Motivation

Oder: Warum handeln wir?

Wenn Motivation zum Thema wird, so ist das fast immer anlässlich eines konkreten Problems. Die Frage ist dann meist: „Wie kann ich mich dazu motivieren, etwas Bestimmtes zu tun?“ Oder auch, wenn man wie du als Pfarrverantwortliche/r eine Leitungsfunktion innehat, sehr häufig: „Wie kann ich andere dazu motivieren, etwas Bestimmtes zu tun?“.

Wie kann ich…

Bei Motivation geht es dabei immer um die Frage, was Menschen dazu veranlasst, zu handeln. Was ist unser „Antrieb“? In erster Linie sind das Dinge, die wir brauchen: Wir sind motiviert, unsere Bedürfnisse zu erfüllen. Klar ersichtlich ist das Bedürfnis etwa, wenn jemand aufsteht und sich etwas zu essen holt, um den Hunger zu stillen. Es können aber auch komplexere und manchmal auch nicht so offensichtliche Bedürfnisse Antrieb zu Handlungen sein: Jemand liest etwa ein Buch, um sich zu unterhalten, Wissen zu erwerben oder auch um sich von unangenehmen Gedanken abzulenken.

Wenn das betreffende Bedürfnis direkt mit der Handlung zu tun hat, spricht man von primärer Motivation. Das ist etwa der Fall, wenn man ein Buch aus persönlichem Interesse am Thema liest. Ist die Handlung ein Mittel zu einem anderen Zweck, spricht man von sekundärer Motivation. Das ist zum Beispiel gegeben, wenn man ein gerade „angesagtes“ Buch liest, um unter Freund/innen mitreden zu können und bei diesem Thema nicht ausgeschlossen zu sein, sondern dazu zu gehören. 

Von innen – von außen

Eine weitere Unterscheidung verschiedener „Arten“ von Motivation ist danach, woher sie kommt bzw. wer ihre Ziele festlegt. Folgt man seinen eigenen inneren Zielen, spricht man von intrinsischer Motivation („von innen“). Folgt man in seinem Handeln den Zielen, die andere Menschen vorgeben, spricht man von extrinsischer Motivation („von außen“). Nun ist es so, dass wir in sehr vielen Bereichen gewohnt sind, mehr auf die Motivation von außen zu achten: Noten, Lob und Tadel, Belohnungen und Strafen usw. sind alles Mittel zur extrinsischen Motivation. Die häufig gestellte Frage „Wie kann ich andere motivieren?“ zielt auf Motivation von außen ab.

Dazu möchte ich von einer in meinen Augen sehr interessanten Studie berichten: In Volksschulklassen hat man die Kinder in zwei Gruppen geteilt, die jeweils die gleichen Aufgaben, zum Beispiel Rechenaufgaben, gestellt bekommen haben. Der einen Hälfte der Klasse wurde bei richtigen und schnellen Lösungen eine Belohung in Form von Süßigkeiten versprochen, der anderen Gruppe wurde keine Belohnung in Aussicht gestellt. Das interessante und für die meisten wahrscheinlich unerwartete Ergebnis war, dass die Gruppen, denen keine Belohnung versprochen wurde, in der Regel die besseren Leistungen erbracht haben. Warum ist das so?

Die Kinder, denen keine Belohnung versprochen wurde, haben ausschließlich aus eigenem Antrieb die Aufgaben gelöst. Was genau dabei ihre Motivation war, lässt sich von außen nicht sagen – bei manchen vermutlich Spaß am Rechnen, bei anderen vielleicht der Wunsch, sich selbst über einen Erfolg zu freuen. Diese persönlichen Anreize hätten die Kinder in der Gruppe, der Belohnung versprochen wurde, sicher auch gehabt. Nun ist es aber so, dass in Aussicht gestellte Belohnungen oder Strafen diesen inneren Antrieb nicht verstärken oder ergänzen, sondern verdecken oder abschwächen.

Was heißt das nun für mich?

Zuerst einmal, dass es nicht (zumindest nicht langfristig) möglich ist, andere zu motivieren, sondern die Motivation von jedem und jeder selbst ausgehen muss. Das heißt aber nicht, dass man als Verantwortliche/r nichts machen kann – es ist nur nötig, die Frage anders zu formulieren, nicht „Wie kann ich meine Gruppenleiter/innen motivieren?“, sondern „Was kann ich tun, damit meine Gruppenleiter/innen motiviert sein können?“.

Das Gute ist, dass du in der Jungschar, anders als etwa Personalverantwortliche in Firmen, davon ausgehen kannst, dass die anderen Gruppenleiter/innen motiviert sein wollen. Schließlich sind sie in der Jungschar nicht tätig, um Geld zu verdienen oder weil sie Angst haben, keinen anderen Job zu finden, sondern weil sie es selbst wollen. Es kann allerdings sein, dass im Schul- oder Arbeitsalltag, wenn (zu) viel zu tun ist, die Stimmung unter den Gruppenleiter/innen gerade nicht gut ist, unbeliebte Arbeiten zu erledigen sind,… diese Motivation nicht spürbar ist oder für eine Weile verloren geht.

Was kann ich da tun?

Der wichtige Anhaltspunkt ist die Frage, was die Motivation – von dir oder anderen – behindert, um diese Hindernisse in der Folge zu vermeiden oder abzuschwächen. Macht euch darüber Gedanken, was in der derzeitigen Situation, in der es an Motivation mangelt, fehlt oder geändert werden müsste.

Das kann jede/r für sich machen oder die ganze Gruppenleiter/innen-Runde gemeinsam – je nachdem, ob es sich eher um ein gemeinsames oder um ein persönliches Motivationsproblem handelt. Am besten ist, diese Punkte (das könnte z.B. sein: unpünktlicher Beginn bei den Besprechungen, Aufgaben oder Aktionen, die euch nicht (mehr) sinnvoll erscheinen, Kritik von anderen Menschen in der Pfarre, zu viele Aufgaben für die Zeit, die ihr der Jungschar widmen wollt,…) aufzuschreiben und in einem nächsten Schritt Lösungsmöglichkeiten zu suchen, wie man diese „Motivationskiller“ vermeiden oder zumindest ihre hinderliche Wirkung abschwächen kann.

Eine weitere wirkungsvolle Methode ist, sich die motivierenden Faktoren, die zwar vorhanden sind, aber zu schwach oder zu unauffällig sind, bewusst zu machen. Auch dabei ist es empfehlenswert, alle Ideen, was an der Jungschar Spaß macht und/oder motivierend ist, aufzuschreiben. Ein Effekt davon ist, dass man viele wichtige und positive Aspekte manchmal kaum noch sieht, weil die vorhandenen Schwierigkeiten die volle Aufmerksamkeit beanspruchen. Außerdem ermöglicht eine Liste der motivierenden Faktoren die weitere Überlegung, was davon man eventuell verstärken kann.

Es ist auch gut möglich, beide Fragen zu kombinieren, indem man etwa die jeweiligen Ideen auf Kärtchen in zwei verschiedenen Farben oder auf zwei Plakaten notiert. Bei beiden „Denkrichtungen“ ist es gut und wichtig, Veränderungswünsche und -ideen möglichst konkret und realistisch zu formulieren und sich möglichst auch auszumachen, wer das wann und wie angehen wird.

Christine Anhammer

Buchtipps:
Marco von Münchhausen: So zähmen Sie Ihren inneren Schweinehund! Piper Taschenbuch Verlag
Reinhold K. Sprenger: Mythos Motivation. Campus Verlag