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60 Jahre Sternsingen

Im Winter 1954/55 waren die ersten Sternsinger/innen der Katholischen Jungschar unterwegs. Was damals klein begann, wurde wegen des großen Erfolges weiter geführt und stetig weiter entwickelt. Daraus wurde über die Jahre die größte österreichische Solidaritätsaktion für Menschen in Afrika, Asien und Lateinamerika. Heuer bringen Caspar, Melchior und Balthasar zum 60. Mal den Weihnachtssegen und sammeln Gelder für engagierte Projekte. Ein guter Anlass für einen Rückblick auf eine bewegte Geschichte.

Die Anfänge…

Wie so vieles, begann auch die Sternsingeraktion klein. Nötig waren eine zündende Idee und ein erster Schritt, der 1954 gesetzt wurde. In diesem Jahr veranstaltet die Katholische Jungschar eine Lichtstafette, die am 1. Mai in Lourdes ihren Ausgang nahm. Das Licht wurde von einem Jeep der MIVA, der Missions-Verkehrs-Arbeitsgemeinschaft, begleitet. Daraus entwickelte sich eine zukunftsträchtige Idee: Einige Jungschar-Gruppen sollen doch Sternsingen gehen und das gesammelte Geld der Mission zur Verfügung stellen. Das Ziel der ersten Aktion war bescheiden: Mit dem Spendengeld sollte ein Motorrad für P. Michael Ortner, einem Missionar in Uganda, finanziert werden. Auf Bitte der MIVA gingen Jungschargruppen in insgesamt 269 Pfarren Sternsingen. Begeisterung und Resonanz in der Bevölkerung übertrafen die Erwartungen: Das Sammelergebnis der ersten Aktion, 42.386,69 Schilling (3.080,- €), hat gleich für drei Motorräder gereicht. Der Startschuss war geglückt – die Jungschar hatte einen alten Brauch mit neuem Sinn erfüllt. Übrigens: Bei der ersten Sternsingeraktion blieb die Durchführung dieses Brauches offiziell den Buben vorbehalten, allerdings waren auch schon damals vereinzelt Mädchengruppen dabei. Heute hingegen sind rund zwei Drittel der Sternsinger/innen Mädchen.

Die Dreikönigsaktion im Wandel der Zeit


Die Arbeit der Dreikönigsaktion der katholischen Jungschar, hat sich ebenso wie die Themen, die aufgegriffen wurden, im Laufe der Jahrzehnte stark gewandelt. Die frühen Jahre waren geprägt vom damals vorherrschenden Modernisierungsdenken und der missionarischen Tradition („unsere Gebäude, unsere Fahrzeuge und unser Glaube für  die Armen“). Für das in dieser Zeit vom Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg geprägte Österreich ist dieses Denken wohl auch verständlich gewesen. Der Bevölkerung ging es nach der Wiedererrichtung von Infrastruktur und mit dem Einsetzen der motorisierten Mobilität besser. Von der eigenen Erfahrung geprägt, wurden vor allem Bau-Projekte und Finanzierung von Verkehrsmitteln gefördert. Damals wurde weniger darüber nachgedacht, dass es notwendig ist, Entwicklungszusammenarbeit nachhaltig zu gestalten und dass es wichtig ist, auf die Kulturen, Traditionen und Standards in den Ländern des globalen Südens Rücksicht zu nehmen. Es galt, den katholischen Glauben zu übermitteln und Projekten, die eine missionarische Bedeutung und eine große Wirkung haben, den Vortritt zu geben, ein Selbstverständnis, das sich erst in den 80er Jahren änderte. Hierbei dürften unter anderem die Ziele der zweiten UN-Entwicklungsdekade (1970-80) das Projektverständnis der DKA beeinflusst haben. In deren Darstellung wurden die Grundbedürfnisse und die Förderung der landwirtschaftlichen Entwicklung besonders hervorgehoben.

In den letzten drei, vier Jahrzehnten wurden viele Änderungen unternommen und neue Aufgabengebiete und Herausforderungen kamen hinzu. 1975, geprägt vom Zweiten Vatikanischen Konzil und der Theologie der Ortskirchen, wurden neue DKA-Richtlinien verfasst. In diesen stand geschrieben, dass man den Ortskirchen eine Unabhängigkeit gewährleisten und ihnen die Möglichkeit zur selbstständigen Entfaltung geben will. Bei den Projekten wurden solche bevorzugt, die pastorale Arbeiten in den Ländern des globalen Südens unterstützen, sowie Projekte, die Ländern mit großer ökonomischer Armut helfen, zu einem besseren Lebensstandard zu kommen. Statt Bauten und Fahrzeuge, waren es nun vor allem Bildungsprojekte, Unterstützung von Basisgruppen und pastorale Projekte in ökonomisch armen Regionen, die finanziert wurden. Bei einer Studientagung wurde auch damals schon „Mut zu neuen Projekten“ gefordert.

