CIMI - Indigenenpastoral der brasilianischen Kirche

Die Mitarbeiter*innen der DKA-Partnerorganisation CIMI (Conselho Indigenista Missionário), der Rat für Indigene Völker der brasilianischen Bischofskonferenz, begleiten indigene Völker im Amazonasgebiet seit Jahren bei ihrem Autonomieprozess und dem Kampf um rechtmäßiges Land. Sie tragen so auch zur Erhaltung des Regenwaldes bei.

Seit Jahren kämpfen die indigenen Völker im Amazonasgebiet in Brasilien darum, dass ihr Land rechtlich abgesichert, also demarkiert (abgegrenzt) ist. Einige der indigenen Territorien haben diese Demarkierung bereits durchgesetzt. Hunderte weitere befinden sich aktuell im Demarkierungsprozess, der oftmals ins Stocken geraten ist. Seit der rechtskonservative Jair Messias Bolsonaro 2018 als Präsident Brasiliens gewählt wurde, hat sich die Situation für die indigenen Menschen dramatisch verschlechtert. Schon in seinem Wahlkampf kündigte Bolsonaro an, dass es unter seiner Regentschaft „keinen Zentimeter mehr Land für die Indigenen geben wird“. Diese Drohung wurde ab 2019 durch eine systematische Politik der Diskriminierung, durch Ausgrenzung, Angriff und Bedrohung der indigenen Rechte umgesetzt – obwohl die indigenen Rechte in der Verfassung verankert sind. Hier stellt sich die brasilianische Regierung auf die Seite der Unternehmen, die das Amazonas-Gebiet für ihre Zwecke nutzen und ausbeuten wollen, um den internationalen Markt zu bedienen. So wird Wald gerodet, um Soja als Futtermittel für europäische Massentierhaltung anzubauen und um für den Export von Rindfleisch zu schaffen. Auch Holzschlägerungen für Möbel aus Teakholz und Mahagoni, Produktion von Palmöl für Lebensmittel, Abbau von Gold für Münzen als Geldanlage, die Gewinnung von Eisenerz für Autos oder Bauxit für Aluminiumdosen tragen zur Ausbeutung der Natur bei. Neben Invasion, Zerstörung und Enteignung ihrer Gebiete wird indigenen Völkern aber auch die Teilhabe an der Politik oder der Zugang zu spezifischer Gesundheitsversorgung erschwert. Konflikte um Landbesitz führen darüber hinaus nicht selten zu Gewalttaten oder gar Mord an indigenen Personen - oder bis zum Selbstmord aufgrund völliger Aussichtslosigkeit.

CIMI im Amazonasgebiet

CIMI ist seit den 1980er Jahren Partnerorganisation der DKA, arbeitet in Brasilien eng mit allen Institutionen zusammen, die für indigene Fragen zuständig sind und unterstützt Indigene in ihrem Einsatz für das Recht auf Land und ihrem Widerstand gegen Invasionen und Zerstörung ihrer Territorien. Weiters arbeiten sie an der Dokumentation über unbefugtes Eindringen und Rechtsverletzungen sowie an den Forderungen zur Demarkierung indigener Gebiete. Die Zusammenarbeit mit den indigenen Völkern ist langfristig angelegt und lebt davon, Beziehungen der Freund*innenschaft und des Vertrauens aufzubauen. Dafür sind die Projektmitarbeiter*innen oft monatelang im teilweise schwer erreichbaren Amazonas-Gebiet unterwegs und leben auch vor Ort in der Gemeinschaft mit, sofern die besuchten Personen dies möchten. Dort beteiligen sie sich unter anderem am Ausbau von Bildungsprozessen in den Muttersprachen der indigenen Menschen und am Aufbau von Netzwerken zwischen indigenen Völkern und anderen Völkern. CIMI appelliert aber auch mittels Petitionen an die brasilianische Regierung und erinnert diese an die gesetzlich verankerten Rechte indigener Völker und an die Verantwortung, diese zu wahren.

Die „grüne Lunge“ des Weltklimas erhalten

Der Schutz des Regenwaldes ist für die gesamte Menschheit mit dem Kampf gegen die Klimakrise und dem Erhalt der Umwelt für zukünftige Generationen verbunden. Für die Völker, die im Amazonas-Gebiet leben, ist dieser Ort noch viel wichtiger. In der Archäologie gibt es zahlreiche Beweise dafür, dass indigene Völker den Amazonas-Regenwald seit mindestens 9.000 Jahren bewohnen und mit ihm interagieren. Der Regenwald hat für sie nicht nur eine wirtschaftliche Bedeutung, sondern auch eine spirituelle, soziale, politische und eine symbolische. Die Mehrheit der indigenen Menschen am Amazonas sehen den Regenwald nicht als Fundgrube für "natürliche Ressourcen". Vielmehr sind Tiere und Pflanzen für sie in gewisser Weise auch Gesellschaften, mit denen es gilt, diplomatisch zu koexistieren. Somit sind die Indigenen wichtige Träger des traditionellen Wissens und gelten als die Verteidiger/innen der Wälder. Auch in internationalen Diskursen, in denen über Emissionen, Klimawandel und die ungewisse Zukunft unseres Planeten beratschlagt wird, hat der Beitrag der indigenen Völker für die Erhaltung der Biodiversität im Amazonas-Gebiet eine hohe Bedeutung. Das lässt sich auch in Zahlen belegen: Die abgeholzte Fläche des Waldes in den indigenen Gebieten beträgt laut Studien im Jahr 2020 nur 1,4%, während es außerhalb der indigenen Gebiete über 20% sind.

Bei CIMI arbeiten 54 Mitarbeiter*innen im Nationalbüro sowie in den 11 Nationalstellen, weitere 171 Mitarbeiter*innen sind in 80 Basisteams tätig. Insgesamt werden 130 indigene Völker in Brasilien begleitet. Eine der Regionalstellen liegt in Manaus, die Hauptstadt des großen Bundesstaates Amazonas. Neben der Regionalstelle in Manaus unterstützt die DKA auch das Basisteam Lábrea 2 mit den indigenen Völkern Madihadeni und Paumari sowie das Basisteam Rio Madeira mit den indigenen Völkern Tenharim, Torá, Munduruku, Mura und Pirahã.