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Firmvorbereitung mit meinen Jungschar-Kindern?

Jungscharkinder werden zu Firmlingen
Die Zeit geht auch an der Jungschar nicht spurlos vorüber und so hat die Zeit in der Jungschar auch ein Ende. Nach vielen gemeinsamen Gruppenstunden, wahrscheinlich auch einigen Lagern, die ihr miteinander verbracht habt, und zahlreichen eindrucksvollen Erlebnissen kommen die Kids ins Firmalter. In eurer Zeit als Gruppe hat sich höchstwahrscheinlich viel getan und ihr habt euch echt gut kennen gelernt. Diese „belastbare Beziehung“, die ihr zueinander aufgebaut habt, die vor Allem gegenseitiges Vertrauen bedeutet, muss aber nach dem letzten Jahr nicht einfach aufhören.
Viele Jungschargruppen gehen in eine Jugendgruppe über, in der sie weiterhin viel Kontakt haben. Eine weitere Möglichkeit, wie die Gruppe – vielleicht auch in etwas anderer Form – weiter bestehen kann, ist die Firmvorbereitung.

Die Frage, ob man überhaupt geeignet ist als Firmbegleiter/in, ist eine sehr berechtigte. In der Firmvorbereitung geht es aber nicht um komplexe dogmatische Zusammenhänge oder sonstiges Detailwissen. Wichtig ist, dass man Freude daran hat, mit den Kids ins Gespräch über Gott zu kommen und sich darauf einlässt, sich auch mit dem eigenen Glauben auseinander zu setzen. Außerdem bist du als Firmbegleiter/in ja nicht allein mit dieser Aufgabe: in den meisten Pfarrgemeinden gibt es auf diesem Gebiet schon erfahrene, an die du dich mit deinen Fragen und Unsicherheiten wenden kannst. Die Katholische Jugend bietet übrigens Ausbildungen für Firmbegleiter/innen an (nähere siehe Ende des Artikels).

Firmvorbereitung ist mehr als eine religiöse Jungschargruppenstunde

Mit der Firmvorbereitung beginnt eine ganz neue Form des Miteinander-Tuns. Bis jetzt wart ihr eine Jungschargruppe, die sich zu verschiedenen Themen ausgetauscht und auch viel Spaß gehabt hat. Jetzt bekommen eure Treffen einen neuen Aspekt: die Vorbereitung auf das Sakrament der Firmung. Das Miteinander-Spielen hat nun einen anderen Stellenwert und die Themen, mit denen ihr euch beschäftigt, ändern sich. Vieles, was ihr bis jetzt gerne gemeinsam gemacht habt (wie zum Beispiel euer Lieblingsspiel) und die Art, wie ihr miteinander umgegangen seid, kann weiterhin Teil eurer Treffen sein. Das Spielen und der gemeinsame Spaß dürfen auch in der Firmvorbereitung nicht zu kurz kommen. Wie in den Jungscharstunden ist es sehr sinnvoll, über ein Thema nicht nur zu reden, sondern auch etwas zu tun. Verschiedene Methoden und eine „spielerische“ Herangehensweise sollen auch in der Firmvorbereitung euer Tun begleiten und der Art, wie ihr über euren Glauben ins Gespräch kommt, entsprechen. Und doch wird sich einiges ändern. Die Auseinandersetzung mit Gott, der Kirche und dem Glauben rückt in den Vordergrund.

Chance und Herausforderung
Wenn die Firmgruppe aus deinen ehemaligen Jungscharkindern besteht, kann diese Basis, die sich gebildet hat, sehr hilfreich sein für diese, für euch neue, Art der Auseinandersetzung. Die Kids kennen sich untereinander und wissen, wie sie miteinander umgehen sollen und wo die Grenzen Einzelner liegen. Auch dich und deine/n Co-Gruppenleiter/in können sie gut einschätzen und wissen, wie ihr in verschiedenen Situationen reagiert, also wie ihr „tickt“. Da sich die Gruppe kennt, könnt ihr euch gleich in das Thema stürzen, ohne dass es Kennenlernspiele oder eine Anfangsphase braucht. Eine „Eingewöhnungsphase“ in das Neue, auf das ihr euch gemeinsam eingelassen habt, wird es aber trotz aller Vertrautheit, sicher geben und brauchen, da ja einiges gleich bleibt, anderes sich aber völlig ändert. Wahrscheinlich kannst du mit deiner Gruppe auch schneller und mehr in die Tiefe gehen, weil ihr das Miteinander-Tun schon gewohnt seid und euch schon gemeinsam über den einen oder anderen religiösen Aspekt Gedanken gemacht habt. Wichtig ist, dass allen klar ist, dass jetzt etwas neues begonnen hat und sich alle ein bisschen umgewöhnen müssen, weil ihr jetzt nicht mehr JS-Kids und Gruppenleiter/innen seid, sondern Firmlinge und Firmbegleiter/innen.

