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Die Lobby & das Christentum

Was hat hat eigentlich Lobbyarbeit mit dem Christentum zu tun? Kann man aus der Bibel einen Auftrag für Lobbyarbeit für Kinder ableiten?

In der Bibel, genauer gesagt im Neuen Testament, gibt es es einige zentrale Stellen, die uns darauf hinweisen, warum wir uns heute gerade als Christ/innen für benachteiligte Menschen einsetzen sollen. Den ersten Hinweis gibt die Bergpredigt. Mit der Bergpredigt hat Jesus alles, was damals in Staat und Gesellschaft galt, auf den Kopf gestellt und das Zusammenleben der Menschen radikal neu geordnet: Nicht der ist ein glücklicher und guter Mensch, der Ansehen genießt, seine Trauer verdrängt, stärker ist als andere, Geld besitzt, Macht ausübt, über Rang und Titel verfügt …, sondern genau das Umgekehrte ist richtig (Matthäus 5,1–7,29).

Um das noch konkreter zu erläutern hat Jesus den Menschen die Geschichte vom barmherzigen Samariter erzählt (Lukas 10,25–37): Jede und jeder soll zum/zur Nächsten jenes Menschen werden, der in Not geraten ist oder dem Unrecht geschieht. Und Jesus fordert uns auf zum Handeln und weist darauf hin, dass es nicht reicht, nur Gott zu lieben, sondern dass man sich als Christ/in auch für seine Mitmenschen einsetzen muss. Gottes- und Nächstenliebe gehören untrennbar zusammen:

Er antwortete: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele,mit all deiner Kraft und all deinen Gedanken, und: Deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst. Jesus sagte zu ihm: Du hast richtig geantwortet. Handle danach und du wirst leben.(Lukas 10,27)

Kritisch verweist Jesus auch darauf, dass es nicht möglich ist, zugleich Gott und dem Mammon zu dienen (Matthäus 6,24). Im Sinne der Botschaft Jesu sind wir daher gerufen zu Solidarität mit den Schwachen und zur Hilfe für Notleidende, aber auch dazu, für eine gerechte Gesellschaft einzutreten und falschen Göttern abzusagen.

Damit ist eigentlich schon alles gesagt, was es als Begründung braucht, dass wir uns heute als Christ/innen als Lobby für die Anliegen benachteiligter Menschen einsetzen sollen und damit natürlich auch für die Anliegen von Kindern.

Später haben sich dann Menschen Gedanken gemacht, wie man diesem allgemeinen Appell einen konkreteren Rahmen geben kann. Daraus ist Ende des 19. Jahrhunderts die Katholische Soziallehre entstanden. Wichtige Grundprinzipien darin sind das Personalitätsprinzip, das Solidaritätsprinzip, das Subsidiaritätsprinzip und der Gemeinwohlgedanke. Um das näher auszuführen ist hier der Platz zu kurz, es lohnt sich aber sich ein wenig in die Soziallehre zu vertiefen (eine kurze Einführung in die Christliche Soziallehre: http://epaper.apa.at/epaper-voegb/issue.act?issueId=440693).

2003 ist dann in Österreich das „Sozialwort des Ökumenischen Rates der Kirchen“ entstanden, das 14 christliche Kirchen gemeinsam erarbeitet haben. Es versucht für alle Christ/innen aktuell zusammenzufassen, welche sozialen und gesellschaftlichen Forderungen heute auf Basis des Evangeliums wichtig sind, z.B dass 300.000 Menschen in akuter Armut leben; das Fehlen einer überlegten Einwanderungspolitik oder dass das weltweite Konsum- und Produktionsvolumen heute bereits über dem liegt, was die Erde ökologisch verkraften kann (der Text des Sozialwortes: http://www.sozialwort.at/).

Und natürlich dürfen wir auch selbst noch aus dem Evangelium unsere wichtigen Anliegen ableiten, für die wir uns engagieren wollen. Hauptsache wir setzen uns für Benachteiligte und Unterdrückte ein.

Marcel Kneuer

[aus dem context "Lobby"]

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