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Sternsingen & Schminken

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Der Brauch des Sternsingens selbst geht auf das späte Mittelalter zurück. Die Darstellungen der biblischen Weisen aus dem Morgenland sind dabei vielfältig und haben sich im Laufe der Zeit immer wieder verändert. In manchen Pfarren ist das Schminken beim Sternsingen fest verankerter Teil des Brauchtums und wird als ein Zeichen der Solidarität gegenüber den Menschen aller Erdteile gesehen. Für andere ist es wiederum ganz selbstverständlich, nicht zu schminken, z.B. weil die Schminke juckt, die Gewänder verschmiert werden oder weil sie mühsam zum Abschminken ist.

Das Schminken hat aber noch eine weitere Dimension. In unserer Gesellschaft ist es weit verbreitet, Menschen nach ihrer Hautfarbe in Gruppen einzuteilen. Damit ist meist eine ganze Reihe weiterer Annahmen über Herkunft, über bestimmte Fähigkeiten und Charaktereigenschaften verbunden, die Menschen (oft unbewusst und ohne böse Absicht) aufgrund ihres Aussehens zugeschrieben werden. Menschen mit dunkler Hautfarbe sind häufig Rassismus ausgesetzt.

Das Aufschminken einer dunklen Hautfarbe empfinden viele von Rassismus betroffen als Beleidigung.  Schwarze Menschen sind aufgrund ihrer Hautfarbe alltäglicher Diskriminierung ausgesetzt. Anmalen der Hautfarbe gilt als rassistisch, „weil es die Identität und die Erfahrung schwarzer Menschen als Kostüm behandelt, das weiße Menschen beliebig an- und ausziehen können“, sagte der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch, als das Wort „Blackfacing“ zum Anglizismus des Jahres 2014 gekürt wurde, da es eine Lücke im deutschen Wortschatz füllt.

Für uns als Katholische Jungschar besteht die Gleichheit aller Menschen vor Gott gerade in ihrer unverwechselbaren Einzigartigkeit. Ein Denken, das Menschen aufgrund ihres Aussehens Merkmale zuschreibt, kann diese Unverwechselbarkeit verdecken. Wenn ich einer Person begegne, dann möchte ich ihr in ihrer Einzigartigkeit gerecht werden und sie nicht bloß als Träger/in einer bestimmten Hautfarbe wahrnehmen. Wenn sich jemand durch das Anmalen der Hautfarbe verletzt fühlt, sollte allein das Grund genug sein, um die Tradition zu überdenken. Die Sternsinger/innen wollen schließlich Friedenswünsche bringen und nicht zerspalten.

Gerade heuer im Kontext der Black Lives Matter-Diskussion bekommt das Schminken von Hautfarbe zusätzliche Aktualität. In einer globalisierten Welt, in der in jedem Land der Welt Menschen mit unterschiedlicher Hautfarbe leben, sind Zuordnungen aufgrund der Hautfarbe wie – „du bist schwarz, du kommst aus Afrika“ – schlichtweg überholt. Die Hautfarbe sagt Nichts über die Herkunft oder Heimat eines Menschen aus. Schwarz zu sein bedeutet nicht Nicht-Österreicher/in zu sein.

Es bleibt letztlich den Pfarren und Kindern überlassen, zu entscheiden, ob geschminkt wird. Wir wollen euch aber dazu anregen, dass ihr euch mit dieser Frage bewusst auseinandersetzt und euch und eure Sternsinger/innen darauf vorbereiten, dass ihr seitens der Medien und Menschen, denen ihr begegnet, Kritik ausgesetzt sein könntet. Es ist wichtig zu wissen, welche Assoziationen mit schwarz geschminkten Kindern einhergehen können.

Und wir wollen daran erinnern, worum es beim Sternsingen eigentlich geht: um die Botschaft von der Geburt Jesu, um den Einsatz für eine gerechtere Welt und um Kinder, die zeigen, dass sie nicht zu klein sind, um etwas zu verändern.

Quellenhinweis: Steinwehr, U. (2019, November 17). Kontroverse um Blackfacing. DW. Online unter: https://www.dw.com/de/kontroverse-um-blackfacing/a-51217292 [Zugriff am 14.10.2020]

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