Bekannte und Unbekannte vermischen sich

Wenn andere Kids, die nicht in eurer Jungschargruppe waren, dazustoßen, solltest du gut überdenken, wie diese eingebunden werden können. Es könnte sein, dass „deine“ Kids die enge Beziehung zu dir durch die anderen „neuen“ gefährdet sehen und deshalb besonders deine Nähe und Aufmerksamkeit beanspruchen. Da ist es wichtig, allen Kids zu vermitteln, dass du manche zwar schon kennst und ihr viel gemeinsam erlebt habt, ihr aber jetzt hier als neue Firmgruppe zusammen seid und du alle gleich wichtig nimmst.
Die Kids brauchen nun wahrscheinlich eine Eingewöhnungsphase, in der sich alle kennen lernen können und auch „abchecken“, wie die anderen denn so „ticken“. Es ist sinnvoll, wenn es zu Beginn eurer Vorbereitungszeit viel Durchmischung von „neuen“ und „alten“ gibt und sie sich so in unterschiedlichen Kleingruppen oder Austauschrunden kennen lernen können.

Alle Firmlinge, egal ob sie vorher in der JS waren oder nicht, befinden sich im Firmalter meist mitten in der Pubertät. Das bedeutet, dass sie in dieser Zeit große Veränderungen durchleben und ein starkes Bedürfnis nach Halt und Orientierung haben. In dieser Phase der Umbrüche verändern sie sich und lernen sich selbst von neuen Seiten kennen. Für euch als Firmgruppe bedeutet dies, dass es leicht passieren kann, dass Stimmungsschwankungen der Kids euer Tun erschweren können. Hier ist es wichtig, auf die Bedürfnisse der Einzelnen einzugehen und dabei die Gruppe und euer gemeinsames „Ziel“, die Vorbereitung auf die Firmung, nicht aus den Augen zu lassen.

Interview
Das folgende Interview mit Michi, die in der Pfarre Leopoldsdorf bei Wien lange eine Jungschargruppe hatte und zurzeit eine Firmgruppe begleitet, zeigt, wie dieser Übergang und Neubeginn in der Pfarrrealität aussehen kann:

Sabine:  Michi, du betreust dieses Jahr eine Firmgruppe, wobei einige Firmlinge deine ehemaligen Jungscharkinder sind. Wie erlebst du diese Situation und wie gehst du damit um?
Michi:  Wir haben dieses Jahr 30 Firmlinge, davon sind 8 Kinder aus meiner ehemaligen Jungschargruppe. Am Anfang ist es mir schwer gefallen, meine Jungscharkinder nicht zu bevorzugen. Schließlich kenne ich sie schon seit vielen Jahren und habe viel Spaß und Gemeinschaft mit ihnen erlebt.
Wichtig war daher, von Beginn an alle Firmlinge durchzumischen, Kennenlernspiele zu machen, um vor allem Grüppchenbildung zu vermeiden.
So versuchte ich auch, mir alle Namen der Firmlinge schnell einzuprägen. Namen sind sehr wichtig. Wenn du die Namen aller Firmlinge kennst, kannst du jede/n persönlich anreden und zeigst damit, dass es dir wichtig ist, dass jede/r Einzelne hier ist und genau wie die anderen einen Platz in der Gruppe hat.
Sabine:  Welche Erfahrungen hast du im Laufe der Firmvorbereitung gemacht und wie hat sich die Gruppe entwickelt?
Michi:  Mir fiel auf, dass sich die Jungscharkinder in diesem Jahr sehr stark weiterentwickelt haben und vor allem nun nicht mehr als Kinder sondern als Jugendliche behandelt werden wollten. So fanden sie zum Beispiel Spiele, die vor einem Jahr noch toll und super waren, auf einmal kindisch und langweilig.
Die Firmvorbereitung war für mich sehr bereichernd. Es ist einfach spannend, Jungscharkinder, die man schon jahrelang kennt, nun auch in ihrem Erwachsenwerden begleiten zu dürfen. Ich möchte diese Erfahrung auf keinen Fall missen und hoffe, dass ich noch lange Kontakt mit meinen ehemaligen Jungscharkindern halten kann.

Sabine Kräutelhofer

[aus dem kumquat "laut" 2007]

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