Solche neuen Projekte und Bereiche waren später in etwa der Aufbau der Bildungs- und Anwaltschaftsarbeit. Erste Ansätze waren zum Beispiel die Unterstützung einer Petition für die Verankerung der Rechte der Indigenen in Brasilien in der Verfassung im Jahr 1987. Hierfür wurden 47.588 Unterschriften gesammelt und an die brasilianische Regierung übergeben. An diesem Beispiel sieht man auch sehr gut, wie sehr unser Engagement immer noch von Nöten ist: Auch heuer sammeln wir noch für Projekte, die Ureinwohner/innen in verschiedenen Regionen der Welt stärken, unter anderem für CIMI, dem Indigenenmissionsrat in Brasilien unter dem Vorsitz von Bischof Kräutler, der sich für die Rechte und ein gutes Leben der Indigenen im Amazonasgebiet stark macht.

Heute unterstützt die Dreikönigsaktion vor allem Projekte in den Bereichen Bildung, damit die Betroffenen ihre Lebenssituation eigenständig verbessern, gesicherte Lebensgrundlagen (in etwa durch nachhaltige Landwirtschaft), Stärkung von Menschenrechten und Zivilgesellschaft, Kirche im Dienst an den Menschen und Projekte, die Kindern und Jugendlichen eine faire Chance auf eine bessere Zukunft ermöglichen.

Bildungsarbeit als Pfeiler einer gerechteren Welt

Heute wissen wir: Auf dem Weg zu einer gerechteren Welt reicht es nicht aus, Geld in Projekte in Länder des globalen Südens zu investieren, sondern es gilt ebenso Menschen im „Norden“ über globale Zusammenhänge aufzuklären, für Fragen der Ungleichheit zu sensibilisieren und sie somit zu einem solidarischeren, nachhaltigeren Lebensstil anzuregen. Dies wird auch stark von unseren Partner/innen im Süden gefordert. Die „Armut“ im Süden ist nicht losgelöst von unserem Reichtum zu sehen und am Beispiel des Klimawandels zeigt sich, wie sehr unser Handeln anderswo Auswirkungen hat. Partner/innen, die die Folgen schon jetzt zu spüren haben, appellieren an uns, Bildungs- und Bewusstseinsarbeit zu verstärken und unsere eigenen Lebensstile zu überdenken.

Ein Beispiel aus unserer Bildungsarbeit: 1997 startete das Begegnungsprogramms „LernEinsatz“, auf Idee von Projektpartner/innen: Junge Menschen besuchen Partnerprojekte, leben bei Gastfamilien mit und lernen andere Kulturen kennen und schätzen. Wieder zu Hause verbreiten sie das Erlebte, engagieren sich weiter und tragen die Botschaft der einen Welt somit weiter hinaus. Im Vorfeld des Weltjugendtages in Rio fand ein besonderer LernEinsatz statt: Junge Menschen aus Österreich und Partnerorganisationen der Dreikönigsaktion in Afrika, Asien und Lateinamerika trafen sich für einen intensiven Austausch rund um das Thema Jugendarbeit. Seit 2009 können im Rahmen des Programms „SolidarEinsatz“ auch längere Praktika und Volontariate bei Partner/innen der Dreikönigsaktion absolviert werden.

Damals wie Heute

Anhand dieser kurzen Betrachtung der Geschichte der DKA und ihrer Projekte wird deutlich, dass die gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Trends in die Schwerpunktsetzung und in die Projektpolitik Eingang gefunden haben. Was bezogen auf die Länder des globalen Südens diskutiert worden ist, beeinflusste auch die Dreikönigsaktion – so kann man sie auch treffend als „Kind ihrer Zeit“ bezeichnen. Daraus kann auch geschlossen werden, dass die Jungschar in ihrem Engagement mit der Dreikönigsaktion sich bemüht hat, sich sensibel gegenüber den verschiedenen Anspruchsgruppen zu verhalten: in Richtung der Projektpartner/innen, in Richtung der österreichischen Bevölkerung und in Richtung der Weltkirche. Die Katholische Jungschar legt sich nicht auf selbst gemachte Konzepte fest, sondern bleibt im Dialog und damit am Puls der Zeit.

Heute arbeiten viele Menschen das ganze Jahr über im Büro der Dreikönigsaktion, nicht nur um sicher zu stellen, dass das Geld gut eingesetzt wird, sondern auch, um sich für unsere Partner/innen politisch stark zu machen, die Menschen hier in Österreich zu sensibilisieren und natürlich die Sternsingeraktionen der nächsten 60 Jahre zu planen.

Denn immer noch sind viele Menschen von Mangelernährung und schlechtem Trinkwasser, von einer fehlenden Gesundheitsversorgung und Schulbildung, an den Folgen des Raubbaus an der Natur und an Missachtung ihrer Menschenrechte betroffen. „Das geht uns etwas an!“ sagen die Sternsinger/innen und sammeln Jahr für Jahr für eine gerechtere Welt. Seit den Anfängen der Sternsingeraktion zum Jahreswechsel 1954/55 hat die Katholische Jungschar die Mitmenschen in Afrika, Asien und Lateinamerika im Blick gehabt und für diese mehr als 350 Millionen Euro gesammelt. Unser Ziel ist eine Welt, in der alle gut leben können - dafür wollen wir mit der Sternsingeraktion unseren Beitrag leisten. Seit 60 Jahren werden wir nicht müde, die Weihnachtsbotschaft zu verkündigen, für konkrete Projekte zu sammeln, für die Bewahrung der Schöpfung einzutreten, in unserer Bildungsarbeit ein Fenster zu anderen Kulturen zu öffnen und den Anliegen jener Menschen Gehör zu verschaffen, die sonst keine Lobby haben.

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