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Positionspapier der Kath. Jungschar zum Thema „Kooperation fördern“

Mädchen und Buben sind in ihrem Alltag in Schule, Familie, Freizeit regelmäßig mit Konkurrenzsituationen konfrontiert, z.B. Leistungsvergleich in der Schule, Wettkämpfe bei Sportvereinen, etc.

Für Erwachsene gehören diese Dinge oft einfach zum Leben dazu und die Probleme, die Kinder damit haben, werden oftmals abgewertet bzw. als Abhärtung für das spätere Berufsleben interpretiert. Dabei ist es keineswegs so, dass uns der Wettbewerb in die Wiege gelegt ist. Menschen sind von Natur aus zielorientiert, allerdings erlernen wir in der Gesellschaft, wie wir diese Ziele erreichen: auf Kosten anderer oder gemeinsam mit ihnen.

Wir, die Katholische Jungschar, sind uns bewusst, dass es wichtig ist, dass Mädchen und Buben mit diesen Konkurrenzsituationen umgehen lernen. Dennoch ist es uns auch wichtig Alternativen aufzuzeigen und somit kooperativen Umgang zu fördern.

Begriffsbestimmung

„Kooperation heißt, wir müssen unsere Anstrengungen koordinieren, weil ich nur dann Erfolg haben kann, wenn du auch Erfolg hast und umgekehrt […] Wir schaffen es gemeinsam oder wir gehen zusammen unter.“ 
Der Begriff Kooperation kann vielfältige Assoziationen wecken, wie z.B.: 

  • Teamfähigkeit, die Fähigkeit zusammenzuarbeiten, die Fähigkeit Gruppen und Gemeinschaften zu bilden
  • Kommunikations- und Konfliktfähigkeit, die Fähigkeit einander zuzuhören, aufeinander einzugehen, fair zu streiten
  • gemeinsame Lösungen finden, Strategien entwickeln, 
  • Einfühlungsvermögen, Rücksichtnahme, die Bereitschaft, um das gemeinsame Ganze willen eigene Interessen zurückzustellen, anderen den Vortritt zu lassen
  • Partnerschaftlicher Umgang (Männer/Frauen, Alte/Junge,...), dies vor allem im alltäglichen Umgang unter- und miteinander
  • Aufmerksamkeit, Zuwendung, Respekt vor Minderheiten, Offenheit für die Ideen anderer

Wozu Kooperation fördern?

Wir sind der Überzeugung, dass sich Menschen  in einem kooperativen Umfeld prinzipiell wohler fühlen, da erheblich weniger psychischer Druck auf dem/der Einzelnen lastet. Die psychische Stabilität eines Menschen wird durch die Abwesenheit von seelischen Belastungen wie z.B. Leistungsdruck nachhaltig positiv beeinflusst – besonders in der Kindheit.

Auch in der Psychologie ist man sich einig, dass Motivation, die aus der Person selbst kommt, stärker wirkt als von außen produzierte Motivation, die z.B. in Wettbewerbssituationen auftritt. Kooperative Gesellschaften fördern diese innere Motivation, da sie bewusst auf Wettbewerb verzichten und dadurch mit gemeinsamen Erfolgen, Wertschätzung und Vertrauen motivieren. Da hier Angst, Druck und Stress für das Besser-sein-müssen wegfallen, können gute Leistungen viel leichter vollbracht werden.

Gemeinsam Spaß zu haben, sich auf andere Menschen einlassen können, ohne sich aneinander messen zu müssen, aufeinander zu schauen, Rücksicht zu nehmen, u.Ä., sind Erfahrungen, die wichtig sind, damit Kinder groß und stark werden (können). Damit sie das erfahren, brauchen sie Familien und Gruppen, wo das miteinander im Vordergrund steht.

Auch in der Kindergruppe kommt es immer wieder zu Situationen bei denen sich  Konkurrenz entwickeln kann. Dabei ist die Haltung des Gruppenleiters/der Gruppenleiterin gefragt, wie viel Konkurrenz er/sie zulässt bzw. wie er/sie durch sein Verhalten Druck aus der Situation nimmt.

