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Wenn Lachen nicht mehr lustig ist

Vom Ausgelachtwerden

Kinder lachen viel – Gott sei Dank! Auch in unseren Gruppenstunden wird viel miteinander gelacht und das ist gut so. Kinder – und auch Erwachsene – lachen aber nicht immer nur miteinander. Manchmal wird auch miteinander herumgealbert und dabei übereinander gelacht, und leider ist da die Grenze zum auslachen und ausgelacht werden nur noch ein sehr schmaler Grat.

Wir alle kennen wohl die Situation: Ich kann etwas nicht oder mir passiert ein Missgeschick, das die anderen sofort zum Lachen bringt. Eigentlich könnte ich das ja selber auch lustig finden, aber so richtig wohl fühle ich mich in der Situation nicht. Warum eigentlich?

Dynamik

Nun, das Schwierige am ausgelacht Werden ist wohl, dass man die Situation auf einmal nicht mehr selbst steuern kann. Beim gemeinsamen Herumalbern kann ich selber entscheiden, wie viele Witze ich mache und wie sehr ich mich in den Mittelpunkt stellen möchte. Ausgelacht wird man aber meistens für unwillkürliche Handlungen, Missgeschicke oder – noch schlimmer – für Körpermerkmale oder sprachliche Eigenheiten. Dinge also, für die ich selbst kaum Verantwortung trage. Das heißt, dass mir in dieser Situation jede Möglichkeit fehlt, mein Im-Mittelpunkt-stehen selbst wieder zu beenden. Oft bekommt das Auslachen auf Dauer auch eine ganz eigene Dynamik, die dazu führt, dass ein Kind immer wieder die Zielscheibe wird und sich so immer weniger als Mitglied der Gruppe fühlt. Im Extremfall kann sich diese Spirale bis zum Mobbing weiterentwickeln und hat vor allem bei Kindern einen großen Einfluss auf die psychische Entwicklung.

In der Gruppenstunde

In unseren Jungscharstunden wollen wir den Kindern möglichst viele positive Erfahrungen ermöglichen und sicherstellen, dass sich jedes Kind sicher fühlt. Dazu gehört auch, das Auslachen aus den Gruppenstunden möglichst fern zu halten. Eine der wichtigsten Maßnahmen dazu ist der grundsätzlich wertschätzende Umgang miteinander. Wenn du als Gruppenleiter/in klar zeigst, dass du dich freust, jedes Kind zu sehen, kann das die Gruppenatmosphäre schon stark beeinflussen – so kleine Dinge wie die Namen aller Kinder zu wissen machen schon einen großen Unterschied!

Wenn es in der Gruppenstunde trotz des positiven und freundlichen Klimas mal zu einer Auslach-Situation kommt, ist das natürlich auch noch kein Weltuntergang – Kinder probieren die Welt aus und sind dabei nicht immer nur nett. Wichtig ist aber, dass der/die Gruppenleiter/in in solchen Momenten ganz klar Stellung bezieht. Unsere Aufgabe ist es, uns eindeutig auf die Seite des ausgelachten Kindes zu stellen und explizit zu sagen, dass auslachen in der Gruppenstunde keinen Platz hat, weil das ein Ort sein soll, an dem sich alle wohlfühlen können. So können wir dem betreffenden Kind einen Ausweg aus der Situation bieten. Wichtig ist dabei, dass wir die Situation für das ausgelachte Kind entschärfen wollen, also sollten wir aufpassen, dass das Kind durch unser Eingreifen nicht noch mehr in den Mittelpunkt gestellt wird. Deshalb ist es oft besser, Formulierungen wie „Ich finde das nicht ok, bitte hör auf damit!“ zu verwenden und auf rhetorische Fragen à la „Hör auf, wieso tust du denn das?!“ zu verzichten.

Gruppenregeln

Sehr hilfreich ist es natürlich, wenn man sich hier auf eine vorher gemeinsam aufgestellte Gruppenregel, zum Beispiel „Wir tun einander nicht weh.“, beziehen kann. Wenn man gemeinsam solche Gruppenregeln aufstellt, könnte man sich in der Gruppenstunde auch gemeinsam mit Fragen wie „Was heißt eigentlich wehtun?“ beschäftigen. So kann ermöglicht werden, dass es in der Gruppe eine Gesprächsbasis gibt, die uns als Gruppenleiter/in ein Eingreifen in brenzligen Situationen erleichtert.

Durch solches Vorbeugen und Stellung beziehen für die Schwächeren können wir als Gruppenleiter/innen oft den Moment entschärfen und, wenn wir das Auslachen gleich am Anfang abfangen, klarstellen, was für ein Klima wir in der Gruppe wollen und oft sogar die Spirale, die sich bis zum Mobbing weiterdrehen könnte, stoppen.

Nani Ferstl

kumquat "lol" 4/2013

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