Was ist wichtig für die programmfreie Zeit?

Auf keinem Lager gibt es durchgehend Programm, und das ist auch gut so. Denn die so genannten "freien Zeiten" haben einen wichtigen Stellenwert im Lagerablauf.

Eigeninitiative

In der programmfreien Zeit wird die Eigeninitiative der Kinder gefordert und ermöglicht. Es obliegt ihrer eigenen Kreativität und Entscheidung, Beschäftigungen zu finden, die ihren momentanen Bedürfnissen entsprechen. Für Kinder ist es wichtig, auf Jungscharlager nicht nur vorgegebenes Programm zu „konsumieren“, sondern auch die Möglichkeit zu haben, sich aktiv einzubringen und mitzugestalten. Das ist während der programmfreien Zeit besonders gut möglich.

Verschiedene Bedürfnisse

Die Kinder haben höchst unterschiedliche Interessen und Bedürfnisse. Sie sind unterschiedlich aktiv und brauchen unterschiedlich viel Raum für gemeinsame Aktivitäten oder Möglichkeit, sich zurückzuziehen. Diesen Tatsachen kann ein vorgegebenes Programm nur bis zu einem gewissen Grad Rechnung tragen. Während der freien Zeit sollte es viele verschiedene, individuelle Beschäftigungsmöglichkeiten für Kinder geben: manche schlafen, manche betreiben Sport, manche machen gemeinsam etwas, andere beschäftigen sich alleine, usw.

Soziale Kontakte

Während des Programms ergibt sich für Kinder oft nicht die Gelegenheit für ausführliche persönliche Gespräche oder Beschäftigung mit bestimmten Kindern bzw. Gruppenleiter/innen. Das kann während der programmfreien Zeit gut geschehen. Hier gibt es Möglichkeiten, Beziehungen zu pflegen oder gezielt neue Kontakte zu knüpfen.

Keinesfalls sollte die Bezeichnung „programmfreie Zeit“ nahelegen, dass hier alle Gruppenleiter/innen "frei" haben, also nicht für die Kinder zur Verfügung stehen. Vielmehr sind diese Zeiten sehr wichtig im Ablauf des Lagers und benötigen eigene Aufmerksamkeit. Die Betreuung der Kinder, Animation zu gewissen Tätigkeiten und die Möglichkeit, mit Gruppenleiter/innen zu plaudern müssen auch in dieser Zeit gewährleistet sein.

Die Gestaltung der programmfreien Zeit

Angebote

Angebote sollen den Kindern erleichtern zu entscheiden, womit sie sich beschäftigen wollen. Dies kann dadurch geschehen, dass bestimmte Gegenstände deutlich sichtbar präsentiert werden: Bücher, Comics, Bälle, Federballspiel, Gesellschaftsspiele, einfaches Bastelmaterial, eine gemütliche Ecke mit bequemen Sitzgelegenheiten usw. Über diese "Materialanimation" können so Beschäftigungen nahegelegt werden.
Ebenso üben Gruppenleiter/innen, die gewisse Dinge tun, animative Wirkung auf Kinder aus, dazuzukommen und eventuell mitzumachen, z.B.: singen, Ball spielen, Bändchen knüpfen, usw.
Wichtig ist, dass diese Angebote freiwillig sind und Kinder nicht gedrängt werden mitzumachen.

Reichhaltigkeit

Damit möglichst jedes Kind diese Zeit nach seinen Bedürfnissen gestalten kann, muss eine gewisse Reichhaltigkeit der möglichen Tätigkeiten gewährleistet sein. Das betrifft sowohl das Aktivitätsniveau als auch die Interaktion mit anderen: Es sollen Ruhemöglichkeiten, bewegungsintensive Tätigkeiten und vieles dazwischen (lesen, Gesellschaftsspiele spielen, Musik hören,...) ermöglicht werden. Ebenso muss es den Kindern offen stehen, ob sie lieber alleine, in Kleingruppen oder mit vielen Kindern gemeinsam diese Zeit verbringen wollen.

Gruppenleiter/innen

Auch während der programmfreien Zeit muß die Beaufsichtigung der Kinder gewährleistet sein. Daher ist es wichtig, zu Beginn des Lagers mit den Kindern "Spielregeln" auszumachen. Diese sollen regeln, wie weit sich die Kinder vom Haus entfernen dürfen, ohne extra fragen zu müssen; wo es laut sein darf und wo nicht; wo man Gruppenleiter/innen für Fragen, Anregungen usw. findet; was – hoffentlich für alle einsichtig – verboten ist (z.B.: ohne Aufsicht baden gehen);…


Selbstverständlich brauchen die Gruppenleiter/innen am Lager auch Zeit für sich. Damit nicht alle plötzlich gleichzeitig ihr Mittagsschläfchen halten oder alle aus schlechtem Gewissen immer bei den Kindern bleiben, sollte für programmfreie Zeiten ausgemacht werden, wer sich zum Entspannen oder zur Verrichtung von Arbeiten zurückziehen kann und wer für die Kinder da ist, für ihre Bedürfnisse zur Verfügung steht und zu dieser Zeit die Verantwortung trägt.

"Problemkinder"

Eigeninitiative zu setzen und andere zum Mitmachen anzuregen, überfordert manche Kinder. Daher müssen Kinder, denen langweilig ist oder die keine Tätigkeit finden, offensiv von Gruppenleiter/innen mit Tipps versorgt und zu Beschäftigungen angeregt werden.

Wenn Kinder sich Beschäftigungen auswählen, die andere stören, ist es wichtig, ihnen nicht immer nur zu sagen, was sie nicht tun sollen, sondern auch, was sie stattdessen tun können.

Besonders beachtenswert sind jene Kinder, die keinen Anschluss an andere finden und sich zurückziehen. Für diese Kinder können freie Zeiten sehr unangenehm sein und zu Heimweh führen. Daher sollten Gruppenleiter/innen gegenüber solchen Kindern besonders aufmerksam sein, ihnen eine gemeinsame Beschäftigung anbieten und versuchen, sie behutsam in eine größere Gruppe zu integrieren.