht wurde suchen und entdecken können. Spannend könnte es auch sein die Kids in Kleingruppen (zu zweit oder zu dritt) mit einer Kamera loszuschicken, um für jeweils eine andere Kleingruppe Fotos zu machen, deren Aufnahmeorte diese andere Gruppe dann finden soll. 


Was immer ihr auch mit euren Kids zum Themenkreis Glaube und Religion tut, wichtig ist, dass ihr dabei ehrlich und damit auch glaubwürdig bleibt. Dann kann fast nichts mehr schiefgehen!

[aus dem kumquat tabu 2009]

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