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Hand in Hand im „Abendland“

Eine Gruppenstundenaktion zum Islam

„Abendland in Christenhand“. Mit dieser und anderen äußerst fragwürdigen Parolen hat die Freiheitliche Partei im Wahlkampf vor dem Sommer wieder einmal für Furore gesorgt. Diese Wahlplakate sind wohl an niemanden unbemerkt vorübergegangen und haben unterschiedliche Reaktionen ausgelöst – von Ekel, über Unverständnis, bis hin zu großer Zustimmung. Auch Kinder sind nicht immun gegen Plakate und Sprüche dieser Art und können diese oft nicht einordnen – kommen dann unter Umständen mit Fragen zu Erwachsenen, oder aber die Sprüche werden unreflektiert übernommen.

Die politische Kultur in Österreich wird rauer, aber auch der gesellschaftliche Umgang untereinander, vor allem gegenüber „Andersartigen“, sprich Menschen, die sich von der gesellschaftlichen Norm abheben, sei es durch ihr Aussehen, ihre Religionszugehörigkeit, politischer Gesinnung, sexueller Orientierung, Hautfarbe, etc. Ausländer/innen, sehr häufig Moslems, werden oft in eine Sündenbockrolle gedrängt und pauschal „verteufelt“. In jüngerer Vergangenheit hat man auch vermehrt von Übergriffen und Entgleisungen von Jugendlichen gehört. Je länger man mit Vorurteilen lebt und diese (re-)produziert, desto schwieriger ist es, sie loszuwerden. Deshalb ist es wichtig auch mit Kindern deren Vorurteile kritisch zu beleuchten und manche davon vielleicht zu revidieren.

Warum zum Thema machen?

Die Frage mag sich aufdrängen, warum man sich in der Katholischen Jungschar mit dem Islam oder anderen Religionen auseinandersetzen sollte? Wir arbeiten in der Jungschar immer für eine gutes Miteinander und eine gerechtere Welt – und dies nicht nur innerhalb unserer Gruppe, sondern in einem größeren Kontext. Genauso, wie wir wollen, dass Kinder bei uns in der Jungschar oder bei den Ministrant/innen so wie sie sind, frei von Vorurteilen und besonderen Zuschreibungen oder Erwartungen, aufgenommen werden und ihnen mit Wertschätzung und Respekt begegnet wird, so wollen wir das auch für unsere Gesellschaft. Insofern steht die Katholische Jungschar für Toleranz, Respekt und Offenheit.

Auch Kardinal Schönborn hat sich wie viele andere Religionsvertreter ganz klar gegen den Wahlkampf der FPÖ ausgesprochen. „Dieses Zeichen [das von H.C. Strache im Wahlkampf eingesetzte Kreuz, Anm.] darf daher auch nicht politisch missbraucht werden, quasi als Kampfsymbol gegen andere Religionen, gegen andere Menschen“, betonte er in seiner diesjährigen Fronleichnamspredigt.

Keine Angst vor der Moschee

Wie kann man also gegen solche Vorurteile und pauschale Beschuldigungen, die auch oft schon in Kinderköpfen Einzug halten, vorgehen? Man sollte natürlich mit gutem Beispiel vorangehen, selbstverständlich nicht nur Toleranz, sondern vor allem auch Respekt zeigen. Aber man kann sich auch einmal bewusst diesem Thema widmen und sich mit dem Islam auseinandersetzen – den vielen Parallelen und Gemeinsamkeiten, aber auch den feinen Unterschieden, die ja gerade spannend und interessant sein können. Zu sehen, dass die Unterschiede vielleicht gar nicht so groß sind, wie man gedacht hätte, dass es Überlappungen und viele Anknüpfungspunkte gibt, kann oft eine sehr heilsame Erfahrung sein.

Vielleicht könnt ihr euch hierzu eine Person islamischen Glaubens in die Gruppenstunde einladen, die die Fragen deiner Kinder auch besser beantworten kann als du, oder auch aus seinem oder ihrem Leben und vom Islam erzählen kann. Du kannst hierbei auch Methoden einsetzen, sodass es keine klassische Frage-Antwort-Runde ist, wo manch eine/r vielleicht Scheu hat, Fragen zu stellen. Ihr könnt euch im Vorfeld schon Fragen überlegen, die dann wie bei einem Interview, oder einer „Expert/innen-Diskussionsrunde“ gestellt werden. Deine Kinder können hier auch Vergleiche zum Christentum herstellen. Oder ihr startet mit einem kleinen Quiz, à la „1, 2, oder 3“ zu einigen einfachen Fragen zum Islam, z.B. Wie heißt der hohe Turm einer Moschee? - Menuett, Minarett oder Tourelle? (je nach Alter musst du natürlich die Schwierigkeitsstufe auf das Alter deiner Kinder abstimmen)

Auch der Besuch in einer Moschee oder einer anderen islamischen Einrichtung ist eine Idee. Vielleicht gibt es in deiner Nähe eine Einrichtung, die du anfragen kannst, ob du mit deiner Kindergruppe vorbei kommen kannst. In Wien kann man in etwa eine Führung im islamischen Zentrum (Am Bruckhaufen 2, 1210 Wien) nach Voranmeldung von Montag bis Donnerstag vormittags (nach Vereinbarung evtl. auch zu einem anderen Zeitpunkt) machen. Auch hier ist es wichtig, dass du mit deinen Kindern im Vorfeld vielleicht schon überlegt was sie besonders interessiert und welche Fragen sie dort stellen könnten, vielleicht interessieren sich manche besonders für die Bauweise, andere wie der Ablauf eines muslimischen Gottesdienst aussieht, wiederum andere wie das ist mit Frauen und Männern in einer Moschee. Es gibt viele spannende Dinge und wertvolle Details, die es an dieser Religion zu entdecken gibt, vieles das dem Christentum ähnlich ist, aber sicherlich auch einiges wo sich Unterschiede zeigen werden. Ein Versuch, sich dem mit Neugier, Offenheit und Respekt anzunähern kann für Kinder eine tolle Erfahrung sein.

Links:

Clemens Huber

kumquat "Tabu" 3/2009

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