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Gemeinsam. Kleinbäuerlich. Widerstandsfähig.


Obwohl es heuer coronabedingt nicht möglich sein wird, dass unsere Projektpartner/innen aus Indien zu Besuch kommen, möchten wir unsere Aufmerksamkeit ihrer ganz besonderen Organisation namens SNIRD (Society for National Integration through Rural Development) widmen.

Indien ist geprägt von einem enormen Wirtschaftswachstum und einem Boom der IT-Industrie. Gemessen an der Anzahl der wahlberechtigten Personen gilt das Land als die größte Demokratie der Welt. Doch in den letzten Jahren lassen sich zunehmende Beschränkungen in der Meinungs- und Pressefreiheit beobachten. Die ökonomische, wie auch die politische Entwicklung Indiens basiert vielerorts auf der mitunter zunehmenden Ausbeutung der ärmsten und benachteiligten Bevölkerungsschichten. Vor diesem Hintergrund verfolgt unsere Partnerorganisation SNIRD einen klar rechtsbasierten Ansatz, in dem sie wirtschaftliche Eigenständigkeit und Ermächtigung der ländlichen Bevölkerung fördert. Im Projekt werden insbesondere Frauen, Indigene und Dalits in ihrer Selbstbestimmung gestärkt, indem sie in Kollektiven und Selbsthilfegruppen organisiert werden und sich an den Klimawandel angepasste landwirtschaftliche Anbaumethoden aneignen.

Klimawandelresistente und nachhaltige Landwirtschaft

Die Partnerorganisation SNIRD ist in den Bundestaaten Andhra Pradesh, Telangana und Odisha in Südostindien anzutreffen, in ländlich Gebieten und Küstenregionen, die von klimawandebedingten Wetterphänomenen und Naturkatastrophen stark betroffen sind. Da der Großteil der lokalen Bevölkerung von der Landwirtschaft lebt, stellt für sie der Klimawandel eine besonders große Herausforderung dar. Dieser hat das Wetter in den letzten Jahren unberechenbar gemacht: lange Dürrephasen werden von starken Regenfällen unterbrochen. Beides schädigt das Pflanzenwachstum und führt zu Ernteausfällen. SNIRD hat es sich daher zum Ziel gesetzt, die lokale Bevölkerung dabei zu stärken, mit diesen veränderten Wetterauswirkungen umgehen zu können.

Der Klimawandel ist nämlich nicht nur ein „Naturproblem“, sondern hat Auswirkungen auf Ernährung und Lebensqualität allgemein. Im besonderen Fokus von SNIRD steht daher die Unterstützung von Kleinbäuer/innen und Fischfanggemeinschaften, die vor allem aus Dalits, die der untersten Kaste angehören, sowie Adivasi, den Indigenen, die außerhalb des Kastensystems stehen, bestehen und daher mit Diskriminierung im Alltag, Einschränkungen in ihrer politischen Teilhabe sowie wirtschaftlicher Benachteiligung zu kämpfen haben.

In Kollektiven arbeiten

SNIRD setzt sich dafür ein, dass sich die Kleinbauern und -bäuerinnen zusammenschließen, um gemeinsam stärker zu sein. Dadurch können sie gemeinsam klimawandelbedingte Probleme angehen, sich austauschen und sich mit Alternativen auseinandersetzen. In gebildeten Kollektiven werden Informationen zu verschiedenen Anbaumethoden und Saatgutarten weitergegeben, Rechtsaufklärung bezüglich Landrechten und Förderungen durch die Regierung geleistet, klimawandelangepasste Anbaumethoden erlernt und praktisches landwirtschaftliches Wissen vermittelt.
Außerdem werden mithilfe von SNIRD Saatgutbanken aufgebaut, damit weniger Samen zugekauft werden müssen und die Bäuerinnen und Bauern unabhängig von den Saatgutproduzent/innen werden. Durch die Errichtung von eigenen Saatgutbanken wird eine größere Vielfalt an lokal angepassten Saatgutarten und traditionellen Sorten in den Alltag gebracht. Je mehr Biodiversität vorhanden ist, desto höher ist die Resilienz gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels.

Wissenaustausch ermöglichen

SNIRD hat ein Bildungszentrum errichtet und bietet Trainings für Bäuerinnen und Bauern an, in denen das Wissen um einen biologischen und klimawandelresistenten Anbau vermittelt wird. Das hat positive einige Auswirkungen: Natürliche Pflanzenschutzmittel und Dünger stellen sie nun selbst her, weshalb so kaum zusätzliche Kosten aufkommen. Am Markt erzielen sie mit nachhaltig angebauten Produkten mehr Einnahmen und die eigene Ernährung der Familie verbessert sich, wodurch Gesundheit gestärkt wird. Zudem ist der biologische Landbau besser an die klimatischen Veränderungen angepasst, so werden zum Beispiel nährstoffreiche Hirsesorten anstatt Reis angebaut. Unterstützung gibt es auch beim Anlegen von kleinen Regenwasserspeichern. Daneben bietet SNIRD Workshops an, bei denen Bäuerinnen und Bauern über ihre Rechte und staatliche Förderprogramme informiert werden. Bei lokalen politischen Gremien bringt SNIRD die Themen rund um sozial und ökologisch nachhaltige Landwirtschaft ein, um mehr zu bewirken.

Boden- und Küstenschutz

Eine konkrete Maßnahme für Anpassung an die Klimakrise besteht darin, dass Palmen, Kasuiarinen (Schachtelhalmbäume) und Cashew-Bäume in Küstennähe gepflanzt werden. Diese Bäume können als Windbrecher und Schutz vor Überflutungen und Bodenerosionen von großem Nutzen sein, damit Erde nicht weggeschwemmt/abgetragen wird.

Zusammen mit Kindern aus den lokalen Schulen werden Baumpflanzaktionen durchgeführt und dabei wird Bewusstsein über die Bedeutung eines „grünen Gürtels“ – also Bäumen in der Küstennähe – geschaffen.

Gemeinsam widerstandfähiger

Durch diese Aktivitäten leistet die Organisation SNIRD einen wichtigen Beitrag zu einem ökologisch und sozial nachhaltigen und widerstandsfähigen Landwirtschaftssystem. Sie macht sich stark für die von der Landwirtschaft lebende lokale Bevölkerung und unterstützt sie im Umgang mit den klimawandelbedingten Veränderungen, wie auch in der Einforderung ihrer Rechte. Somit werden kleinstrukturierte ländliche Bereiche aufrechterhalten, gesunde Nahrungsmittel produziert und Artenvielfalt bewahrt.

 

 

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