Hat eine Gruppe schon kooperatives Tun eingeübt, ist das Entschärfen solcher Situationen für den/die Gruppenleiter/in leichter.

Kooperation und Spielen

Gerade beim Spielen wird sichtbar, warum es wichtig ist Kooperation zu fördern, aber auch zu lernen Konkurrenzsituationen zu entschärfen.

„Für die Kinder ist das Spielen die ihnen entsprechende Art der Auseinandersetzung mit dem Leben. Kinder lernen, wenn sie spielen. Sie probieren neue Verhaltensweisen, üben ungewohnte Tätigkeiten, sie experimentieren, erproben sich in verschiedenen Rollen, setzen ihre Phantasie in Beziehung zur realen Welt und erweitern so ihre individuellen Begabungen und Möglichkeiten.“  (Handbuch KJSÖ S.52).

Spiele, die dem Prinzip des Zusammenarbeitens und der Solidarität folgen, sind wichtig und sollen in der Gruppenarbeit Vorrang haben. Allerdings wird auch in diesen Spielen Konkurrenz und Rivalität unter den Kindern deutlich. Darin sollen sich Kinder im Spiel auch üben können, vor allem, wenn es um Formen der offenen, direkten Auseinandersetzung geht: um offenen Konflikt, um Streit, Forderung und Verzicht, um Teilen und Trennen ... In jeder Form von Spielen können Konkurrenzsituationen auftreten, dies ist nicht vermeidbar. Aber auch das kann zum Verändern und Gestalten der Situation genutzt werden. Gefragt ist hier das sorgsame damit Umgehen des/der Spielleiter/in. Das spielerische Einüben von kooperativen und solidarischen Handeln sollte ein Leitmotiv für Spielleiter/innen sein. Es beeinflusst das Klima der Gruppe in positiver Weise und ist Abbild des christlichen Umgangs miteinander.

Kinder werden Gewinner-Verlierer-Spiele immer wieder einfordern. Dies vor allem deshalb, weil sie ihnen vertraut sind. Es ist darauf zu achten, dass Glück und Zufall bei derartigen Spielen entscheidend sind, bzw. dass die unterschiedlichsten Talente und Fähigkeiten bei derartigen Spielen gefordert sind.

Aus diesen Gründen setzt sich die Katholische Jungschar dafür ein, dass Kinder in einem von Kooperation geprägten Umfeld groß werden können. 

  • Kinder brauchen ein kooperatives Umfeld - Forderungen der Katholischen Jungschar Die Katholische Jungschar weist mit ihren Forderungen auf den dringenden Diskussions- und Handlungsbedarf bei dieser Problematik hin und stellt sich dabei klar auf die Seite der Kinder.
  • Gesellschaftliches Umdenken in Bezug auf das vorherrschende Wertesystem. Nur wenn das (strukturelle) Miteinander zur Norm wird, ist die Basis für ein partnerschaftliches Zusammenleben gelegt.
  • Gerade in einer wettbewerbsorientierten Welt ist es wichtig, Kindern Räume zur Verfügung zu stellen, die Kooperation in den Mittelpunkt stellen 
  • Verankerung der Thematik in allen pädagogischen Ausbildungen.
  • Förderung von kooperativem Verhalten im Schulalltag z.B. durch innere Differenzierung, individuelle Förderung in Kleingruppen mit Team-Teaching und Methodenvielfalt
  • Erwachsene wählen Spiele für Kinder aus, bei denen der Spielspaß und nicht nur das Gewinnen im Vordergrund steht.

Kooperation entspricht unserem christlichen Wertebild. Sich an dieses zu erinnern und in unserer täglichen Arbeit umzusetzen ist Aufgabe der gesamten Kirche. z.B. in der Zusammenarbeit zwischen Klerikern, Laiinnen und Laien.

Beschlossen von der KJSÖ am 24.11.2011

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